mini|rechts|120px|Wappen der Stadt Bremervörde Die Geschichte Bremervördes reicht zurück bis in das 8. Jahrhundert und ist von zahlreichen Eroberungen, dem Torfhandel, der Moorkolonisierung und der Entwicklung des durch Bremervörde verlaufenden Flusses Oste geprägt.

Vor- und Frühgeschichte, Frühmittelalter Vor Christi Geburt Die Spuren der Bevölkerung im Gebiet des heutigen Bremervörde reichen zurück bis in die späteste Steinzeit. In den Tälern der Oste, Bever, des Balbecksbaches, des Voßbergs und Finkenmoores gefundene Feuersteine, Schaber, Pfeile und Spitzen, Schlagsteine und andere Materialien weisen auf eine Bevölkerung hin, die bereits um 8000 bis 3000 vor Christi Geburt existierte. Frühe mesolithische Jäger und Sammler ließen sich an der Fundstätte Minstedt 7 nachweisen.

Zwischen den heutigen Ortsteilen Engeo und Spreckens wurde ein Megalith- bzw. Hügelgrab aus der jüngeren Steinzeit (3000 – 1700 vor Christus) entdeckt. Im Norden von Engeo befindet sich ein weiteres, auf sandigem Untergrund erbautes Hügelgrab.Elfriede Bachmann, Rainer Brandt: BREMERVÖRDE Bilder aus der Geschichte einer Stadt, Bogardt Druck, Bremervörde 1987.

8. Jahrhundert Brunsburg Für die Existenz einer frühen Burganlage im Stadtgebiet von Bremervörde existieren nur geringe Indizien. Im Bereich der Einmündung der Bachstraße in die Straße „Am Mahlersberg“ existierte früher eine von Westen kommende Talrinne mit einem Wasserlauf, die um 1650 „Graft“ (= Gräfte) genannt wurde. Diese bildete die Nordseite eines „Brunsburg“ genannten Flurstücks. Die innere Böschung der Rinne war künstlich versteilt. Um 1750 wurde sie als von alten Festungswerken herrührender Graben bezeichnet. Eine Datierung in die Karolingerzeit und ein Zusammenhang mit Karl dem Großen ist rein spekulativ und nicht durch die historische Überlieferung gedeckt. Hypothetisch könnte der Name Brunsburg auf die Brunonen, den Vorfahren der Welfen, hinweisen. Heute erinnert an die Burg die Straße Brunsburg, welche parallel zur Bahnstrecke verläuft.

9. und 10. Jahrhundert Erwähnung Engeos Im Jahre 937 wurde das damalige Dorf und der heutige Stadtteil Engeo, in einer Urkunde von König Otto I. aus dem sächsischen Geschlecht der Liudolfinger, dem von ihm gegründeten St.-Moritzkloster in Magdeburg, Landbesitz in Engeo übertragen. Die auf den 11. Oktober datierte Urkunde befindet sich derzeit als eine Abschrift aus dem 15. Jahrhundert im Staatsarchiv Magdeburg.

10. bis 13. Jahrhundert Wasserburg in Bremervörde In einem Verzeichnis der erzbischöflichen Güter und Rechte, welches vom Bremer Erzbischof Johann III. Rohde um 1500 zusammenstellen ließ, befinden sich Überlieferungen einer Wasserburg an der Oste in Bremervörde, die um das Jahr 1000 existierte. Nach einer laut dem Verzeichnis glaubwürdigen Quelle soll schon vor der Zeit des Erzbischofs Adalbrand von Bremen – also vor 1035 – in Vörde eine Burg vorhanden gewesen sei. Sie sei aber nicht gut befestigt gewesen und erst unter Erzbischof Friedrich I. (1104–1123) durch Bauten befestigt worden. Den Erbauer der Burg erwähnt die Quelle nicht. Zu sehen ist der Grundriss bzw. die Umrisse der damals bereits „Alte Burg“ genannten Wasserburg auf einem 1646 angefertigten Kupferstich auf Basis einer vom schwedischen Feldmarschall Conrad von Mardefeldt angefertigten Zeichnung. Um 1650 wurden die Spuren der Burg wahrscheinlich bei der Anlage des „Neuen Lustgartens“ durch Feldmarschall Wrangel endgültig verwischt.

Erwähnung als „Vorde“ Die erste Erwähnung des Namens „Vorde“ ereignete sich im 12. Jahrhundert, als der holsteinische Geistliche Helmold von Bosau zwischen 1167 und 1172 in seinen Berichten die Inbesitznahme und „Verstärkung der Burgen zu Stade, Vorden und Freiburg (Elbe)“ erwähnte.

14. Jahrhundert Kämpfe um die Burg Vörde Da die Burg Vörde die bedeutendste bzw. eine der bedeutendsten Burgen der Bremer Erzbischöfe darstellte, wurde sie häufig Schauplatz von Kämpfen zwischen Anwärtern des erzbischöflichen Stuhles. Beschrieben wird eine „verhängnisvolle“ Herrschaft des in Bremervörde am 14. April 1395 verstorbenen Erzbischofs von Bremen Albert II. von Braunschweig-Lüneburg. Aufgrund seines verschwenderischen LebensstilsAlbert II. von Braunschweig-Wolfenbüttel litt er häufig unter Geldnot und musste infolgedessen kirchliche Güter bzw. Rechte verpfänden.

15. und 16. Jahrhundert mini|Bremervörde in der Topographie von Matthaeus Merian, 1653 Dreißigjähriger Krieg mini|Die Beschießung Bremervördes durch die Dänen, 1657 Im Laufe des Dreißigjährigen Kriegs wurde Bremervörde mehrmals von Kaiserlichen, Dänen und Schweden belagert, so 1627 und 1646. Da der Ort hierbei größtenteils zerstört wurde, verlegten die Schweden den Regierungssitz ihres neu geschaffenen Fürstentums Bremen-Verden nach Stade. Eine weitere Belagerung erlitt der Ort 1657 während des Zweiten Nordischen Kriegs oder Dänisch-Schwedischen Kriegs. 1682 wurde die Burg Vörde schließlich geschleift, und die Gebäude des Schlosses wurden abgebrochen. Nur die ehemalige Kanzlei der Erzbischöfe von Bremen und Verden aus der Zeit um 1608 blieb erhalten, das heutige 'Alte Kreishaus'. Das gewonnene Baumaterial wurde unter anderem für die Errichtung des Schwedenspeichers in Stade benutzt.

Ende 16. Jahrhundert bis Anfang 17. Jahrhundert Pestepidemie 1612 Wie viele Städte oder für damalige Verhältnisse „Ballungsräume“ blieb auch Bremervörde nicht von der Pest verschont. Die Pest verbreitete sich im Jahr 1611 in Bremen und hielt schließlich im Sommer 1612 Einzug nach Bremervörde. Über die Anzahl der Erkrankten, Toten, die Letalität oder Überlebende ist nicht viel überliefert. Überliefert wurde jedoch, dass der damalige Erzbischof seine Kanzlei für die Dauer der Pestausbrüche von Bremervörde nach Stade in das Benediktinerkloster St. Marien verlegte. Das Kloster versuchte vergeblich, den Erzbischof von diesem Vorhaben abzuhalten.

Bremervörder Apotheke

Medizinische und pharmazeutische Kenntnisse waren, im Gegensatz zu den erst im 13. Jahrhundert entstehenden Apotheken, bereits seit Jahrtausenden im Volk verbreitet. Bereits Klöster aus dem 9. Jahrhundert besaßen eine eigene „Klosterapotheke“. Die in Bremervörde im Jahr 1626 entstandene Apotheke war zusammen mit der Stader- und der Otterndorfer Apotheke eine der ersten im Raum zwischen Niederelbe und Niederweser. In Bremervörde wirkten jedoch bereits vor 1626 Apotheker, jedoch ausschließlich im Dienste der damaligen Bremer Erzbischöfe, welche zu deren Hofstab gehörten.

Genau datiert ist die „Privilegierung“ auf den 24. März 1626 in einer von der erzbischöflichen Kanzlei (heute ehemaliges Kreishaus) ausgestellte Urkunde, welche den Apotheker Caspar Rumpff privilegierte, eine Apotheke in Bremervörde einzurichten. Erzbischof Johann Friedrich hielt dies für notwendig, da die Bevölkerung immer noch von der Pest geplagt wurde. Der Einsatz des Medikamentes „Remedia“ sollte durch die Apotheke zu deren Bekämpfung dienen.

+ Liste der Apotheker in Bremervörde (1626–1832) Zeitpunkt der Inhaberschaftbzw. Beginn Name Anmerkungen 24. März 1626 Caspar Rumpff 1651 Hinrich Wehausen 1671 Dr. med. Joh. Praetorius 1680 Rotger Kieff Nach seinem Tod musste seine Witwe aufgrund der hinterlassenen Schulden Konkurs anmelden 1696 – 1715 Eberhard König 1730 Johann Wilhelm Seidler Verließ Bremervörde aufgrund von Schulden 1747 Johann Hinrich Krüger Tod im Jahr 1757 1823 Johann Hieronymus

18. und 19. Jahrhundert Schützengesellschaft zu Bremervörde mini|Ansichtskarte eines Bremervörde Schützenfestes mit der traditionellen Uniform mini|Statuten der Schützengesellschaft Die Bremervörder Schützengesellschaft hat ihren Ursprung im 18. Jahrhundert. Das erste Mal wurde im Jahr 1843 ein sogenanntes „Vogelschießen“ abgehalten, welches sich in den nachfolgenden Jahren großer Nachfrage erfreute, wodurch das Volksfest „Schützenfest“ entstand.

Besonderheit der Bremervörder Schützen war zu damaliger Zeit die Uniform bestehend aus langen grünen und bis zu den Knien reichende „Röcke“ genannten Jacken sowie einer ebenfalls grünen „Tuchmütze“ mit einem silbernen Horn darauf. (Siehe Bild) Die Tradition dieser Uniform wird durch die „Traditionsgruppe“, einer Unterkompanie der Schützengesellschaft zu Bremervörde e.V. fortgeführt.

Bremervörde wird eine Stadt mini|Statuten der Stadt Bremervörde, 1853 Zu Zeiten Napoleon Bonapartes war Bremervörde Kantonshauptstadt im Königreich Westphalen. Im 19. Jahrhundert erhielt Bremervörde nach dem Staatsgrundgesetz, das 1833 durch König Wilhelm IV. von Hannover erlassen wurde, eine Stadtverfassung. Der damalige Bürgermeister Friedrich Conrad Degener rief am 26. April 1834 eine Bürgerversammlung ein, die darüber entscheiden sollte, ob der Flecken Bremervörde mit der Gesetzesänderung einverstanden wäre. Als Vorteile wurden genannt, dass Bremervörde dann eine eigene Gerichtsbarkeit wiederbekäme und die bisherigen Rechte des Fleckens gesichert würden. Degener sah die wirtschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten der Stadt Bremervörde, wenn diese eine Stadtverfassung erhielte.

Im Jahr 1835 erstattete Degener schließlich nach hitzigen Diskussionen mit Bürgern Bericht an das Königliche Amt Bremervörde. Dieser wurde aufgrund eines – vom zuständigen Amt festgestellten – „nicht existenten Vorteils“ für Bremervörde abgelehnt bzw. wurden weitere Ersuche nicht beantwortet. Erst ab dem Jahr 1837 wurden erste Verfassungsentwürfe übersandt, welche im Jahr 1845 dann mit allen Wünschen des Fleckens Bremervörde übereinstimmten. Die Verfassung trat am 1. August 1847 in Kraft. Nach Annahme der Städteordnung am 3. Januar 1852 wurde Bremervörde schließlich am 1. Oktober 1852 der Titel „Stadt“ zuerkannt.

Freiwillige Feuerwehr Bremervörde Gründung Die Ursprünge der Feuerwehr in Bremervörde reichen zurück bis ins Jahr 1794, in welchem der damalige Flecken Bremervörde eine Feuerspritze anschaffte. Zu dieser Zeit war noch jeder Bürger dazu verpflichtet, bei der Brandbekämpfung zu unterstützen.

Bis zum Jahr 1902 wurden stetig neue Feuerspritzen bzw. „Wasserwagen“ angeschafft, die Organisation des Löschwesens geändert und mehrere Spritzenhäuser errichtet. In dem Jahr wurde die damalige Pflichtfeuerwehr aufgelöst und die Freiwillige Feuerwehr Bremervörde gegründet, welche 1922 das erste motorisierte Fahrzeug erhielt.

Die Feuerwehr heute Das derzeitige städtische Feuerwehrhaus wurde im Jahr 2006 errichtet und befindet sich im südwestlichen Industriegebiet nahe der Bundesstraße 71 und ist damit im Stadtgebiet taktisch gut gelegen. Das Feuerwehrhaus hat acht Fahrzeugstellplätze, welche mit Abgasabsauganlage, Strom- und Luftdruckversorgung ausgestattet sind. Neben der Fahrzeughalle befindet sich eine Waschhalle für die Reinigung der Fahrzeuge und dem Auffüllen von Schaummittelbehältern. Alle Ausfahrten sind mit automatischen Sektionaltoren versehen.

Neben der Stadtfeuerwehr gibt es 10 weitere Ortsfeuerwehren im Stadtgebiet, welche im Kreisfeuerwehrverband Bremervörde organisiert sind.Kreisfeuerwehrverband Bremervörde

Ortsteil Fahrzeuge Feuerwehrbezeichnung Bevern LF, TLF Stützpunkt Elm TSF, TLF Grundausstattung erweitert Hesedorf LF, MTF Grundausstattung erweitert Hönau-Lindorf TSF Grundausstattung Iselersheim MLF, MTF Grundausstattung erweitert Mehedorf TSF Grundausstattung Minstedt TSF Grundausstattung Nieder Ochtenhausen LF, MTF Grundausstattung erweitert Ostendorf TSF Grundausstattung Spreckens TSF Grundausstattung

20. Jahrhundert

Gemeindereform Durch Beschluss des niedersächsischen Landtages vom 25. Mai 1973 – mit knapper Mehrheit – wurde beschlossen die Gemeinden Bevern, Elm, Hesedorf, Hönau-Lindorf, Nieder Ochtenhausen, Iselersheim, Mehedorf, Minstedt, Ostendorf, Plönjeshausen und Spreckens in die Stadt Bremervörde einzugemeinden. Ausschnitt aus der Bremervörder Zeitung vom 26. Mai 1973: