mini|Kirche Wiefels, Südostseite Die evangelisch-lutherische Kirche Wiefels ist ein Kirchengebäude im Ortsteil Wiefels der Gemeinde Wangerland im Landkreis Friesland in Niedersachsen. Sie gehört zur Kirchengemeinde Jever im Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg.
Baugeschichte Die weithin sichtbare Wiefelser Kirche wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Apsissaal auf einer Warf erbaut. Im Bremer Dekanatsregister, dem sogenannten Stader CopiarEin im königlichen Archiv zu Stade verwahrtes Kopialbuch des Bremer Domkapitels, aus dem die kirchliche Einteilung der Diözese Bremen im Jahre 1420 hervorgeht., von 1420 wird das Gebäude als verfallen (quasi destructa) erwähnt.Wolfgang Runge: Die ev.-luth. Kirche in Wiefels. In: Oldenburger Sonntagsblatt, Nr. 13 vom 31. März 1974, S. 4. Ab 1450 erfolgte der Wiederaufbau.
Das Mauerwerk besteht im unteren Teil aus Granitquadern, darüber aus Backstein. Die hoch sitzenden Rundbogenfenster tragen einen umlaufenden Wulst.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bremen / Niedersachsen; 2., von Gerd Weiß und anderen neubearbeitete Auflage, Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 1992, ISBN 978-3-422-03022-0, S. 1356.Die Westwand des Gotteshauses drohte 1951 einzustürzen, daraufhin sperrte das Bauamt des Landkreises Friesland den westlichen Teil des Kircheninneren.Wiefelser Kirche droht einzustürzen. In: Jeversches Wochenblatt vom 15. Januar 1951. 1953 erhielt die Kirche eine neue Westfront aus Klosterformatsteinen, die alten Granitquader wurden nicht wiederverwendet.Eine neue Westwand für die Kirche Wiefels. In: Jeversches Wochenblatt vom 6. Oktober 1953.
Ausstattung Altar mini|hochkant=0.6|Altar der Wiefelser Kirche Der Altar in der überwölbten Apsis wurde 1897 hergestellt vom Holzbildhauer Gustav Kuntzsch, Wernigerode. Der Schnitzaltar im Stil der Neugotik ist in der Form eines gotischen – turmartigen – Sakramentshäuschens aus massiver Eiche gefertigt, Braun- und Goldtöne herrschen vor. Die Mitte bildet ein geschnitztes Kruzifix.Karl-Heinz Peters: Der Altar in der Wiefelser Kirche. In „Gemeindebrief“ der ev.-luth. Kirchengemeinde Jever, Dezember 2007 – Februar 2008, S. 8 f.Karl-Heinz Peters: Nochmals: Der Altar der Wiefelser Kirche. In „Gemeindebrief“ der ev.-luth. Kirchengemeinde Jever, März – Mai 2008, S. 6.Bis 1897 diente der mit niederdeutschen Bibelversen versehene Schriftaltar von 1621, der um 1652 von der Kirchengemeinde Langwarden in Butjadingen erworben wurde und heute an der Nordwand hängt, als Altaraufsatz.Dietrich Diederichs-Gottschalk: Die protestantischen Schriftaltäre des 16. und 17. Jahrhunderts in Nordwestdeutschland. Verlag Schnell + Steiner, Regensburg 2005, ISBN 978-3-7954-1762-8, S. 186 ff.Christoph Hinz: Wiefelser Schriftaltar in Bremen – Kostbares Zeugnis der Reformation auf Reisen. In: Jeversches Wochenblatt, 7. Oktober 2019, S. 1, 3.Von 1973 bis 1997 war der neugotische Altar ausgelagert. Als Altaraufsatz diente zunächst das Ölgemälde Christus am Kreuz, das heute seinen Platz an der Südwand hat, bis 1976 ein von der Goldschmiedemeisterin Erika Albrecht, Bremen, geschaffenes Bronzekreuz mit blauen Emailstreifen – an Ketten hängend – über der Mensa angebracht wurde. Das Retabel von 1897 „kehrte“ 1997 „heim“, das Bronzekreuz hängte man an der Nordwand – neben dem Schriftaltar – auf.Volker Landig: Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen. In „Gemeindebrief“ der ev.-luth. Kirchengemeinde Jever, Weihnachten 1996, S. 2 f.Helmut Burlager: Hinter einem Stoß Kaminholz die schlechten Zeiten überdauert. In: Jeversches Wochenblatt vom 5. April 1997.
Kanzel Die vier sichtbaren Seiten des Kanzelkorbes der reich geschnitzten Kanzel tragen in Holzreliefarbeit unter Bogennischen die Gestalt des Evangelisten Markus, das Wappen des Grafen Anton Günther von Oldenburg mit der Jahreszahl 1627 sowie die Gestalten der Evangelisten Lukas und Johannes. Der mit barocken Motiven geschmückte Schalldeckel wurde 1970 wegen „Baufälligkeit“ entfernt und erst 2008 durch einen neuen ersetzt.Karl-Heinz Peters: Ein Schalldeckel für die Kanzel der Wiefelser Kirche. In „Gemeindebrief“ der ev.-luth. Kirchengemeinde Jever, März – Mai 2007, S. 6.Karl-Heinz Peters: Schalldeckel-Nachrichten. In „Gemeindebrief“ der ev.-luth. Kirchengemeinde Jever, März – Mai 2008, S. 7.
Taufbecken Bei dem bemalten Taufbecken von 1663 handelt es sich um eine mit Drechsel- und Schnitzwerk verzierte Tischlerarbeit. Der kugelförmige Schaft ruht auf vier Fußkonsolen mit aufgesetzten volutenartigen (schnecken- / spiralförmigen) Stützen. Die Schrägflächen des achteckigen Beckens bedecken Medaillonrahmen mit Bildern der vier Evangelisten, zwei Bibelverse und die Wappen und Namen des Stifterehepaares.Volker Landig: Das Wiefelser Taufbecken. In „Gemeindebrief“ der ev.-luth. Kirchengemeinde Jever, Erntedankfest 1993, S. 1.Karl-Heinz Peters: Die Taufbecken unserer Kirchen. In „Gemeindebrief“ der ev.-luth. Kirchengemeinde Jever, März – Mai 2011, S. 8 f.
Orgel Im Jahr 1720 erwarb die Kirchengemeinde Wiefels ein Positiv, das vermutlich Orgelbauer Gerhard von Holy für die Stadtkirche zu Jever geschaffen hatte. Der Orgelbauer J. C. Karling erweiterte die Orgel und ergänzte einen Tremulanten. Später wurde ein Pedal angehängt.
1903 erhielt die Wiefelser Kirche ein neues Instrument. Bei der von Orgelbauer Johann Martin Schmid (Schmid III), Oldenburg, geschaffenen Orgel mit ihrem ausgewogenen klassizistischen Prospekt wurden Teile einer von Orgelbauer Johann Claussen Schmid (Schmid II), Oldenburg, erbauten Orgel einbezogen, die dieser 1870 für die alte Garnisonskirche in Oldenburg hergestellt hatte. Alfred Führer, Wilhelmshaven, ergänzte 1953 eine Blockflöte 2′ und tauschte weitere Register aus. Die Disposition lautet seitdem wie folgt:Fritz Schild: Orgelatlas der historischen und modernen Orgeln der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. Florian Noetzel Verlag, Wilhelmshaven 2008, ISBN 3-7959-0894-9, S. 252 f., 418 (Abb. 387 u. 388).Orgel der Wiefelser Kirche bei NOMINE e. V., abgerufen am 15. September 2026. I Manual C–f3 Principal 8′ Liebl. Gedackt 8′ Salicional 8′ Oktave 4′ Blockflöte 2′ Mixtur I–III Pedal C–d1 Subbass 16′ Oktavbass 8′ Koppeln: I/P Spielhilfen: Plenumtritt an/ab für Principal 8′, Oktave 4′und Mixtur
Glockenturm mini|hochkant=0.6|Glockenturm der Wiefelser Kirche Der freistehende Glockenturm mit Satteldach im Nordwesten der Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert. Drei starke parallele Backsteinmauern („Parallelmauertyp“) tragen in ihren Zwischenräumen zwei Glocken.Adolf Rauchheld: Glockenkunde Oldenburgs. In: Oldenburger Jahrbuch des Vereins für Altertumskunde und Landesgeschichte, Band 29, Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. 1925, S. 5 ff. (Digitale Bibliothek, abgerufen am 27. November 2015).Gabriele Dittrich, Wilfried Schneider: Glockenatlas. Eine Dokumentation der Glocken evangelischer Kirchen im Oldenburger Land. Ev.-luth. Oberkirchenrat der Ev.-luth. Kirche in Oldenburg, Oldenburg 2016, S. 64 (Digitale Bibliothek, abgerufen am 22. Dezember 2017).Vollgeläut der Glocken der Wiefelser Kirche, abgerufen am 26. November 2015.Die kleine Glocke, Schlagton as1, 1930 gegossen von der Glockengießerei Rincker in Sinn, ist der Ersatz für die 1917 beschlagnahmte und „auf dem Friedhof mit großer Mühe“ zerschlagene kleine Glocke, die 1872 von Glockengießer Mammeus Fremy aus Reepsholt hergestellt worden war.Hermann Voesgen, Helma Winkler (Hrsg.): Dokument zum Projekt Kirchenkampf – Szenen aus dem Kampf der Kirchengemeinde Wiefels für ihren Pastor. DATO-Druck, Oldenburg 1992, S. 20.Die große Glocke, Schlagton f1, haben die Glockengießer Mammeus Fremy Heidefeld und Oltmann Eiben Tempelmann aus Burhafe im Harlingerland 1796 in der Nähe der Kirche gegossen. 1942 wurde die Glocke der Kategorie BDie Kategorisierung der Glocken ging im Zweiten Weltkrieg von A bis D. A-Glocken wurden bevorzugt eingeschmolzen, während B-Glocken zwar abgenommen und abgeliefert werden mussten, jedoch vom Einschmelzen zurückgestellt wurden. Nur besonders alte und kunsthistorisch wertvolle Glocken in Kategorie C und D durften in den Türmen verbleiben, wobei C-Glocken sich in einer „Warteposition“ befanden, und D-Glocken von der Einschmelzung ausgenommen waren. zugeordnet, beschlagnahmt und nach Hamburg transportiert. Dort überstand sie auf dem zentralen Glockensammelplatz – damals zynisch Glockenfriedhof genannt – den Zweiten Weltkrieg und kehrte am 10. Dezember 1947 zurück nach Wiefels.Karl-Heinz Peters: Die Glocken der Wiefelser Kirche. In „Gemeindebrief“ der ev.-luth. Kirchengemeinde Jever, Juni – Juli – August 2016, S. 4 ff.
Gedenkstätte für die Gefallenen und Vermissten der Weltkriege An der Nordwestseite der Kirche befindet sich, eingerahmt durch den Glockenturm und eine angrenzende Mauer, die Gedenkstätte. Die Namen der im Ersten Weltkrieg Gefallenen und Vermissten stehen auf einer Sandsteinplatte, die sich am Glockenturm befindet. In die einzelnen Steine der Mauer sind die Namen der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen und Vermissten gemeißelt.Wiefelser Gedenkstätte für die Opfer der Weltkriege, abgerufen am 11. Oktober 2015.Die Gedenkstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges ist 1956 aus den Granitblöcken, die beim Wiederaufbau der Westgiebelwand der Kirche nicht wieder verwendet wurden, nach einem Entwurf des Kirchenmalers Hermann Oetken,Achim Knöfel, Reinhard Rittner: 100 Jahre Kirchenmaler Hermann Oetken 1909–1998. In: Oldenburger Jahrbuch, Band 109, Isensee-Verlag, Oldenburg 2009, ISBN 978-3-89995-669-6, S. 61 ff. (Digitale Bibliothek, abgerufen am 9. November 2015). Delmenhorst, von Steinmetzmeister Konrad Kirchmair, Varel, errichtet worden. Die Gedenktafel für die Opfer des Ersten Weltkrieges wurde 1922 im Kircheninnern an der Nordwand angebracht, 1973 ausgebaut und in die Gedenkstätte beim Glockenturm einbezogen.
Geschichte der Kirchengemeinde Wiefelser Pastoren von 1532 bis 1940