Gurtnellen ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Uri.

Geographie Gurtnellen gehört zum Urner Oberland und liegt im oberen Teil des Urner Reusstals. Die grossflächige Gemeinde umfasst auch mehrere Nebentäler. Gorneren ist ein linksseitiges Nebental des Reusstals und wird vom Gornerbach entwässert. Das Fellital liegt auf der rechten Seite der Reuss und wird vom Fellibach durchflossen. Über die Fellilücke gelangt man auf die Oberalp von Andermatt und zum Oberalppass.

Im Gemeindegebiet gibt es zahlreiche Ortsteile und Weiler. Gurtnellen-Dorf () liegt am linksseitigen Berghang, mit den darüber anschliessenden Weilern Obergurtnellen, Richligen und Ruepelingen. 1,5 km südlich des Dorfkerns liegt an der Reuss Gurtnellen-Wiler () mit dem Bahnhof an der Gotthardbahn und der Dorfschule. Zwischen den genannten Dorfteilen liegt der Weiler Stalden (). Am rechten Ufer der Reuss, 2 km nordöstlich des Dorfs, liegt der Weiler Meitschlingen (), weitere anderthalb Kilometer talabwärts der Ortsteil Intschi (). Am linken Talhang liegt auf einer hoch gelegenen Terrasse die Siedlung Arni, die in Vorderarni und Hinterarni aufgeteilt ist. Zwischen Hinterarni und Torli befindet sich auf der Arnisee. Im nördlichen Abschnitt des Gemeindegebiets liegen am schmalen Uferstreifen neben der Reuss die Weiler Butzen, Buechen und Rüti.

1,3 % der Gemeindefläche sind Siedlungsgebiet. Auch die Landwirtschaftsfläche ist mit einem Anteil von 11,9 % gering. Der Grossteil ist von Wald und Gehölz (25,1 %) bedeckt oder unproduktives Gebiet (Gebirge; 61,7 %).

Gurtnellen grenzt im Norden an Erstfeld, im Osten in der Reuss an Silenen, im Südosten an die Bündner Gemeinde Tujetsch, im Süden an Andermatt und Göschenen und im Westen an Wassen.

mini|Historisches Luftbild aus 1600 m von Walter Mittelholzer von 1931

Bevölkerung BevölkerungsentwicklungJahrEinwohner1837 6151850 6751880 15411888 7471900 11121920 16311930 10781941 11521970 10482000 6312005 6402010 6272016 563

Sprachen Die einheimische Bevölkerung spricht eine hochalemannische Mundart. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 97,31 % Deutsch, 1,58 % Portugiesisch und 0,48 % Französisch als Muttersprache/Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen Die Bevölkerung war früher vollumfänglich Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 zeigen immer noch die ursprünglichen Strukturen an. 575 Personen (91,13 %) waren katholisch, 2,22 % evangelisch-reformierte Christen und 1,74 % Konfessionslose. 27 Personen (4,28 %) machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Herkunft – Staatsangehörigkeit Von den 643 Bewohnern Ende 2005 waren 620 (96,88 %) Schweizer Staatsbürger. Die wenigen Zugewanderten stammten aus Europa (Portugal, Italien, Frankreich, Österreich, Liechtenstein) sowie aus Sri Lanka.

Politik mini|Gurtnellen Dorf mini|Gurtnellen Wiler an der Reuss Legislative Die Gemeindeversammlung ist die Legislative. Sie tritt mindestens einmal jährlich zusammen.

Exekutive Der fünfköpfige Gemeinderat bildet die Exekutive. Er ist nebenamtlich tätig. Der derzeitige Gemeindepräsident Karl Walker-Bregar folgte auf Beat Jörg, der seit 2012 Urner Regierungsrat ist (Stand 2017).

Wirtschaft Die Gemeinde ist bis heute stark landwirtschaftlich geprägt. Im Jahr 2000 gab es 44 Landwirtschaftsbetriebe, die 107 Personen beschäftigten. Auf der Anhöhe Grossgand, im Tal Leitschach, mit der Intschialp unter dem Schindlachtal, am Geissberg unter dem Witenstock, im Tal Gorneren, am Westhang des Bristen und im Fellital zählt Gurtnellen zahlreiche Alpwirtschaftsflächen und Hochweiden.

Im Jahr 2001 zählten Industrie und Gewerbe 5 Arbeitsstätten mit 73 Beschäftigten, der Dienstleistungsbereich 28 Betriebe und 148 Beschäftigte.

Die Gemeinde Gurtnellen ist regelmässig auf finanzielle Unterstützung vom Kanton Uri oder von Gemeinden aus andern Kantonen angewiesen. Im Jahr 2002 unterstützte zum Beispiel die Stadt Zürich die Gemeinde Gurtnellen mit einer Subvention von 100'000 Franken für die Sanierung des Kreisschulhauses.Finanzdepartement der Stadt Zürich (2002): Geschäftsbericht, S. 12 Im Jahr 2007 erhielt Gurtnellen vom Kanton Uri eine ausserordentliche Unterstützung von 500'000 Franken für die Sanierung der Gemeindefinanzen.Gemeinde Gurtnellen (Januar 2008): Ds Gurtnäller Miilirand, S. 9

Von den im Jahr 2000 268 erwerbstätigen Personen in Gurtnellen arbeiteten 143 (53,36 %) in der eigenen Gemeinde. Die 125 Wegpendler verrichteten ihre Arbeit in anderen Gemeinden des Kantons, darunter 46 Personen in Altdorf, 16 in Erstfeld, 14 in Wassen und 12 in Silenen. Es gab aber auch 100 Zupendler. Diese kamen hauptsächlich aus Silenen (28 Personen), Altdorf (27), Schattdorf (15) und Bürglen UR (10).

Am 9. September 2026 ging in Gurtnellen im Industriegebiet Plattischachen die derzeit grösste Batteriespeicheranlage der Schweiz in Betrieb. Sie besteht aus zwei Grossbatteriespeichern in unmittelbarer Nähe zueinander mit einer Leistung von 50 Megawatt (Axpo) beziehungsweise 8,4 Megawatt (energieUri).Grösster Batteriespeicher der Schweiz in Betrieb

Tourismus Der Fremdenverkehr betrifft neben den Passanten auf der Kantonsstrasse vor allem Besucher der Talterrasse am Arnisee, Wanderer und Bergsteiger. Oberhalb von Arni liegt die Sunniggrathütte, unter dem Krönten-Massiv die Leutschachhütte des SAC, am Wichelhorn die Schindlachtalhütte und im Fellital die Etzlihütte des SAC.

Verkehr mini|Schutzbauten für die Gotthardbahn vor dem Häggriger-Lawinenzug bei Gurtnellen, Foto 1914 mini|Bahnhof Gurtnellen (1995) Die Gemeinde ist mit den Linien 1 (Flüelen – Göschenen) und 6 (Gurtnellen-Wiler – Gurtnellen-Dorf) der Auto AG Uri für den öffentlichen Verkehr erschlossen.

Seit die Schweizerischen Bundesbahnen den Regionalverkehr zwischen Erstfeld und Göschenen 1994 an die Auto AG Uri abgetreten haben, werden die Bahnhöfe in Intschi und Gurtnellen nicht mehr bedient. Ausnahmsweise hielten nach einem Bergsturz am 31. Mai 2006, als die Autobahn A2 wie auch die Kantonsstrasse geschlossen werden mussten, während der Reparaturarbeiten alle InterRegio-Züge und ein EuroCity in Gurtnellen, um die Verkehrsverbindung der Ortschaft aufrechtzuerhalten.

Motorfahrzeuge erreichen Gurtnellen von der Ausfahrt Amsteg der Autobahn A2 über die alte Kantonsstrasse (Hauptstrasse 2).

Zwei Luftseilbahnen erschliessen das Arni von Amsteg und Intschi aus.

Geschichte Keltoromanische und alemannische Flur- und Siedlungsnamen deuten auf eine frühe Besiedlung hin. Im frühen Mittelalter besass die Fraumünsterabtei Zürich grösseren Landbesitz in der Gemeinde. Spätestens ab 1688 war die Gemeinde eine Einheit, da sie eigene Dorfvögte erhielt. Wegen seiner Lage an der Gotthardroute waren in den Zeiten der Helvetischen Republik von 1798 bis 1800 französische Truppen in der Gemeinde stationiert.

Schulen In Gurtnellen-Dorf und Gurtnellen-Wiler gibt es Kindergarten und Primarschule. Gurtnellen-Wiler ist das Schulzentrum für die Oberstufe (ab 7. Schuljahr) als Unterrichtsort der Kreisschule Urner Oberland (Gemeinden Gurtnellen, Wassen und Göschenen).

Sehenswürdigkeiten

mini|Arnisee Kirche St. Michael (erbaut 1785) in Gurtnellen-Dorf Kirche St. Joseph in Gurtnellen-Wiler Kapelle St. Anna (erbaut 1661) in Gurtnellen-Wiler Arnisee (mit Seilbahn zu erreichen)

Sonstiges Am 31. Mai 2006 kam es bei Gurtnellen zu einem Felssturz, der zwei Menschenleben forderte. Daraufhin wurde am 23. Juni ein absturzgefährdeter Felskopf oberhalb der A2 bei Gurtnellen um 11 Uhr gesprengt.

Literatur Thomas Brunner: Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri, Band 4: Oberes Reusstal und Urseren. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2008 (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 114). ISBN 978-3-906131-89-4. S. 133–177.

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Gurtnellen

Einzelnachweise

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