Das Schiff der verlorenen Menschen ist ein auf hoher See spielendes, deutsches Stummfilmdrama aus dem Jahre 1929 von Maurice Tourneur mit Marlene Dietrich und Fritz Kortner in den Hauptrollen.
Handlung Ethel Marley ist eine wagemutige Amerikanerin, die es als einige der wenigen Frauen jener Zeit wagt, allein mit ihrem Flugzeug die Ozeane zu überqueren. Bei einem ihrer tollkühnen, aeronautischen Unternehmungen kommt sie jedoch ins Trudeln und stürzt im Meer ab. Ethel hat Glück im Unglück, in der Nähe befindet sich ein Schiff. Der junge, attraktive Amerikaner William Cheyne, der sich gegen seinen Willen an Bord befindet, und der gutmütige, grundanständige Schiffskoch Grischa entdecken eines Nachts das auf dem Meer treibende Flugzeugwrack und hieven Ethel an Bord. Doch durch diese Rettung gerät Ethel vom Regen in die Traufe, denn dieser Seelenverkäufer ist ein Schmugglerschiff, auf dem sich jede Menge finstere Gestalten – entflohene Sträflinge ebenso wie flüchtige Verbrecher – und raubeinige Seeleute tummeln.
Kapitän Vela, ebenfalls nicht gerade vertrauenerweckend, ist der Chef auf dieser Barke und führt, als „geifernder Shylock im Schifferdreß, unermüdlich mit Revolvermündung und Nasenlöchern Unheil und Verderben dräuend“,zit. n. Werner Fiedler in: Deutsche Allgemeine Zeitung v. 21. September 1929. ein hartes Regiment. Grischa und der US-Boy verstecken die Bruchpilotin vor dieser verkommenen Besatzung, damit sie nicht in deren begehrliche Hände gerät. Doch der blinde Passagier lässt sich auf diesem nicht allzu großen Segler nicht lange verbergen. Und so steht die einzige Frau an Bord gleicher einer ganzen Horde lüsterner Schurken und versoffener Rabauken gegenüber, die von ihr nur das Eine wollen. Nur Cheyne und Grischa stellen sich schützend vor Ethel. Ehe es zum Äußersten kommen kann, fällt ein Lichtkegel auf das Schiff der verlorenen Menschen. Ein Passagierdampfer hat den von Grischa mit einer Taschenlampe (!) angegebenen SOS-Notruf empfangen und ist dem Schmugglerschiff entgegengefahren. Vela und seinen Mannen bleibt nicht anderes mehr übrig, als sich zu ergeben. Ethel, Grischa und Cheyne hingegen sind gerettet.
Produktionsnotizen Das Schiff der verlorenen Menschen entstand von April bis Juni 1929 im Filmatelier von Staaken. Dort wurde auch im Verhältnis 1:1 der Gaffelschoner, zentraler Handlungsort des Films, nachgebaut. Die Außenaufnahmen auf dem Wasser wurden im Mündungsgebiet der Trave hergestellt, Hafenaufnahmen entstanden im Rostocker Freihafen. Der Sechsakter mit einer Länge von anfänglich 2665 Metern erhielt bei den ersten beiden Zensurprüfungen am 26. August und 2. September 1929 ein generelles Aufführungsverbot das nach vorgenommenen Schnitten am 5. September 1929 auf ein Jugendverbot reduziert wurde. In dieser genehmigten Schnittfassung war der Film nur noch 2593 Meter lang. Die Uraufführung erfolgte am 17. September 1929 in Berlins Ufa-Pavillon.
Produzent Max Glass übernahm auch die Produktionsleitung. Die Filmbauten wurden von Franz Schroedter gestaltet. Tourneurs Sohn Jacques Tourneur, später gleichfalls ein bekannter Hollywood-Regisseur, assistierte seinem Vater.
Mit diesem Filmtitel versuchten die deutschen Produzenten an Tourneurs kommerziell erfolgreichstem Film, der Hollywood-Produktion Die Insel der verlorenen Schiffe (1923), anzuknüpfen.
Für Dietrich und Kortner war dies bereits die zweite Filmzusammenarbeit 1929. Zu Beginn desselben Jahres standen beide gemeinsam in Kurt Bernhardts Die Frau, nach der man sich sehnt vor der Kamera.
Kritiken
Wiederaufführung Das kommunale Filmhaus Nürnberg zeigte „Das Schiff der verlorenen Menschen“ am 29. September 2019 mit einer Einführung von Matthias Fetzer, am Flügel begleitet von D. Meyer.vgl. Programm Stummfilm Juli-Dezember 2019 Filmhaus Nürnberg, PDF, S. 4.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1929 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Stummfilm Kategorie:Abenteuerfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Thriller Kategorie:Seefahrt im Film Kategorie:Literaturverfilmung