Der Wahlbezirk Böhmen 71 war ein Wahlkreis für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus im österreichischen Kronland Böhmen. Der Wahlbezirk wurde 1907 mit der Einführung der Reichsratswahlordnung geschaffen und bestand bis zum Zusammenbruch der Habsburgermonarchie.
Geschichte Nachdem der Reichsrat im Herbst 1906 das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Männerwahlrecht beschlossen hatte, wurde mit 26. Jänner 1907 die große Wahlrechtsreform durch Sanktionierung von Kaiser Franz Joseph I. gültig. Mit der neuen Reichsratswahlordnung schuf man insgesamt 516 Wahlbezirke, wobei mit Ausnahme Galiziens in jedem Wahlbezirk ein Abgeordneter im Zuge der Reichsratswahl gewählt wurde. Der Abgeordnete musste sich dabei im ersten Wahlgang oder in einer Stichwahl mit absoluter Mehrheit durchsetzen. Der Wahlkreis Böhmen 71 umfasste die Gerichtsbezirke Strakonitz und Wolin sowie die Gemeinden Altprachatitz, Auřitz, Bělč, Budkau, Chumen, Dwur, Husinetz, Jelemka, Lažitz, Lhota Chocholata, Lipowitz, Mičowitz, Nebahau, Pietschnau, Schwihau, Teschowitz, Unterkozli, Wällischbirken, Wosek, Zabrdy, Zarowna (alle Gerichtsbezirk Prachatitz) sowie die Gemeinden Bohumilitz, Boschitz, Busk, Ckyn, Dolan, Huschitz, Kleinzdikau, Sct. Mara, Radschau, Wischkowitz, und Wonschowitz (alle Gerichtsbezirk Winterberg). Vom Wahlbezirk waren jedoch die Städte Strakonitz und Wolin (beide Wahlbezirk 30) ausgenommen.Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder 1907, IX. Stück, Nr. 17: „Gesetz vom 26. Jänner 1907 betreffend die Wahl der Mitglieder des Abgeordnetenhauses des Reichsrates“
Aus der Reichsratswahl 1907 ging Josef Bukvaj als Sieger hervor. Bei der Reichsratswahl 1911 konnte er sein Mandat erfolgreich verteidigen.
Wahlergebnisse Reichsratswahl 1907 Die Reichsratswahl 1907 wurde am 14. Mai 1907 (erster Wahlgang) sowie am 23. Mai 1907 (Stichwahl) durchgeführt. Erster Wahlgang Kandidat Partei Wahlkreis-stimmen Stimmen-anteil Josef Bukvaj Tschechische Agrarpartei 3752 41,2 % Josef Sobotka Tschechische Sozialdemokratische Partei 2588 28,4 % Václav Hons Partei des katholischen Volkes(Klerikaler Agrarier) 1815 19,9 % František Titěra Tschechisch radikal-fortschrittliche Partei 693 7,6 % Tomáš Třeštík Tschechische Agrarpartei 220 2,4 % Sonstige Parteien 47 0,5 % Wahlberechtigte: 12.738, Ungültige/Leere Stimmen: 101, Wahlbeteiligung: 72,4 % Stichwahl Kandidat Partei Wahlkreis-stimmen Stimmen-anteil Josef Bukvaj Tschechische Agrarpartei 5111 65,3 % Josef Sobotka Tschechische Sozialdemokratische Partei 2711 34,7 % Wahlberechtigte: 12.738, Ungültige/Leere Stimmen: 107, Wahlbeteiligung: 62,2 %
Reichsratswahl 1911 Die Reichsratswahl 1911 wurde am 13. Juni 1911 durchgeführt. Die Stichwahl entfiel auf Grund des absoluten Mehrheit für Josef Bukvaj im ersten Wahlgang. Kandidat Partei Wahlkreis-stimmen Stimmen-anteil Josef Bukvaj Tschechische Agrarpartei 4120 52,5 % Alois Roudnicky Christlichsoziale Partei 1985 25,3 % Josef Kara Tschechische Sozialdemokratische Partei 1538 19,6 % Stephan Švec selbständiger Kandidat 197 2,5 % Sonstige Parteien 22 0,3 % Wahlberechtigte: 13.019, Ungültige/Leere Stimmen: 83, Wahlbeteiligung: 60,9 %
Literatur Fritz Freund: Das österreichische Abgeordnetenhaus. Ein biographisch-statistisches Handbuch, 1907–1913, XI. Legislaturperiode (XVIII Session). Wiener Verlag, Wien, Leipzig 1907. Fritz Freund: Das österreichische Abgeordnetenhaus. Ein biographisch-statistisches Handbuch, 1911–1917, XII. Legislaturperiode. Verlag Dr. Rudolf Ludwig, Wien 1911. Die Ergebnisse der Reichsratswahlen in den im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern im Jahre 1907. In: Österreichische Statistik. LXXXIV. Band, 2. Heft, Wien 1908 (Herausgegeben von der k .k. Statistischen Zentralkommission), S. I. 46. Die Ergebnisse der Reichsratswahlen in den im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern im Jahre 1911. In: Österreichische Statistik. Neue Folge. 7. Band, 1. Heft, Wien 1912 (Herausgegeben von der k .k. Statistischen Zentralkommission), S. 74.
Einzelnachweise
Bohmen 071 Bohmen 071 Kategorie:Aufgelöst 1918