Die Burg Montclair („Munzlar“) (lat. mons clarus = heller Berg) ist eine mittelalterliche Burgruine bei Mettlach, einer Gemeinde im Landkreis Merzig-Wadern (Saarland). Die Burg war im Mittelalter eine der bedeutendsten Befestigungen an der unteren Saar und diente der Kontrolle des Flusses als Verkehrsader. Mit annähernd 900 Metern Länge zählte die im Jahr 1351 geschleifte Vorgängeranlage „Alt-Montclair“ zu den größten Burgen des Hochmittelalters in Deutschland.Wolfgang Orth: Baubeschreibung und Baugeschichte (der Burg Montclair), in: Landkreis Merzig-Wadern / Verein für Heimatkunde im Landkreis Merzig-Wadern (Hrsg.): Burg Montclair, Sanierung – Geschichte – Führung, Führer durch die Burganlage hrsg. anläßlich (sic!) der Eröffnung am 16. Juli 1993, Merzig 1994, S. 39.

Lage und geographische Besonderheit mini|Burg Neu-Montclair auf dem von der Saarschleife umflossenen Burgberg

Die Ruine der Höhenburg liegt rund auf dem von der Saarschleife umflossenen hohen und langgestreckten Bergrücken, dem so genannten Burgberg südlich von Mettlach. Der Bergrücken ist etwa fünf Kilometer lang, ca. 300 Meter breit und erhebt sich 150 Meter über dem Flussbett der Saar. Die Burganlage nützt die natürlichen geographischen Gegebenheiten in vollem Maße aus. Die Nordwest- und Südseite ist durch unzugängliche Steilhänge gesichert, zur Landseite war sie durch einen Graben geschützt.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Rheinland-Pfalz/Saarland, 2. Auflage, München/Berlin 1984, S. 671–675.

Die Talverengung der Saarschleife zwischen Besseringen und Dreisbach rührt daher, dass die aus dem Buntsandstein des Merziger Beckens kommende Saar dort in einen Abschnitt harten Quarzitgesteins eintritt. Es ist nicht genau geklärt, warum es der Saar in der Vorzeit nicht gelang, den direkten Weg zwischen Besseringen und Mettlach zu wählen. Eine Möglichkeit wäre, dass die Saar bei ihrem Weg Klüften des devonischen Quarzit, also einer Schwächezone, gefolgt ist. Die Verfolgung einer Gesteinsschwäche auf einer Länge von mehr als zwei Kilometern wäre allerdings ungewöhnlich. Untersuchungen zeigten, dass bei der Saarschleife und ihrer Umgebung der Buntsandstein dem darunterliegenden Quarzit nur ungleichmäßig aufgelagert ist. Bei seiner Bildung hat der Buntsandstein also keine ehemalige Ebene zugedeckt, sondern ein bereits bestehendes Relief verschüttet. Die Quarzitkluft muss also schon früher bestanden haben und der sich auflagernde Buntsandstein wurde an dieser Stelle von den Wassern der Saar wieder ausgeräumt. Zusammen mit dem großen Mettlacher Saarmäander tiefte sich die Saarschleife bei einer späteren Gebirgshebung ein. Deutlich erkennbar ist das stufenweise Einschneiden der Saar, wenn man von der Cloef, also dem Felsen über dem Wendepunkt der Saarschleife am Prallhang, den gegenüberliegenden terrassierten Gleithang betrachtet.

Dieser von der Saar umflossene Bergsporn ist 5 km lang und hat an seiner höchsten Erhebung eine Höhe von , während das Niveau des Saarwassers bei ungefähr liegt. Das gesamte Umland der Saarschleife ist mit weitgehend naturbelassenem Wald bedeckt. Auf den Buntsandsteinresten der Saarschleife wächst meist ein Rotbuchenhochwald. Auf dem Quarzit überwiegen Hainbuchen und Eichen. An den steilen Hängen gehen die Wälder in einen Buschwald aus Hainbuchen und Eichen über. Aufgrund des günstigen Klimas wächst dort auch die immergrüne submediterran-atlantische Europäische Stechpalme. Auf den sogenannten Rosseln, den durch Verwitterung entstandenen Geröllhalden, siedeln sich nur Flechten und Moose an.

Geschichte mini|hochkant|Turmplattform mit Fahne des Landkreises Merzig-Wadern

Kelten und Römer Die Gunst der Lage des umflossenen Bergsporns veranlasste bereits die keltische Urbevölkerung zur Errichtung eines Schutzwalles, der zwei Kilometer östlich der mittelalterlichen Burgruine Montclair liegt. Vermutlich wurde der Bergsporn der Saarschleife als keltische Fliehburg genutzt. Spuren der Römer an dem der Sonne zugewandten Steilhang sind nachweisbar.

Burg Skiva

(Lage: ) mini|Erzbischof Poppo von Babenberg (Stammbaum der Babenberger, Stiftsgalerie Klosterneuburg, Niederösterreich)

Nach dem Untergang des Römischen Reiches in der Völkerwanderung und der Etablierung der fränkischen Herrschaft errichtete ein ardennisches Adelsgeschlecht auf dem Bergsporn vermutlich im 9. Jahrhundert die Burg Skiva (auch Skipha oder Sissiva, Wortbedeutung: Fels, Abhang, Berg, vg. „skyfe“ im Altenglischen) als Turmhügelburg. Mit den Erzbischöfen des Erzbistums und Erzstiftes Trier, die als Lehensherren amtierten, gab es ständige Konflikte. Im Jahr 1016 gelang es dem Trierer Erzbischof Poppo von Babenberg (Amtszeit: 1016 bis 1047), die Burganlage eines nicht näher zu identifizierenden Burgherrn Adalbert zu erobern und zu zerstören. Das Gelände der Burganlage war in der Folgezeit trierisches und seit dem Jahr 1052 luxemburgisches Lehen.Herbert Liedtke, Karl-Heinz-Hepp, Christoph Jentsch: Das Saarland in Karte und Luftbild, Ein Beitrag zur Landeskunde, hrsg. vom Landesvermessungsamt des Saarlandes, Neumünster 1974, S. 80–81.Wolfgang Orth: Geschichte der Burg Neu-Montclair, in: Landkreis Merzig-Wadern / Verein für Heimatkunde im Landkreis Merzig-Wadern (Hrsg.): Burg Montclair, Sanierung – Geschichte – Führung, Führer durch die Burganlage hrsg. anläßlich (sic!) der Eröffnung am 16. Juli 1993, Merzig 1994, S. 31–37, hier S. 31. Die Reste des künstlich aufgeworfenen Turmhügels mit den zugehörigen Gräben und Wällen befinden sich etwa 350 Meter östlich der heutigen Burgruine „Neu-Montclair“.

Alt-Montclair mini|Mauerreste der Burg Alt-Montclair (Lage: )

Zum Ausgang des 12. Jahrhunderts erteilte der Trierer Erzbischof Arnold I. nachträglich die Erlaubnis zu einer damals bereits neu erbauten Burg. Da die zugehörige Urkunde als Vergleich zwischen zwei streitenden Parteien deutlich sichtbar durch einen wellenförmigen Scherenschnitt und durch eine entsprechende lateinische Bezeichnung als eine von zwei Ausfertigungen kenntlich ist, handelt es sich um eine Beilegung vorangegangener Streitigkeiten und nicht etwa um eine „Bauerlaubnis“, wie bis heute meist behauptet wird. Die zweite Ausfertigung ist leider nicht überliefert. Da der Vertrag undatiert ist, kann als Ausgabezeitraum nur die Amtszeit des Bischofs Arnold, die zwischen den Jahren 1169 und 1183 lag, genannt werden. In der Urkunde „gestattet“ der Erzbischof dem Vogt des erzbischöflichen Hofes in Merzig, Arnulf von Walecourt, „auf dem Orte Schien“ (Skiva) im Rahmen eines Lehensverhältnisses eine Burg nahe der Ruine der alten fränkischen Höhenburg zu errichten. Über den Hintergrund und die näheren Umstände der durch die Urkunde beigelegten Streitigkeiten zwischen dem Bistum Trier und Arnulf, der sich spätestens seit 1195 auch „Arnold de Monclir“ nannte und mit ziemlicher Sicherheit mit einer Gräfin aus dem mächtigen Haus derer von Sponheim verheiratet gewesen war (möglicherweise einer Schwester des Grafen Heinrich von Sponheim), ist nichts bekannt. Schließen kann man daraus, dass Arnulf in einer vorangegangenen Streitigkeit dem Bischof unterlag und sich ihm nun unterwerfen musste.

Die Bezeichnung „Montclair“ taucht erstmals in der Schreibweise „Munkler“ (lat. „mons clarus“ = heller, lichter Berg) in einer Urkunde des Papstes Clemens III. im Jahr 1190 auf. Darin bestätigt der Pontifex dem Trierer Erzbischof Johann I. seine Besitzungen. Die Bezeichnungen „Alt-Montclair“ bzw. „Neu-Montclair“ (siehe unten) sind nicht historisch und dienen nur der Unterscheidung der beiden Bauphasen.

Der Sohn von Arnulf von Walecourt, Johann, der im Jahr 1205 kinderlos starb, nannte sich bereits „von Moncler“. Über seine Schwester Irmgard/Ermengarde gelangte die Burg im Jahr 1218 in den Besitz deren zweiten Mannes, Simon von Joinville und Vaucouleurs. Mit dem Tod von Irmgard von Montclair im Jahr 1218 fiel das Lehen an den Trierer Erzbischof zurück. Erzbischof Theoderich von Wied gab es noch im selben Jahr an die Herren von Joinville. Seit 1218 nannte sich Simon auch „Herr von Montclair“, seit 1224 auch „Seneschall der Champagne“ genannt.

Beider Tochter Isabella († 1268 oder später) brachte die Burg Montclair durch Heirat an die französische Adelsdynastie Clefmont. Isabellas Sohn Guy von Clefmont führt ebenfalls den Namen „Montclair“. Guy wurde der eigentliche Begründer des Rittergeschlechts der „Herren von Montclair“. Seine Nachkommen nannten sich nun durchweg „Herren von Montclair“.

Die Rechtsverhältnisse an der Burg, den damit verbundenen Lehen, Einkünften und sonstigen Rechten blieben strittig. Neben dem Erzstift Trier erhob insbesondere der Herzog von Lothringen Ansprüche, so dass im Jahr 1344 Guys Enkel Jakob von Montclair einer Aufteilung der Räume in der Burg zwischen ihm und Lothringen zustimmen musste.

mini|Balduin von Luxemburg Balduinbrunnen, Trier, Statue von Ferdinand von Miller Jakob paktierte darüber hinaus in einem Konflikt mit dem mächtigen Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg (Amtszeit: 1307–1354), Bruder Heinrichs VIII., Onkel Johanns von Böhmen und Großonkel Karls VI., mit dem Herzog von Lothringen, Johann I. und der aufstrebenden Trierer Bürgerschaft. Als das Raubritterwesen Jakobs von Montclair, der sich mit 49 Rittern und Burgmannen verbündet hatte, trotz mehrerer Schlichtungsversuche nicht aufhörte, kündigte ihm Erzbischof Balduin die Fehde an. Ab April 1351 wurde Montclair, das Jakob zu einer starken Festung hatte ausbauen lassen, auf Befehl des Erzbischofs belagert. Aufgrund ausreichender Lebensmittelvorräte konnte die Burg bis in den November 1351 der Belagerung trotzen. Erst als Balduin die Wasserquelle der Burg erobert hatte, musste Jakob am 22. Dezember 1351 aufgeben. Erzbischof Balduin ließ die Burg daraufhin teilweise zerstören. Im Zusammenhang mit der Belagerung von Montclair errichtete Erzbischof Balduin von Trier die Burg Saarstein. Die Burg, die etwa 800 m von der Burg Montclair entfernt oberhalb der Wellesbachschlucht lag, wurde letztmals im Jahr 1439 im Besitz des Arnold von Sierck genannt. Erhalten haben sich lediglich geringe Mauerreste. Im Zusammenhang mit der Belagerung von Montclair ist ein im Gebiet vergrabener Münzschatz mit Prägungen der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu sehen, der 1844 entdeckt wurde.Hierzu Erhard Dehnke: Münzschatzfunde im Saarland, in: Zeitschrift für Saarländische Heimatkunde 2, 1952, S. 110–121, hier S. 113.

Im Jahr 1368 kam es zwischen dem Trier Erzstift und der Dynastie Montclair zu einem Ausgleich und das Lehensverhältnis wurde erneuert. Allerdings durfte die teilzerstörte Burg nicht wieder aufgebaut werden. Der Enkel Jakobs von Montclair, Johann von Montclair, starb deshalb im Jahr 1427 als luxemburgischer Burggraf auf der Burg Freudenburg. Mit ihm fand die Dynastie der Herren von Montclair aus dem Hause Clermont ihr Ende.Wolfgang Orth: Geschichte der Burg Neu-Montclair, in: Landkreis Merzig-Wadern / Verein für Heimatkunde im Landkreis Merzig-Wadern (Hrsg.): Burg Montclair, Sanierung – Geschichte – Führung, Führer durch die Burganlage hrsg. anläßlich (sic!) der Eröffnung am 16. Juli 1993, Merzig 1994, S. 31–37, hier S. 31–34. Damit endete auch der nicht unerhebliche Einfluss des Geschlechts derer von Montclair, die sich im Spannungsfeld zwischen Kurtrier, Luxemburg und Lothringen eine recht ansehnliche Machtposition hatten bewahren können, die sicherlich auch zur Bildung des Kondominiums Merzig-Saargau von Kurtrier und Lothringen beigetragen hat.