Moisdon-la-Rivière (; Gallo: Maèdon) ist ein Dorf und eine Gemeinde mit  Einwohnern (Stand: ) im französischen Département Loire-Atlantique in der Region Pays de la Loire. Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Châteaubriant-Ancenis und zum Kanton Châteaubriant, die Einwohner werden Moisdonnais genannt.

Geografie Moisdon-la-Rivière liegt etwa 58 Kilometer südsüdöstlich von Rennes und etwa 46 Kilometer nordnordöstlich von Nantes. Der Fluss Don und sein Zufluss Gravotel durchqueren die Gemeinde. Umgeben wird Moisdon-la-Rivière von den Nachbargemeinden Erbray im Norden und Nordosten, Petit-Auverné im Osten, Grand-Auverné im Südosten, La Meilleraye-de-Bretagne im Süden, Issé im Westen sowie Louisfert im Nordwesten.

Geschichte Internierungslager Moisdon-la-Rivière In Moisdon-la-Rivière befand sich seit 1939 ein Internierungslager, das in vielen Quellen nur als Nomaden-LagerNomades und Tsiganes sind im Französischen auch aktuell benutzte Begriffe für Menschen, die im Deutschen zumeist als Sinti und Roma bezeichnet werden. Erwähnung findet. Tatsächlich beginnt die Geschichte dieses Lagers, das unter dem Namen La Forge bekannt ist, aber mit spanischen Bürgerkriegsflüchtlingen, die hier 1939 interniert wurden.

Im Mai 1939 wurden auf dem Gelände der Schmiede ein Lager für republikanische Flüchtlinge aus Spanien eingerichtet, die vor dem Franco-Regime geflohen waren. Hier waren Im Oktober 1939 688 Personen untergebrachtDie unten abgebildete Gedenktafel spricht von 875 Spaniern. – 26 Männer, 306 Frauen und 356 Kinder.1939–1945. Telles furentnos jeunes années Als Frankreich in den Krieg eintrat, verließen die spanischen Flüchtlinge nach und nach das Lager. Einige wurden in andere Lager überführt, andere wurden nach Spanien repatriiert oder konnten sich in die französische Gesellschaft integrieren.Gedenkorte Europa 1939 – 1945: Moisdon-la-Rivière

Seit dem 6. April 1940 verbot ein Dekret die Freizügigkeit der sogenannten Nomaden in Frankreich für die Dauer des Krieges, und von November 1940 an wurden dann in La Forge Sinti und Roma interniert. Nach Peschanski geschah dies auf Drängen der deutschen Besatzungsbehörden, die verlangt hätten, alle Nomaden der besetzten Zone zu internieren.Denis Peschanski: Les camps français d’internement (1938-1946), S. 177 ff. Zur Situation im Lager heißt es bei Peschanski:

Die Gedenktafel (siehe unten) spricht von 567 Männern, Frauen und Kindern nomadischer Herkunft, die unter erbärmlichen sanitären Bedingungen in La Forge interniert waren. Mehrere Kinder seien Opfer der hier herrschenden schlechten Lebensbedingungen geworden. Während in der damaligen Presse verächtlich geschrieben wurde, die im Lager sesshaft gewordenen Romas würden dort das soziale Leben kennenlernen, war die Situation für die Internierten nahezu unerträglich. La Forge sei, wie ein Sozialarbeiter über die Situation im Jahre 1941 berichtete, ein sehr feuchter und von Stacheldraht umgebener Ort gewesen. „Während einige Familien, die zu den besser gestellten gehören, in einem Raum mit einigen Strohmatten versammelt sind, auf denen sie sich abends ausstrecken können, werden alle anderen wie Tiere in zwei große, schmutzige Holzbaracken gepfercht, in die niemals Sonne oder Luft eindringen.“Zitiert nach Le Camp de la Forge de Moisdon-la-Rivière (radio-aspic.net, siehe Weblinks). «Si quelques familles, parmi les mieux loties, sont réunies dans une pièce avec quelques paillasses pour s'étendre le soir venu, toutes les autres sont parquées comme des bêtes dans deux grands baraquements de bois repoussants de saleté, où jamais ne pénètrent ni le soleil ni l'air.»

Im Mai 1942 wurde das Lager La Forge geschlossen. 267 noch internierte Personen, darunter 150 Kinder, wurden zunächst in das Internierungslager Mulsanne gebracht, und von dort aus dann in das Internierungslager für Nichtsesshafte in Montreuil-Bellay. Viele von ihnen konnten dieses Lager erst 1946 verlassen – zwei Jahre nach der Befreiung Frankreichs.

Die Geschichte des Lagers La Forge blieb nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lange verborgen. Erst 2004 fand erstmals eine Gedenkfeier auf dem Gelände des ehemaligen Lagers statt – veranstaltet von einer Sinti- und Roma-Organisation.Philippe Ridou: Moisdon-la-Rivière 2010 wurde von der Gemeinde die obige Gedenktafel angebracht, und es existiert nun auch ein Museum über das Lager. Am 27. April 2019 wurde ein neues Denkmal enthüllt. Es handelt sich um eine senkrecht stehende Schiefertafel von einem Meter Breite und 2 Metern Höhe, in die ein Camargue-Pferd und ein moderner Wohnwagen eingraviert sind sowie ein Zitat von Federico Garcia Lorca: „Erinnern heißt, gegen das Vergessen zu kämpfen“.Florence Pagneux: En mémoire de 567 nomades internés (Weblinks; dort auch ein Foto des Gedenksteins). „Faire mémoire, c’est lutter contre l’oubli“ Nach Christophe Sauvé, einem Sinti, der zugleich als Seelsorger für diese Gemeinschaft zuständig ist, ist das Camargue-Pferd mit seiner wehender Mähne „ein Symbol für Freiheit. Es erinnert auch daran, dass es die Zigeunerwagen zog. Die Zigeunerwagen wurden von den französischen Behörden beschlagnahmt“. Der ebenfalls abgebildete moderne Wohnwagen soll an aktuelle Kämpfe erinnern, in denen es auch darum gehe, dass „Wohnwagen soll als Wohnraum anerkannt werden“.Zitiert nach Philippe Ridou: Moisdon-la-Rivière. „Un cheval camarguais, crinière au vent, est gravé sur le bloc d’un mètre sur deux. «Le cheval, c’est un symbole de liberté. Il rappelle aussi qu’il tirait les roulottes. Des roulottes qui ont été confisquées par les autorités françaises» , souligne Christophe Sauvé. Une caravane, plus moderne, figure également sur la pierre. «Les jeunes voulaient être représentés» , explique l’aumônier. C’est aussi un message d’un combat plus actuel: «Celui de faire reconnaître la caravane comme logement», glisse l’éternel militant de la cause tzigane.“

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2014 2022Einwohner 1947 1810 1842 1807 1810 1734 1785 1943 1964 Quellen: Cassini und INSEE

Sehenswürdigkeiten mini|Kirche Saint-Jouin Kirche Saint-Jouin, ursprünglich im 11. und 12. Jahrhundert begründet, umgebaut im 19. Jahrhundert, Monument historique seit 1978 Neue Schmieden, mehrere Schmiedehäuser aus dem 17. Jahrhundert, Monument historique

Persönlichkeiten

Pierre Fertil (1923–2015), Maler und Mediziner, NS-Opfer

Literatur Le Patrimoine des Communes de la Loire-Atlantique. Flohic Editions, Band 1, Charenton-le-Pont 1999, ISBN 2-84234-040-X, S. 590–601. 1939–1945. Telles furentnos jeunes années. Le Pays Castelbriantais sous l’Occupation (1939–1945. Das waren unsere jungen Jahre. Das Pays Castelbriantais während der Besatzungszeit) (Online). Die PDF-Datei beinhaltet die Kopie eines im Oktober 2009 erschienenen Buches. Zur Autorenschaft heißt es im Vorspann: „Dieses Buch ist ein Gemeinschaftswerk. Nicht das Werk eines Historikers, sondern das Resultat einer langjährigen Sammlung von Zeugenaussagen. Zahlreiche Personen haben sich bereit erklärt, zu erzählen, und haben dafür ihr Gedächtnis und ihre Archive durchsucht. Vielen Dank an alle, die auf die eine oder andere Art und Weise an der Entstehung dieses Buches beteiligt waren.“„Ce livre est un ouvrage collectif. Non pas une œuvre d’historien, résultat d’une longue collecte de témoignages. De nombreuses personnes ont accepté de raconter, fouillant leur mémoire et leurs archives. Merci à tous ceux qui, d’une façon ou d’une autre, ont participé à la réalisation de cet ouvrage.“ Denis Peschanski: Les camps français d’internement (1938–1946) – Doctorat d’Etat. Histoire. Univer-sité Panthéon-Sorbonne - Paris I, 2000. (Online1 oder Online2)

Weblinks

Village de Moisdon-la-Rivière bei cartesfrance.fr Internements à Moisdon-la-Rivière (Video in französischer Sprache) Philippe Ridou: Moisdon-la-Rivière. La mémoire des Tziganes est marquée d’une pierre bleue (Moisdon-la-Rivière Das Andenken an die Zigeuner ist durch einen blauen Stein gekennzeichnet), Ouest france, 21. März 2019. Gedenkorte Europa 1939 – 1945: Moisdon-la-Rivière Florence Pagneux: En mémoire de 567 nomades internés, LaCroix, 27. April 2019. Le Camp de la Forge de Moisdon-la-Rivière. N'oublions pas, pour ne pas recommercer! (Das Camp de la Forge in Moisdon-la-Rivière. Vergessen wir nicht, damit wir es nicht noch einmal tun!), radio-aspic.net, 5. April 2009 (Artikel wurde zuerst am 10. April 2008 in der Zeitung Ouest-France - Edition Loire-Atlantique veröffentlicht.) Union Juive Française Pour la Pax: Internement des Nomades, une mémoire française. Moisdon la Rivière. Bei dem Artikel handelt es sich um die Vorankündigung eines Dokumentarfilms über das Lager in Moisdon-la-Rivière, in dem auch zwei Zeitzeugen zu Wort kommen, die als Kinder das Lager überlebten. Manuel Rodriguez: Moisdon-la-Rivière: rencontre avec Odelinda Gutierrez, internée au camp de la Forge, L'Éclaireur de Châteaubriant, 20. August 2012. In dem Artikel wird die ursprünglich aus Asturien stammende Odelinda Gutierrez interviewt, die als achtjähriges Mädchen zusammen mit ihrer Mutter und ihrer kleineren Schwester in La Forge interniert wurde. Ihrer Abschiebung nach Spanien entkamen sie dadurch, dass der Vater in die französische Armee eingetreten war. Er starb während des Zweiten Weltkriegs im Konzentrationslager Gusen.

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Pays de la Loire