mini|hochkant|Walther Hensel, um 1930

Walther Hensel (Pseudonym von Julius Janiczek; * 8. September 1887 in Mährisch Trübau, Österreich-Ungarn; † 5. September 1956 in München) war ein deutscher Musikerzieher, der sich vor allem der Erforschung und Pflege des Volksliedes widmete.

Leben und Wirkung Nach der Matura am Gymnasium in Mährisch Trübau studierte der ländlich geprägte Hensel in Wien, Freiburg/Schweiz und Prag Germanistik, Romanistik und Musikwissenschaft und arbeitete zunächst als Lehrer an der Prager Handelsakademie.Mit seiner ersten Frau Olga wohnte Hensel in Prag in Bahnhofstraße 10, heute Václavkova 10, Prag 6 – Dejvice. HENSEL, Olga. Hausmusik. Eger: Böhmerland-Verlag, 1921, s. 48. Dostupné také z: https://ndk.cz/uuid/uuid:db1bdefd-1b91-49ce-a33b-6e88768430e7. Er beteiligte sich 1911, dem Jahr seiner Promotion zum Dr. phil., an der Gründung der böhmischen Sektion des „Österreichischen Wandervogels, Bund für deutsches Jugendwandern“ und war 1917 Gauwart für Böhmen. 1924 rief er aus der Jugendmusikbewegung heraus den Finkensteiner Bund ins Leben. Von 1925 bis 1927 leitete er die Jugendmusikschule Dortmund, ab 1930 lehrte er an der Stuttgarter Volkshochschule. Daneben leitete er Chöre. 1938 nahm er den „Anschluss des Sudetenlandes“ – so die Wortwahl der im schwäbischen Winnenden ansässigen Walther-Hensel-Gesellschaft – zum Anlass, in seine Heimat zurückzukehren. Nach der Trennung von seiner ersten Frau Olga (geborene Pokorny, * 17. April 1885 in Theresienstadt, † 19. September 1977 in Stuttgart, Konzertsängerin, Stimmbildnerin und Musikerzieherin), mit der er den Sohn Herbert Hensel hatte, ließ er sich mit seiner zweiten Frau Paula in Teplitz nieder. 1941 verlieh ihm die philosophische Fakultät der Prager Deutschen Universität den Eichendorff-Preis. Gleichzeitig erhielt er den staatlichen Auftrag zur Erforschung des deutschen und slawischen Volksliedes im böhmisch-mährischen Raum.

Hensel schrieb die Melodien zu mindestens zwei Liedern auf Texte von NSDAP-Dichtern, die den „Führer“ Adolf Hitler verherrlichen und im 3. Reich große Beliebtheit erlangten: „So gelte denn wieder Urväter Sitte (dem Führer)“, Text von Will Vesperwww.deutscheslied.com und „Weihelied“, Text von Ernst Leibl.Singendes Volk, 1. Folge. Die Fahne hoch. Lieder der nat. Erhebung. Liederblätter für die badische Jugend. Karlsruhe 1934, Seite 4. Fuhrmann, Heinz: Klingende Saat. Walther Hensel und die Finkensteiner Liedbewegung. In: Zeitschrift für Musik Heft 9 (1937), Seite 965–968.

mini|hochkant|Gedenktafel in Teplitz, Böhmen

Von 1946 bis 1950 arbeitete Hensel als wissenschaftlicher Berater an der Städtischen Bücherei in München. Kurz vor seinem Tod (1956) wurde er mit dem Großen Sudetendeutschen Kulturpreis geehrt.

Hensel zählte neben Fritz Jöde und Hans Breuer (Herausgeber des „Zupfgeigenhansl“) zu den Führungsfiguren der Jugendmusikbewegung. Zudem stammen aus seiner Feder zahlreiche Bearbeitungen oder Vertonungen von Volksliedern, darunter eine vor allem unter Chören bevorzugte Vertonung des Gedichts Geh aus, mein Herz, und suche Freud von Paul Gerhardt. Hensel war der erste Autor des 1923 gegründeten Bärenreiter-Verlags.Siehe , abgerufen am 21. April 2011. In Göppingen ist eine Grund- und Hauptschule nach Walther Hensel benannt,Siehe , abgerufen am 21. April 2011. und in seiner Geburtsstadt trägt ein deutsch-tschechisches Begegnungszentrum seinen Namen.Siehe: Begegnungszentrum „Walther Hensel“, Gesellschaft für Deutsch-tschechische Verständigung e.V., abgerufen am 5. Oktober 2015

Werke Der Vokalismus der Mundarten in der Schönhengster Sprachinsel. (Dissertation). Freiburg (Schweiz) 1911, 104 S. (Janiczek Julius) Lied und Volk. Eine Streitschrift wider das falsche deutsche Lied, 1921 Im Zeichen des Volksliedes, 1922 Wach auf. Festliche Weisen, 1924 Lobsinget. Geistliche Lieder des deutschen Volkes, 1926 unter Mitwirkung von Adolf Seifert Finkensteiner Liederbuch, 1926 Der singende Quell, Liederbuch, 1929 Das aufrecht Fähnlein, Liederbuch, 1923 Spinnerin Lobunddank, Märchenliederbuch, 1932 Lönslieder, 1934 Musikalische Grundlehre. Ein Wegweiser für Laien, 1936 Auf den Spuren des Volksliedes, 1944

Siehe auch Deutsches Volkslied Jugendmusikbewegung Jugendbewegung

Literatur Josef Zuth: Handbuch der Laute und Gitarre. Verlag der Zeitschrift für die Gitarre, Wien 1926 (1928), S. 139 und 148. Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 3048–3063. online

Weblinks

Webseite der Walther-Hensel-Gesellschaft, abgerufen am 21. April 2011 Irene Geuer: 08.09.1887 - Geburtstag von Walther Hensel WDR ZeitZeichen vom 8. September 2012. (Podcast) Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder, herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum von Heribert Sturm, Band I (A–H), Oldenbourg Verlag München Wien 1971, Seite 598 (mit Einträgen zu Olga Hensel, geb. Pokorny und zu Walther Hensel).

Einzelnachweise

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