Wellfleet ist eine Stadt im Bundesstaat Massachusetts der Vereinigten Staaten. Sie befindet sich am Cape Cod und ist mit der Hälfte ihrer Fläche Teil der Cape Cod National Seashore. Das U.S. Census Bureau hat bei der Volkszählung 2020 eine Einwohnerzahl von 3.566 ermittelt. Wellfleet ist heute vor allem für seine Austernzucht bekannt, die jedes Jahr im Oktober im Rahmen des Wellfleet OysterFest gefeiert wird.

Geografie

Ausdehnung des Stadtgebiets Nach Angaben des United States Census Bureau besitzt das Stadtgebiet eine Ausdehnung von insgesamt 91,7 km², wovon 51,3 km² Land- und 40,4 km² Wasserfläche sind.

Nachbargemeinden Wellfleet grenzt an Truro im Norden, den Atlantischen Ozean im Osten, Eastham im Süden und an die Cape Cod Bay im Westen.

Geschichte Vor 1620 Die Landschaft zwischen Orleans und Provincetown, die auch als Outer Cape bzw. Lower Cape bekannt ist, wurde vor rund 23.000 Jahren von glazialen Schmelzwasserströmen geformt. Das Cape Cod ruht auf kristallinem Felsgestein aus dem Präkambrium bzw. Paläozoikum, das sich heute 50 bis 275 Meter unterhalb der Meeresoberfläche befindet. Mit dem Rückzug des Gletschers und ansteigendem Meeresspiegel wurden die zurückbleibenden Gesteinshaufen zu Inseln; so entstand auch vor rund 18.000 Jahren Bound Brook Island mit seinen südlichen Nachbarinseln Griffin und Great Island.vgl. Donaldson et al., S. 13.

Die ersten menschlichen Siedlungen am Cape Cod konnten auf Paläoindianer zurückgeführt werden, die dort vor 10.000 bis 12.000 Jahren lebten. Während der frühen und mittleren Archaischen Periode vor 6000 bis 8000 Jahren stieg die Bevölkerung kontinuierlich an; die ältesten gefundenen Töpferwaren und Speerspitzen wurden auf ein Alter von mindestens 7700 Jahren datiert. Zwei in Orleans bzw. Eastham gefundene Grabstätten stammen aus der späten archaischen Periode vor 3000 bis 6000 Jahren. Die Gegend um Wellfleet – vorwiegend im Bereich der Flussmündung und an den Küsten – wurde von einem Zweig der Wampanoag besiedelt, der als Punanokanit oder Nauset bekannt ist.

Die englischen Siedler schätzten die geschützte Bucht bei Wellfleet für ihre exzellenten Austernbänke sowie für die Möglichkeit, Fische mit Netzen und später auch Wale an Land zu ziehen. Die Pilgerväter entdeckten die Bucht bereits bei ihren ersten Erkundungen im Jahr 1620, entschieden sich aber für die Errichtung von Plymouth auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht. Nur wenige Jahre später erweiterten sie ihr Siedlungsgebiet auf Bound Brook Island.vgl. Donaldson et al., S. 14.

1620 bis 1680 mini|Der White Crest Beach in Wellfleet Die ersten Siedler, die mit der Erkundung des Lower Cape begannen, hielten in ihren Aufzeichnungen einen sehr großen Bestand an Pflanzen wie Eichen, Kiefern, Sassafrasbäume, Wacholder, Birken, Stechpalmen, Eschen und Walnussbäumen fest. Der französische Entdecker Samuel de Champlain beschrieb bereits 1605 eine indianische Siedlung an der Nauset-Küste mit Häusern und kleinen Agrarflächen.

1615 gab es jedoch einen Ausbruch der von den Europäern eingeschleppten Pockenkrankheit, an der viele Indianer bei Wellfleet starben. Um 1620 lebten dort nur noch rund 100 Punanokanit. Dies machte es den europäischen Siedlern leicht, das Lower Cape in den 1640er Jahren zu besetzen und neue Bauernhöfe zu errichten. 1644 kamen die ersten von ihnen an den Bound Brook und begannen damit, Getreide anzubauen sowie Rinder, Schafe und Schweine zu züchten. Auch die Kultivierung von Obstbäumen sowie von Rüben und Tabakpflanzen spielte eine wichtige Rolle.

Heute ist durch umfangreiche Untersuchungen bekannt, dass die Gegend um Wellfleet lediglich zu 40 % fruchtbar ist; die Stadt steht insgesamt auf dem am wenigsten fruchtbaren Boden am ganzen Lower Cape. Die Bodenbeschaffenheit mit ihrer Nährstoffzusammensetzung ist nach heutiger Erkenntnis entweder teilweise oder sogar völlig ungeeignet für die Art von Nutzpflanzen, die durch die Engländer angebaut wurden. So besteht Bound Brook Island größtenteils aus Grobsand, während entlang des Herring River und am Duck Harbor vorwiegend feuchte Böden wie Schluff, Moore und grobkörnige Lehmböden zu finden sind.vgl. Donaldson et al., S. 15.

Aufgrund der rücksichtslosen Rodungen und der intensiven Landwirtschaft der frühen europäischen Siedler verloren die sandigen Böden einen Großteil ihrer ohnehin nur geringen Fruchtbarkeit. Die von den ersten Entdeckern beschriebene Pflanzenvielfalt war weitläufigen Getreidefeldern gewichen, die nur hin und wieder von Gebäuden unterbrochen wurden. Die zuvor durch Bäume geschützte obere Erdschicht lag nun offen, trocknete aus und wurde vom Wind abgetragen. 1663 zogen die meisten Siedler daher weiter, um besser geeignetes Land zu suchen. Einige jedoch blieben in Wellfleet und richteten ihre Aufmerksamkeit nun auf den Ozean, zu dem sie einfachen Zugang hatten. Es stellte sich heraus, dass der Standort für den Fischfang wesentlich besser geeignet war als für die Landwirtschaft.

1680 bis 1805 mini|Die heutige Main Street in Wellfleet Lange Zeit waren Boote in der Umgebung von Nauset das zweckmäßigste Verkehrsmittel. Mit dem King’s Highway – zunächst nicht viel mehr als eine Staubpiste – erreichte der erste öffentliche Highway das Lower Cape im Jahr 1720. Die bis in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg hinein sehr schlechte Straßeninfrastruktur führte in Verbindung mit einer wachsenden Schiffs- und Werftindustrie dazu, dass sich das Leben vorwiegend in Ozeannähe abspielte. So wurden die ersten beiden Versammlungshäuser 1712 und 1734 unmittelbar an der Wasserlinie errichtet. Der erste Schiffsanleger entstand bereits vor 1720 und diente Schiffen mit Melasse, Zucker und anderen Kolonialwaren der Westindischen Inseln als Be- und Entladestelle.

Die anfällige Agrarwirtschaft des Lower Cape litt nicht nur unter dem unfruchtbaren Boden und begrenzter Fläche, sondern auch unter dem sich unaufhaltsam bewegenden Sand, der dazu neigte, die Pflanzen zu bedecken und in den 1730er Jahren die Weideflächen von Truro und Provincetown bedrohte. 1739 verabschiedete der Massachusetts General Court daher ein Gesetz, das es verbot, Tiere auf den betroffenen Flächen weiden zu lassen und die Anwohner zwang, jedes Jahr Amerikanischen Strandhafer neu anzupflanzen. Ebenfalls wurden Besenginster, Kiefern, Myrica und Echter Buchweizen dazu verwendet, den Sand aufzuhalten.

Der Kampf gegen die fortschreitende Bodenerosion dauerte trotz zurückgehender Landwirtschaft bis in das 19. Jahrhundert an. Zudem stieg der Bedarf an Holz stetig an, das für den Bau von großen Fischerbooten, für den Betrieb der Salinen und nicht zuletzt auch für die Errichtung der Wohnhäuser benötigt wurde.vgl. Donaldson et al., S. 16.

1765 wohnten bereits 928 Einwohner in der Gegend um Wellfleet, zu denen 14 Afroamerikaner und 11 Indianer zählten. Am 23. August 1775 erhielt Wellfleet die Stadtrechte und verzeichnete bis 1776 ein Bevölkerungswachstum auf 1235 Einwohner. 1792 gab es nur noch weniger als 6 Punanokanit, und mit Delilah Sampson Gibbs starb die letzte „Wellfleet-Indianerin“ Ende der 1830er Jahre.

Bereits bei den ersten Kolonisten der Gegend war der Walfang sehr beliebt, vor allem, weil die Siedler dabei zunächst von den Indianern unterstützt wurden, Grindwale zu fangen. Was damit begann, einzelne Tiere von ihren Gruppen zu trennen und auf dem Boden der seichten Bucht festzusetzen, wuchs schnell auf eine ausgewachsene Industrie an. 1771 verfügte Wellfleet bereits über 30 Walfangschiffe und verarbeitete den Blubber, die Knochen, Zähne und den Tran der Wale. Während des Unabhängigkeitskriegs arbeitete ein Drittel der Einwohner der Stadt für den Tiefsee-Walfang. Da keinerlei Fanggrenzen existierten, waren die Folgen der Überfischung bereits 1715 spürbar, und schon 1775 begannen Dorsch und Makrele, den Walfang als wichtigste Industrie Wellfleets abzulösen.vgl. Donaldson et al., S. 17.

Mit der Seeblockade der britischen Marine während des Unabhängigkeitskriegs entlang der gesamten Küste Neuenglands kam der Fisch- und Walfang am Lower Cape zu einem abrupten Ende. Viele Seeleute sahen sich in der Folge dazu gezwungen, ihre Familien mit Landwirtschaft, Schmuggel oder Freibeuterei zu verdienen. Dadurch erfuhr die bis dahin praktisch aufgegebene Landwirtschaft und Viehzucht eine Renaissance. Nach Kriegsende wurde die Seeblockade aufgehoben, jedoch dauerte es Jahre, bis sich die Wirtschaft der Region erholt hatte. Die Beziehungen zu England waren weiterhin angespannt, und 1783 wurde auf den Westindischen Inseln ein Einfuhrverbot für US-amerikanische Fischereierzeugnisse verhängt. Um die Fischereiindustrie zu stützen, setzte die US-Regierung 1789 und 1792 Belohnungen für das Erreichen bestimmter Fangmengen aus. Von der nun wieder aufkeimenden Industrie profitierte insbesondere das Cape Cod aufgrund seiner zentralen Lage, die vor allem kurze Fahrstrecken zur Georges Bank erlaubte. Trotzdem war Wellfleet 1802 Stützpunkt für nur noch 5 Walfangschiffe.

Bound Brook Island war bis 1780 vollständig von Wasser umgeben und damit eine echte Insel. Die Gewässer an ihrer Südküste waren so tief, dass Reuben Rich im Jahr 1800 am Fuße des Hügels unterhalb des Atwood-Higgins House einen 100 Tonnen wiegenden Schoner bauen konnte. Als Baumaterial dienten Gewöhnliche Robinien, die in unmittelbarer Nähe auf dem Hügel wuchsen. Im gleichen Jahr nahmen Paketschiffe ihren Liniendienst zwischen Wellfleet und Boston auf und ermöglichten so ein weiteres Wachstum der Bevölkerung auf Bound Brook Island.vgl. Donaldson et al., S. 18.

1805 bis 1900 mini|Überreste der Marconi Station Mit den zwischen Boston und Wellfleet pendelnden Paketschiffen, die als einzige verlässliche Verbindung zum Festland das Rückgrat der örtlichen Wirtschaft bildeten, kamen auch die ersten Methodisten in die Region, die auf Bound Brook Island zwischen 1823 und 1825 ihre ersten Treffen abhielten. Trotzdem die meisten Einwohner Wellfleets Kongregationalisten waren, fanden die Methodisten zunehmend weitere Anhänger.

In den 1850er Jahren wurde der Duck Harbor zum Zentrum der örtlichen Seeschifffahrt, sodass viele Familien aus Wellfleet ihre Häuser auf den Inseln Bound Brook, Merrick und Griffin errichteten. 1830 wurde ein neuer Kai an der Mündung des Duck Creek errichtet, um die mittlerweile auf 2046 Einwohner angestiegene Bevölkerung sowie die ansässigen Industrien versorgen zu können.vgl. Donaldson et al., S. 19.

Mit der wachsenden Einwohnerzahl wurde auch die Infrastruktur der Insel immer weiter ausgebaut. 1844 wurde das erste Schulgebäude errichtet, sodass die bisher übliche Praxis, reihum in den Wohnhäusern der Schüler zu unterrichten, aufgegeben werden konnte. Neben dem Ozean waren auch die Fischvorkommen im Herring River eine wichtige Grundlage der Wirtschaft auf Bound Brook Island. Im Fluss gefangene Alosa (Alosa pseudoharengus) wurden im 18. und 19. Jahrhundert in Fässer gefüllt und nach Boston und New York sowie in die Karibik verschifft. In der Folge war zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Flussmündung zu einem der drei Häfen Wellfleets geworden.

Ein weiterer wachsender Industriezweig war zu dieser Zeit die Ernte von Salzwiesengräsern, die rund um Bound Brook Island gediehen und vorwiegend als Viehfutter verwendet wurden. Dazu wurde es im August und September geschnitten und auf hölzernen Plattformen dem Frost überlassen. Diese wurden, sobald das Wasser gefroren war, von Pferden abtransportiert; auf diese Weise wurden pro Jahr rund 300 Tonnen Salzwiesenheu geerntet. Die Pferde wurden dazu mit speziellen Schuhen aus Eisen ausgerüstet, deren Nägel sicheren Halt auf dem Eis boten.