Die Salzgewinnung am Staßfurter Sattel reicht nachweislich bis in das 8. Jahrhundert zurück. Der Untergrund des Stadtgebiets von Staßfurt wird durch eine geologische Antiklinalstruktur, den Staßfurt-Egelner-Rogensteinsattel, gebildet, an den die Salzlagerstätten gebunden sind. Die Region um Staßfurt am Südrand der Magdeburger Börde gilt als Wiege des weltweiten Kalibergbaus.Frank Kowolik: Das alte Staßfurt. Eine mitteldeutsche Industriestadt in alten und seltenen Bildern. Oschersleben 1992, ISBN 3-928703-06-4, S. 150.

Kalisalze, früher auch als „Staßfurter Salze“ bekannt, werden größtenteils zu Düngemitteln verarbeitet und besitzen damit seit über eineinhalb Jahrhunderten eine große Bedeutung für die Landwirtschaft.

Übersicht Geologische und hydrogeologische Verhältnisse am Staßfurter Sattel mini|Geologische Übersichtskarte der Umgebung von Staßfurt

Die Aufwölbung von Gesteins- und Salzschichten des Staßfurt-Egelner-Rogenstein-Sattels untergliedert sich in zwei Teilbereiche, die durch die unterschiedliche räumliche Ausrichtung der geologischen Schichten vorgegeben werden. Dieser deutliche Wechsel in der Streichrichtung definiert zum einen den von NW nach SE verlaufenden Staßfurter Sattel sowie den nach Nordwest anschließenden von WNW nach ESE laufenden Egelner Sattel. Regionalgeologisch gehört der Staßfurt-Egelner Sattel zur Senke des nördlichen Harzvorlandes, einer Senkungsstruktur im Westteil der Sächsisch-Thüringischen Scholle. Innerhalb dieser Senke treten hauptsächlich Sedimentgesteine des Zechsteins, des Mesozoikums sowie teilweise des Känozoikums auf.

Im Zuge der Bewegung von Teilen der Erdkruste (oberkreide-tertiärzeitlichen Bruchtektonik), die in Verbindung mit der Auffaltung der Alpen im Süden steht, entstand durch Salzwanderung im Untergrund des Raumes Staßfurt ein bis zu zwei Kilometer breiter, NE-vergenter Schmalsattel. Während der Sattelkern herausgehoben wurde, bildeten sich an den Flanken der Salzstruktur tiefe Randsenken. Die halokinetischen Hebung des Salzes im Sattelkern hält bis in die Gegenwart an und wird durch die geogene und bergbaubedingte untertägige Auslaugung ausgeglichen. Im oberen Bereich der Sattelstruktur bildete sich im Verlauf der jüngeren Erdgeschichte ein 80 bis 120 m mächtiger Gipshut.

In den Lagerstätten um Staßfurt wurden Kali- und Steinsalze des Zechsteins abgebaut. Die Ausbildung der Lagerstätte zeigt ein 10–20 m mächtiges Carnallitlager, das von einer 4–10 m starken Salztondecke überlagert wird, auf die der Hauptanhydrit in einer wechselnden Mächtigkeit folgt. Die hangenden Schichten werden von dem jüngeren Zechsteingebirge und dem Buntsandstein gebildet. Im Bereich der Sattelkuppe wurde der Carnallit zumeist durch Einwirkung von Oberflächenwasser in Kainit umgewandelt. Das Einfallen des Kalilagers ist regelmäßig und beträgt etwa 15°. Beide Sattelflanken sind sehr ähnlich ausgebildet. Im Südosten geht der Staßfurt-Egelner-Rogensteinsattel in den sogenannten Bernburger Sattel über, von dem er durch die quer verlaufende Osmarslebener Mulde getrennt ist. Am Bernburger Sattel baut das Steinsalzbergwerk Bernburg Leine-Steinsalz (Zechstein 3) ab.

Das hier erstmals als Kaliflöz Staßfurt bezeichnete Vorkommen hat die durchschnittliche Zusammensetzung: 55% Carnallit (K2O-Gehalt 9–10 %), 26 % Steinsalz, 17 % Kieserit sowie 2 % Ton und Anhydrit.

Die das Salinar überlagernden Schichten (Buntsandstein, Anhydrit bzw. Gips) sind infolge ihrer Porosität, Klüftigkeit und Schlotten stark wasserführend. Der Wasserbauinspektor Bramigk erbrachte bereits im Oktober 1899 durch Färbeversuche und biologisch-mikroskopische Untersuchungen sowie Messungen gefallener Niederschlagsmengen den Nachweis, dass die den Staßfurter Sattel querenden Flüsse Bode und Liethe hydraulische Verbindungen zu den in die Grubenbaue der Schachtanlage Leopoldshall einströmenden Wässer bzw. Salzlösungen hatten. + Tektonische Schollen der subherzynen Senke von Südost nach Nordwest moderne Gliederung des Grundgebirges historische Gliederung des Grundgebirges Schollen Störungen Mulden Sättel Harznordrandstörung südliche Begrenzung der subherzynen Senke Halberstadt-Blankenburger Scholle am SW-Rand der subherzynen Senke Blankenburger Mulde, Halberstädter Mulde Quedlinburger Sattel Halberstädter Störungszone Fallstein, Huy, Hakel, Ascherslebener Sattel Oschersleben-Bernburger Scholle Güstener Mulde Aller-Störungszone, Köthener Störung Staßfurter Sattel, Egelner Sattel, Oschersleben-Offlebener Sattel Weferlingen-Schönebecker Scholle im Zentrum der subherzynen Senke Bernburger Mulde, Schönebecker Mulde Zechstein-Auflagerung der Flechtingen-Roßlauer Scholle und NW-Fortsetzung der Haldenslebener Störung nördliche Begrenzung der subherzynen Senke

Die Saline Staßfurt

Bergbau auf Gold, Silber, Kupfer, Blei und viele andere Mineralien inklusive der Auf- und Weiterverarbeitung dieser Bodenschätze sowie auch das Salinenwesen sind bereits seit dem Mittelalter und der frühen Neuzeit belegt. So stellt sich doch die Frage, warum erst seit gut eineinhalb Jahrhunderten Bergbau auf Kalisalze stattfindet.

Eng mit der Salzerzeugung aus einer Saline verknüpft ist die im Jahre 806 erstmals urkundlich erwähnte Stadt Staßfurt. Es wird angenommen, dass die neben der alten Saline gestandene alte Staßfurter Burg (Schloss) ursprünglich zum Schutz der natürlich zutage tretenden Salzquellen angelegt worden ist, welche beiderseits der Bode „sprudelten“.

Die Saline Staßfurt war im Jahre 1797 in preußischen Besitz gekommen.

Die erste Bohrung nach Salz

Im Jahre 1839 wurde nun auf dem Salinegelände in Staßfurt mit dem Abteufen einer Tiefbohrung begonnen. Diese Bohrung wurde nach zwölfjähriger Bohrzeit 1851 in einer Teufe von 581 m im Steinsalz eingestellt. Doch die diesem Bohrloch entnommene „bitterschmeckende“ Sole enthielt zur allgemeinen Enttäuschung eine große Menge unerwünschter Beimengungen (so u. a. Kaliumchlorid). Man hatte die Wahl entweder das Bohrloch aufzugeben oder sie als Vorbohrung für einen Schacht zu nutzen, durch den man das benötigte reine Steinsalz zur Soleanreicherung separat gewinnen konnte. Man entschied sich letztlich zum Abteufen zweier dicht nebeneinander liegender Schächte (Teufbeginn Schacht „von der Heydt“ am 4. Dezember 1851; Teufbeginn Schacht „von Manteuffel“ am 9. Februar 1852).

Als der erste Spatenstich für das Abteufen eines neuen Salzschachtes erfolgte, ahnte keiner der Anwesenden, welche weitreichende Bedeutung dieses Unternehmen haben sollte.

Das Auffinden des Carnallits 400px|rechts|Lage der Gerechtsame der im Stadtgebiet von Staßfurt einst bauenden Salzbergwerke

Das erschlossene Steinsalz war durch Beimengungen von Ton, Anhydrit, aber auch von Carnallit derart verunreinigt, sodass man das saubere Steinsalz mühselig von Hand ausklaubte. Die ausgehaltenen Carnallitbrocken – seit ihrer Auffindung als Abraumsalz bezeichnet – verbrachte man nach Übertage und haldete sie auf.

Dieser Haldenbestand an sogenannten „Abraumsalzen“ war 1857 auf etwa 12.000 Zentner angewachsen; es fanden sich auch Interessenten, welche dieses für Zwecke der Düngung zu verwerten versuchten. Ziel war die Abtrennung der Magnesia- von den Kalisalzen. Adolph Frank wies anhand eingehender chemischer Versuche nach, dass das Haupthindernis einer landwirtschaftlichen Verwendung des Carnallits als Düngemittel das Vorhandensein des Chlormagnesiums sei. Er schlussfolgerte, dass die Verwertung dieser Salze zu technischen und landwirtschaftlichen Zwecken nur durch weitere Bearbeitung (Konzentration) bzw. durch Entfernung des darin enthaltenen Chlormagnesiums zu ermöglichen sei.

Vielfach wird in der Sekundärliteratur die Gewinnung von Carnallitit fälschlicherweise erst auf das Jahr 1861 datiert. Nach Johannes Westphal, der nachweislich als Bergassessor der „Berginspektion zu Staßfurt“ angehörteZeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesens im Preußischen Staate, 1902, Band 50, S. 8. und Zugang zum hauseigenen Archiv hatte, datieren diese ersten Gewinnungs- und Förderungsarbeiten von Carnallitit auf das Jahr 1859.

Planmäßig, nach dem zuvor geschilderten Laugen- bzw. Methanzufluss, wurde ab dem Jahre 1861 der Carnallit Abbaukammer für Abbaukammer – unter Stehenlassen von Sicherheitspfeilern – gewonnen. Die leergeförderten Abbaue wurden anschließend mit Älterem Steinsalz versetzt. Als dann aber etwa um 1865 die Kalipreise infolge Überproduktion fast um die Hälfte abstürzten, konnte man sich die Zusatzkosten eines Versatzes nicht mehr leisten.

Im Jahre 1861 wurde die erste Kalifabrik in Staßfurt in Betrieb gesetzt; 1862 kam das erste rohe schwefelsaure Kali in den Handel. Sehr bald lernte man der Frachtverhältnisse wegen die Kalidünger für entferntere Gegenden konzentrieren, und schon 1863 brachte Frank den ersten konzentrierten Kalidünger in Form von Chlorkalium mit einem Gehalt von 50 und 80 % in den Handel.

Aufbauend auf diesen Erfahrungen entwickelte sich sehr rasch eine industrielle Düngemittelproduktion.

Allerortens vernahm man das sogenannte Staßfurter Berggeschrey.

Es begann eine rasante Entwicklung, in deren Verlauf bis zur Jahrhundertwende in Deutschland viele Schachtanlagen und Fabriken zur Gewinnung von Kalisalzen und deren Verarbeitung gegründet wurden. Insgesamt waren zum 1. Juli 1907 bereits 58 vollendete betriebsfähige Kalischächte vorhanden und 31 Schächte im Abteufen begriffen. Die Schachtteufe schwankte zwischen 225 m (Brefeldschacht der Königlichen Berginspektion zu Staßfurt) und 927 m (Schacht Siegfried I der gleichnamigen Gewerkschaft bei Salzderhelden).

Weitere Betriebsgründungen Der Schachtanlage des Preußischen Fiskus (v. d. Heydt / v. Manteuffel) reihten sich auf der Südwest-Flanke des Staßfurter Sattels an:

Seitens des Anhaltischen Fiskus: In den angrenzenden Fürstentümern Anhalt-Dessau und Anhalt-BernburgMit dem Erlöschen der Fürstengeschlechter in Köthen anno 1847 und in Bernburg anno 1863 kommt es zum Zusammenschluss beider Herzogtümer zum vereinigten Herzogtum Anhalt mit Dessau als Hauptstadt. bestand – im Gegensatz zum Königreich Preußen – kein Salzgewinnungsmonopol. So beantragten u. a. der Unternehmer Sigrist und der Wahrenbrücker Bürgermeister Haase entsprechende Konzessionen. Letzterer legte auf der Ritterflur bei Staßfurt anno 1855/56 die Saline Leopoldshall an. Im Jahre 1857 übernahm die Dessauer Regierung die „Haasesche Saline“ und führte in Gemeinschaft mit der Bernburger Regierung eine Bohrung aus, die schon bei 480 Fuß (= 150,65 m) Tiefe Steinsalz erreichte. Am 1. Juli 1858 wurde das Abteufen von zwei Schächten, die Schächte Leopoldshall I und II, in Angriff genommen. Sie waren bereits 1861 vollendet, so dass 1862 mit der Förderung der Kalisalze begonnen werden konnte. Im Jahre 1873 wurde der Salinenbetrieb, der bis dahin noch aufrechterhalten worden war, eingestellt.

Die Gewerkschaft Neustaßfurt: Gewerkschaft „Neustaßfurt“.  […] „ Besitzer: Obige GewerkschaftJahrbuch der deutschen Braunkohlen-, Steinkohlen- und Kali-Industrie 1907. VII. Jahrgang, bearbeitet von Sekretär B. Baak in Halle a. S., Lfd. Nr. 16.

Vorstand: Konsul a. D. Stengel in Staßfurt.

Repräsentant: Kommerzienrat Besserer in Staßfurt.

Anzahl der Kuxe: 1000.

Anzahl der Schächte: 3 (Schacht „Hammacher“ und „Agathe“ bei Löderburg, Schacht IV, Reserveanlage, bei Rothenförde).

Durchschnittliche Förderung pro Tag: 200 t Steinsalz und 900 t Kalisalze.

Aufbereitungsanstalten: Chlorkalium-, Ätzkali und Pottaschefabrik.[…]

Anschlußgleis nach den Stationen Staßfurt und Löderburg.

Betriebseinrichtungen: elektrische Zentrale für Kraft und Licht.

Direktion: Bergwerksdirektor Hoben in Löderburg.

Betriebsführer: Berginspektor Hermes, Maschinenmeister Zöhe in Löderburg.

Durchschnittliche Arbeiterzahl: 1080 Mann. Mitglied des Kali-Syndikats [sic].

Bemerkung: betreffend die Anzahl der Schächte: 3: So lautet der Eintrag im „Jahrbuch der deutschen Braunkohlen-,

Steinkohlen- und Kali-Industrie“ aus dem Jahre 1907 (weitere Schächte werden folgend aufgelistet).