mini|Blick von der Katedralna Straße auf den Dom
Der Breslauer Dom, voller Name Dom St. Johannes der Täufer zu Breslau ()Offizielle Website (Polnisch) des Erzbistums Breslau, wurde in den Jahren von 1244 bis 1341 im Stil der Gotik errichtet. Er ist eines der Wahrzeichen von Breslau. Seine zwei Türme sind mit knapp 98 Metern die höchsten Kirchtürme der Stadt und prägen wie in Brünn, Prag und Wien das Straßenbild.Werner Müller/Gunther Vogel: dtv-Atlas zur Baukunst, Band 2, 5. Auflage 1987, Seite 401
Geschichte mini|hochkant|Breslauer Dom bei Nacht mit der Madonnastatue mini|hochkant|Blick auf die Dominsel Unter der Kathedrale befinden sich Mauerreste der Vorgängerkirchen. Es wird vermutet, dass sich vor der Errichtung der ersten christlichen Kirche am Standort des Doms eine heidnische Kultstelle in der Form eines Brunnens befand.
Böhmische Kirche Frühere Forscher der Kirche nahmen nach spätmittelalterlichen Erwähnungen als sicher an, dass die erste Domkirche in Breslau im Jahr 1000 aus Holz gebaut wurde. Die Ausgrabungen vor Ort, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch Marcin Bukowski durchgeführt wurden, haben allerdings erwiesen, dass man bereits bei dem Bau des ersten Doms Natursteinmauerkonstruktion verwendet hat. Des Weiteren wurde bei den neuesten Ausgrabungen (1996–1997, Edmund Małachowicz et al.) eine noch ältere Kirche entdeckt, die in der polnischen Literatur als Böhmische Kirche (oder Tschechische Kirche) bezeichnet wird. Diese gemauerte Kirche ist bereits in der Mitte des 10. Jahrhunderts entstanden, als sich Schlesien noch unter der Herrschaft der böhmischen Přemysliden befand. Die Überbleibsel der Kirchenfundamente wurden an der Stelle gefunden, wo heute die Apsis und das breitere östlichste Joch des Hauptschiffes aneinander treffen.
Diese älteste Breslauer Kirche bestand gemäß der Rekonstruktion von Małachowicz aus einem Schiff mit einem kräftigen Querschiff und einer Apsis im östlichen Teil, so dass der Grundriss vermutlich ein Lateinisches Kreuz darstellte. Die Mauern wurden aus Feldstein mithilfe von Kalkmörtel errichtet. Die Gesamtlänge der Kirche betrug max. 25 m. Die Kirche weist einige Analogien mit der böhmischen Architektur ihrer Zeit auf.
1. Dom des Tapferen Nach dem Jahr 1000, als das Bistum Breslau gegründet wurde, wurde die Böhmische Kirche durch eine deutlich größere Kathedrale ersetzt. Es handelte sich um eine dreischiffige vorromanische Basilika. Im östlichen Teil befanden sich zwei Türme und eine Krypta mit Gewölbe auf vier Pfeilern. Als Stifter dieser ersten Domkirche gilt der polnische Herzog Bolesław der Tapfere, der für die Gründung des Bistums sorgte. Die Domkirche war 33,5 m lang. Die ausgegrabenen Details (z. B. eine Basis einer Blendsäule) bezeugen die Präsenz einer architektonischen Gliederung. Der in der Nähe des heutigen Doms ausgegrabene Holzbalken mit großem Querschnitt, in dem man einen Bestandteil des Dachstuhls vermutet, wurde auf das Jahr 1004 datiert. Der erste Dom wurde während des tschechischen Einfalls von 1038–1039 unter Břetislav I. bzw. des sogenannten Heidenrückfalls abgebrannt und vermutlich anschließend durch die Bevölkerung abgebaut.
2. Dom des Erneuerers In den 50er und 60er Jahren des 11. Jahrhunderts wurde als Stiftung des polnischen Herzogs Kasimir I., genannt Erneuerer, eine neue Domkirche auf dem alten Ort errichtet. Die Richtung der früher nach Nordosten gerichteten Hauptachse wurde beim Neubau korrigiert. Die neue Orientierung wurde durch Nachfolgebauten bzw. bis zum heutigen Tag beibehalten. Der 2. Dom war eine frühromanische, dreischiffige Basilika aus Bruchstein mit einem kurzen Querschiff, einschiffigem Chor sowie einer Apsis. Unter den letztgenannten befand sich eine dreischiffige, gewölbte Krypta. Wahrscheinlich gab es keine Türme und die Schiffe waren mit einer hölzernen Decke gedeckt. Nur wenige Details aus dem 2. Dom sind bis heute erhalten, da mehrere Teile beim Bau des 3. Dom wiederverwendet wurden.
3. Dom des Bischofs Walter Der 2. Dom war eine relativ schlichte Kirche. Eine prächtigere Domkirche im Stil der Romanik wurde ab 1158 durch den Bischof Walter von Malonne errichtet. Teile der Außenmauer des Vorgängerbaus wurden in die neue Konstruktion einbezogen, jedoch von außen verstärkt. Eine Erwähnung von Walter als Erbauer des ersten gemauerten Dom in einer mittelalterlichen Chronik war indes übertrieben und der Grund für spätere Missinterpretationen in der Geschichtsschreibung des Doms.
Die dreischiffige Basilika mit Querschiff und zwei Westtürmen wurde erst 1180 fertig gestellt und durch den Nachfolger Walters, Bischof Siroslaus II., eingeweiht. Der Grundriss und die räumliche Form des Walterdoms ist nicht nur aus den Ausgrabungen bekannt. Die Kirche wurde auch auf dem erhaltenen Siegel von Siroslaus II. dargestellt, das als älteste Abbildung des Breslauer Doms gilt. Die Forscher sehen Ähnlichkeiten mit der damaligen Kathedrale von Płock, die unter Alexander von Malonne, dem Bruder Walters, errichtet wurde. Die Länge des 3. Breslauer Doms betrug 48,5 m und die Breite 24,5 m. Die neuen Fassaden aus weißem Kalkstein waren reichlich und kontrastvoll mit buntem Sandstein verziert. Mehrere Details aus diesem Kirchenbau sind erhalten und wurden derzeit im Museum der Erzdiözese aufbewahrt. Unter dem heutigen Chor sind Reste der Krypta erhalten.
Der 3. Dom, ähnlich wie die sonstige Bebauung der Dominsel, überstand im Jahr 1241 den Mongolenangriff vermutlich ohne größere Zerstörungen.
4. Dom mini|Stadtplan von Breslau aus dem Jahr 1562 – oben rechts ist die bebaute Dominsel an der Oder zu erkennen
Gotischer Grundbau In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde in mehreren Etappen die gotische Erweiterung bzw. der Neubau vollzogen. Als dessen Ergebnis ist der Grundbau der bis in die Gegenwart existierenden 4. Domkirche bzw. der 5. Kirche an dieser Stelle entstanden.
In den Jahren 1244–1272 ersetzte man den für das Domkapitel zu klein gewordenen Chorbau des Walterdoms durch einen wesentlich längeren und höheren Chor mit Ambulatorium. Der neue Chor mit einem orthogonalen Abschluss zur Ostseite entstand unter dem Bischof Thomas I. im Stil der Kathedralgotik, vermutlich durch eine Zisterzienserbauhütte. Über den Ecken des Ambulatoriums wurden zwei (Ost-)Türme erbaut, die jedoch unvollendet blieben. Im Wettbewerb der Dombaumeister stießen die damaligen handwerklichen Techniken oft an ihre Grenzen. Die zur Wallanlage der Dominsel gerichtete neue Ostfassade erhielt ein großes farbiges Glasfenster und in den Giebel wurde ein relativ großes funktionsloses dekoratives Fenster eingebaut, das zum Dachstuhlraum führte. Die Ostfassade wurde zur repräsentativen Schaufassade des Baus, der nunmehr aus den Schiffen des Walterdoms und dem neuen Hochchor bestand. Der neue Chorraum wurde mit sechsteiligen Spitzbogengewölben eingewölbt. Der Bau des neuen Chors wurde mit der Einweihung des Hauptaltars am 24. März 1272 abgeschlossen.Małachowicz, Katedra wrocławska, S. 40. Die nächsten ca. 25 Jahre existierte eine romanisch-gotische Domkirche,Małachowicz, op. cit., S. 49. bestehend aus dem neuen Chor mit den Stümpfen der Osttürme sowie dem Langhaus, Querschiff und Westtürmen des romanischen Walterdoms.
mini|Südansicht, mittlerer Bereich mit dem südlichen Portal. Versprung der Fassade im Obergaden zwischen dem Mittelschiff (links) und Hochchor (rechts) sichtbar. mini|Grab des Bischofs Preczlaw von Pogarell im Breslauer Dom Als Ersatz für den verbleibenden Teil des Walterdoms ließen seit ca. 1300 die Breslauer Bischöfe Johann Romka, Heinrich von Würben und Nanker ein neues Langhaus mit zwei Westtürmen errichten.Małachowicz, op. cit., S. 50f. Der Bau begann mit dem westlichen Teil der Schiffe und den Westtürmen, von den letzteren wurden bis zur 1319–1326 andauernden Bauunterbrechung die beiden unteren Turmgeschosse erbaut.Małachowicz, op. cit., S. 51, 60. Das im Jahre 1341 vollendete Langhaus und die ungefähr zur gleichen Zeit entstandene neue Sakristei im Südosten des Chorbaus sind im Stil der Reduktionsgotik gehalten. Die neuen Schiffe wurden von der westlichen Seite aus um die Gemäuer des Walterdoms gebaut, sodass dieser vermutlich erst dann abschnittsweise abgerissen wurde, als die Arbeiten am Neubau fortgeschritten waren. Infolge eines Vermessungsfehlers ist die Achse des Hauptschiffes um ca. 15 cm nach Norden verschoben, so dass die neuen Seitenwände nicht auf die bestehenden Chorwände trafen und bis in die Gegenwart ein Mauervorsprung im Obergaden der Südfassade sichtbar bleibt. Außerdem soll das doppelbreite östlichste Joch des Hauptschiffes erwähnt werden, das an Stelle des früheren romanischen Querschiffs vermutlich zuletzt errichtet wurde. Einige Forscher vermuten sogar, dass zunächst ein gotisches Querschiff geplant war.So z. B. Hans Lutsch und Ludwig Burgemeister, zitiert bei Małachowicz, op. cit., S. 184–185.
Mit der Einweihung des Langhauses wurde der gotische Bau in den Grundzügen vollendet, wenngleich die vier Türme (zwei Osttürme über den Ecken des Ambulatoriums und zwei Westtürme in der Westfassade) nicht wesentlich über die Gesimshöhe hervorragten. Von den Westtürmen wurden bis dahin nur die jeweils vier untersten Geschosse erbaut.Małachowicz, op. cit., S. 60. In der nächsten Bauetappe wurde allerdings zunächst vom Baumeister Peschel zwischen 1354 und 1368 östlich des Hochchors der so genannte Kleinchor, eine Marienkapelle, hinzugefügt. Die Kapelle wurde vom Bischof Preczlaw von Pogarell als dessen Grablege gestiftet.
Nächste Erweiterungen wurden im Laufe des 15. Jahrhunderts getätigt. Dazu gehörten die seitlichen Kapellen und die Obergeschosse (fünftes bis siebtes Geschoss) des Nordwestturmes samt bleigedeckter hölzerner Turmspitze, die am 20. Oktober 1416 fertiggestellt wurde.Małachowicz, op. cit., S. 61. Der Südwestturm blieb zu dieser Zeit und noch bis 1580 lediglich viergeschossig.Małachowicz, op. cit., S. 60. In den Jahren 1465–1468 haben die Baumeister Hans Berthold und Peter Franczke das Portalhaus vor der Westfassade errichtet, wobei sie entsprechend dem Vertrag zum Teil romanische Säulenschäfte einsetzen.Małachowicz, op. cit., S. 63. 1517 stiftete der Bischof Johannes V. das neue Portal der Sakristei (am Übergang zum südlichen Ambulatorium), das als erstes Beispiel der Renaissance in Schlesien gilt.
mini|links|Breslauer Dom auf einer Darstellung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts
Umbauten der Renaissance und des Barocks Am 19. Juni 1540 zerstörte ein Großbrand das Dach, die Turmspitze des Nordwestturms und die Kirchenglocken. Der Wiederaufbau des Helms auf dem Nordwestturm erfolgte im Renaissancestil (Fertigstellung am 9. Juni 1556)Małachowicz, op. cit, S. 194 Zwischen 1568 und 1580 wurde der bisher nur viergeschossige Südwestturm zunächst auf die gleiche Höhe wie der Nordwestturm (d. h. siebengeschossig) aufgestockt, dabei wurde die gotische Grundform des Nordwestturms wiederholt, allerdings in vereinfachter Ausführung, mit Rundbogenfenstern und ohne Ornamente. Der neu errichtete Turmhelm (Fertigstellung am 29. Juli 1580) glich dem Renaissance-Helm des Nordwestturms. Als weitere größere Änderung gilt die Abtragung der stark durch den Brand in Mitleidenschaft gezogenen Dachrinnenbalustrade sowie die Aufstockung der Chormauer um ca. 1 m, so dass seine Gesimshöhe an das Langhaus angeglichen wurde. Der Chorraum selbst wurde verputzt und mit Stuck gegliedert. Bischof Andreas von Jerin stiftete 1590 einen silbernen Hochaltar im Renaissancestil. Zu dieser Zeit, vielleicht schon 1540, trug man den Lettner ab.
1633 wurden während der Belagerung Breslaus durch Schweden, Sachsen und Brandenburger der Helm des Südwestturms, die südliche Fassade und das Dach der Sakristei beschädigt. Diese Zerstörungen konnten anschließend beseitigt werden und der Turm erhielt wieder seinen Helm. Der Bau der barocken Sakramentskapelle erfolgte 1672, der Elisabethkapelle zwischen 1680 und 1700. Dazu kamen u. a. 1716–1724 die Fronleichnamskapelle (Kurfürstenkapelle) und 1749 die Totenkapelle.