miniatur|Ehemaliges Kanzleigebäude der iranischen Botschaft, Godesberger Allee 133–137 (2008)

Die Botschaft der Islamischen Republik Iran in der Bundesrepublik Deutschland (bis 1979 Kaiserlich Iranische Botschaft) hatte von 1973/74 bis 2000 ihren Sitz im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg. Das ehemalige Kanzleigebäude der Botschaft, errichtet 1975, liegt im Ortsteil Friesdorf an der Westseite der Godesberger Allee (Bundesstraße 9) mit der Adresse Godesberger Allee 133–137bis 1977 Kölner Straße 133–137. Es befindet sich weiterhin im Besitz des Iran.

Geschichte miniatur|Villa Uferstraße 29 im Kölner Stadtteil Rodenkirchen, ursprüngliche Residenz des Gesandten und Botschafters (2014) miniatur|Ehemalige Residenz des Botschafters im Bonner Stadtteil Muffendorf, Elfstraße 40 (2014)

Nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland 1952 eröffnete der Iran eine Gesandtschaft am Regierungssitz Bonn.Iran – Beziehungen zu Deutschland, Auswärtiges Amt Die Kanzlei der Gesandtschaft befand sich zunächst im Kölner Stadtteil Rodenkirchen in der Villa Uferstraße 29. Sie wurde bereits bis Juli 1953 innerhalb von Rodenkirchen an die Hebbelstraße 6 (heute Ringelnatzstraße) verlegtAuswärtiges Amt (Hrsg.): Liste des diplomatischen Korps in Bonn (Stand: Juli 1953), während die Residenz – Wohnsitz des Gesandten – am bisherigen Standort verblieb. Im Juni 1955 wurde die Gesandtschaft in eine Botschaft umgewandelt.Friedrich H. Kochwasser: Iran und wir, Verlag H. Erdmann, 1961, S. 166. Die Kanzlei der Kaiserlich Iranischen Botschaft und die Residenz des Botschafters wurden 1958Ausländische Botschaften, Gesandtschaften und Vertretungen in der Bundesrepublik Deutschland (Stand: November 1958). In: Adressbuch der Stadt Bonn 1958/59, 85. Ausgabe, J. F. Carthaus, Bonn 1959, S. 734 ff. (online ULB Bonn) in die Villa Parkstraße 5 im Kölner Stadtteil Marienburg verlegt, wo auch eine Konsularabteilung bestand. Die Militärabteilung der Botschaft als Büro des Militärattachés befand sich zunächst im Stadtteil Neustadt-Nord (Kaiser-Wilhelm-Ring 15)Stamm-Leitfaden durch Presse und Werbung, Stamm-Verlag, 1959, S. 711., zog dann innerhalb des Stadtteils in das Concordia-Haus (Hohenzollernring 2–10) umStamm-Leitfaden durch Presse und Werbung, Stamm-Verlag, 1961, S. x. und war schließlich im Stadtteil Bayenthal (Bonner Straße 180) ansässig, wo auch ab Mitte 1964 der iranische Nachrichtendienst SAVAK sein Zentralbüro für Europa unterhielt. 1973/74 zog die Kaiserlich Iranische Botschaft einschließlich Konsularabteilung nach Bonn an den räumlichen Schwerpunkt der diplomatischen Vertretungen im Stadtbezirk Bad Godesberg um, wo die Kanzlei zunächst in einem angemieteten Bürogebäude (Hochkreuzallee 1) eingerichtet wurde.Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen in Bonn (Stand: September 1974) 1975 erwarb der Iran ebenfalls in Bad Godesberg ein im selben Jahr nach Plänen des ortsansässigen Architekten Dirk Denninger errichtetes Bürogebäude (Kölner Straße 133–137, seit 1978 Godesberger Allee) für fünf Millionen DM von der Zahnärztekammer Westfalen-LippeNeue Räume am alten Platz für Diplomaten aus Australien, General-Anzeiger, 6. August 1987, Stadtausgabe Bonn, S. 9.Behörden wollen Iranische Botschaft nicht räumen, General-Anzeiger, 9. März 2018 und baute es zum Botschaftsgebäude um, wobei das vorgeblendete Metallgestänge durch leuchtend-orientalisch bemalte Fensterumrahmungen ersetzt wurde.Michael Gassmann: Gebaute Botschaften. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. September 2001, Nr. 224, S. 52. Die Residenz des Botschafters verblieb bis mindestens 1978 in Köln-MarienburgAuswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen in Bonn (Stand: Oktober 1978), anschließend wurde sie nach Bad Godesberg in ein Anwesen im Stadtteil Muffendorf (Elfstraße 40) mit einem 10.500 m² großen Grundstück verlegt.Kauf "ohne Rücksicht auf Kosten", General-Anzeiger, 20. August 2013

Nach der Islamischen Revolution (1979) stürmten am 3. August 1981 105 Iraner das Botschaftsgebäude und hielten es vorübergehend besetzt, um gegen das neue Regime zu protestieren.Politik IN KÜRZE, Hamburger Abendblatt, 6. Januar 1983 Eine erneute Besetzung des Botschaftsgebäudes erfolgte am 5. April 1992 durch 30 bis 40 Angehörige der Volksmudschahedin infolge des Bekanntwerdens iranischer Luftangriffe auf Oppositionsstützpunkte im Irak; dabei wurden mindestens fünf Personen verletzt und Teile der Inneneinrichtung zerstört.Mujaheddin besetzten Irans Botschaft in Bonn, Neues Deutschland, 6. April 1992Bonn will Iran Entschädigung zahlen, Hamburger Abendblatt, 7. April 1992Tagesschau, 5. April 1992 (online, Bericht ab 14:08 bzw. 14:30) Die Botschaft in Bonn war zu dieser Zeit mit etwa 90 Mitarbeitern eine der größten diplomatischen Vertretungen des Iran. Sie galt als Europa-Zentrale des iranischen Nachrichtendienstes mit Residenturen dreier einzelner Dienste, die nach Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz allein mit 20 Mitarbeitern des MOIS (auch VEVAK) in der speziell gesicherten dritten Etage des Gebäudes mit sechs Büros und einem Funkraum besetzt und deren Aufgabe die Beobachtung und Ausforschung der iranischen Opposition gewesen sein soll.STÜTZPUNKT DER SPIONE, Der Spiegel, 10. Oktober 1994Norbert Siegmund: Der Mykonos-Prozess: ein Terroristen-Prozess unter dem Einfluss von Außenpolitik und Geheimdiensten; Deutschlands unkritischer Dialog mit dem Iran (=Politikwissenschaft, Bd. 73, LIT, Münster 2001, ISBN 3-8258-6135-X), S. 394. (zugleich Dissertation Freie Universität Berlin, 2000) Aus der Bonner Residentur des MOIS soll demnach unter anderem das Mykonos-Attentat in Berlin (1992) gesteuert worden sein.Tod im Namen des Erhabenen, Der Spiegel, 14. Oktober 1996 Die Kulturabteilung der Botschaft war zuletzt außerhalb des Kanzleigebäudes im Ortsteil Brüser Berg (Borsigallee 4) beheimatet.Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen in der Bundesrepublik Deutschland, Stand: März 1992Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen in der Bundesrepublik Deutschland, Stand: April 1995

Im Zuge der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin (1999) zog die iranische Botschaft 2000 dorthin um (→ Iranische Botschaft in Berlin). Sowohl das ehemalige Kanzleigebäude als auch die ehemalige Residenz des Botschafters im Stadtteil Muffendorf stehen seitdem leer. Der Iran bot beide Immobilien über wechselnde Makler zum Verkauf an, zuletzt auf dem Wege einer Verkaufsanzeige im August 2013, wobei angeblich die hohen Preisvorstellungen zumindest für das ehemalige Kanzleigebäude einem erfolgreichen Abschluss von Verhandlungen im Wege standen.Teheran lässt nicht mit sich verhandeln, General-Anzeiger, 23. Oktober 2002Verkaufsschlager und Ladenhüter, Kölner Stadt-Anzeiger, 19. November 200524 Botschaften sind noch zu haben, General-Anzeiger, 14. Januar 2009 Es wurde bis zuletzt nicht ausreichend instand gehalten, sodass sich sein baulicher Zustand zunehmend verschlechterte.Viele Ex-Botschaften in Bonn verrotten, Die Welt, 11. September 2011 Bei Wahlen im Iran dient die Immobilie als Wahllokal für in Deutschland lebende Iraner.Michael Wenzel: Zwischen Luxus und Verfall, General-Anzeiger, 6. Oktober 2015 Am 8. März 2018 wurde das Gebäude von Aktivisten, die die iranische Frauenbewegung unterstützen, besetzt.Aktivisten besetzen ehemalige Iranische Botschaft in Bonn, General-Anzeiger, 8. März 2018 Nachdem der Iran Strafanzeige gegen die Hausbesetzer gestellt hatte, räumte die Polizei am 15. März das Gebäude.Iran stellt Strafanzeige gegen Hausbesetzer in Bonn, General-Anzeiger, 13. März 2018Polizei räumt Iranische Botschaft in Bonn, General-Anzeiger, 15. März 2018

Adressen einzelner Abteilungen AbteilungAdresse, Ort(steil)Erster NachweisLetzter NachweisBüro des MilitärattachésParkstraße 5, Köln-Marienburg1962Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste des diplomatischen Korps in Bonn (Stand: März 1962)1962Büro des Kulturrats/StudentenbetreuungEbertplatz 9, Köln-Neustadt-Nord19621964Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste des diplomatischen Korps in Bonn (Stand: Januar 1964)Büro des Presseattachés/PresseabteilungParkstraße 5, Köln-Marienburg19621974Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste des diplomatischen Korps in Bonn (Stand: April 1974)Büro des Militärattachés/MilitärabteilungBonner Straße 180, Köln-Bayenthal1964Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste des diplomatischen Korps in Bonn (Stand: Januar 1964)1974Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen in Bonn (Stand: September 1974)Abteilung für StudentenbetreuungHansaring 95, Köln1966Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste des diplomatischen Korps in Bonn (Stand: Juni 1966)1966MilitärabteilungReuterstraße 187, Bonn-Südstadt1975Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen in Bonn (Stand: April 1975)1976Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen in Bonn (Stand: Juni 1976)

Siehe auch Islamische Renaissance Liste der diplomatischen Vertretungen in Bonn (→ Eintrag) Liste der iranischen Botschafter in Deutschland

Literatur Martin Bredenbeck, Constanze Moneke, Martin Neubacher (Hrsg.): Bauen für die Bundeshauptstadt (= Edition Kritische Ausgabe, Band 2). Weidle Verlag, Bonn 2011, ISBN 978-3-938803-41-7, S. 93/94.

Weblinks

Bericht aus Bonn: Botschaft Iran, SZ-Magazin, Heft 18/2012

Einzelnachweise und Anmerkungen

Iran Kategorie:Kanzlei einer Botschaft Kategorie:Bürogebäude in Bonn Kategorie:Erbaut in den 1970er Jahren Kategorie:Godesberger Allee Kategorie:Friesdorf (Bonn) Kategorie:Gemarkung Friesdorf Kategorie:Deutsch-iranische Beziehungen Kategorie:Organisation (Bad Godesberg) Bonn Kategorie:Behördengründung 1973 Kategorie:Aufgelöst 2000