Spinolestes ist eine ausgestorbene Gattung früher Säugetiere, die in der Unterkreide vor rund 127 bis 125 Millionen Jahren lebte. Sie gehört zur Familie der Gobiconodontidae innerhalb der Gruppe der Eutriconodonta, deren Vertreter im Mesozoikum recht vielfältig auftraten und die damals größten bekannten Säugetiere stellten. Die Gattung ist nur von einem – nahezu vollständigen – Skelett bekannt. Dieses wurde in der Fossillagerstätte von Las Hoyas im zentralen Spanien entdeckt. Das Tier, das den Artnamen Spinolestes xenarthrosus erhielt, erreichte die Größe einer heutigen Maus und lebte vermutlich am Rand von Gewässern, wo es sich räuberisch ernährte. Die Erhaltung des Skelettes ist außerordentlich gut und gibt auch Teile der Weichteilbedeckung in Form von Haut und Haaren wieder, ebenso wie einzelne innere Organe nachgezeichnet sind. Dadurch konnte aufgezeigt werden, dass die für heutige Säugetiere typische Unterteilung des Fells in Deck- und Wollhaar bereits bei den frühen Vertretern des Mesozoikums entwickelt war. Darüber hinaus lassen sich besondere Haarbildungen in Form von Stacheln nachweisen, ebenso wie verhornte Hautschuppen. Eine weitere Besonderheit im Skelettbau stellen zusätzliche Gelenkflächen an den Wirbeln dar, die die Wirbelsäule stärker verfestigten. Die wissenschaftliche Beschreibung der Gattung erfolgte im Jahr 2015.

Merkmale Spinolestes war ein mäuse- bis rattengroßes Tier mit einem rekonstruierten Körpergewicht von 52 bis 72 g, womit es unter den Säugetieren des Mesozoikums in etwa einen mittelgroßen Vertreter darstellte. Bisher ist nur ein einziges Skelett bekannt, das auf der linken Seite liegt, mit Ausnahme des Schädels, der disartikuliert vom restlichen Körper auf der Stirn ruht. Der Schädel maß insgesamt 35,8 mm in der Länge, die Breite zwischen den Jochbögen betrug 17,5 mm. Er war nur leicht gestreckt, wies aber ein kräftiges, abgerundetes Rostrum auf. Der geschlossene Jochbogen verlief relativ gerade und weniger ausladend. Er wurde hauptsächlich vom Bogenfortsatz des Schläfenbeins gebildet und reichte etwa bis zur Glenoidgrube für das Unterkiefergelenk. Die Glenoidgruben waren seitlich verlängert, aber nicht trogartig gestaltet. Die Gelenkflächen des Hinterhauptsbein besaßen eine große, ovale Gestalt. Der Unterkiefer war mit 28,7 mm relativ kurz, aber robust gebaut. Am hinteren Ende fehlte der Winkelfortsatz, ein auffälliges Kennzeichen der Eutriconodonta, die Region zeigte eine deutliche Rundung und war mit kräftigen Knochenleisten versehen. Der Meckelsche Knorpel, der bei den Höheren Säugetieren im Unterkiefer absorbiert ist, war bei Spinolestes wie bei anderen Eutriconodonten verknöchert. Er hatte eine spangenförmig lange und kurvige Gestalt und besaß ein stumpfes Ende. Die Ausbildung des Meckelschen Knorpels gibt an, dass das Mittelohr charakteristischerweise über diesen noch mit dem Unterkiefer in Verbindung gestanden hat; es ist allerdings nicht überliefert. Der Gelenkfortsatz wies gegenüber dem Kronenfortsatz und dem Unterkieferkörper eine Drehung auf, die Unterkiefergelenke waren oval und breit gestaltet. Das Gebiss verfügte noch über den urtümlichen Aufbau der frühen Säugetiere mit einer erhöhten Anzahl an Molaren. Die Zahnformel lautete: , insgesamt waren also 40 Zähne ausgebildet. Allerdings befand sich das Tier zum Zeitpunkt des Todes im Austausch der hinteren Bezahnung vom Milchgebiss zum dauerhaften Gebiss. Dabei hatte das Milchgebiss, charakteristisch für die Gobiconodontidae und abweichend von den anderen Säugetieren, ontogenetische Vorgänger der Molaren ausgebildet, die allgemein als molariformes angesprochen werden. Die Schneidezähne waren oben kleiner als unten und standen nicht in einer geschlossenen Reihe. Der jeweils innerste besaß eine konische Gestalt und war am größten, im Unterkiefer stand er schräg nach vorn (procumbent), was ein charakteristisches Merkmal der Triconodonten darstellt. Zum Eckzahn hin wurden die Zähne kleiner. Der Eckzahn selbst hatte eine schneidezahnähnliche Gestalt (incisiform). Die hinteren Prämolaren und die Molaren zeigten auf der Kaufläche drei spitze Höcker (tricuspid), von denen der mittlere die prominenteste Form aufwies.

Die Wirbelsäule umfasste 16 Brust-, 7 Lenden-, 3 Kreuzbein- und 22 Schwanzwirbel, Halswirbel sind nicht überliefert. Die Rückenwirbel bildeten eine Serie mit einer Länge von 8,3 cm, die Schwanzwirbelsäule wurde 10,7 cm lang und umfasste somit etwa die Hälfte der Gesamtkörperlänge. Von den 23 Rückenwirbeln setzten an insgesamt 20 Rippen an, die zweiköpfig und von rundem Querschnitt waren. Vom 9. und 10. bis zum 16. und 17. Rückenwirbel kamen an den Querfortsätzen zusätzliche Gelenkflächen vor, sogenannte Xenarthrale oder Nebengelenke, die ein definierendes Merkmal für die Nebengelenktiere Südamerikas sind, aber gelegentlich auch bei anderen, mit den Nebengelenktieren nicht näher verwandten Säugetieren auftreten. Spinolestes und den anderen Gobiconodontiden fehlte beispielsweise der Zitzenfortsatz (Processus mammillaris), der bei den Nebengelenktieren eine der typischen xenarthralen Verbindungen bildet. Die Schwanzwirbel waren an der Schwanzbasis relativ kurz, verlängerten sich aber nach hinten und wurden schlanker. Einige der vorderen Schwanzwirbel wiesen gedoppelte Querfortsätze auf. Die Wirbelbögen waren relativ lang und nach vorn orientiert. Der Schultergürtel glich generell dem der Theria und war mit einem breiten, im Umriss dreieckigen Schulterblatt ausgestattet. Die Schultergräte setzte sehr hoch an, das Acromion, eine prominente Muskelansatzstelle, war nach vorn und unten gerichtet. Ein weiterer Fortsatz befand sich am hinteren Rand. Zudem war ein Schlüsselbein von robuster und kurviger Gestalt ausgebildet. Der Oberarmknochen, der 19,7 mm lang wurde, hatte einen halbkugelförmigen Gelenkkopf, der keinen Halsansatz besaß. Der untere Teil des Schaftes war um rund 40° gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Am Ellenbogengelenk waren die Gelenkfläche für die Elle und die Speiche voneinander getrennt, was ein eher urtümliches Merkmal darstellt, außerdem traten markante Ansatzstellen für die Armmuskulatur auf. Elle und Speiche waren nicht verwachsen, der obere Gelenkfortsatz der Elle, das Olecranon, hatte eine massige, aber kurze Gestalt und nahm nur rund 20 % der Länge des Gesamtknochens ein, die 20,1 mm betrug. Im Gegensatz zur deutlich modernen Gestaltung des Schultergürtels wies das Becken in Übereinstimmung mit anderen Eutriconodonten einen eher urtümlichen Aufbau auf, seine drei Knochen waren an der Hüftgelenkspfanne nicht verwachsen. Der für die Beuteltiere markante Beutelknochen trat als breite, dreieckige Bildung auf. Der Oberschenkelknochen wurde 22,7 mm lang, der Gelenkkopf saß auf einem deutlichen Hals. Der Große Rollhügel erreichte etwa die Höhe des Oberschenkelkopfes, der Kleine Rollhügel war dagegen nicht prominent. Sowohl das Schien- als auch das Wadenbein besaßen einen runden Schaft und waren von annähernd gleicher Größe. Sie wiesen keine knöcherne Verbindung auf. Am Kniegelenk war zudem eine Fabella ausgebildet. Die Hände besaßen fünf Strahlen, die einzelnen Fingerknochen waren eher kurz und dick. Jeder Fingerstrahl endete in krallenartige Glieder, die nicht sehr gebogen, und seitlich nur moderat verschmälert waren. An den Seiten befanden sich auch kleine Einkerbungen, in den die Hornaufsätze einrasteten. Der Fuß ist beim aufgefundenen Skelett disartikuliert und um den Schädel verstreut.

Fundstelle Das bisher einzige bekannte Skelett von Spinolestes kam in der Fossillagerstätte von Las Hoyas rund 20 km östlich der Stadt Cuenca in der gleichnamigen Provinz im zentralen Spanien zu Tage. Die Fossilfundstelle befindet sich im Iberischen Gebirge im östlichen Teil der Iberischen Halbinsel, und zwar im Hochland von Serranía de Cuenca, welches wiederum in mehrere Nebenbecken unterteilt werden kann, von denen eines Las Hoyas darstellt. Die ältesten kontinentalen Ablagerungen der Serranía de Cuenca bestehen aus Sand- und Kalksteinen, die der Unterkreide angehören und diskordant über mitteljurassischen Kalksteinen marinen Ursprungs liegen. Die terrestrischen Sedimente können zwei Formationen zugewiesen werden, wobei die untere El-Collado-Formation nur wenig aufgeschlossen ist. Viel umfangreicher sind die Ablagerungen der La-Huérguina-Formation, die bis zu 400 m mächtig werden und insgesamt vier Schichtgliedern oder Untereinheiten entsprechen. Die exzeptionelle Fundstelle Las Hoyas gehört innerhalb dieser dem zweiten Schichtglied (von unten gezählt) an, welches mit Rambla de Las Cruces II bezeichnet wird. Es besteht aus einer Folge von fein geschichteten Kalksteinen (Plattenkalk), die auf einen oder mehrere ehemalige Seen beziehungsweise eine Überflutungsebene in einer ursprünglich schwach reliefierten Landschaft zurückgehen.

Die Fossillagerstätte Las Hoyas wurde 1985 entdeckt. Das Fundmaterial aus den fein laminierten Ablagerungen zeichnet sich durch eine außerordentlich gute Erhaltung aus und setzt sich aus einigen Tausend Spuren- und Körperfossilien zusammen. Die nachgewiesenen Organismen umfassen Bakterien, Pilze, Algen, Protisten, Pflanzen und Tiere und gehören insgesamt über 130 Gattungen an. Unter den Tieren sind sowohl Wirbellose als auch Wirbeltiere vertreten, sie werden häufig im anatomischen Verband mit nur minimalen Verlagerungsspuren aufgefunden. Insgesamt dominieren die Gliederfüßer, die fast 45 % des Gesamtfundmaterials stellen. Besonders hervorzuheben ist die Insektenfauna, die eine der aussagekräftigsten des Mesozoikums darstellt. Zu den bisher bestimmten Wirbeltieren gehören Fische, Amphibien, Schuppenkriechtiere und Archosaurier. Las Hoyas gibt unter anderem einen Einblick in die frühe Entwicklung der Vögel, neben diesen sind unter den Dinosauriern vor allem Ornithomimosaurier und Allosaurier vertreten. Spinolestes ist dem gegenüber das erste bekannte Säugetier der Fundstelle. Darüber hinaus ist aber Las Hoyas auch für die ausgezeichnete Erhaltung des Weichteilgewebes bekannt, welches in Form von Federn, Hautresten, Mageninhalten beziehungsweise Gewöllen vorliegt. Mit Hilfe der reichhaltigen Floren- und Faunengemeinschaft kann eine subtropisch beeinflusste Landschaft rekonstruiert werden, die von Koniferen-Pflanzengemeinschaften geprägt war. Aus biostratigraphischer Sicht ist eine Einstufung in das ausgehende Barremium vor etwa 127 bis 125 Millionen Jahren anzunehmen.

Paläobiologie Überlieferung der Weichteile