(3688) Navajo ist ein Asteroid in der Hecuba-Lücke, der äußeren Begrenzung des äußeren Hauptgürtels, der am 30. März 1981 vom US-amerikanischen Astronomen Edward L. G. Bowell an der Anderson Mesa Station des Lowell-Observatoriums in Arizona bei einer Helligkeit von 16,8 mag entdeckt wurde. Nachträglich konnte festgestellt werden, dass er bereits vom 9. Februar bis 15. März 1981 mehrfach am Siding-Spring-Observatorium in Australien fotografiert worden war.
Der Asteroid ist benannt nach dem indigenen Volk Nordamerikas, das ein 60.000 Quadratkilometer großes Gebiet in Arizona, New Mexico und Utah bewohnte. Die Navajo wanderten vermutlich im 15. Jahrhundert in den Südwesten der Vereinigten Staaten ein. Ihre blühende Kultur ist heute besonders für ihre künstlerischen Errungenschaften bekannt, darunter Weberei und Silberschmiedekunst.
(3688) Navajo befindet sich in einer 2:1-Bahnresonanz mit dem Planeten Jupiter und bewegt sich in der Hecuba-Lücke zwischen den Asteroiden der Themis-Familie und den Mitgliedern der Cybele-Gruppe. Die Hecuba-Lücke liegt bei 3,27 AE Sonnenabstand und hat eine Breite von etwa 0,2 AE. Die Große Halbachse der Umlaufbahn des Asteroiden oskuliert mit einer Periode von etwa 375 Jahren zwischen 3,22 und 3,33 AE um einen Mittelwert von 3,277 AE. Viele Jahre lang glaubte man, die Hecuba-Lücke sei völlig frei von Asteroiden. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war nur (1362) Griqua bekannt, die sich in der 2:1-Resonanz befand. Ab den 1970er Jahren begann die Anzahl der bekannten Asteroiden zu wachsen, als die Asteroiden (1921) Pala und (1922) Zulu entdeckt wurden. In den folgenden 20 Jahren stieg die Zahl weiter an, sie erreichte Anfang der 1990er Jahre einen bescheidenen Wert von etwa 10 Objekten und 2001 waren bereits über 50 bekannt.
(3688) Navajo bewegt sich auf einer Umlaufbahn mit hoher Exzentrizität aber geringer Bahnneigung gegen die Ekliptik, im sonnennächsten Punkt (Perihel) seiner Bahn ist er derzeit nur knapp 1 % weiter von der Sonne entfernt wie der Mars in seinem sonnenfernsten Punkt (Aphel), während der Asteroid in seinem Aphel fast so weit von der Sonne entfernt ist wie Jupiter in seinem Perihel. Der geringste Abstand zwischen den beiden Bahnen (Minimum orbit intersection distance, MOID) von Asteroid und Jupiter liegt aktuell bei etwa 35 Mio. km (0,24 AE). Aufgrund der Bahnresonanz kommt der Asteroid dem Jupiter selbst in den 1000 Jahren um die aktuelle Epoche herum aber nicht näher als etwa 550 Mio. km (3,68 AE).
Für den Mars liegt die MOID bei etwa 2,1 Mio. km (0,014 AE). In den 1000 Jahren um die gegenwärtige Epoche kommt der Asteroid dem Mars nur einmal näher als 10 Mio. km, dies ereignete sich im Januar 1619 bis auf einen Abstand von 4,2 Mio. km. Die letzten engeren Begegnungen fanden am 11. September 2015 (bis auf 29,6 Mio. km) und 1. Oktober 2021 (bis auf 36,6 Mio. km) statt, die nächste ereignet sich am 14. August 2085 (bis auf 26,0 Mio. km). Der gegenseitige Bahnabstand verringert sich aber tendenziell immer weiter und etwa ab dem Jahr 3100 wird der Asteroid immer wieder für einige Zeit zum Marsbahngrazer werden.
Wissenschaftliche Auswertung Eine Untersuchung von 2002 zu Asteroiden in einer 2:1-Resonanz mit Jupiter fand, dass die Umlaufbahn von (3688) Navajo grenzwertig instabil ist und nach numerischen Simulationen eine dynamische Lebensdauer von etwa 216 Mio. Jahren besitzt bis die Resonanz wieder aufgelöst wird. Mit einer angenommenen Albedo von 0,05 wurde der Durchmesser von (3688) Navajo auf 6,3 km geschätzt.F. Roig, D. Nesvorný, S. Ferraz-Mello: Asteroids in the 2:1 resonance with Jupiter: dynamics and size distribution. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Band 335, Nr. 2, 2002, S. 417–431, doi:10.1046/j.1365-8711.2002.05635.x (PDF; 1,20 MB). Eine neue Untersuchung von 2005 identifizierte etwa 100 weitere Asteroiden in der 2:1-Resonanz mit Jupiter. Es wurde auch gezeigt, dass das Vorhandensein instabiler Asteroiden in der 2:1-Resonanz durch einen kontinuierlichen Strom an Asteroiden erklärt werden könnte, die durch den Jarkowski-Effekt in die Resonanzzone getrieben werden.M. Brož, D. Vokrouhlický, F. Roig, D. Nesvorný, W. F. Bottke, A. Morbidelli: Yarkovsky origin of the unstable asteroids in the 2/1 mean motion resonance with Jupiter. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Band 359, Nr. 4, 2005, S. 1437–1455, doi:10.1111/j.1365-2966.2005.08995.x (PDF; 590 kB).
Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2011 für (3688) Navajo zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 6,1 km bzw. 0,05.J. R. Masiero, A. K. Mainzer, T. Grav, J. M. Bauer, R. M. Cutri, J. Dailey, P. R. M. Eisenhardt, R. S. McMillan, T. B. Spahr, M. F. Skrutskie, D. Tholen, R. G. Walker, E. L. Wright, E. DeBaun, D. Elsbury, T. Gautier IV, S. Gomillion, A. Wilkins: Main Belt Asteroids with WISE/NEOWISE. I. Preliminary Albedos and Diameters. In: The Astrophysical Journal. Band 741, Nr. 2, 2011, S. 1–20, doi:10.1088/0004-637X/741/2/68 (PDF; 73,0 MB).
Siehe auch Liste der Asteroiden
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Hauptgürtelasteroid unter 50 km Durchmesser Kategorie:Astronomisches Objekt (entdeckt von Edward L. G. Bowell) Kategorie:Navajo