mini|Paul Gabriël (etwa 1860):- Landschaft mit zwei Bäumen - Rijksmuseum Amsterdam. mini|Willem Carel Nakken (ohne Datum): Entladen des Heuwagens - Privatbesitz Die Oosterbeeker Schule hatte ihre Wirkungszeit von 1841–1870. Sie ist mit die älteste Künstlerkolonie in den Niederlanden und gilt als die Wiege der Haager Schule in der Tafelmalerei. Das Dorf Oosterbeek ist im Zusammenhang mit dem Flecken Wolfheze und den einmaligen, sehr abwechslungsreichen und vielfältigen Bildern der Landschaft und der ländlichen Bevölkerung zu sehen. In dieser Künstlerkolonie fanden jene Maler zusammen, die den späteren Kern der Haager Schule und des Pulchri Studios bilden sollten, aus der auch im Jahre 1878 die Hollandse Teekenmaatschappij – Niederländische Zeichengesellschaft hervorging. Diese Schule war die Abwendung von der Romantik und dem Realismus. Sie ist das niederländische Pendant zur französischen Schule von Barbizon und der ihr folgenden Phase des Vorimpressionismus bzw. Impressionismus und der später einsetzenden Moderne.
Oosterbeek im Goldenen Zeitalter der Niederlande mini|Aert van der Neer: Flusslandschaft im Mondlicht. mini|Meidert Hobbema (1664): Eine Wassermühle - Rijksmuseum. Die Landschaftsmalerei des 1. Goldenen Zeitalters der Malerei der Niederlande zur Zeit der 7 Republiken erlebte hier ihren Aufschwung. Die Landschaftskunst dieser Zeit hatte eine Typologie erreicht, die für kommende Generationen von Malern sowohl in den Niederlanden als auch im Ausland richtungsweisend sein sollte. In der Bildgattung der Landschaftsmalerei hatten sich die Motive in die
Überblickslandschaft, Panoramalandschaft, Gebirgslandschaft, Winterlandschaft, Waldlandschaft, Flusslandschaft, Dünenlandschaft, Küstenlandschaft und Seelandschaft,
zergliedert. Diese sind kennzeichnend für die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts.Vergleiche hierzu auch Gaschke und Stocker, S. 12–15. Schon zu jener Zeit waren Landschaften von Jan van Goyen (1596–1656),Hier ist die „Ansicht von Haarlemmeer“ von 1644 als Panoramalandschaft wichtig. Simon de Vlieger (1601–1653),In diesem Zusammenhang wird auf „Der Strand von Scheveningen“ aus dem Jahre 1633, das der Küstenlandschaft zuzurechnen ist, verwiesen Aert van der Neer (1603–1677),Das Thema „Mondscheinlandschaft mit Fluß“, etwa um 1645/50 entstanden, ist ein gutes Beispiel für Flußlandschaft – Die Kühe, welche bei den Malern der Haager Schule, besonders bei Albertus Gerardus Bilders eine wesentliche Rolle spielen sollten, waren hier schon Bildgegenstand! Jan Wijnants (1632–1684)„Dünenlandschaft mit Vieh“ von 1667 ist in der Tradition der niederländischen Dünenlandschaft. und Meidert Hobbema (1638–1709)Die „Wassermühle mit großem roten Dach“ repräsentiert die Waldlandschaft und die Urwüchsigkeit der Natur durch die starke knorrige Baumgruppe, die im Gegensatz zu dem Eingriff durch den Menschen in Form der Wassermühle und dem winzigen, sehr kleinen Menschen als Statisten steht. Gerade diese Statistenrolle sollte der Mensch in dieser Landschaftsmalerei beibehalten. die Wegbereiter dieser Bildgattung.
Zur geographischen Lage von Oosterbeek Oosterbeek liegt in der Nähe der Ausläufer des Rheins, etwa 4,0 km westlich von Arnheim, in der Provinz Gelderland. Auch wenn in der Fachwelt immer nur von Oosterbeek gesprochen wird, ist der etwa 5,5 km weit entfernte Flecken Wolfhese von immanenter Wichtigkeit. Zwischen diesen beiden Orten liegen zum Teil noch heute unberührte Waldstücke, Heidelandschaften, der berühmte Wotanwald mit seiner Wotaneiche,Odin oder Wotan ist der Hauptgott der nordischen Mythologie, also der Gottvater. Die Edda ist die wichtigste Überlieferung, weiterführend wird auf Jan de Vries verwiesen. Feuchtgebiete und die Flusslandschaften. Darüber hinaus war hier das Landleben seit dem 1. Goldenen Zeitalter der Niederlande nahezu unberührt geblieben.
Die Bewegung 1830 und Barbizon mini|links|Albrecht Dürer (1494/95): Tal von Kalchreuth in Aquarelltechnik. mini|Richard Parkes Bonington (1820): An der Küste der Picardie - Wallace Collections, London. mini|John Constable (1827): Seelandschaft mit Regenwolken - Royal Academy of Arts, London. mini|Théodore Rousseau (undatiert): Sonnenuntergang - Museu da Chárava do Céu, Rio de Janeiro. Als Ausgangspunkt für die Abwendung von der akademischen Ateliermalerei mit den vorgegebenen Motiven des Neoklassizismus sowie der traditionellen Kunstauffassung erwuchs aus den Revolutionen von 1798 und 1830 in Frankreich auch in der Malerei ein enormer Umbruch. Dies führte zu einer geistigen Auseinandersetzung um die Werte der Tradition bzw. des Vorschritts. Damit war auch in der Tafelbildmalerei der Aufbruch in eine geistige Gegenwelt getan. Als Motive wurden zusehends das Greifbare wie der Mensch und sein Leben und die Natur aufgegriffen – ja selbst das nicht Schöne wurde jetzt als malenswert erachtet. Allerdings trat zunächst die Stilrichtung der Romantik auf den Plan.
Indes sammelten sich in Paris junge progressive Künstler wie u. a. Corot, Cabat, Alexandre-Gabriel Deschamps, Delacroix, Devéria, Huet und Rousseau. Sie hoben die École de 1830Diese Malerschule École de 1830 erhielt von einem englischen Kunsthändler den treffenden Namen École de Barbizon. Dieser Name triff es eher, zumal hiesige Landschaft und das örtlich Landleben als Motiv gewählt wurde. aus der Taufe und schafften es sogar, in die Kunstausstellung des Salon de Paris zugelassen zu werden.Es waren Huet, Corot, Narcisse, Diaz de la Peña, Jules Dupré und Théodore Rousseau gelungen im Pariser Salon von 1831 ausstellen zu dürfen. Der Funke dieser neuen Strömung der Malerei sprang letztendlich auch auf die Maler der Niederlande über.
Der Pinselstrich, der Beleuchtungskörper, und die Palette mit den gewählten Farben entfernten sich zusehends von der in den staatlich gelenkten Kunstakademien vorgegebenen Leitlinie. Auch kam die alte Aquarelltechnik von Albrecht Dürer wieder in Mode.Albrecht Dürer lebte von 1471 bis 1528 in Nürnberg und unternahm viele Reisen. Neben seinen Ölgemälden sind vor allem seine Aquarelle, die auch zu Studienzwecken erstellt wurden, aus kunsthistorischer Sicht von Wichtigkeit – siehe auch Piel Abb. 1 (Weiherhaus) und Abb. 12 (Weidenmühle). Im England des 18. und 19. Jahrhunderts wurde die Aquarelltechnik soweit verfeinert, dass sie hier als eigenständige Kunst anzusehen ist. Hierunter fallen auch solche Motive wie
Waldlandschaft, Dünenlandschaft, Flusslandschaft, Küstenlandschaft, Seelandschaft und Sittengemälde.
Greift man die Namen und die Werke ab, so spricht der Kunsthistoriker von dem „Großen Zeitalter der Britischen Wasserfarben“ – den British Watercolours. Ihre Hochzeit beginnt um 1750 und dauert etwa 150 Jahre an.siehe auch Wilton und Lyles Wichtig ist vor allem die Möglichkeit, mit leichtem Pinselstrich in Verbindung mit dem Farbstoff, sowie durch die Transparenz des absorbierenden Malgrundes das Bild leuchtkräftiger zu machen. Die Möglichkeiten dieser Maltechnik, die auch in dem Wirken von Richard Parkes BoningtonRichard Parkes Bonington zählt mit zu den wichtigsten Vertretern der englischen Aquarellisten jener Zeit, der längere Zeit in Frankreich verbrachte und auch Kontakt zu wesentlichen Vertretern der "Schule von 1830" hatte. Er lebte von 1801 bis 1828. Besonders wichtig ist die Zeit im Studio von Baron Antoine-Jean Gros ab 1819, welches im Institut de France war, und die sich daraus entwickelnden Kontakte zu französischen Studenten der darstellen Kunst – siehe hierzu auch Noon, S. 18 ff. Hier kam er auch mit Delacroix zusammen. und John ConstableJohn Constable war ein englischer Landschaftsmaler, der der Ölmalerei verhaftet war. In seinem Œuvre sind auch Einflüsse von William Turner festzustellen. Er lebte von 1790 bis 1845. Hier ist sowohl die Verleihung der Medaille im Pariser Salon von 1825 für Sein Gemälde "Der Heuwagen - Landscape: Noon" sowie der Einfluss über Delacroix und Gericault auf die französischen Nachwuchskünstler ausschlaggebend. staken, fand ihren Weg in die Pariser Kunstwelt und kam beim Publikum zusehends positiv an.
Für die Niederlande bedeutete dies eine recht interessante Entwicklung. In jener Zeit zeichnete sich auch hier Unzufriedenheit bei Schülern in ihrer Ausbildung der Rijksakademie van beeldende kunsten zu Den Haag ab. Die Abkehr von den akademischen Kompositionsregeln und ihren Bildgegenständen zur Künstlerkolonie und der damit verbundenen freien Wahl des malerischen Bildvortrags nach dem persönlichen Eindruck von Mensch und Natur war dann nur noch eine Frage der Zeit.
Oosterbeek wird zum Barbizon des Nordens mini|Barend Cornelis Koekkoek (1848): Waldgesicht - Rijksmuseum. mini|Gerald Bilders (1860):Weideland bei Oosterbeek - Rijksmuseum. mini|Jacob Maris (ohne Datum): Tochter von Jacob Maris mit Blumen im Gras - Rijksmuseum. mini|Anton Mauve (undatiert): Der Langholzwagen - Rijksmuseum. mini|Johannes Jan de Haas - Herde auf der Weide - Rijksmuseum. Um das Jahr 1840/41 hatte sich der Landschaftsmaler Johannes Warnardus BildersJohannes Warnardus Bilders lebte von 1811 bis 1890 und war Landschaftsmaler der Romantik. Er hatte in seinen Bildern schon stimmungsvolle Lichteffekte und das gedämpfte Licht eingefangen und bewegte sich damit schon im Geiste der neuen Strömung. in Oosterbeek eingefunden, um direkt nach der Natur zu malen. Dabei konzentrierte er sich auf einen Landschaftsausschnitt und wählte eine realistische Darstellungsweise. Hier stieß er auf Frederik Hendrik Hendriks.Frederik Hendrik Hendriks (1808–1865) hatte im Raum um Wolfheze viele Motive festgehalten. Im Jahre 1852 ließ er sich nach einem Aufenthalt in Utrecht endgültig hier nieder. Am Beginn von Oosterbeek gab es zunächst nicht die Künstlerkolonie im Sinne des Zusammenfindens von Gleichgesinnten in der Landschaftsmalerei, sondern es handelte sich zunächst um Künstlerindividuen wie Bilders und Hendriks. Diese hatten sich der lebenden Natur als Teil der unberührten Landschaft und der Darstellung des ländlichen Lebens zugewandt. Vorbild waren vor allem die italienischen und niederländischen Bildkompositionen.
Zu jener Zeit rückte Oosterbeek langsam in den Blickpunkt von Kunstinteressierten, die dort Sommerresidenzen mit vielen Gästezimmern errichten ließen. Einer der wichtigsten Namen war damals Jan Kneppenhout, der zum Mäzen von Gerhard BildersGerhard Bilders war der Sohn von John Warnardus Bilders werden sollte. Kneppenhout besaß das Landhaus „De Hemelsche Berg“ (Der himmlische Berg); weitere Beherbergungsstätte war auch „De Oorsprong“ (Der Ursprung).
Der ältere Johan Warnardus Bilders zog eine ganze Reihe von jungen Künstlern als Lehrer und Mentor an. Zu ihnen zählen u. a. solche Namen wie Anton Mauve und die Gebrüder Jacob, Matthijs und Willem Maris. Hier machte Willem Maris Bekanntschaft mit Anton Mauve, der hier seine Art der Landschaftsmalerei zu entwickelten verstand. Zu Beginn seiner Schaffensphase kam sogar Jan TooropObwohl er dem Jugendstil zugerechnet wird, hatte er sich anfänglich auch der Oosterbeeker Schule zugewandt. hierher. Er nahm die Stationen des Kreuzes in der Kirche von St. Bernulphus am Utrechtseweg auf.
Die im Aufwind befindliche Künstlerkolonie und das damit einhergehende Verständnis zur Landschaft und ortsansässigen Bevölkerung sowie die hier aufgebauten Kontakte der Künstler untereinander sind der Ursprung und der Erfolg der späteren Haager Schule als Niederländischer Impressionismus.
Wichtig sind vor allem die in Oosterbeek geschlossenen Freundschaften der Künstler und die daraus im Jahre 1847 gegründete Künstlergenossenschaft Pulchri Studio. Letztendlich profitierte diese Genossenschaft von dem Zustrom von Künstlern aus Oosterbeek, denn eines ihrer erklärten Ziele war auch die Verkaufsförderung ihrer Mitglieder.
Kontakt mit Barbizon und Änderung in der Maltechnik