mini|hochkant|Hammer und Sichel, Staatsemblem der Sowjetunion, Detail der Estakadny-Brücke () mini|Filmtheater Sarja (sozialistischer Klassizismus unter Stalin) mini|Theater: Das Gebäude zeigt die ganze Prachtliebe der „stalinistischen Ära“Köster, Nr. 50, S. 118 f. mini|Rathaus (Chruschtschow-Klassizismus). mini|„Chruščevka“Podehl, S. 381. (schmuckloses Typenhaus aus Betongroßblöcken) mini|Haus der Räte mini|Platz des Sieges mini|Der russische Märchengarten („“) im Zoo

Architektur in Kaliningrad beschreibt die Architekturgeschichte der heutigen russischen Stadt Kaliningrad ab 1945. Zwischen 1945 und 1970 gab es verschiedene Wiederaufbauversuche des alten Stadtzentrums in Kaliningrad.vgl. Hoppe, S. 11. Die ersten Bauten am Prospekt Mira wurden im stalinistischen Zuckerbäckerstil erbaut. Anschließend folgte der sogenannte Chruschtschow-Klassizismus. Beispiel ist der Handelshof Königsberg. Unter Breschnew erfolgte 1965 die Sprengung historischer Gebäude und die Neugestaltung des Zentrums mit dem Haus der Räte, Hotel Kaliningrad sowie dem Haus der Kommunikation. Kaliningrad erfuhr nach dem Erlass des Ministerrates der UdSSR vom 6. November 1968 einen „städtebaulichen Entwicklungsschub“.Hoppe, S. 13.

Geschichte Am 4. Juli 1946 wurde die alte Deutschordensstadt Königsberg zu Ehren von Michail Iwanowitsch Kalinin, dem kurz zuvor verstorbenen Staatsoberhaupt der UdSSR, in Kaliningrad umbenannt.

Gedenkstätte am Deutschordensring Am 8. Mai 1945 forderte der Kommandierende General der Königsberger Garnison und Vorsitzende des Militärrates, Kusma Nikitowitsch Galizki, eine Gedenkstätte über dem Massengrab von 1200 bei den Kämpfen gefallenen Soldaten der 11. Gardearmee zu errichten. Das am 30. September 1945 eingeweihte Kriegerdenkmal war der „erste sowjetische Neubau“Podehl, S. 85. in Königsberg. Das Denkmal befindet sich auf einer Bastion der alten Stadtbefestigung in der Nähe des Nordbahnhofes und besteht aus einem halbkreisförmigen Platz, der auf der ehemaligen Bastion angelegt wurde. In der Mitte der Gedenkstätte befindet sich ein 15 m hoher Obelisk aus Granit. Auf den Podesten am Eingang der Gedenkstätte befinden sich die Skulpturengruppen Sturm und Sieg. Die Entwürfe lieferten die Architekten Meltschakow () und Nanuschjan (), die Reliefs wurden unter der Leitung des Litauer Bildhauers Juozas Mikenas () geschaffen.vgl. Hoppe, S. 112.

Wiederaufbaupläne

P. Wladimir Timochin (), ab 1946 Chefarchitekt der Gebietskommunalwirtschaft, wollte die Altstadt zum Freilichtmuseum erklären. Ähnlich den Ruinen der Dresdner Frauenkirche, sollte das Königsberger Stadtschloss und die Bauten am Gesecusplatz als Mahnmal erhalten bleiben.Hoppe, S. 55: „[…] das ehemalige Stadtzentrum soll so gelassen werden […], wie es jetzt ist, um es als Denkmal des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg 1941–1945 über den deutschen Faschismus zu erhalten.“

In der unmittelbaren Nachkriegszeit wollte man das alte Stadtzentrum bewusst brachliegen lassen. Das alte Stadtzentrum umfasste den Stadtkern innerhalb der Befestigungsanlagen des 19. Jahrhunderts. Das neue Stadtzentrum sollte laut Timochin auf dem Gelände der abgebrannten Ostmesse neu gebaut werden. Dimitri Tjan () war bis 1947–1948 zur Schaffung des Amtes des Chefarchitekten der Stadt Kaliningrad der Hauptverantwortliche für den Wiederaufbau. In einer Analyse der Architektur Ostpreußens und Kaliningrads, beschrieb er den „deutsch-teutonischen Stil“Hoppe, S. 50. der Stadt Königsberg.Hoppe, S. 48: „Die vorherrschenden Stile sind die Gotik [(Backsteingotik)], die modernisierte Gotik [(Neogotik)] und die Gotik im Konstruktivismus [(Expressionismus)] . … der vorherrschende Stil Königsbergs war eine simplifizierte Gotik oder richtig eine gotische Verkleidung“. Dimitri Tjan sah im November 1947 als eine der vorrangigsten Aufgaben des Wiederaufbaus die Schaffung neuer Generalpläne für die Städte des Kaliningrader Gebietes.

Maksimowvgl. Podehl, S. 84. war der erste russische Chefarchitekt der Stadt. Zusammen mit Nawachilin entstand der erste Wiederaufbauplan der Stadt 1949, der die Rekonstruktion der historischen Gebäude vorsah. Арсений Владимирович Максимов (1912; Петроград), архитектор russisch Nawachilin kam 1947 nach Kaliningradvgl. Podehl, S. 93.vgl. Podehl, S. 100. und wurde 1948 Chefarchitekt der Stadt Kaliningrad bis 1955. Von 1955 bis 1957 war er Leiter der Gebietsverwaltung.Sofern nicht anders ausgewiesen, folgt der Abschnitt Stadtarchitekt Nawalichin (1947–1955) und Wiederaufbau der Altstadt dem Werk von Podehl, ab S. 100: Planungen für Kaliningrad unter dem Stadtarchitekten Nachilin.

In Nawalichins Schadensplan der InnenstadtNavichilin, S. 9. wurde der Zustand von 1948 dokumentiert. Dort gab es drei Kategorien: abzutragende Stadtviertel, faktisch abgetragene Stadtviertel sowie erhaltene und erhaltenswerte Gebäude. Als erhaltenswert wurden eingetragen: Das Gebäude der Deutschen Bank (früher Norddeutsche Kreditanstalt) von 1910 und Dresdner Bank (früher Ostbank für Handel und Gewerbe), das Post- und Telegraphenamt am Gesekusplatz, das Gebäude der Universität am Paradeplatz, das Otto-Braun-Haus, das Regierungsgebäude an der Königsstraße, die Baugewerkeschule, das Park-Hotel, die Stadthalle und die Börse. Am Hansaplatz standen noch alle Vorkriegsbauten wie der Nordbahnhof, das Land- und Arbeitsgericht, der Handelshof, das Polizeipräsidium sowie das Landesfinanzamt. Der Hansaplatz wurde 1946 als Gegenstück zum „Schloss der drei Könige“Hoppe, S. 76. auch „Platz der drei Marschälle“Hoppe, S. 76, Anmerkung in der Fußnote 3: Gemeint ist der Platz des Sieges, der 1946 für kurze Zeit den Namen „Platz der drei Marschälle“ trug. genannt und es wurde dort eine Gedenktafel zu Ehren von P. Janowski (), A.E. Fedorko () und W. M. Schpitalnikow () angebracht.

Das Königsberger Schloss gilt, ebenso wie alle Kirchen, als faktisch abgetragen.vgl. Podehl, S. 88. Das Schloss war bei den Luftangriffen ausgebrannt, der Glockenturm hatte die Luftangriffe zwar unbeschadet überstanden, bei der Einnahme Königsbergs wurde er jedoch schwer beschädigt. 1953 wurde der einsturzgefährdete Glockenturm der Schlosskirche gesprengt. Die Ruine der Schlosskirche war durch die beidseitigen Streben und die beiden Rundtürme aus der Zeit der Renaissance noch standsicher und verblieb zusammen mit den Ruinen des schlossartigen Post- und Telegraphenamts und des Kneiphöfischen Doms erhalten. Die Sprengung der Schlosskirchenruine erfolgte 1965, die des Postamts erfolgte 1960.

Architekturgeschichte Unter Nawalichin entstanden nun folgende Bauten im sozialistischen Neoklassizismus:

Stalinistischer Zuckerbäckerstil bis 1953 Nordwesten Kaliningrads: Prospekt Mira und Seitenstraßen Der Nordwesten Kaliningrads zeigt die Architektur des sozialistischen Neoklassizismus, auch als „(Stalinistischer) Zuckerbäckerstil“, „Stalingotik“ oder „Stalin-Empire“ bezeichnet. Die Beispiele für Architektur im sozialistischen Neoklassizismus erscheinen in ihrer Reihenfolge beginnend bei der Waggonfabrik über den Prospekt Mira (Stalingrader Prospekt) und dessen Seitenstraßen bis zum Sowjetski-Prospekt.Sofern nicht anders ausgewiesen, folgt der Abschnitt Der Nordwesten Kaliningrads dem Werk von Podehl, S. 128f: Der Westen Kaliningrads .

Nawachilin reichte 1949 seine Entwürfe für den Stalingrader Prospekt bei der Verwaltung für Architektur in Moskau ein.Hoppe, S. 60. Nawachilin wollte den ehemaligen Hansaring zum städtischen Demonstrationsplatz umgestalten. Der westlich an den Platz anschließende Teil des Stalingrader Prospektes sollte umgebaut werden. Die Altbausubstanz mit ihrer neoklassizistischen und wilhelminischen Bebauung entsprach der sowjetischen Vorstellung vom sozialistischen Klassizismus. Zentrum sollte das Theater sein, dessen Wiederaufbau im Stil des Neoklassizismus schon 1947 vom Ministerrat der RSFSR entschieden wurde. In einer Sitzung am 3. Dezember 1949 in Moskau wurden Nawachilins Entwürfe gebilligt.

Waggonbauerstraße/ul. Wagonostroitelnaja Die Gebäude im Norden der Waggonfabrik an der Waggonbauerstraße/ul. Wagonostroitelnaja (), Ecke Radischtschew-Straße/ul. Radischtschew ()Podehl, S. 129ff. sind mit Säulen, Pilastern und kräftigen Stuck-Elementen geschmückt.

Die Waggonbauerstraße und Radischtschew-Straße waren in der Vorkriegszeit die Wiebestraße und Arndtstraße. Das heutige Gebäude an der Waggonbauerstraße/Ecke Radischtschew-Straße ist die erhalten gebliebene Scheffnerschule in Ratshof, die im Stil des sozialistischen Neoklassizismus umgebaut wurde und erneut in vollem Schulbetrieb ist.Scharloff, S. 148, 149

Friedensallee/Prospekt Mira (ehemals Hufenallee) Der Prospekt Mira sollte als eine homogene, stalinistische Paradestraße entstehen.Sofern nicht anders ausgewiesen, folgt der Abschnitt Stalingrader Prospekt dem Werk von Podehl, S. 138–165: Am Stalingrader Prospekt. Der Stadtarchitekt Nawalichin erhob diesen Prachtboulevard zur erstrangigen Bauaufgabe der Stadt. Der Stalingradski-Prospekt, heute Prospekt Mira, war die eigentliche Hauptstraße Kaliningrads in den Jahren des Spätstalinismus. Er entstand aus der Zusammenlegung des Königsberger Hansarings vom Amts- und Landgericht bis zum Neuen Schauspielhaus mit der Hufenallee und dem Hammerweg.

Die überdurchschnittlich breite Straße ist ein Prachtboulevard, gesäumt von jeweils groß dimensionierten Wohnblöcken mit bis zu 5 Stockwerken. Die Fassaden zeigen an vielen Stellen Zitate antiker Einzelformen wie dorische oder ionische Säulen, Ziergiebel mit Architrav oder Friese.

Sowjetischer Prospekt/Sowjetski-Prospekt Eine lange Gebäudezeile am Sowjetski-Prospekt wurde im Stil des sozialistischen Klassizismus errichtet, ist fünfgeschossig und zeigt auf Nr. 82 einen klassischen Turm mit Säulenumgang.Podehl, S. 163, Abb. 181.Podehl, S. 164, Abb. 182.

Karl-Marx-Straße/ul. Karla Marksa Eine lange Gebäudezeile an der Karl-Marx-Straße Nr. 57–63 () wurde im Stil des sozialistischen Klassizismus errichtet.Podehl, S. 136, Abb. 138 und 139.

Kommunale Straße/ul. Kommunalnaja Eine lange Gebäudezeile an der Kommunalen Straße 25 () wurde im Stil des sozialistischen Klassizismus errichtet mit Eckturm, Pilastern und Schaugiebeln.Podehl, S. 136.

Tschaikowski-Straße/ul. Tschaikowskowo Eine lange Gebäudezeile an der Tschaikowski-Straße 2 () wurde im Stil des sozialistischen Klassizismus errichtet.Podehl, S. 163. Das Gebäude ist mit Festons, Girlanden, Gesimsen und Pilastern geschmückt. Die Fenster tragen Bekrönungen mit Segmentbögen und Dreiecksgiebeln.

Georgi-Dimitrov-Straße/ul. Georgija Dimitrowa Eine lange Gebäudezeile an der Georgi-Dimitrov-Straße 5–19 () wurde im Stil des sozialistischen Klassizismus errichtet. Vier Kolossalpilaster tragen ein Giebeldreieck. Die Konsolen der Balkone sind reich geschmückt.

Süden Kaliningrads: Baltische Rayon und Seitenstraßen Das zweite, kleinere Stadtzentrum des neuen Kaliningrad (neben dem ehem. Hansaring im Nordwesten des ehemaligen Königsbergs) bildete das ehemalige Ponarth, das in Dimitrowo umbenannt wurde.

Kiewer Straße/ul. Kiewskaja Die Gebäudezeilen an der Kiewer Straße 125–130 und 131–135 () wurden im Stil des sozialistischen Klassizismus errichtet. Die Fenster in der Kiewer Straße wurden mit Fensterbekrönungen mit Segmentbögen und Dreiecksgiebeln ausgestattet.Podehl, S. 166, Abb. 184, Abb. 185, Abb. 186.

Eisenbahner Straße/ul. Schelesnodoroschnaja Die Gebäudezeilen an der Eisenbahner Straße 49–56 () wurden im Stil des sozialistischen Klassizismus errichtet. Der Gebäudekomplex wurde gegenüber dem Kaliningrader Brandenburger Tor erbaut. Es sind Stadthäuser im Stil des sozialistischen Klassizismus, die torartig die Stadtausfahrt in Richtung Brandenburg (am Frischen Haff), einrahmen. Die Attiken schmücken Balustraden. Die Fenster wurden mit Fensterbekrönungen mit Segmentbögen und Dreiecksgiebeln ausgestattet.Podehl, S. 170, Abb. 189, Abb. 193.

Bolschewisten-Gasse/ul. Bolschewistskaja