Alfred Orgler (geboren am 26. April 1876 in Breslau; gestorben zwischen März 1943 und Januar 1945 in Auschwitz oder in TheresienstadtAlfred Orgler starb zu einem unbekannten Zeitpunkt zwischen März 1943 und Januar 1945 in Auschwitz oder in Theresienstadt, Schreiben des Berliner Senators für Inneres an das Bundesjustizministerium vom 19. Juli 1952, Mitteilung des Bundesarchivs Koblenz vom 12. September 1986.) war Senatspräsident am Kammergericht.
Leben Privatleben mini|Stolperstein für Alfred Orgler in der Elßholzstraße 32 Orgler absolvierte ein Jurastudium in Heidelberg. Seit 1894 war er Mitglied der paritätischen Studentenverbindung Freie Wissenschaftliche Vereinigung Heidelberg.Erich Simon (Hrsg.): Jubiläums-Mitgliederliste des Bundes der Freien Wissenschaftlichen Vereinigungen (B.F.W.V.). Berlin 1931, S. 64. Der Abschluss 1898 erfolgte mit dem 1. Staatsexamen und Promotion zum Dr. jur., sodann begann seine Referendarzeit.
Alfred Orgler lebte mit seiner Frau in Berlin ab 1923 zunächst in der Elßholzstraße 30–33, sodann ab 1939 in der Eisenacher Straße 98 und schließlich von 1942 bis zu seiner Deportation im März 1943 in der Augsburger Straße 62.Stolperstein vor dem Haus Elßholzstraße 30–33 vom 11. November 2010. Orglers Ehe war nach nationalsozialistischer Definition eine „privilegierte Mischehe“.
Richtertätigkeit Alfred Orgler war zunächst ab 1905 Landrichter und ab 1917 Landgerichtsrat in Beuthen O.S. 1923 wurde er Kammergerichtsrat, 1929 Senatspräsident am Kammergericht.Dienstlaufbahn der preußischen Richter und Staatsanwälte, 5. Auflage 1925. Anfang 1933 übernahm er den Vorsitz des 15. Zivilsenats des Kammergerichts.
Alfred Orgler war neben Arnold Freymuth und Hermann Großmann einer der drei Richter am Kammergericht, die von der preußischen Staatsregierung aus Sozialdemokraten und Zentrum als Gegengewicht gegen die national-konservative Übermacht der Richter am Kammergericht gedacht waren. Gegen die Berufung Orglers und der beiden anderen republikanischen Richter an das Kammergericht protestierte der Preußische Richterverein.DJZ 1924, 207/208.Lüth/Wesel, S. 204.
Die Richter der Weimarer Republik Ingo Müller schreibt in seinem Buch Furchtbare Juristen:Ingo Müller: Furchtbare Juristen. Die unbewältigte Vergangenheit unserer Justiz. Kindler, München 1987, S. 19 ff.
Politische Tätigkeit Alfred Orgler war 1922 Gründungsmitglied des Republikanischen Richterbundes sowie Mitbegründer des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Er war von 1929 bis 1932 Mitglied der SPD sowie ab 1932 Mitglied der Sozialrepublikanischen Partei (Hörsingbewegung). Kurze Zeit war er auch Mitglied der Liga für Menschenrechte.Akten zur Durchführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, GStAB, Rep. 84a/20356.
Publizistische Tätigkeit Alfred Orgler publizierte im Berliner TageblattHier insbesondere in der Ausgabe vom 10. Juni 1922. und in der Frankfurter Zeitung.Hier insbesondere in der Ausgabe Nr. 27 vom 11. Januar 1924. Dort schrieb Alfred Orgler:
Tod im Vernichtungslager Alfred Orgler wurde im April 1933 zwangsbeurlaubt und am 20. Juli 1933 aus dem Justizdienst entlassen. Die letzte Nachricht über Alfred Orgler steht in den Deportationslisten vom März 1943. Er war Jude und kam nach Auschwitz. Dort oder in Theresienstadt ist er umgekommen.Lüth/Wesel, S. 208.
Ehrungen Am 11. November 2010 wurden, verbunden mit einer Ansprache der Präsidentin des Kammergerichts Monika Nöhre, für Alfred Orgler und vier weitere jüdische Richter des Kammergerichts, die deportiert und ermordet wurden, die Stolpersteine vor dem Gebäude des Kammergerichts verlegt.
Literatur Johann Heinrich Lüth, Uwe Wesel: Arnold Freymuth (1878–1933), Hermann Großmann (1878–1960), Alfred Orgler (1876–1943(?)), Drei Richter für die Republik. In: Kritische Justiz (Hrsg.): Streitbare Juristen. Eine andere Tradition. Nomos, Baden-Baden 1988, S. 204 ff. Jürgen Kipp: Einhundert Jahre. Zur Geschichte eines Gebäudes 1913–2013. Ein Lesebuch. BWV, Berlin 2013, S. 163 ff. (Eine Richterversammlung im Kammergericht – 1. Februar 1924). Orgler, Alfred, in: Hans Bergemann, Simone Ladwig-Winters: Richter und Staatsanwälte jüdischer Herkunft in Preußen im Nationalsozialismus : eine rechtstatsächliche Untersuchung. Eine Dokumentation. Köln : Bundesanzeiger-Verlag, 2004, S. 272 Horst Göppinger: Juristen jüdischer Abstammung im „Dritten Reich“. Entrechtung und Verfolgung. München: C.H. Beck, 1990, ISBN 3-406-33902-6, S. 256
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Einzelnachweise
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