Samuel Abraham vonDas Adelsprädikat legte sich Renner selber zu. 1818 und erneut 1834–1836 versuchte er sich in Württemberg als Abkömmling der Renner von Allmendingen immatrikulieren zu lassen, was ihm aber nicht gelang. Renner (* 1. Dezember 1776 in Bad Schinznach, Berner Aargau; † 4. Juli 1850 in Bad Mergentheim, Württemberg) war ein in Bayern tätiger schweizerisch-württembergischer Landwirtschaftsreformer.

Leben

Kaiserlich-königlicher Kavallerieoffizier mini|Wilhelm von Kobell: Kaiserlich-königlicher Kürassier im Kampf mit französischen Husaren (1805). mini|Wappen von Renners Tante und Schwiegermutter Elisabeth Rosine Mörike geborene von Schwachheim (1742–1808), Mörike-Apotheke, Neuenstadt am Kocher. Seine Eltern waren Johann Anton Renner (1743–1800) aus Nidau im Kanton Bern und dessen Ehefrau Henriette geborene von Schwachheim (1746–spätestens 1802). Der Vater besass Bad Schinznach zu Füssen der Habsburg, das ihm Renners Grossvater Franz Daniel Freiherr von Schwachheim (1708–frühestens 1794) überschrieben hatte. Dank der Protektion seines Onkels General Sigmund Freiherr von Renner (1727–1800) wurde der 16-jährige Samuel Abraham im Ersten Koalitionskrieg Fähnrich bei den kaiserlich-königlichen Karabiniers. Gleich an die Front am Rhein verlegt, war er ein Jahr später schon Oberleutnant. Auch den Zweiten Koalitionskrieg machte er mit. Er wurde Rittmeister bei den Kürassieren, dann bei den Husaren. Haupterbe des erwähnten Onkels, liess er sich mit 26 Jahren als Major in den Ruhestand versetzen und heiratete eine Cousine, die Apothekerstochter Friederike Mörike (1780–1850) aus Neuenstadt am Kocher (Württemberg). Es blieben ihm dreizehn Wunden, worunter ein zerschmetterter Kiefer.

Von Württemberg nach Bayern Als Duzfreund des enteigneten Fürsten Karl Albrecht III. zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst erwarb Renner 1808 die ehemals hohenlohische Domäne Hohebuch bei Waldenburg (Württemberg). 1815–1817 vertrat er das Oberamt Öhringen (Jagstkreis) in den Landständen des Königreichs. 1817 holte ihn sein Cousin Hieronymus von Meyer nach Bayern, wo auch sein Onkel Oberst Friedrich Freiherr von Schwachheim (1752–1828), pensionierter Direktor der Militärakademie in München und Bruder des bayerischen Diplomaten Franz Rudolf Freiherr von Schwachheim (1731–1804), lebte. Meyer verkaufte ihm das Klostergut Polling im sogenannten Pfaffenwinkel. Um es erwerben zu können, musste Renner bei einem Basler Bankhaus einen grossen Kredit aufnehmen und sich zur Zahlung einer Leibrente an Meyer verpflichten. Hohebuch behielt er vorerst. 1819 kandidierte er ein weiteres Mal für den württembergischen Landtag, wurde aber zur Zielscheibe der Liberalen und schaffte die Wahl nicht.

mini|Johann Wagner-Deines: von Rennerische Kühe in Polling (Lithografie, 1834). In der Folge machte Renner Polling zu einer landwirtschaftlichen Versuchsanstalt. 1821 berichte Heinrich von NagelSohn des kaiserlich-königlichen Residenten in Basel, geheimer Registrator im bayerischen Finanzministerium und Sekretär des Generalkomitees des Landwirtschaftlichen Vereins in Bayern. über einen Besuch bei dem in Polling: Die Kühe seien aus dem Kanton Uri und gäben täglich 23 bis 27 Liter20 bis 25 Mass. Milch. Dieser Wert liegt über der heutigen Milchleistung in Deutschland18 bis 25 kg pro Tag (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Die deutsche Landwirtschaft, Leistungen in Daten und Fakten. Ausgabe 2010, S. 14.). Wie Nagel weiter schrieb, waren Renners Kühe . Schweizer besorgten die Wartung der Tiere, das Melken und die Käseherstellung.Ueber Weide und Stallfütterung. In: Wochenblatt des landwirthschaftlichen Vereins in Baiern, 23. Juli 1822, Spalten 658–661, hier: S. 660 f. Vergleiche Reise-Epistel durch den Isar-Kreis, von Freiherrn von Hallberg. Augsburg 1822, S. 108 f. Am Oktoberfest von 1822 hatte Renner den schönsten Stier und die schönste Kuh Bayerns und wurde mit einer doppelten silbernen Medaille ausgezeichnet, denn er habe Polling .Wochenblatt des landwirthschaftlichen Vereins in Baiern, 29. Oktober 1822, Beilage, Spalten 72, 81 f., Zitat: Spalte 81. 1824 erhielt er von König Wilhelm von Württemberg einen Ostfriesländer Stier und chinesische Schweine.

Ziegel für die Alte Pinakothek mini|Die mit Ziegeln aus Polling errichtete Alte Pinakothek (Postkarte, 1900). Da hohen Investitionen tiefe Preise für Landwirtschaftserzeugnisse gegenüberstanden, musste Renner trotz hoher Produktion weiteres Geld aufnehmen, namentlich vom Augsburger Philanthropen Johann Lorenz Freiherr von Schaezler. Er modernisierte auch die Ziegelei des ehemaligen Klosters und lieferte die Backsteine für das Sichtmauerwerk der 1826–1836 errichteten Alten Pinakothek in München. 1827/28 erhielt er vom Staat ein zinsloses Darlehen für den Ausbau der Ziegelei. 1829 wurde er in den Landrat des Isarkreises gewählt, durfte aber als Ausländer 1831 nicht mehr kandidieren. Damals empfahl das bayerische Staatsministerium des Innern den Kreisregierungen seine tönernen Wasserleitungsröhren. 1832 bewarb er sich erfolglos um die Stelle des Direktors der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Hohenheim bei Stuttgart.

Lebensabend an der Seite Eduard Mörikes

1837 konnte Renner seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, worauf seine Gläubiger Hieronymus von Meyer zum Konkursverwalter bestimmten. Gleichwohl erhielt Renner am Oktoberfest von 1838 die große goldene Medaille .Centralblatt des landwirthschaftlichen Vereins in Bayern, 1838, Beilage, S. 3. Ludwig Fürst von Oettingen-Wallerstein schrieb 1841, Renner habe das von Hieronymus von Meyer eingeführte Schweizer Vieh durch Kreuzungen entwickelt und .Vortrag über die Verbesserung der Hornviehzucht, ebendort, 1841, S. 114–143 (Anhang 3), Zitat: S. 125/Anm. 24. 1843 übernahm Renners damaliger Hauptgläubiger Polling. Der Fürst von Oettingen-Wallerstein verpachtete dem Major darauf das Klostergut Kirchheim am Ries in Württemberg.Bürge war unter anderen der spätere Reichskanzler Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, dessen Vater einst von Renner Geld geliehen hatte. Doch schon 1846 war Renner erneut insolvent. Den Lebensabend verbrachten er und seine Frau in Bad Mergentheim an der Seite ihres Verwandten, des Dichters Eduard Mörike (1804–1875). Ihre einzigen überlebenden Kinder Albrecht (1805–1879) und Karl (1815–1873) waren taubstumm und blieben unverheiratet.

Literatur

Peter Genner: Die Gastgeber der Helvetischen Gesellschaft. Die Familie Schwachheim-Renner als Besitzerin von Bad Schinznach und ihre Auswanderung nach Bayern. In: Argovia, 124/2012, S. 126–179 (). Peter Genner: Nach dem Ende der Klosterherrschaft – Schweizer Revolutionäre im Pfaffenwinkel. In: Der Welf, Jahrbuch des Historischen Vereins Schongau, 2013, S. 69–192 (), mit Stammbaum.

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Person (Landwirtschaft) Kategorie:Landtagsabgeordneter (Württemberg, Zweite Kammer) Kategorie:Geboren 1776 Kategorie:Gestorben 1850 Kategorie:Mann