mini|Altes Anwesen in Rudletzholz mini|Ziehbrunnen in Rudletzholz mini|Stadel von 1857 mini|Dreifaltigkeitskapelle, errichtet 2007
Rudletzholz ist ein Gemeindeteil der Stadt Heideck im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Selingstadt hat eine Fläche von 2,244 km² und ist in 217 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 10339,26 m² haben.
Lage Das Kirchdorf liegt im Naturpark Altmühltal auf der Jurahochfläche südlich von Heideck an der Kreisstraße RH 22. Im Norden des Dorfes zweigt ein Wirtschaftsweg zur Klausenkapelle bei Heideck ab.
Die Dorfflur umfasst 227 Hektar.
Ortsnamendeutung Im Ortsnamen wird der Personenname Rudlant vermutet.Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 46/47 (1931/32), S. 69
Geschichte Das Kirchdorf wurde erstmals zwischen 1140 und 1149 erwähnt, als der Ortsadelige Berhtolt de Ruetlantesholcen und sein gleichnamiger Sohn unter dem Eichstätter Bischof Gebhard als Urkundenzeugen für das Kloster St. Walburg in Eichstätt in Erscheinung traten.Franz Heidingsfelder (Bearb.): Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen: Palm & Enke 1938, S. 119 (Nr. 383) 1162 wird „Bertoldus de Rorlandezholz“ als Eichstätter Ministeriale erwähnt, zuletzt wird als Ortsadeliger 1340 „Chunrat der Swer (= Schwiegervater) von Rutlantzholz“ genannt.Histor. Atlas, S. 144 f.
Kirchlich gehörte Rudletzholz zur Urpfarrei Laibstadt, als deren Filiale es 1480 genannt ist.Histor. Atlas, S. 159, Buchner II, S. 67
1472 kam das Amt Heideck und damit Rudletzholz an Bayern und nach dem Landshuter Erbfolgekrieg 1505 zum neu errichteten Fürstentum Pfalz-Neuburg.Buchner, S. 467 Als das pfalz-neuburgische Pflegamt Heideck und damit auch Rudletzholz mit seinen 15 UntertanenanwesenHistor. Atlas, S. 37 am 4. Oktober 1542 an die Burggrafen von Nürnberg verpfändet wurde, führte Nürnberg sogleich die Reformation ein.Buchner II, S. 467 1585 wurde das Amt Heideck von Pfalz-Neuburg wieder eingelöst.Histor. Atlas, S. 177 Die Wiedereinführung der katholischen Religionsausübung im Amt Heideck und damit auch in Rudletzholz erfolgte allerdings erst mit der Rekatholisierung von Neuburg-Pfalz unter dem zur alten Kirche zurückgekehrten Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm ab dem Jahr 1627 durch eine Jesuitenstation in Heideck.Histor. Atlas, S. 179; Buchner II, S. 468
Am Ende des Alten Reiches, um 1800, gab es in Rudletzholz 17 Anwesen, darunter ein Hirtenhaus und einen Zapfenwirt; 16 Untertanen gehörten der Grundherrschaft des pfalz-neuburgischen Landrichteramtes Heideck, einer der Grundherrschaft des Reichen Almosenamtes Nürnberg. Hoch- und niedergerichtlich unterstand das Dorf dem pfalz-neuburgischen Pflegamt Heideck.Histor. Atlas, S. 232
Im Königreich Bayern (1806) kam das Kirchdorf zum Steuerdistrikt Heideck, bis es eine Ruralgemeinde im Gerichtsbezirk und Rentamt (später Bezirksamt und Amtsgericht) Hilpoltstein wurde.Histor. Atlas, S. 257 1818 bestand das Dorf aus 19, 1871 aus 17 „Feuerstellen“ (= Haushaltungen).Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, München 1873, S. 94 1875 gab es im Dorf 39 Gebäude und 16 Wohngebäude; als Viehbestand zählte man 13 Pferde, 128 Stück Rindvieh, 159 Schafe, 49 Schweine und eine Ziege. Die Kinder gingen nach Laibstadt zur Schule.Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 891 Der dortige Lehrer hatte circa 12 mal im Jahr in Rudletzholz als Mesner zu fungieren; die Orgel brauchte er hier nicht spielen, da es eine solche im 19. Jahrhundert in Rudletzholz noch nicht gab.Friedrich Zahn und Leonhard Reisinger (Hrsg.): Statistik der deutschen Schulen im Regierungsbezirke der Oberpfalz und von Regensburg, Regensburg 1866, S. 177 Um 1900 gab es im Dorf 24 Wohngebäude, neun Pferde, 157 Stück Rindvieh, 124 Schafe 74 Schweine und vier Ziegen.Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern mit alphabetischem Ortsregister, München 1904, Spalte Sp. 1221
Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde zum 1. Mai 1978 in die Stadt Heideck eingegliedert.
Einwohnerentwicklung 1818: 114 (19 „Feuerstellen“, 25 Familien)Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise … enthaltenen Ortschaften, Ansbach 1818, S. 78 1871: 111 (16 Wohngebäude)Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 891 1900: 106 (24 Anwesen)Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern mit alphabetischem Ortsregister, München 1904, Spalte 1221 1913: 100Meyers Orts- und Verkehrs-Lexikon des Deutschen Reichs, Band 2, L – Z, Leipzig 1913, S. 647 1937: 91Buchner II, S. 70 1950: 117 (16 Anwesen)Histor. Atlas, S. 257 1961: 77 (19 Wohngebäude) 1970: 78Hist. Atlas, S. 257, 263 1987: 75 (19 Gebäude mit Wohnraum; 23 Wohnungen)
Katholische Filialkirche St. Martin Das Kirchlein mit Kuppeldachreiter, eine 1778 geweihte Filialkirche der katholischen Stadtpfarrei Heideck, wurde 1765 an Stelle einer baufällig gewordenen Kapelle erbaut. 1778 wurde es vergrößert, 1910 ein neuer, dreiseitig geschlossener Chor angebaut.Mader, S. 278; Buchner II, S. 69 f. Der 1961 neu gestaltete Rokokoaltar weist eine Predella (Christus und die 12 Apostel) von 1510/20, eine barocke Madonna im Strahlenkranz (um 1700) und eine altertümliche Statute des hl. Martin mit einem Bettler auf. Die beiden Reliefs über den seitlichen Sakristeitüren (die Muttergottes und die hl. Anna) sind um 1510/20 entstanden.Mader, S. 278; Gemeinsam unterwegs. Kirchen und Pfarreien im Landkreis Roth und in der Stadt Schwabach, Schwabach/Roth o. J. , S. 96; Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I: Franken. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage, München: Deutscher Kunstverlag 1999, S. 922 1925 wurden zwei Glocken der Firma Hamm in Regensburg aufgehängt.Buchner II, S. 71 2010 kam anstelle eines alten Harmoniums eine Orgel in die Kirche.nordbayern.de vom 21. September 2010
Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler Außer der Filialkirche St. Martin gelten als Baudenkmäler:Lübbeke/Braasch, S. 463 Haus Nr. 12, ein erdgeschossiges Bauernhaus mit Satteldach aus Sandsteinquadern mit verputztem Fachwerkgiebel, bezeichnet 1804, mit angeschlossenem, höher gebauten Stall- und Scheunenteil von 1857 Haus Nr. 16, ebenfalls ein erdgeschossiges Bauernhaus mit Satteldach aus Sandsteinquadern mit einer Figur des hl. Georg in der Giebelnische, 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Bauwerke Ziehbrunnen in der Dorfmitte, 2009 anstelle des alten, 100 Meter nördlicher stehenden Brunnens errichtet.Donaukurier vom 26. Mai 2009 Dreifaltigkeitskapelle von 2007 im Süden des Dorfes, ein Rundbau mit drei Säulen, einer Lichtkuppel und einem Altarbild von Ehrenfried Kuhn aus Schwabach.Donaukurier vom 12. September 2007
Vereine Freiwillige Feuerwehr Rudletzholz
Sonstiges An einem Hang bei Rudletzholz betreibt der Skiclub Heideck bei entsprechender Witterung einen Skilift.Donaukurier vom 30. Dezember 2014
Persönlichkeiten Wunibalda Schmidpeter OSB (1839–1877), geb. in Rudletzholz, Klosterfrau in St. Walburg, Eichstätt, dort Elementarlehrerin.Schematismus der Geistlichkeit des Bisthums Eichstätt, Eichstätt 1867, S. 51 Josef Schmidpeter (1751–1846), geb. in Rudletzholz als Sohn des Sonnenbauer, Priesterweihe 1791, ab 1781 Professor am Lyzeum in Eichstätt, 1787 Aufdeckung seiner Mitgliedschaft bei den Illuminaten, kann aber weiter als Professor in Eichstätt wirken, 1794 Berufung zum Kanonikus am Kollegiatstift in Eichstätt, verstorben am 13. Februar 1846 in München.
Literatur Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band: Eichstätt 1937, II. Band: Eichstätt 1938 Hans Wolfram Lübbeke und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern. Mittelfranken: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler, München 1986
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ortsteil von Heideck Kategorie:Ort im Landkreis Roth Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Roth) Kategorie:Ersterwähnung im 12. Jahrhundert Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Roth