Die Internationale Gustav Mahler Gesellschaft (IGMG) betreibt und fördert die wissenschaftliche Erforschung von Leben und Schaffen Gustav Mahlers, dessen Rezeptionsgeschichte, des kunst- und kulturhistorischen Hintergrunds der Epoche Gustav Mahlers sowie die Verbreitung von dessen Werk. Die IGMG ist die älteste weltweit aktive Institution der Mahler-Forschung.Im Dienste der Musik Mahlers Die Internationale Gustav Mahler Gesellschaft (IGMG), auf gustav-mahler.org

Geschichte Auf Initiative der Wiener Philharmoniker wurde die Gesellschaft am 11. November 1955 in Wien gegründet, zum ersten Ehrenpräsidenten wurde Bruno Walter gewählt, Erwin Ratz war erster Präsident und als Ehrenmitglied wurde Alma Mahler aufgenommen. Zu den weiteren Vorstandsmitgliedern zählten u. a. Theodor W. Adorno, Ernst Krenek, Rafael Kubelík, Willem Mengelberg oder Georg Solti.

Zunächst wurden zum Thema Mahler und seinem Umfeld eine Bibliothek und ein Archiv eingerichtet, Vorbild war das Beethoven-Haus in Bonn. Weiters waren als primäre Aufgaben die Kritische Gesamtausgabe der Werke Mahlers sowie die Einrichtung und Pflege der Gedenkstätten geplant. Ab 1956 wurden weitere internationale Mahler Gesellschaften gegründet, so in den Niederlanden, Schweden, den USA, Japan und Deutschland. Die Gesellschaft initiierte und finanzierte die Installation von Gedenktafeln an Orten und Stätten, an denen Mahler wohnte oder wirkte, so in Toblach (1958) und in Wien III, Auenbruggergasse (1981).

Ein weiteres Anliegen der Gesellschaft besteht in der Erhaltung und Pflege von Mahlers Komponierhäuschen in Steinbach am Attersee (Eröffnung 1985), Maiernigg (Eröffnung 1986) sowie Toblach (Eröffnung 1992). 1960, anlässlich des hundertsten Geburtstages von Mahler, fanden zahlreiche Aktivitäten statt. Theodor W. Adorno veröffentlichte seine Monographie Mahler. Eine musikalische Physiognomik, an der Wiener Secession wurde die Ausstellung Gustav Mahler und seine Zeit eröffnet und es erschien der erste Band der Gesamtausgabe, die Siebte Symphonie GMW 47.

Sukzessive erschienen ab 1963 weitere Bände der Gesamtausgabe (Vierte, Fünfte, Sechste Symphonie, Adagio aus der Zehnten, Das Lied von der Erde). Die anlässlich des Jubiläums stattfindenden Aufführungen von Mahlers Musik steigerte deren Popularität nachhaltig, wozu auch die erste Gesamteinspielung durch Leonard Bernstein (1967) beitrug. Kurt Blaukopf – Leiter von Bibliothek und Archiv – publizierte 1969 seine grundlegende Studie Mahler oder der Zeitgenosse der Zukunft. Gottfried von Einem folgte 1973 Erwin Ratz als Präsident der Gesellschaft, Karl Heinz Füssl leitete die Herausgabe der Gesamtausgabe.

1976 bezog die Gesellschaft die Räumlichkeiten am Wiedner Gürtel 6. Herta Blaukopf und Knud Martner brachten Editionen von Mahlers Briefen und Dokumenten heraus. 1991 übernahm Rainer Bischof das Präsidentenamt, Thomas Hampson wurde zum Vizepräsidenten bestellt. Nach dem Tod von Füssl 1992 wurde Reinhold Kubik Leiter der Gesamtausgabe, diese Position übernahmen 2012 Renate Stark-Voit und Stephen Hefling.

Die von der Gesellschaft seit 1976 in Deutsch und Englisch herausgegebenen Mitteilungen, die Nachrichten zur Mahler-Forschung (News about Mahler Research),Nachrichten zur Mahler-Forschung, auf gustav-mahler.org wurden zu einer wissenschaftlichen Zeitschrift, deren Herausgabe und Redaktion Erich Wolfgang Partsch übernahm. Seit 2015 ist Renate Stark-Voit Herausgeberin der Zeitschrift. Die IGMG beteiligte sich an der Organisation zahlreicher wissenschaftlicher Veranstaltungen, wie bspw. dem Gustav Mahler-Kolloquium in Wien (1979), der Tagung Gustav Mahler und die Oper (Budapest, 1988) oder den 2007 und 2021 in Wien stattgefundenen Symposien Musikinstrumente und Musizierpraxis zur Zeit Gustav Mahlers. Darüber hinaus wirkte die Gesellschaft bei den Ausstellungen Die Ära Gustav Mahler (1997) sowie leider bleibe ich ein eingefleischter Wiener – Gustav Mahler und Wien (2010) im Wiener Theatermuseum mit. Neben diversen anderen Initiativen erarbeitete die Gesellschaft auch eine Mahler gewidmete Dauerausstellung für das Kulturzentrum Grand Hotel Toblach.

Im Jahre 2015 beendete Rainer Bischof sein 24 Jahre währendes Wirken als Präsident der IGMG. Ihm folgte Christian Meyer nach. In seine Präsidentschaft fällt das Jubiläumsfest „60 Jahre IGMG“ am 30. Oktober 2015 im Gläsernen Saal des Musikvereins, das entscheidend durch das künstlerische Engagement Thomas Hampsons und die mitwirkenden Wiener Virtuosen geprägt war. Kammersänger Thomas Hampson, dem die IGMG entscheidende Förderungen und Impulse verdankt, ist seit 2019 Künstlerischer Berater des Vorstandes.

2019 wurde ein neuer Vorstand gewählt mit Peter Revers als Präsidenten und Barbara Boisits als Vizepräsidentin. Nach der Wahl 2023 übernahm Christian Utz das Amt des Präsidenten. Weitere Mitglieder des aktuellen Vorstandes sind Barbara Boisits (Vizepräsidentin), Meike Wilfing-Albrecht (Kassierin), Thomas Glaser (Schriftführer), Morten Solvik (stellv. Kassier), Federico Celestini (stellv. Schriftführer), Peter Revers, Stephen Hefling, Renate Stark-Voit und Alexander Steinberger (Sekundgeiger und Vizevorstand der Wiener Philharmoniker).

Wesentliche Initiativen seit 2020 umfassen die grundlegende Erneuerung der Webseite der IGMG (Relaunch am 27. April 2023), die Erstellung eines digitalen Verzeichnisses der Werke Gustav Mahlers (GMW) auf Grundlage der in den Digital Humanities entwickelten Methoden als Kooperationsprojekt der IGMG mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität InnsbruckMahler online, auf gustav-mahler.orgDigitalisierung des Archivs der Internationalen Gustav Mahler Gesellschaft 1.6.2023–31.8.2024, auf gustav-mahler.org sowie die Digitalisierung von wesentlichen Archivbeständen der IGMG im Rahmen einer Förderung des digitalen europäischen Kulturerbes (Europeana). Seit März 2025 sind wesentliche Archivdokumente der IGMG über das Portal Kulturpool verfügbar.Internationale Gustav Mahler Gesellschaft, auf kulturpool.at

Präsidenten der Gesellschaft

1955–1973 Erwin Ratz 1973–1991 Gottfried von Einem 1991–2015 Rainer Bischof 2015–2019 Christian Meyer 2019–2023 Peter Revers seit 2023 Christian Utz

Goldene Mahler Medaille Von der Gesellschaft wird seit 1958 an verdienstvolle Personen oder Institutionen in unregelmäßigen Abständen die Goldene Mahler Medaille verliehen. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die zur Verbreitung von Mahlers Werk beigetragen oder Aktivitäten der Gesellschaft öffentlich präsentiert haben. Die Auszeichnung wird auf Vorstandsbeschluss verliehen.Goldene Mahler Medaille, auf gustav-mahler.org

Preisträger 1958: Carl Schuricht 1958: Eduard van Beinum 1958: Concertgebouworkest Amsterdam 1958: Rotterdams Philharmonisch Orkest 1958: Eduard Flipse 1958: Herm. J. Nieman 1960: Rafael Kubelík 1960: Dimitri Mitropoulos 1966: Utrecht Orkest 1966: Dresdner Philharmonie 1967: Leonard Bernstein 1969: Wiener Symphoniker 1971: Bernard Haitink 1974: Kyrill Kondraschin 1974: Joseph Krips 1974: Hans Swarowsky 1979: Residentie Orkest Den Haag 1980: Wiener Philharmoniker 1980: Alice Strauss, posthum Franz Strauss 1980: Christa Ludwig 1980: Dietrich Fischer-Dieskau 1980: Carlo Maria Giulini 1981: Städtisches Symphonieorchester der Stadt Münster 1981: Alfred Walter 1982: Václav Neumann 1982: Eleonore und Bruno Vondenhoff 1984: Federico Sopeña Ibáñez 1985: Claudio Abbado 1985: George Alexander Albrecht 1985: Niedersächsisches Staatsorchester Hannover 1987: Donald Mitchell 1996: Marjana Lipovšek 1996: Rafael Frühbeck de Burgos 1997: Edward R. Reilly 1999: Thomas Hampson 2005: Henry-Louis de La Grange 2005: New York Philharmonic Orchestra 2005: MahlerFest Colorado 2005: Gustav Mahler Komitee Toblach 2007: Vladimir Fedoseyev 2007: Knud Martner 2007: Peter Weiser 2010: Constantin Floros 2012: Jiří Rychetský 2013: Reinhold Kubik 2015: Erich Wolfgang Partsch 2022: Frank Fanning 2024: Hermann Danuser 2024: Vera Micznik 2026: Sir Simon Rattle

Literatur Peter Revers: Im Dienste der Musik Mahlers: Die Internationale Gustav Mahler Gesellschaft (IGMG). 01/2023. Antonia Teibler, „‚Denn es soll […] etwas wirklich Großes geleistet werden.‘ Erwin Ratz und die Internationale Gustav Mahler Gesellschaft“, Internationale Gustav Mahler Gesellschaft, Digitale Beiträge, veröffentlicht 10/11/2023, zuletzt aktualisiert 17/01/2025.

Reinhold Kubik: The History of the International Gustav Mahler Society in Vienna and the Complete Critical Edition, in: Jeremy Barham (Hrsg.), The Cambridge Companion to Mahler, Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-54033-9, S. 217–225.

Weblinks Website der Internationalen Gustav Mahler Gesellschaft (Relaunch 27. April 2023)

Einzelnachweise

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