Als Sender Rostock strahlte von 1959 bis 1990 das Rostocker Funkhaus des Rundfunks der DDR seine regionalen oder zentralen Radiosendungen bzw. -Programme aus.
Rundfunk der Region bis 1945 Bis 1945 betrieb die Funk-Stunde Berlin in Vorpommern den Nebensender Stettin und zeitweise in Greifswald eine Bedarfsbesprechungsstelle (Bedarfsstudio). Der Nebensender Stettin war ab 1933 dem Sender Hamburg zugeordnet. Die in Hamburg ansässige Nordische Rundfunk AG (NORAG) unterhielt in Schwerin und Rostock je eine Bedarfsbesprechungsstelle.Horst Zänger: Geschichten aus 50 Jahren Rundfunk – Chronik des Landesrundfunks Mecklenburg-Vorpommern, VerlagReihardThon Schwerin 1995LIA-Archiv Wegner, LIA Hamburg
Rundfunk der Region von 1945 bis 1952 Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone nach 1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Rundfunks bauten deutsche Antifaschisten unter Führung von KPD-Funktionären auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht ein Rundfunksystem für die Sowjetische Besatzungszone auf. Das Rundfunksystem in der SBZ/DDR hatte von 1945 bis 1952 folgende Struktur:
Berliner Rundfunk (als Leitstation für alle Sender in der Sowjetischen Besatzungszone sowie als Leitsender für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern; Sendestart: 13. Mai 1945 – ab 22. Mai 1945 als Berliner Rundfunk) Landessender Schwerin (für Mecklenburg-Vorpommern; Sendestart: 24. Dezember 1945) - Studio Rostock Landessender Potsdam (für Brandenburg; Sendestart: 22. Juni 1946) Studio Cottbus (für die Region Cottbus; Sendestart: um 1948/49)
Mitteldeutscher Rundfunk (für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt; Sitz: Leipzig; Sendestart: 15. September 1945, ab November 1945 als Mitteldeutscher Rundfunk firmierend und bis zur Inbetriebnahme eines als Funkhaus hergerichteten Gebäudes am 4. Juni 1946 aus dem Berliner Funkhaus sendend) Landessender Dresden (für Sachsen; Sendestart: 7. Dezember 1945) - Studio Chemnitz Landessender Weimar (für Thüringen; Sendestart: 1. Januar 1946 nach Versuchssendungen ab November 1945) - Studio Erfurt Landessender Halle (für Sachsen-Anhalt, Sendestart: 24. Dezember 1946) - Studio Magdeburg
Deutschlandsender (für ganz Deutschland; Sitz: Berlin; Sendestart: 1. Mai 1949)
Der Berliner Rundfunk und der Mitteldeutsche Rundfunk arbeiteten in ihrem jeweiligen Sendegebiet als eine Senderkette, wobei die Landessender regionale Fensterprogramme erstellten – eingebettet in die Programmstruktur des jeweils zuständigen Leitsenders (Berliner Rundfunk oder Mitteldeutscher Rundfunk). Im Zuge des weiteren Aufbaus von Rundfunkstrukturen installierten die Rundfunkverantwortlichen mit den entsprechenden Stellen in den Ländern nach und nach die o. a. Regionalstudios, jeweils mit Zulieferfunktion für die Funkhäuser in Berlin bzw. Leipzig oder die Landessender. Das Studio Cottbus verbreitete ab ca. 1948/49 als einziges Studio eigene Regionalsendungen über Drahtfunk, ebenfalls eingebettet im Programm des Berliner Rundfunks.
Der Deutschlandsender war der Intendanz des Berliner Rundfunks unterstellt, hatte aber eine eigene Chefredaktion. Ohnehin hatte der Berliner Rundfunk bis 1952 die Funktion einer Leitstation für alle Funkhäuser und Studios in der SBZ/DDR.
Oberste Instanz war die Generalintendanz für den demokratischen Rundfunk, zuständig für alle Rundfunkstationen und deren jeweilige Senderkette mit den dazugehörigen Landessendern sowie den Regionalstudios. Somit hatte der Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR trotz des erheblichen Produktionsumfangs der Funkhäuser und Studios in den Ländern und des Einflusses der KPD/SED in den Länderverwaltungen bis 1952 keine föderale Struktur, sondern war ein zentrales Rundfunksystem mit einem Generalintendanten in Berlin. Keine dieser als öffentlich-rechtliche Einrichtungen firmierten Funkhäuser oder Studios und keine der beiden Senderketten war eine eigene Rechtspersönlichkeit.Protokoll der ersten Tagung des Lektorats Rundfunkgeschichte mit den Pionieren des Deutschen Demokratischen Rundfunks vom 25. April 1966 in Beiträge zur Geschichte des Rundfunks, Schriftenreihe des DDR-Rundfunks, 4. Jahrgang 1970Heide Riedel in Hörfunk und Fernsehen in der DDR – Funktion, Struktur und Programm des Rundfunks in der DDR, herausgegeben vom Deutschen Rundfunk-Museum e. V., Berlin (West), in Literarischer Verlag Helmut Braun KG, Köln 1977Programmteil in Unser Rundfunk, Jg. 1949 (1–52), Deutscher Funk Verlag GmbH Berlin SO 36, 1949Hans-Ulrich Wagner: Ein produktiver Wettstrei – Das Hörspiel in der SBZ 1945–1949, in: Mit uns zieht die neue Zeit… Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 19921. Workshop 17. Dezember 1991 – Rundfunkbeginn 1945, in: Mit uns zieht die neue Zeit… Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 1992Heinz Florian Oertel: Höchste Zeit, Das Neue Berlin Verlagsgesellschaft, Berlin 1997 (3. Auflage 1998)Eberhard Fensch: So und nur noch besser – Wie Honecker sich das Fernsehen vorstellte, Das Neue Berlin Verlag, Berlin 2003Günter Rücker: Anfänge in Leipzig, in: Mit uns zieht die neue Zeit… Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 1992Karl-Heinz Mosgraber: Das 1000-jährige Potsdam und der Rundfunk, in: Mit uns zieht die neue Zeit… Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 1992Zentralverwaltung für Volksbildung – Abteilung Allgemeine Volksbildung: Organisationsstatut in der sowjetischen Besatzungszone vom 14. März 1946 in Heide Riedel: Hörfunk und Fernsehen in der DDR – Funktion, Struktur und Programm des Rundfunks in der DDR, herausgegeben vom Deutschen Rundfunk-Museum e. V., Berlin (West) in Literarischer Verlag Helmut Braun KG, Köln 1977Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone – Der Generalintendant für die Rundfunksender in der sowjetischen Besatzungszone, Hans Mahle: Richtlinien für die Rundfunksender in der sowjetischen Besatzungszone, in Horst Zänger: Geschichte aus 50 Jahren Rundfunk – Chronik des Landesrundfunks Mecklenburg-Vorpommern, VerlagReinhardThon, Schwerin 1995Gerhard Walther: Der Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone, Deutscher Bundesverlag, Bonn 1961
Anfänge in Schwerin Ende 1945 begann die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns, in Zusammenarbeit mit den Rundfunkverantwortlichen in Berlin, der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) und der Post einen Landessender aufzubauen. Sendestart unter dem Namen Landessender Schwerin war mit einer einstündigen Sendung ab 17:00 Uhr der 24. Dezember 1945. Der Aktionsradius war allerdings zunächst nur auf Schwerin und Umgebung begrenzt. Ab 25. Dezember 1945 sendete der Landessender täglich um 12:30 Uhr und 17:30 Uhr jeweils eine halbstündige Sendung. Diese Sendungen aus Schwerin waren ab dem 4. Januar 1946 als regionale Fensterprogramme in die Programmstruktur des Berliner Rundfunks eingebunden, womit der Landessender zur Senderkette des Berliner Rundfunks gehörte.
Durch die Inbetriebnahme eines neuen 20-kW-Senders konnten die im Lande bestehenden Empfangsmöglichkeiten des Programms aus Schwerin etwas verbessert werden.
Funkhaus in der Schweriner Schillerstraße Zum Juni 1946 zog der Landessender aus dem provisorisch eingerichteten Studio in Räumen der Oberpostdirektion in ein als Funkhaus umgebautes Zweifamilienhaus – u. a. mit besserer technischer Ausstattung und einem kleinen Sendesaal für Musik- und Hörspielproduktionen.
Mit einer Frequenzumstellung konnte im November 1946 die Reichweite des Landessenders nochmals verbessert werden. Dennoch blieb die Versorgung in Vorpommern weiterhin unbefriedigend. Nur nach und nach konnte diese Versorgungslücke geschlossen werden.
Das tägliche Programmvolumen betrug etwa drei bis vier Regionalfenster, über den Tag verteilt von insgesamt etwa 4½ Stunden. Zum Produktionsprofil gehörten Landesnachrichten, der Landfunk, Der Funkkurier, der Blick in die Landespresse und ein Wirtschaftsmagazin, Umsiedler- und Heimkehrersendungen, die Beantwortung von Hörerfragen sowie Musik- und Unterhaltung, klassische Musik, Hörspiele, aber auch Sondersendungen zu anstehenden Wahlen und niederdeutsche Sendungen. Denn der Landessender und später auch das Studio/Funkhaus Rostock bemühten sich schon sehr frühzeitig um die Pflege der niederdeutschen Sprache.
Eine äußerst fruchtbringende Zusammenarbeit entwickelte sich zwischen dem Schweriner Funkhaus und dem Staatstheater Schwerin, aber auch mit anderen künstlerischen und kulturellen Institutionen, wie dem Schweriner Polizeiorchester und dem Stadttheater/Volkstheater Rostock.
Im Jahre 1948 gründete der Landessender einen Kinderchor.
Doch schon bald erwies sich das Funkhaus für die anstehenden Aufgaben als zu klein. Deshalb installierte der Landessender 1947 außerhalb des Funkhauses feste Übertragungsstandorte für Musikaufnahmen und -übertragungen sowie für öffentliche Veranstaltungen, wofür der Sendesaal im Funkhaus nicht geeignet gewesen wäre. Die Landesregierung unterstützte inzwischen den Antrag des Landessenders, ein neues Funkhaus zu erbauen oder ein Gebäude dafür umbauen zu können.
Funkhaus in Schwerin Nach anderthalbjähriger Bauzeit stand dem Landessender Schwerin ab Oktober 1949 in der Schloßgartenallee 61 ein Gebäudekomplex als Funkhaus zur Verfügung, wodurch sich die Arbeitsbedingungen deutlich verbesserten. Zum Funkhaus gehörten u. a. ein kleiner Sendesaal im Hauptgebäude und ein großer separater publikumsoffener Sendesaal – beide jeweils mit eigener Regie.
1951 gründete der Landessender einen Jugendchor.Horst Zänger, ebendaEberhard Fensch, ebendaLIA-Archiv Wegner, ebendaProgrammteil in Unser Rundfunk, Jg. 1949 (1–52), ebenda
Studio Rostock Im März 1947 nahm der seinerzeit größte Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern – die Neptun-Werft in Rostock – ein Betriebsfunkstudio in Betrieb, das der Landessender Schwerin sehr oft für die Berichterstattung aus Rostock nutzte. Dennoch begann der Landessender Schwerin, in Rostock ein Rundfunkstudio aufzubauen. Im Mai 1948 ging das Studio in Betrieb. Mit einem Studioleiter zwei Redakteuren, zwei Technikern, einem Kraftfahrer und einer Sekretärin sowie einem Studio und einem altertümlichen Übertragungswagen hatte es seinen Sitz im Haus des Kulturbundes am Schillerplatz 10 und produzierte Zulieferungen für das Funkhaus Schwerin und den Berliner Rundfunk. Etwa ein Jahr später zog das Studio Rostock in die Graf-Schack-Straße 1 in ein Haus mit zwei Studios, einem technischen Betriebsraum und Zimmern für Redaktion, Techniker und Studioleiter, womit sich in Rostock die Arbeitsbedingungen nach und nach etwas verbesserten – auch durch Umsetzung eines neuen Übertragungswagens von Schwerin nach Rostock.
Die Zulieferungen des kleinen Studios Rostock für den Landessender Schwerin und das Funkhaus Berlin beinhalteten Themen wie Regionalpolitik, Wirtschaft, Landwirtschaft, Kultur, Sport und Wissenschaft, aber auch Musik und Unterhaltung.Eberhard Fensch: So und nur noch besser – Wie Honecker sich das Fernsehen vorstellte. Das Neue Berlin Verlag, Berlin 2003Horst Zänger, ebenda
Rundfunk der Region von 1952 bis 1964 Mit der Auflösung der Länder und der Errichtung von Bezirken als Verwaltungseinheiten im Jahre 1952 ging auch eine Umstrukturierung des Rundfunks in der DDR einher. Der Bezirk Rostock sowie der größte Teil der Bezirke Schwerin und Neubrandenburg entsprachen dem Sendegebiet des ehemaligen Landessenders Schwerin.
Bezirksstudios Als Folge der Umstrukturierung des DDR-Rundfunks waren die Funkhäuser und Studios in den bisherigen Ländern ab Sommer 1952 Bezirksstudios, nur noch mit einer Zuliefererfunktion für die in Berlin oder zum Teil in Leipzig produzierten zentralen Programme. Dies traf auch auf das Funkhaus Schwerin zu. In Bezirksstädten, in denen es noch keine Radiostudios gab, baute das Rundfunkkomitee solche auf, wie zum Beispiel in Suhl, Gera, Frankfurt (Oder) und Neubrandenburg.