Am 7. Mai 1999, während des NATO-Bombardements Jugoslawiens, trafen fünf US-amerikanische JDAM-gelenkte Bomben die Botschaft der VR China im Stadtteil Novi Beograd in Belgrad. Der Angriff tötete drei chinesische Reporter und empörte die chinesische Öffentlichkeit. Die USA sprachen davon, dass es die Absicht gewesen sei, das nahe gelegene jugoslawische Direktorat für Versorgung und Beschaffung zu bombardieren. Präsident Bill Clinton entschuldigte sich später für das Bombardement und erklärte es für einen Unfall. CIA-Direktor George Tenet bezeugte vor einem Kongress-Komitee, dass das Bombardement das einzige in dieser Kampagne von seiner Organisation durchgeführte Bombardement war, und dass die CIA die falschen Koordinaten für ein jugoslawisches Militärziel in derselben Straße hatte. Die chinesische Regierung veröffentlichte ein Statement am Tag des Bombardements, das die Aktion als „barbarischen Akt“ bezeichnete.

Militärisches Kalkül Im Zuge des Kosovokriegs führte die NATO die Militäroperation „Operation Allied Force“ durch, bei der 2000 Ziele in Serbien angedacht waren, darunter das Bundesamt für Nachschub und Versorgung, das sich jedoch als die chinesische Botschaft herausstellte. Die New York Times interviewte hierzu mehr als 30 Amtsträger der NATO in Washington und Europa, wobei die Bombardierung der chinesischen Botschaft als das Ergebnis einer Reihe von fehlenden Fachkenntnissen und schlechtem Urteilsvermögen der Mitwirkenden an vielerlei Stellen beschrieben wurde.

Der ursprüngliche Plan der NATO war es, die damalige Bundesrepublik Jugoslawien für zwei Nächte zu bombardieren und durch Unterbrechungen tagsüber dem Präsidenten Slobodan Milosevic die Möglichkeit zu bieten, in die Forderungen der NATO einzuwilligen, die serbischen Truppen aus Kosovo zurückzuziehen. Die Erkenntnis, dass der serbische Präsident diesen Forderungen nicht nachkommen würde, löste bei der NATO die Frage nach der Bombardierung von politisch heikleren Zielen aus. Als die NATO am 24. März 1999 mit der Bombardierung begann, waren 219 Ziele für ganz Serbien vorgesehen. Am Ende des Krieges betrug die Zahl der anvisierten Ziele 1021, wovon rund 650 tatsächlich bombardiert wurden.

Der Vorschlag, das jugoslawische Bundesamt für Nachschub und Versorgung als Bombardierungsziel auszuwählen, kam von der Counter-Proliferation Division der CIA. Es war der erste Zielvorschlag der CIA in diesem Konflikt; er erfolgte in einer Situation, in der die Militärs unter großem Druck standen, weitere geeignete Ziele zu identifizieren. Die Counter-Proliferation Division der CIA hatte jedoch weder spezifische Kenntnisse über den Balkan noch für die detaillierte Festlegung von Bombenzielen. Ihre Beamten betrachteten den Krieg als eine Chance, das Hauptquartier des Bundesamts für Nachschub und Versorgung zu zerstören, da dieses schon länger unter Verdacht stand, am Schmuggel von Raketenteilen in Länder wie Libyen und Irak beteiligt zu sein. Ebenfalls wurde angenommen, dass das Bundesamt die serbischen Streitkräfte mit Ersatzteilen für Raketen, Artilleriegeschosse und Mörsergranaten versorgte. Das vorgeschlagene Ziel wurde in mindestens drei Meetings hinsichtlich politischer und rechtlicher Implikationen diskutiert, nicht aber dessen Standort.

Abfolge der Ereignisse In den Tagen vor dem Bombardement kursierte ein mit „Belgrade Warehouse 1“ gekennzeichneter Angriffsordner, um vom Kommando genehmigt zu werden. Der Ordner kam von der CIA und beschrieb das Ziel als Lagerhaus für eine jugoslawische Regierungsagentur, das im Verdacht stand, als Waffenlager zu dienen. Deshalb wurde der Angriff von Präsident Bill Clinton genehmigt.

Es ist unklar, ob auch andere NATO-Oberhäupter den Angriff genehmigten. Ein Bericht des französischen Verteidigungsministeriums, der nach dem Krieg gefertigt wurde, gab an, dass ein Teil der militärischen Operationen von den USA außerhalb des strikten Rahmens der NATO ausgeführt worden war und dass eine Doppelstruktur existierte. Die NATO hatte keine Autorität über die B-2-Stealth-Bomber, die den Angriff durchführten.

Laut CIA wurde das Ziel mit einer „Nicht-Angriff“s-Tabelle geprüft, jedoch wurde kein Alarm ausgelöst; dies sind Listen mit geschützten Gebäuden wie zum Beispiel Schulen, Spitäler und religiöse Orte. Die spätere Untersuchung berichtete von einigen Interviews mit NATO und US Offizieren, die am Tag danach die Botschaft in der Datenbank auf ihrem korrekten Standort fanden.

Der Angriff wurde in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai von Bombern der United States Air Force vom 509th Bomb Wing direkt aus der Whiteman Air Force Base in Missouri durchgeführt. Die Bomber waren mit JDAM-GPS-gelenkten Bomben bestückt, jedoch waren die einprogrammierten Koordinaten die der chinesischen Botschaft 440 Meter daneben. Um Mitternacht der Lokalzeit trafen fünf Bomben fast gleichzeitig das Südende der Botschaft. Die Botschaft hatte aber Vorsichtsmaßnahmen wegen des andauernden Bombardement Belgrads getroffen und die Belegschaft nach Hause geschickt oder im Keller einquartiert, aber der Angriff forderte trotzdem drei Opfer, Shao Yunhuan (邵云环), Xu Xinghu (许杏虎) und seine Frau, Zhu Ying (朱颖), sowie zwanzig Verletzte.

Chinesische Reaktionen Der Angriff bewirkte einen dramatischen Anstieg der Spannungen zwischen den USA und China. Ein offizielles Statement des chinesischen Staatsfernsehens nannte es eine „barbarische Attacke und eine grobe Verletzung der chinesischen Souveränität“. Chinas UN-Botschafter beschrieb „NATOs barbarischen Akt“ als „eine grobe Verletzung der UN-Charta, internationalen Rechts und der regierenden Form internationaler Beziehungen“ und „eine Verletzung der Genfer Konventionen“. Präsident Clinton telefonierte mit seinem chinesischen Äquivalent Jiang Zemin. mini|Am 12. Mai wurden die amerikanischen Flaggen, um die Opfer zu betrauern, auf chinesischem Territorium auf halbmast gesetzt. Das Foto zeigt die Flagge des amerikanischen Konsulates in Hong Kong.(nicht mehr verfügbar, Text hier: ) „Die Leben derjenigen, die getötet oder verletzt wurden, war nur nebensächlich im Gegensatz zu den eskalierenden Spannungen zwischen den beiden Mächten“, berichtete eine Studie über den diplomatischen Austausch bezüglich der Affäre. „Die von der chinesischen Regierung geforderten Entschuldigungen und jegliches durch die amerikanische Regierung gebrachten Bedauern waren nur nebensächlich, bestenfalls pro-forma.“ Große Demonstrationen kamen vor Botschaften und Konsulaten der USA und anderer NATO-Staaten in China aufgrund der Berichterstattung des Bombardements zustande. Am 9. Mai 1999 verurteilte der Vizepräsident Hu Jintao in einer nationalen Fernsehansprache die „barbarische“ und „kriminelle Führung“ der NATO, die „die Wut der chinesischen Bevölkerung aufgeheizt hat“. Er sagte, die ungenehmigten Demonstrationen in Peking, Shanghai, Guangzhou, Chengdu und Shenyang spiegelten die Wut und den Patriotismus. Dies unterstützte die chinesische Regierung aber drängte gegen die extreme und illegale Durchführung.

Die Proteste hielten mehrere Tage an, währenddessen wegen Steine werfenden Demonstranten der US-Botschafter James Sasser und anderes Personal in der Botschaft „gefangen“ war. Die Wohnung des US Konsuls in Chengdu wurde angezündet und Demonstranten versuchten, das Konsulat in Guangzhou niederzubrennen. Es gibt keine berichteten Verletzten.

Präsident Clintons Entschuldigungen und des U.S. Departments durften nicht durch das chinesische Staatsfernsehen ausgestrahlt werden. Die Demonstrationen dauerten vier Tage an, bevor die chinesische Regierung einschritt, zeitweise die Entschuldigung ausstrahlen ließ und die Polizei beauftragte die Demonstranten zurückzuhalten. Die Präsidenten der beiden Nationen sprachen schließlich am 14. Mai.

Vergleich Gegen Ende des Jahres 1999 begannen sich die Beziehungen wieder zu normalisieren. Im August machte die U.S.-Regierung eine „freiwillige humanitärische Zahlung“ von 4,5 Millionen Dollar an die Familien der drei getöteten Chinesen und der 27 Verletzten. Am 16. Dezember 1999 einigten sich die beiden Regierungen auf einen Vergleich der besagte, dass die USA 28 Millionen Dollar bezahle, um den Schaden der chinesischen Botschaft zu reparieren und China 2,87 Millionen Dollar bezahlen um den der US-Botschaft und anderer Nationen erlittenen Schaden zu kompensieren.

Offizielle Ermittlungen und Berichte im Nachhinein Überblick Spät am 8. Mai erklärten der US-Verteidigungsminister William Cohen und George Tenet in einer gemeinsamen Pressekonferenz, dass weder die involvierte Crew noch die Ausrüstung schuld an dem Vorfall sei. Der erste Versuch, das Bombardement zu erklären, erfolgte am 10. Mai. William Cohen sagte den Reportern: „In einfachen Worten; eines unserer Flugzeuge attackierte das falsche Ziel, weil die Bombardementinstruktionen auf einer veralteten Karte basierten“. In dem Statement wurde die CIA nicht erwähnt. Anschließend wurde aufgedeckt, dass die CIA im Besitz von Karten war, die die chinesische Botschaft an der bombardierten Stelle zeigten.

Während US-Beamte begannen sich offiziell zu äußern, um weitere Fragen zu umgehen, unterrichteten sie dennoch weiter inoffiziell Journalisten. Zum Beispiel veröffentlichte am 10. Mai Eric P. Schmitt einen Bericht gemeinsam mit Leuten, die meist später in DCI Tenets Behörde mitwirkten. Die Beamten instruierten Schmitt darüber, dass „die chinesische Botschaft und ein Hauptquartier der jugoslawischen Armee […] sehr ähnlich aussehen: gleiche Größe, Form und Höhe“, und dass die Gebäude 180 m auseinanderstanden, weniger als die Hälfte der wirklichen Distanz.

Die Kritik der Medien fokussierte sich auf die NIMA, die nationale Bild- und Kartenbehörde. Die NIMA veröffentlichte einen Bericht, um die Attacken zu kontern, die behaupten, dass „kürzlich veröffentlichte Zeitungsberichte, die die Genauigkeit der NIMA-Karten betrachteten, ungenau oder nicht komplett waren“ und dass „eine Papierkarte weder als Hauptquelle geeignet ist, noch dafür verwendet wurde, um ein Ziel zu identifizieren und zu genehmigen“.Media Release: 990516-2, National Imagery and Mapping Agency, 16. Mai 1999; abgerufen am 23. Oktober 2009.

Offizieller Bericht des US-Außenministeriums Im Juni flog eine Delegation unter Thomas R. Pickering nach China, um ihre Version des Vorfalls darzustellen.

Gemäß dem offiziellen Bericht wussten die CIA-Analysten, dass die Adresse des „Yugoimport“-Büros in der Bulevar Umetnosti 2 war. Mit diesen Informationen versuchten sie die geographische Position des Büros zu bestimmen, indem sie die bekannten Positionen der Gebäude der Parallelstraße nahmen. Pickering erklärte diese Technik als Überschneidung und Kreuzpeilung Obwohl diese beschriebene Methode zu keiner Definition der angegebenen Methoden passt, könnte dies der informelle Name im Militär dafür sein.

Parallele Linien wurden von bekannten Adressen und Orten auf einer Parallelstraße gezogen. Mit diesen Informationen wurde versucht das Muster der Straßenadressen der Bulevar Umetnosti, welches den Anpeilern unbekannt war, zu rekonstruieren. Das Straßenmuster war jedoch nicht wie erwartet und die Peiler lokalisierten die Botschaft irrtümlich „in einer kleinen Seitengasse mit etwas Distanz zur Bulevar Umetnosti“ und dem eigentlichen Ziel. Die besagte Straße (Ulica Tesnjevog Cveta) kreuzt jedoch die Bulevar Umetnosti nicht, sie endet vielmehr bereits 200 m vorher. Eine Prozedur, um bekannte Koordinaten an einer bekannten Adresse zu bestimmen, produzierte Koordinaten einer anderen Adresse auf einer Straße, die weder eine Weiterführung der angezielten noch eine verbundene davon ist.

Verschiedene Tests, um Attacken auf sensible Ziele zu verhindern, schlugen fehl, weil die Position der Botschaft seit ihrem Umzug nach Neu-Belgrad drei Jahre zuvor noch nicht erneuert wurde. Deshalb stiegen die Bomber mit Bomben, die die Koordinaten der chinesischen Botschaft einprogrammiert hatten, auf.