Der Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR, aber auch noch nach der deutschen Wiedervereinigung in den fünf Neuen Ländern und in Ost-Berlin bestand als Rechtspersönlichkeit von Mai 1945 bis Dezember 1991. Dieser Rundfunk unterhielt trotz seiner zentralistischen Struktur ein enges Netz von regionalen Funkhäusern und Studios außerhalb Ost-Berlins. Diese Funkhäuser und Studios realisierten Produktionen von regionalen sowie zentralen Programmen und Sendungen.

Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone/DDR von 1945 bis 1952

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Rundfunks begannen deutsche Antifaschisten unter Führung von KPD-Funktionären auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht ein Rundfunksystem für die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) aufzubauen.

Rundfunkstruktur in der SBZ/DDR von 1945 bis 1952 Das Rundfunksystem in der SBZ/DDR hatte von 1945 bis 1952 folgende Struktur:

Berliner Rundfunk (als Leitstation für alle Sender in der Sowjetischen Besatzungszone sowie als Leitsender für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern; Sendestart: 13. Mai 1945 – ab 22. Mai 1945 als Berliner Rundfunk) Landessender Schwerin (für Mecklenburg-Vorpommern; Sendestart: 24. Dezember 1945) - Studio Rostock Landessender Potsdam (für Brandenburg; Sendestart: 22. Juni 1946) Studio Cottbus (für die Region Cottbus; Sendestart: um 1948/49)

Mitteldeutscher Rundfunk (für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt; Sitz: Leipzig; Sendestart: 15. September 1945, ab November 1945 als Mitteldeutscher Rundfunk firmierend und bis zur Inbetriebnahme eines als Funkhaus hergerichteten Gebäudes am 4. Juni 1946 aus dem Berliner Funkhaus sendend) Landessender Dresden (für Sachsen; Sendestart: 7. Dezember 1945) - Studio Chemnitz Landessender Weimar (für Thüringen; Sendestart: 1. Januar 1946 nach Versuchssendungen ab November 1945) - Studio Erfurt Landessender Halle (für Sachsen-Anhalt, Sendestart: 24. Dezember 1946) - Studio Magdeburg

Deutschlandsender (für ganz Deutschland; Sitz: Berlin; Sendestart: 1. Mai 1949)

Der Berliner Rundfunk und der Mitteldeutsche Rundfunk arbeiteten in ihrem jeweiligen Sendegebiet als eine Senderkette, wobei die Landessender regionale Fensterprogramme erstellten – eingebettet in die Programmstruktur des jeweils zuständigen Leitsenders (Berliner Rundfunk oder Mitteldeutscher Rundfunk). Im Zuge des weiteren Aufbaus von Rundfunkstrukturen installierten die Rundfunkverantwortlichen mit den entsprechenden Stellen in den Ländern nach und nach die o. a. Regionalstudios, jeweils mit Zulieferfunktion für die Funkhäuser in Berlin bzw. Leipzig oder die Landessender. Das Studio Cottbus verbreitete ab ca. 1948/49 als einziges Studio eigene Regionalsendungen über Drahtfunk, ebenfalls eingebettet im Programm des Berliner Rundfunks.

Der Deutschlandsender war der Intendanz des Berliner Rundfunks unterstellt, hatte aber eine eigene Chefredaktion. Ohnehin hatte der Berliner Rundfunk bis 1952 die Funktion einer Leitstation für alle Funkhäuser und Studios in der SBZ/DDR.

Produktionsprofil und -volumen der Landessender Das tägliche Programmvolumen eines Landessenders betrug in der Regel etwa drei bis vier Regionalfenster, über den Tag verteilt von insgesamt etwa drei bis vier Stunden. Zum Produktionsprofil gehörten Wirtschafts-, Kultur- und Sportsendungen, Musik und Unterhaltung, Sendungen für Umsiedler- und Heimkehrer sowie Mundartsendungen. Einen breiten Raum nahmen die Produktionen von klassischer oder volkstümlicher Musik und von Hörspielen ein.

Neben den regionalen Sendungen in deutscher Sprache sendete der Landessender Dresden des Mitteldeutschen Rundfunks ab Sonntag, dem 14. Dezember 1948 14-täglich eine 15-, später 20-minutige Sendung in obersorbischer Sprache. Im Jahre 1950 folgte der Landessender Potsdam des Berliner Rundfunks mit Sendungen in niedersorbischer Sprache aus dem Studio Cottbus.

Intendanz Oberste Instanz war die Generalintendanz für den demokratischen Rundfunk, zuständig für alle Rundfunkstationen und deren jeweilige Senderkette mit den dazugehörigen Landessendern sowie den Regionalstudios. Somit hatte der Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone und in der frühen DDR trotz dem erheblichen Produktionsumfang der Funkhäuser und Studios in den Ländern und dem Einfluss der KPD/SED in den Länderverwaltungen bis 1952 keine föderale Struktur, sondern war – ebenso wie nach 1952 – ein zentrales Rundfunksystem mit einem Generalintendanten in Berlin. Keine dieser als öffentlich-rechtliche Einrichtungen firmierten Funkhäuser oder Studios und keine der beiden Senderketten war eine eigene Rechtspersönlichkeit.Protokoll der ersten Tagung des Lektorats Rundfunkgeschichte mit den Pionieren des Deutschen Demokratischen Rundfunks vom 25. April 1966 in Beiträge zur Geschichte des Rundfunks, Schriftenreihe des DDR-Rundfunks, 4. Jahrgang 1970Horst Zänger: Geschichten aus 50 Jahren Rundfunk – Chronik des Landesrundfunks Mecklenburg-Vorpommern. Verlag Reihard Thon, Schwerin 1995.LIA-Archiv Wegner, ebendaHeide Riedel in Hörfunk und Fernsehen in der DDR - Funktion, Struktur und Programm des Rundfunks in der DDR, herausgegeben vom Deutschen Rundfunk-Museum e. V., Berlin (West), in Literarischer Verlag Helmut Braun KG, Köln 1977Programmteil in Der Rundfunk, Jg. 1949 (1–52), Deutscher Funk Verlag GmbH Berlin SO 36, 1949Hans-Ulrich Wagner: Ein produktiver Wettstrei - Das Hörspiel in der SBZ 1945 - 1949, in: Mit uns zieht die neue Zeit... Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 1992Programmteil in Der Rundfunk, Jg. 1953 (1–52), Hrsg.: Staatliches Rundfunkkomitee der DDR über Henschelverlag Kunst und Gesellschaft Berlin (DDR) 19531. Workshop 17. Dezember 1991 – Rundfunkbeginn 1945, in: Mit uns zieht die neue Zeit... Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 1992Heinz Florian Oertel: Höchste Zeit, Das Neue Berlin Verlagsgesellschaft, Berlin 1997 (3. Auflage 1998)Eberhard Fensch: So und nur noch besser – Wie Honecker sich das Fernsehen vorstellte, Das Neue Berlin Verlag, Berlin 2003Günter Rücker: Anfänge in Leipzig, in: Mit uns zieht die neue Zeit... Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 1992Programmteil in Der Rundfunk, 1952/1953, Hrsg.: Staatliches Rundfunkkomitee der DDR über Henschelverlag Kunst und Gesellschaft Berlin (DDR) 1953Karl-Heinz Mosgraber: Das 1 000-jährige Potsdam und der Rundfunk, in: Mit uns zieht die neue Zeit... Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 1992Zentralverwaltung für Volksbildung - Abteilung Allgemeine Volksbildung: Organisationsstatut in der sowjetischen Besatzungszone vom 14. März 1946 in Heide Riedel: Hörfunk und Fernsehen in der DDR - Funktion, Struktur und Programm des Rundfunks in der DDR, herausgegeben vom Deutschen Rundfunk-Museum e. V., Berlin (West) in Literarischer Verlag Helmut Braun KG, Köln 1977Gerhard Walther: Der Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone, Deutscher Bundesverlag, Bonn 1961

Pausenzeichen der Landessender Schwerin: G. A. Uthmann, Erwache Volk, erwache (aus: Empor zum Licht) Potsdam: J. S. Bach, 1. Brandenburgisches Konzert, erster Takt Dresden: C. M. von Weber, Durch die Wälder, durch die Auen (aus: Der Freischütz) Weimar: H. Werner, Sah ein Knab' ein Röslein stehn Halle: F. E. Fesca, An der Saale hellem StrandeO. Lund Johansen: World Radio-Handbook for Listeners (November 1947), S. 25

Rundfunk in der DDR von 1952 bis 1964 Mit der Auflösung der Länder und der Errichtung von fünfzehn Bezirken – einschließlich Ost-Berlins – als Verwaltungseinheiten im Jahre 1952 ging eine Umstrukturierung des Rundfunks in der DDR einher.

Bildung des Staatlichen Rundfunkkomitees 1952 Das neu gebildete Staatliche Rundfunkkomitee (SRK), zu dem auch der besondere Intendanzbereich Fernsehzentrum Berlin gehörte, unterstand offiziell dem DDR-Ministerrat, wurde aber in erster Linie vom SED-Zentralkomitee angeleitet und kontrolliert. Dieses Staatliche Rundfunkkomitee (SRK) konzentrierte ab 1952 den größten Teil des Produktionspotentials in Berlin, produzierte und sendete dort ab 1. September 1952 drei zentrale Programme (Berlin I, II und III), vorwiegend aus dem neuen Funkhaus in der Nalepastraße in Berlin-Oberschöneweide, aber auch noch aus dem Funkhaus in Berlin-Grünau. Lediglich im Funkhaus Leipzig verblieb ein Teil des zentralen Redaktions-, Produktions- und Verwaltungspotentials.

Die Funkhäuser und Studios in den bisherigen Ländern waren nun Bezirksstudios, nur noch mit einer Zuliefererfunktion für die in Berlin oder zum Teil in Leipzig produzierten zentralen Programme. In Bezirksstädten, in denen es noch keine Radiostudios gab, baute das Rundfunkkomitee solche auf, wie zum Beispiel in Suhl, Gera, Frankfurt (Oder) und Neubrandenburg.

Das Funkhaus Weimar diente von 1952 bis 1955 als Rundfunkschule. Den Produktions- und Sendebetrieb bewerkstelligte in dieser Zeit das Studio Erfurt.Christina Handwerck: Der vergessene Sender, in http://www.history-weimar.de/sender/pdf/FG205_Seiten%20148-151_Weimar.pdf

Mit der Neustrukturierung des DDR-Rundfunks nahm im Sommer 1952 eine sorbische Redaktion im Funkhaus Berlin ihre Arbeit auf. Der Redakteur koordinierte von Berlin aus die zweiwöchentlichen sorbischen 20 Minuten, die in der Lausitz aufgezeichnet, im Studio Dresden endproduziert, nach Berlin überspielt und von dort abgestrahlt wurden.LIA-Archiv Wegner, ebendaProgrammteil in Der Rundfunk, Jg. 1952/1953, ebendaSorbischer Rundfunk, ebendaZur Geschichte des Sorbischen Hörfunks, ebenda

Die 1950er Jahre – eine Zeit des Experimentierens Die neuen zentralen Programme fanden nicht den erhofften Anklang beim Zuhörer. Gründe dafür waren zu wenig Unterhaltung und Musik, fehlende Abstimmung zwischen den Programmen, aber auch eingeschränkte Empfangsmöglichkeiten durch Frequenzumverteilungen, was zu massiver, offen in der DDR-Presse artikulierter Kritik führte. Dies und sicherlich auch die Ereignisse um den 17. Juni 1953 zwangen den DDR-Rundfunk im Sommer 1953, die Radioprogramme neu zu strukturieren. Infolgedessen firmierte das Programm Berlin II wieder als Deutschlandsender. Die beiden verbliebenen Programme boten dem Zuhörer deutlich mehr Musik und Unterhaltung, und deren Bezirksstudios erstellten wieder regionale Fenster.

Das bedeutet, dass sich jeweils drei Studios eine halbe regionale Stunde Sendezeit auf Frequenzen von Berlin I, II (Deutschlandsender) und III teilten und auf dieser im Wechsel sendeten. Dabei fungierte ein Studio als Leitstudio. Die angeschlossenen Studios überspielten ihre Sendungen zum Leitstudio, das die Sendungen abstrahlte.

Schwerin = Rostock – Neubrandenburg Potsdam = Cottbus – Frankfurt Dresden = Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) – Görlitz (sorbisch) Erfurt = Gera – Suhl Leipzig = Halle – Magdeburg

Die folgenden Jahre waren eine Zeit des Experimentierens, sowohl für die zentralen und noch mehr für die regionalen Programme – in Bezug auf die Frequenzen, die Sendezeiten und den jeweiligen Sendeverbund der Regionalprogramme. So kehrte 1955/56 der DDR-Rundfunk zum System der nebeneinander existierenden Radiosender mit eigenem Namen und Intendanten zurück (Berliner Rundfunk, Radio DDR und Deutschlandsender). Die größeren Bezirksstudios waren wieder Funkhäuser, denen wiederum kleinere Studios angegliedert waren und die einen Sendeverbund bildeten. Funkhäuser und Studios unterstanden ab Anfang 1956 Radio DDR und waren in dessen Programmstruktur integriert. Potsdam und Frankfurt waren von 1958 bis 1970 dem Berliner Rundfunk zugeordnet.

Zum Produktionsprofil der Funkhäuser und Studios zählten regionalbezogene Sendungen zu Wirtschaft, Kultur, Bildung, Landwirtschaft und Sport, Klassik und Volksmusik, Service und Unterhaltung. Das Produktions- und Sendevolumen stieg in den 1950er Jahren stetig.