mini|Grabdenkmal des Bonifatius von Savoyen. Darstellung von 1658

Bonifatius von Savoyen (auch Bonifatius von Canterbury) (* 1206/1207; † 14. Juli oder 18. Juli 1270 in Sainte-Hélène-sur-Isère) war ein Erzbischof von Canterbury und Primas von England.

Herkunft und Jugend Bonifatius entstammte dem Haus Savoyen, das seit dem 11. Jahrhundert über Piemont und Savoyen in den Westalpen herrschte. Er war vermutlich der siebte Sohn von Graf Thomas I. von Savoyen (1178–1233) und von dessen Frau Margarete von Genf. Als jüngerer Sohn war er für eine geistliche Laufbahn vorgesehen.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, ISBN 0-691-05216-6. 1224 war er vermutlich Novize im Kartäuserkloster Les Portes in Bénonces, einem Tochterhaus der Grande Chartreuse südlich von Chambéry.

Wahl zum Bischof von Belley Bonifatius legte das Mönchsgelübde nicht ab, da er durch den Einfluss seines Vaters 1232 zum Bischof von Belley und zum Prior von Nantua, einem Tochterkloster der Abtei Cluny, gewählt wurde. Belley und Nantua gehörten zum damaligen Königreich Arelat, wo es aufgrund der schwachen Herrschaft der römisch-deutschen Könige häufig zu Fehden zwischen rivalisierenden Baronen kam. Das Kathedralkapitel von Belley und auch die Mönche von Nantua erhofften sich mit der Wahl von Bonifatius Unterstützung durch den Grafen von Savoyen gegen die Gebietsansprüche benachbarter Barone. 1233 erbte er nach dem Tod seines Vaters die Burg von Ugine.

Wahl zum Erzbischof von Canterbury Anfang 1236 heiratete der englische König Heinrich III. Bonifatius’ Nichte Eleonore von der Provence. Der König lud auch die Verwandten seiner Frau nach England ein. Nachdem bereits seine Brüder Wilhelm und Peter nach England gegangen waren, versuchte der König, Bonifatius, der noch nie in England gewesen war, in Abwesenheit zum Bischof von Winchester wählen zu lassen. Nachdem dieser Versuch gescheitert war, gelang es dem König, das Kathedralkapitel von Canterbury, das noch von Erzbischof Edmund Rich exkommuniziert worden war, zu überreden, Bonifatius am 1. Februar 1241 zum Erzbischof von Canterbury und Primas von England zu wählen. Da die Mönche zu diesem Zeitpunkt noch als exkommuniziert galten, wiederholten sie diese Wahl, nachdem Papst Gregor IX. im Mai 1241 die Exkommunikation aufgehoben hatte. Der König kannte Bonifatius zu diesem Zeitpunkt nicht, und Bonifatius war auch nicht mit den Verhältnissen der englischen Kirche vertraut. Da seine Wahl aufgrund einer über neunzehnmonatigen Sedisvakanz nach dem Tod von Papst Coelestin IV. nicht durch einen Papst bestätigt werden konnte, blieb er zunächst in Belley und Nantua. Erst im Juni 1243 wurde mit Innozenz IV. ein neuer Papst gewählt. Der neue Papst war bemüht, im Konflikt mit Kaiser Friedrich II. die Unterstützung des Grafen von Savoyen zu gewinnen. Er bestätigte am 16. September 1243 in Anagni die Wahl von Bonifatius zum Erzbischof. Obwohl er versprochen hatte, baldmöglichst nach England überzusiedeln, dauerte es noch weitere sieben Monate, ehe er in England ankam. Der Grund hierfür war wahrscheinlich ein Streit mit dem französischen Baron Étienne II. de Thoire-Villars über Besitzungen und über die Gerichtshoheit des Priorats von Nantua. Der Baron von Thoire-Villars plünderte mit Unterstützung des Herren von Gex dem Priorat unterstehende Dörfer. Erst mit Unterstützung durch seinen Bruder Graf Amadeus IV. konnte Bonifatius Anfang 1244 den Baron von Thoire-Villars zu einem Waffenstillstand bewegen. Dann legte er sein Amt als Bischof von Belley nieder und reiste nach England. Er behielt sein Amt als Prior von Nantua.

Tätigkeit als Erzbischof von Canterbury

Ankunft in England Noch bevor Bonifatius England erreichte, konnte er durch Briefe König Heinrich III. bewegen, dem vor dem König ins französische Exil geflüchteten Bischof William of Raleigh von Winchester die Rückkehr zu erlauben. Kurz nach dem 27. Februar 1244 übergab ihm der König die Temporalien des Erzbistums. Als Bonifatius schließlich am 25. April 1244 in England ankam, wurde er von Heinrich III. herzlich begrüßt und mit einer mit Edelsteinen besetzten Mitra im Wert von 300 Mark beschenkt. Von Bischof Walter de Cantilupe von Worcester wurde er zum Priester geweiht. Dann unterstützte er aber reformorientierte Kreise um Bischof Robert Grosseteste von Lincoln und verweigerte die Bestätigung der Wahl des königlichen Günstlings Robert Passelewe zum Bischof von Chichester. Nur dank der Vermittlung seiner Nichte Königin Eleonore konnte Bonifatius die Gunst des Königs zurückgewinnen.

Finanzielle Schwierigkeiten und Aufenthalt in Frankreich Dann widmete sich Bonifatius der Verwaltung seiner neuen Diözese. Er musste rasch feststellen, dass aufgrund der Vakanz und seiner langen Abwesenheit die Einkünfte aus der Diözese an die Krone geflossen waren und dass die Diözese deshalb hoch verschuldet war. Sein erstes Ziel war deshalb eine Sanierung der Finanzen. Die ihm unterstellten Suffraganbischöfe verweigerten ihm dabei jedoch ihre finanzielle Unterstützung. Im Oktober nahm Bonifatius noch an einer königlichen Ratsversammlung in Westminster teil, doch am 26. November verließ Bonifatius wieder England und reiste nach Lyon, wohin Innozenz IV. vor dem Kaiser geflüchtet war. Für die Reise musste er sich Geld von Londoner Kaufleuten und von Richard von Cornwall, dem Bruder des Königs, leihen. Bonifatius traf Ende 1244 oder Anfang 1245 in Lyon ein, wo ihn der Papst am 15. Januar 1245 zum Bischof weihte. Der Papst bestätigte die Nichtanerkennung der Wahl von Robert Passelewe, doch er tadelte Bonifatius für die Ernennung eines neuen Bischofs, da die Päpste dieses Recht selbst beanspruchten. Dennoch bestätigte er dann die Ernennung von Richard von Chichester. Da der Papst ein Konzil nach Lyon einberufen hatte, wollte er Bonifatius und die ihn begleitenden Bischöfe in der Stadt halten. Im Februar 1245 gewährte er Bonifatius das Privileg, sein Pallium auch außerhalb seiner Diözese zu tragen. Bonifatius gehörte zu den Bischöfen, die am von Juni bis Juli 1245 tagenden Ersten Konzil von Lyon teilnahmen. Dabei wurde er als einer von vier Erzbischöfen ausgewählt, um die bislang von Kaisern und Königen der Kirche ausgestellten Privilegien zu beglaubigen. Nach dem Abschluss des Konzils von Lyon gewährte der Papst ihm am 27. August 1245 zur finanziellen Sanierung seiner Diözese das Recht, die Einkünfte aus allen vakanten Pfründen in der Kirchenprovinz Canterbury zu beanspruchen. Dieses Recht war auf sieben Jahre und auf die maximale Summe von 10.000 Mark begrenzt. Dazu erhielt Bonifatius vom Papst die Erlaubnis, eine Abgabe von den Geistlichen seiner Kirchenprovinz zu erheben.

Mit Ausnahme von zwei kurzen Besuchen in Savoyen war Bonifatius während des päpstlichen Exils von 1244 bis 1249 am Papsthof in Lyon. Während seines Aufenthalts trieb er die Heiligsprechung seines Vorgängers Edmund Rich voran, die 1246 erfolgte. Zur Verärgerung des englischen Königs half er auch die Heirat seiner Nichte Beatrix von der Provence mit Karl von Anjou, dem jüngeren Bruder des französischen Königs, zu arrangieren. Ihr Vater hatte sie zur alleinigen Erbin der Grafschaft Provence ernannt und damit ihre Schwestern, darunter die englische Königin, enterbt. Den Frieden, den Bonifatius mit Etienne II. von Thoire-Villars über den Besitz von Nantua geschlossen hatte, war nicht von Dauer. Aufgrund des Drucks des Papstes beauftragte Thoire-Villars Erzbischof Jean de Bernin von Vienne und Kardinal Hugo von Saint-Cher, am Papsthof eine Einigung zu erreichen. Bonifatius ließ sich daraufhin von seinen Brüdern Graf Amadeus und Erzbischof Philipp von Lyon bei Thoire-Villars vertreten. Nach längeren Verhandlungen konnte Philipp Ende Oktober 1248 erreichen, dass Thoire-Villars auf alle Ansprüche auf Nantua verzichtete, wenn Bonifatius auf die Burgen von Montreal und Brion verzichtete. Etienne II. von Thoire-Villars akzeptierte diese Einigung, starb jedoch wenig später. Da sein Erbe noch minderjährig war, hoffte Bonifatius, dass die Region zunächst befriedet war. Während seiner langen Abwesenheit von England war in ihm die Entschlossenheit gewachsen, die Freiheiten der Kirche zu verteidigen, sich der weltlichen Kontrolle zu entziehen, kirchliche Reformen weiter zu verfolgen und so auch seinen eigenen Einfluss zu stärken.

Sanierung der Finanzen von Canterbury Erst im September 1249 kehrte Bonifatius nach England zurück und wurde an Allerheiligen in Anwesenheit des Königs und der Königin und der meisten Prälaten in Canterbury als Erzbischof eingesetzt. Befürworter kirchlicher Reformen wie Bischof Robert Grosseteste von Lincoln und der Franziskaner Adam Marsh hofften, dass Bonifatius kirchliche Reformen weiter vorantreiben würde, da er als Verwandter der Königin auch die Unterstützung des Königs hatte. Bonifatius widmete sich jedoch zunächst weiter der Sanierung der Finanzen des Erzbistums. Die Bonifatius unterstellten Suffraganbischöfe der Kirchenprovinz Canterbury sahen die Anordnung des Papstes, die Einkünfte aus vakanten Pfründen dem Erzbischof zu überlassen, als Eingriff in ihre Rechte und hatten die Anordnung bislang kaum befolgt. Deshalb waren während seiner Abwesenheit die Schulden des Erzbistums kaum getilgt worden. Durch die Versuche, die ihm vom Papst erlaubten Gebühren einzutreiben, wurde Bonifatius bei den englischen Prälaten äußerst unbeliebt. Dies lag auch daran, dass der Papst dem englischen König zusätzlich erlaubt hatte, von den Geistlichen einen weiteren Zehnten für die Finanzierung eines geplanten Kreuzzugs zu gewähren, so dass die englischen Geistlichen finanziell stark belastet wurden. Im Frühjahr 1250 hielt Bonifatius in Oxford eine Synode ab, um die Erhebung der Steuern zu organisieren. Dabei erklärte der König, dass seine Eigenkirchen und die Geistlichen in seinen Diensten von den Abgaben zugunsten von Bonifatius ausgenommen seien.

Umstrittene Visitationen durch den Erzbischof