Robert Müller (* 25. Juni 1980 in Rosenheim; † 21. Mai 2009 ebenda) war ein deutscher Eishockeytorwart. Im Verlauf seiner Karriere bestritt er in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zwischen 1998 und 2008 insgesamt 387 Spiele für die Starbulls Rosenheim, Adler Mannheim, Krefeld Pinguine, Füchse Duisburg und Kölner Haie. Für die deutsche Nationalmannschaft kam er unter anderem beim World Cup of Hockey 2004 und bei den Olympischen Winterspielen 2006 zum Einsatz. Insgesamt absolvierte er in zehn Jahren 127 Länderspiele.
Im November 2006 wurde bei Müller ein Hirntumor diagnostiziert, dem er im Mai 2009 erlag. Die DEL und der DEB sperrten daraufhin ligaweit und für die Nationalmannschaft seine Rückennummer 80, zuvor war Müller bereits in die deutsche Eishockey-Hall-of-Fame aufgenommen worden.
Karriere National Jugend und Beginn der DEL-Karriere Mit drei Jahren stand Müller das erste Mal mit Schlittschuhen auf einer Eisfläche. Seine sportliche Laufbahn begann Robert Müller im Alter von fünf Jahren, als er 1985 beim Sportbund Rosenheim erste Erfahrungen auf dem Eis sammelte. Während seiner Juniorenzeit spielte er für die U13-, U14 und U15-Juniorenauswahl des bayerischen Eishockeyverbandes und schaffte es so in die U16-Nationalauswahl der Junioren. Müller galt als ungewöhnlich ambitionierter Spieler – vormittags nahm er als Stürmer und nachmittags als Torhüter am Training teil. .
Der Torwart blieb bis zur Saison 1996/97 bei den Rosenheimern und wurde in dieser Zeit mit seiner Mannschaft viermal Bayerischer Meister, ehe er 1997 für eine Saison zum EHC Klostersee in die damals drittklassige „2. Liga“ wechselte. Mit dem EHC sicherte Müller in den Play-downs den Klassenerhalt, kehrte dann allerdings nach Rosenheim zurück, wo er bis 2000 das Tor der Starbulls in der Deutschen Eishockey Liga hütete. In diesen zwei Jahren teilte er sich die Position des Stammtorhüters mit Claus Dalpiaz, Robert Haase und Håkan Algotsson. Nach 27 Einsätzen in der Hauptrunde der Spielzeit 1999/2000 bestritt Müller in der Abstiegsrunde schließlich alle zwölf Spiele für die Starbulls.
Deutscher Meister 2001, 2003 und 2007 Im Sommer 2000 unterschrieb Müller einen Vertrag beim DEL-Rekordmeister Adler Mannheim, mit dem er 2001 Deutscher Meister und 2002 Vizemeister wurde. Zudem absolvierte er einige Einsätze bei den Jungadlern, dem Mannheimer Juniorenteam in der Deutschen Nachwuchsliga. Bei den Adlern wurde Müller meist als Ersatztorhüter hinter Mike Rosati eingesetzt.
mini|Robert Müller in Aktion, 2004 Beim NHL Entry Draft 2001 sicherten sich die Washington Capitals in der neunten Runde an 275. Stelle die Transferrechte für Nordamerika an Robert Müller. Im Sommer 2002 erhielt er die Möglichkeit, an einem Trainingslager des NHL-Franchise der Washington Capitals teilzunehmen. Müller entschied sich nach der Teilnahme am Trainingslager der Capitals, seine Karriere in Deutschland fortzusetzen.
Zurück in Deutschland wechselte Müller nach zwei Jahren und 40 Ligaspielen für die Adler zum Ligakonkurrenten Krefeld Pinguine. Bei den Krefeldern avancierte Müller sofort zum Stammtorwart und gewann mit seinem Team am Ende der Saison 2002/03 die Deutsche Meisterschaft, nachdem man nach der Vorrunde den sechsten Platz belegt hatte. Im entscheidenden fünften Finalspiel der Best-of-Five-Serie gegen den Titelverteidiger Kölner Haie konnte er bei dem 3:1-Auswärtssieg seiner Mannschaft eine sehr starke Fangquote von 97 Prozent aufweisen und war zudem der jüngste deutsche Stammtorwart, der Deutscher Meister werden konnte und der erste deutsche Stammtorwart seit Helmut de Raaf 1996, der den Titel gewann. In seiner Zeit in Krefeld wurde der Torhüter zudem zweimal, 2005 und 2006, ins DEL All-Star Game berufen, wo er mit den besten Akteuren der Liga zusammenspielte. Nachdem die Pinguine in der Saison 2003/04 die Play-off-Runde verpasst hatten, wurde Müller für den Rest der Spielzeit in die Schweiz ausgeliehenhockeyfans.ch, Robert Müller doch noch zu Basel, zuletzt abgerufen am 1. Juli 2011, wo er mit dem EHC Basel den Klassenerhalt in der Nationalliga A verpasste.
Nach vier Jahren in Krefeld und insgesamt 213 Spielen in der DEL kehrte Müller zur Saison 2006/07 wieder zu den Adlern Mannheim zurück und unterschrieb einen Dreijahresvertrag. In Mannheim wurde Müller zunächst als Stammtorhüter vor Ilpo Kauhanen und Danny aus den Birken eingesetzt und gewann am Saisonende mit den Adlern erneut die Deutsche Meisterschaft.
Krebserkrankung und Rückkehr aufs Eis mini|hochkant|links|Robert Müller im September 2005 auf einer Veranstaltung des Round Table Tönisvorst Im November 2006 traten bei Müller vor dem Deutschland Cup in Hannover Schwindelanfälle auf, derentwegen er abreisen musste. Nach Untersuchungen in einer Heidelberger Klinik für Neurochirurgie wurde ein bösartiger Hirntumor entdeckt und operativ teilentfernt. Nach diesem Eingriff musste er sich einer Chemo- und Strahlentherapie unterziehen. Müller musste infolge der Behandlung drei Monate pausieren. Danach wurde er dreimal bei offiziellen Spielen mit eingesetzt, darunter beim Saisonfinale in der SAP Arena: Nachdem die Fans Müller lautstark gefordert hatten, stand er in den letzten 31 Sekunden im Tor der Adler Mannheim, als diese die Nürnberg Ice Tigers mit 5:2 im Play-off-Finale zur Deutschen Meisterschaft besiegten.
Nachdem Müller für die kommende Saison aufgrund einer Entscheidung des Managements seinen Stammplatz an seinen Ersatzmann Jean-Marc Pelletier und dessen Nachfolger Adam Hauser abgeben musste, wurde der Torhüter in der Saison 2007/08 an den EV Duisburg ausgeliehen, mit der Option, zu den Adlern zurückzukehren, falls dies im Saisonverlauf nötig werden sollte.hockeyweb.de, , zuletzt abgerufen am 1. Juli 2011
Im Dezember 2007 einigten sich die Kölner Haie und die Adler Mannheim auf einen sofortigen Wechsel von Robert Müller in das Kölner Team. Er ersetzte dort den nach Russland gewechselten Travis Scott und erhielt einen Vertrag bis 2010.
Am 22. März 2008 bestritt Robert Müller mit den Kölner Haien das dritte Play-off-Viertelfinale der Saison 2007/08 gegen die Adler Mannheim, das die Haie nach 168 Minuten und 16 Sekunden durch einen Treffer von Philip Gogulla mit 5:4 für sich entschieden. Mit einer Dauer von sechseinhalb Stunden gilt es als das längste Profi-Eishockeyspiel auf deutschem Boden und war zu diesem Zeitpunkt auch das längste der europäischen Geschichte. Müller parierte in diesem Spiel 96 Torschüsse, was bis heute Rekord ist für ein DEL-Spiel bzw. DEL-Spiel mit Verlängerung (Stand 30. April 2021).Eishockey News Saisonvorschau 2020/21, S. 225
Karriereende und Tod Im August 2008 musste sich Müller einer erneuten Operation unterziehen, bei der nach offiziellen Angaben Gewebeproben entnommen wurden.haie.de: Robert Müller wird Anfang der Woche eine Gewebeprobe entnommen, zuletzt abgerufen am 1. Juli 2011 Tatsächlich jedoch wurden wie beim ersten Eingriff große Teile der Geschwulst entfernt, denn der Tumor war in kürzester Zeit gewachsen und drückte auf Blutgefäße, wodurch Lebensgefahr bestand.
Ab Ende Oktober 2008 stand der Torhüter wieder auf dem Eis, um für sein Comeback zu trainieren. Kurz darauf, Anfang November, entband er seinen Arzt Professor Wolfgang Wick von der Schweigepflicht, der die Schwere der Krankheit veröffentlichte. Trotz der kritischen Prognose trainierte Robert Müller weiter. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits die mittlere Lebenserwartung überschritten, die bei einem Tumor vierten Grades, einem Glioblastom, zu erwarten ist.
Am 16. November 2008 feierte Müller schließlich sein Comeback, als er in den letzten acht Minuten im Spiel der Kölner Haie gegen die Nürnberg Ice Tigers eingesetzt wurde. Sein letztes Spiel hatte er am 23. November 2008 gegen die Krefeld Pinguine im KönigPALAST. Müller wurde fünf Minuten vor Spielende als Torhüter für die Kölner Haie eingetauscht und wurde von den Krefelder Fans mit tosendem Applaus und dem Ruf „Robert, du bist ein Krefelder“ gefeiert.
Mitte Dezember 2008 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand erneut dramatisch, bei einem öffentlichen Auftritt in einem Kinderkrankenhaus brach er zusammen. Im Januar 2009 gab der Torhüter schließlich sein Karriereende bekannt. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte er im März bei der Saisonabschlussfeier der Kölner Haie.
Am 21. Mai 2009 erlag Robert Müller in seiner Heimatstadt Rosenheim seiner Erkrankung. Er hinterließ eine Frau und zwei Kinder.
Statistik
Hauptrunde Saison Mannschaft Liga Sp S N Min GT SO GTS Sv% A SM 1997/1998 EHC Klostersee 2. Liga 45 28 17 2581 151 0 3,55 3 16 1998/1999 Starbulls Rosenheim DEL 32 1863 105 1 3,38 88,05 1 4 1999/2000 Starbulls Rosenheim DEL 39 2228 131 1 3,50 87,92 0 0 2000/2001 Adler Mannheim DEL 25 1299 51 1 2,36 91,77 3 2 2001/2002 Adler Mannheim DEL 15 638 26 1 2,45 88,74 0 2 2002/2003 Krefeld Pinguine DEL 50 2763 107 5 2,32 91,20 1 2 2003/2004 Krefeld Pinguine DEL 49 2892 131 6 2,72 90,14 1 2 2004/2005 Krefeld Pinguine DEL 47 2769 136 1 2,95 90,14 0 0 2005/2006 Krefeld Pinguine DEL 51 3003 154 1 3,08 88,80 2 24 2006/2007 Adler Mannheim DEL 23 1059 46 1 2,61 91,50 0 0 2007/2008 Adler Mannheim DEL 5 0 3 233 11 0 2,84 91,73 0 0 2007/2008 Füchse Duisburg DEL 12 6 6 698 37 0 3,18 90,21 1 2 2007/2008 Kölner Haie DEL 24 16 8 1461 65 1 2,67 91,63 4 0 2008/2009 Kölner Haie DEL 2 0 0 12 0 0 0,00 100 0 0 DEL gesamt 351 20918 1000 19 2,86 90,2 13 38
Endrunde Saison Mannschaft Liga Sp S N Min GT SO GTS Sv% A SM 1999/2000 Starbulls Rosenheim DEL-Play-downs 12 5 7 720 43 3,58 0 4 2000/2001 Adler Mannheim DEL-Play-offs 2 103 2 0 1,17 96,61 0 0 2002/2003 Krefeld Pinguine DEL-Play-offs 14 10 4 843 28 1 1,99 92,43 2 4 2003/2004 EHC Basel NLA-Relegation 8 5 3 465 24 0 3,10 0 0 2005/2006 Krefeld Pinguine DEL-Play-offs 5 1 4 297 21 0 4,24 86,40 1 0 2006/2007 Adler Mannheim DEL-Play-offs 1 0 0 1 0 0 0,00 100 0 0 2007/2008 Kölner Haie DEL-Play-offs 14 8 6 982 36 0 2,20 93,51 0 2 DEL-Play-offs gesamt 36 2226 87 1 2,40 92,2 3 6
International Internationale Vereinsturniere Mit den Adler Mannheim nahm Robert Müller 2001 erstmals am Spengler Cup in Davos teil. Beim Vorrundenaus des amtierenden Deutschen Meisters bestritt der Torhüter eine komplette Partie und wurde in zwei weiteren für Stammtorhüter Mike Rosati eingewechselt.hockeyfans.ch, Spengler Cup 2001, zuletzt abgerufen am 1. Juli 2011 2003 belegte Müller mit den Krefeld Pinguinen lediglich den fünften und damit letzten Platz, wurde allerdings zum besten Torhüter des Turniers sowie ins All-Star Team gewählt.hockeyfans.ch, Spengler Cup 2003, zuletzt abgerufen am 1. Juli 2011
Nationalmannschaft mini|hochkant|Robert Müller im Trikot der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2005 Seine erste Nominierung für ein internationales Turnier erhielt Müller 1997 für die U18-Junioren-Europameisterschaft, bei der er in sechs Spielen im Tor der U18-Auswahl stand. Allerdings verpasste die Mannschaft den Klassenerhalt, sodass das DEB-Team im nächsten Jahr in der zweitklassigen B-Gruppe antreten musste. Für seine überragenden Leistungen wurde Müller bei diesem Turnier zum besten Torhüter ausgezeichnet., zuletzt abgerufen am 1. Juli 2011
Ab 1999 gehörte Robert Müller der deutschen Eishockeynationalmannschaft an, bei der er sich die Torwartposition mit vier Spielern aus der Deutschen Eishockey Liga und National Hockey League teilte. Am 13. Februar 1999 stand er bei einer 2:5-Niederlage gegen die Schweiz zum ersten Mal im Tor der A-Nationalmannschaft, bei der er ebenso wie im Verein die Rückennummer 80 in Anlehnung an sein Geburtsjahr trug. Im April des gleichen Jahres bestritt der damals 18-Jährige in Dänemark seine erste Weltmeisterschaft, belegte jedoch mit der Nationalmannschaft lediglich den vierten Platz und verfehlte somit den Wiederaufstieg in die erstklassige A-WM.Robert Müller ist tot, abgerufen am 16. Juni 2009