Das Gestreifte Borstenhörnchen (Euxerus erythropus), auch Rotfuß-Borstenhörnchen genannt, ist ein relativ großer Vertreter aus der Familie der Hörnchen, der in Afrika südlich der Sahara und nördlich der Regenwälder weit verbreitet ist.
Merkmale Gestreifte Borstenhörnchen erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 22,3 bis 29 Zentimeter, haben einen 18,5 bis 26 Zentimeter langen Schwanz und wiegen 500 bis 920 Gramm. Das Fell ist steif und borstig. Der Rücken ist sandfarben bis hell rötlich-braun. Von den Schultern bis zu den Hüften verlaufen auffällige weiße Längsstreifen. Der Bauch ist mit schütterem, weißem Fell bedeckt. Die Vorder- und die Hinterbeine sind beige gefärbt. Der Schwanz ist sandfarben und wird zur Spitze hin allmählich heller. Rund um die Augen ist das Fell weißlich. Der Karyotyp ist 2n = 38.
Gestreifte Borstenhörnchen besitzen im Oberkiefer pro Hälfte einen zu einem Nagezahn ausgebildeten Schneidezahn (Incisivus), dem eine Zahnlücke (Diastema) folgt. Hierauf folgen zwei Prämolare und drei Molare. Die Zähne im Unterkiefer entsprechen denen im Oberkiefer, allerdings nur mit einem Prämolaren. Insgesamt verfügen die Tiere damit über ein Gebiss aus 22 Zähnen.
Lebensraum und Lebensweise Das Gestreifte Borstenhörnchen kommt in Savannen und Steppen, in lichten Wäldern, an den Küsten in verbuschten Gegenden, sowie Mangroven- und anderen Feuchtwäldern, und häufig auch in landwirtschaftlich genutzten Gebieten und in Sekundärwäldern, in Höhenlagen bis 1800 Metern bzw. in Äthiopien bis in Höhen von 2450 Metern vor. Die Tiere sind tagaktiv und verbringt den Großteil der Zeit am Boden. Hin und wieder klettern sie auch auf Sträucher oder niedrige Bäume. Ihre selbst gegrabene unterirdische Baue verlassen sie erst lange nach Sonnenaufgang und kehren einige Stunden vor Sonnenuntergang zurück. Das Aktivitätsverhalten wird jedoch durch Bewölkung, Regen oder einer starken Hitze zur Mittagszeit beeinflusst. Bei sehr hohen Temperaturen ziehen sich die Hörnchen in den Schatten zurück und drücken ihren Bauch auf den kühlen Boden. In den Höhlensystemen wohnen Gruppen von Männchen, Weibchen und Jungtieren, deren Zusammensetzung flexibel ist. Die Höhlensysteme sind in der Regel weniger als einen Meter tief und besitzen 1 bis 3 Eingänge sowie Notausgänge, die verschlossen sind. Auch die in Gebrauch befindlichen Eingänge werden nachts mit Erde oder mit Pflanzenteilen verschlossen. Hin und wieder werden auch Felsspalten, zu Dickichten verflochtene Baumwurzeln oder Termitennester als Unterkünfte genutzt. Die Territorien, in denen die Tiere aktiv sind, umfassen viele Höhlensysteme, zwischen denen die Tiere wechseln. Die Aktionsräume der Weibchen sind 1,3 bis 12 ha groß, und können aber bis zu einer Fläche von 40 ha erweitert werden. Die von den Männchen genutzten Territorien sind größer. Auf Nahrungssuche können sie täglich Strecken von bis zu 3 km zurücklegen. Der Kot wird in der Nähe der Höhleneingänge abgelegt und im gesamten Aktionsraum werden Markierungen durch Reiben der Wangendrüsen an Steinen oder Pflanzen gelegt. Gestreifte Borstenhörnchen suchen ihre Nahrung allein und wirken auf den ersten Blick relativ unsozial. Territorialverhalten und Aggressionen sind selten zu beobachten. Die Tiere begrüßen sich kurz durch Mund-Nasen-Kontakt, wobei sich meist ein Tier dem anderen unterordnet. Oft halten sie inne, stehen aufrecht um die Umgebung zu beobachten. Gestreifte Borstenhörnchen ernähren sich überwiegend pflanzlich von Blättern, Blüten, Früchten, Akazienschoten, Gräsern und Baumsamen. Hin und wieder werden auch Insekten, kleine Reptilien, Eier und nestjunge Vögel gefressen. Um Nahrungsengpässe zu vermeiden, werden vor allem größere Samen von Bäumen vergraben oder in Höhlen versteckt. Vergrabene Vorräte werden oft mit einem Blatt oder einem kleinen Stein getarnt. Wahrscheinlich sind die Tiere ein wichtiger Verbreiter von Baumsamen. Gestreifte Borstenhörnchen vermehren sich in Zeiten reichhaltiger Nahrung. Die Weibchen gebären zwei bis sechs Jungtiere in Erdhöhlen, die mit Gras und Zweigen ausgekleidet sind. Läufige Weibchen werden oft von mehreren Männchen in einer Paarungsjagd verfolgt. Zur Verständigung geben Gestreifte Borstenhörnchen leise Schnatterlauten von sich.
Systematik Das Gestreifte Borstenhörnchen wurde 1803 durch den französischen Zoologen Étienne Geoffroy Saint-Hilaire als Sciurus erythopus erstmals wissenschaftlich beschrieben. Im Jahr 1909 führte der britische Zoologe Oldfield Thomas die Gattung Euxerus für die Art ein, die später meist als Untergattung von Xerus geführt wurde. 2016 bekam Euxerus durch den slowenischen Biologen Boris Kryštufek und seine Mitarbeiter wieder den Status einer eigenständigen Gattung, da sie sich sowohl genetisch als auch hinsichtlich der Morphologie des Schädels und der Zähne, sowie des äußeren Erscheinungsbildes klar von Xerus und Geosciurus unterscheidet.
Gemeinsam mit dem Atlashörnchen (Atlantoxerus getulus), der Zieselmaus (Spermophilopsis leptodactylus), den zwei Arten der Gattung Geosciurus (Kap-Borstenhörnchen (G. inauris) und Damara-Borstenhörnchen (G. princeps)), sowie dem Schlichtborstenhörnchen (Xerus rutilus) werden die Afrikanischen Borstenhörnchen der Tribus Xerini zugeordnet. mini|Euxerus e. leucoumbrinus
Es werden sechs Unterarten unterschieden: E. e. erythropus E.GeoffroySaint-Hilaire, 1803; in Westafrika vom Senegal und dem Süden von Mauretanien bis in den Nordosten von Nigeria. Außerdem in Marokko im Gebiet des Souss. E. e. chadensis Thomas, 1905; Süden des Niger, Norden von Nigeria, Süden des Tschad, Nordosten von Kamerun und Sudan. E. e. lacustris Thomas, 1905; Nordosten der DR Kongo und Nordwesten von Uganda. E. e. leucoumbrinus Ruppell, 1835; disjunkte Verbreitung vom Senegal bis Eritrea, Äthiopien und dem Nordwesten von Kenia. E. e. imitaneusThomas & Hinton, 1923; Südosten des Tschad, Nordosten der Zentralafrikanischen Republik, Sudan und Südsudan. E. e. microdon Thomas, 1905; Senegal, Gambia, Guinea, Westen Nigerias bis nach Kenia.
Gefährdung und Schutzmaßnahmen Da diese Art weit verbreitet, sehr anpassungsfähig, in einigen Gegenden häufig ist und keinerlei größere Bedrohungen bekannt sind, wird sie von der IUCN als ungefährdet (Least Concern) eingestuft. In Benin wird das Gestreiftes Borstenhörnchen als Nutztier zum Zweck der Fleischgewinnung gehalten.
Einzelnachweise Don E. Wilson, T.E. Lacher, Jr., Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World: Lagomorphs and Rodents 1. (HMW, Band 6) Lynx Edicions, Barcelona 2016, ISBN 978-84-941892-3-4.
Boris Kryštufek, Ahmad Mahmoudi, Alexey Tesakov, Jan Matějů, Rainer Hutterer (2016): A review of bristly ground squirrels Xerini and a generic revision in the African genus Xerus. Mammalia 80(5):521-540. doi:10.1515/mammalia-2015-0073. S. 781–782. Oldfield Thomas (1909): The generic arrangement of the African squirrels. Annals and Magazine of Natural History, Series 8, 3(18): S. 467–475. DOI: 10.1080/00222930908692611 E. Geoffroy Saint-Hilaire (1803): Catalogue des Mammifères du Muséum national d'Histoire naturelle. Privately published, Paris, 272 S. Jane M. Waterman: Genus Xerus, Ground Squirrels. In: Jonathan Kingdon, David Happold, Michael Hoffmann, Thomas Butynski, Meredith Happold und Jan Kalina (Hrsg.): Mammals of Africa Volume III. Rodents, Hares and Rabbits. Bloomsbury, London 2013, S. 93–94; ISBN 978-1-4081-2253-2.
Kategorie:Erdhörnchen