Die Halcyon-Klasse bestand aus 21 Minensuchern. Sie wurden zwischen 1933 und 1939 als „fleet minesweeping sloops“ für die britische Royal Navy gebaut. Sie erhielten Namen, die zuvor meist schon von anderen kleineren Schiffen der Navy genutzt worden waren. Alle Schiffe der Klasse wurden im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Neun wurden versenkt und ein weiteres wurde schwer beschädigt und verschrottet. Dieser Totalschaden und zwei der Versenkungen waren Folgen eines irrtümlichen Angriffs britischer Jagdbomber am 27. August 1944.
Baugeschichte Die 21 Schiffe der Halcyon-Klasse entstanden in zwei Gruppen. Die erste nutzte Dampfmaschinen, die zweite wurde von Dampfturbinen angetrieben. Die neuen Schiffe waren eine kleinere Version der escort sloops der Grimsby-Klasse. Zuerst wurden die Halcyon und Skipjack im April/Mai 1934 von John Brown & Company abgeliefert. Nach fünf Schiffen erhielten 1936 die Niger und Salamander der ersten Gruppe abweichend von den Schwesterschiffen Dreifach-Expansionsmaschinen für die sonst genutzten zweifachen Verbunddampfmaschinen. Durch die erhöhte Leistung ihrer Maschinen, waren die beiden von J. Samuel White & Company gelieferten Schiffe einen halben Knoten schneller, obwohl sie einen kürzeren Rumpf hatten.
Der etwas kürzere Rumpf wurde auch von den vierzehn Turbinenschiffen der zweiten Gruppe genutzt, von denen die in Devonport gebaute Hebe als erste im Herbst 1937 in Dienst kam. Da die Leistung ihrer Antriebsanlagen aber geringer war, verringerte sich die Höchstgeschwindigkeit der Turbinenschiffe wieder auf 16,5 Knoten (31 km/h). Beim Bau der Schiffe wurden viele Teile geschweißt. Die im Mai 1938 fertiggestellte Seagull war das erste vollgeschweißte Schiff der Royal Navy.Lenton: British and Empire Warships. S. 252. Als letztes Schiff der Klasse kam die Britomart im August 1939 kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Dienst. Von den 21 Schiffen erhielten 16 Namen von Torpedokanonenbooten der Sharpshooter-, Alarm- und Dryad-Klasse, deren noch vorhandene Boote im Ersten Weltkrieg meist als Minensucher eingesetzt waren.
Vermessungsschiffe Als Vermessungsschiffe ohne Bewaffnung wurden Jason (Juni 1938), Gleaner und Franklin (August 1938) sowie die Scott (Februar 1939) fertiggestellt. Die beiden letzteren sollten nur im Ausnahmefall umgerüstet werden und unterschieden sich durch den Mast mit Ladegeschirr vor der Brücke und einen großen Arbeitsraum hinten von der „Normal“-Version. Die beiden anderen als Vermessungsschiffe fertiggestellten Schiffe hatten die Standard-Masten der Halcyon-Klasse, dazu auf dem Vorschiff Ladepfosten und auch das zusätzliche Deckshaus hinten.
mini|links|Das bewaffnete Vermessungsschiff Scott Bei Kriegsbeginn war die Gleaner bereits zurückgerüstet und die in Umrüstung befindliche Jason kam noch im September 1939 als Kampfschiff in Dienst. Die Scott wurde ab Oktober auch umgerüstet, aber schon im April 1940 zum Vermessungsschiff rückgerüstet. Ende 1940 wurden die beiden Vermessungsschiffe in geringerem Umfang bewaffnet. Sie erhielten ein als Zwölfpfünder bezeichnetes 3-inch-(76,2-mm)-L/40-Flugabwehrgeschütz auf dem Vorschiff und leichte Flugabwehrwaffen auch auf dem großen Deckshaus (Kartenhaus) hinten. Franklin und Scott blieben während des Krieges in diesem Dienst und unterstützten vorrangig Minenlegeoperation, aber auch Aufklärungen für Commando-Raids, Landungen und andere Aufgaben. Scott blieb bis 1964 als letztes aktives Schiff der Klasse in Dienst.
Nach dem Kriegsende wurden 1945 auch die Sharpshooter und Seagull zu Vermessungsschiffen umgebaut. Die Sharpshooter wurde im Juli 1953 in Shackleton umbenannt und blieb bis Ende 1962 im Einsatz.
Einsatzgeschichte Beim Kriegsbeginn gehörten waren 16 Schiffe der Halcyon-Klasse in der Heimat und zwei in Gibraltar als Minensucher einsatzbereit. Eines der Vermessungsschiffe befand sich in der Umrüstung. Von den beiden anderen Vermessungsschiffen wurde nur die Scott zeitweise umgerüstet.
Am 3. Februar 1940 suchte die Sphinx mit den Schwesterschiffen Speedwell und Skipjack Minen in einem Gebiet 15 Seemeilen (24 km) nördlich von Kinnaird Head, als sie von deutschen Flugzeugen angegriffen wurde. Sphinx erhielt einen Bombentreffer auf dem Vorschiff, der dieses zerstörte. Skipjack wurde von den Maschinen mit Bordwaffen beschossen, erlitt etliche Treffer, hatte aber keine Personalverluste. Die Sphinx blieb anfangs schwimmfähig und wurde von der unbeschädigten Speedwell in Schlepp genommen.History HMS Speedwell Durch das Eindringen von immer mehr Wasser riss die Schlepptrosse und die Sphinx kenterte schließlich und sank.Rohwer: Seekrieg. 3. Februar 1940, Nordsee Das Wrack trieb später nördlich von Lybster auf der Nordseite des Moray Firth an und wurde zum Abbruch verkauft. Der Kommandant der Sphinx und 53 Mann der Besatzung starben beim Verlust der Sphinx.History HMS Sphinx
An der Operation Dynamo zur Evakuierung des britischen Expeditionsheeres (BEF) vom Kontinent ab Ende Mai 1940 waren neun Schiffe der Halcyon-Klasse beteiligt. So konnte die im Frühjahr aus Gibraltar abgezogene Gossamer sechs Hin- und Rückfahrten im Raum Dünkirchen durchführen und 3200 Soldaten nach Großbritannien retten. Die bis Oktober 1939 auch in Gibraltar stationierte Leda konnte acht Fahrten durchführen und 2848 Militärangehörige über den Ärmelkanal bringen. Dabei kam es zu zwei Kollisionen mit anderen beteiligten Einheiten ohne größeren Schäden. Bei ihrer letzten Fahrt nach Dünkirchen am 3. Juni 1940 konnte sie keine Truppen mehr aufnehmen. Hebe diente lange als Flaggschiff des Marinebefehlshabers vor Dünkirchen und brachte am 1. Juni 1940 den Befehlshaber des BEF, Lord Gort, nach Dover.
Am gleichen Tag wurde die Skipjack vor De Panne von deutschen Sturzkampfbombern angegriffen und versenkt. An Bord der Skipjack befanden sich 250 bis 300 Soldaten, die von den Stränden von Dünkirchen während der Operation Dynamo gerettet worden waren. Der Augenzeuge William Stone sagte: .BBC News|UK|Surviving WWI: Veterans’ stories Als die Skipjack nach fünf Bombentreffern kenterte und noch eine Zeit kieloben trieb, verloren 19 Besatzungsangehörige und etwa 275 Soldaten ihre Leben, von denen die meisten im Rumpf eingeschlossen waren.History HMS Skipjack
Die Schiffe der Halcyon-Klasse wurden in den ersten Kriegsjahren häufig auch zur U-Boot-Abwehr eingesetzt; diese Aufgabe nahm ab, als langsam mehr speziell für diese Aufgabe gebaute Schiffe in Dienst kamen, wie die Korvetten der Flower-Klasse. Schiffe der Halcyon-Klasse begleiteten anfangs fast jeden Geleitzug im Nordmeer, wobei sie als Minensucher und als Unterseebootsjäger eingesetzt wurden. Einige blieben auch längere Zeiten auf sowjetischen Basen wie Murmansk und bemühten sich um die Räumung von deutschen Minensperren in den Verkehrswegen der Nachschubgeleite und der sowjetischen Versorgungsrouten an der Küste der Halbinsel Kola zur Barentssee und zum Weißen Meer. Am 17. Dezember 1941 trafen Hazard und Speedy 14 sm vor der Küste der Halbinsel Kola auf vier Großzerstörer der in Kirkenes stationierten 8. deutschen Zerstörerflottille (Z 25, Z 23, Z 24 und Z 27). Die zur Aufnahme des Nordmeergeleitzuges PQ 6 ausgelaufenen britischen Minensucher wurden von den Deutschen irrtümlich als russische Zerstörer der Gnevny-Klasse angesprochen und auf großer Distanz unter Feuer genommen. Die Speedy erhielt vier Treffer, die Hazard blieb unbeschädigt. Die beiden Minensucher entkamen den deutschen Angreifern, welche die sieben Frachter des von dem Kreuzer Edinburgh und den Zerstörern Echo und Escapade gesicherten Konvois nicht entdeckten. Der auf die Meldungen der Minensucher mit zwei russischen Begleit-Zerstörern in See gegangene Schwere Kreuzer Kent konnte die deutschen Zerstörer aber auch nicht finden, die zu ihrer Basis zurückgelaufen waren.Rohwer: Seekrieg. 8.–23. Dezember 1941 u. 17. Dezember 1942, Nordmeer
Vier Schiffe der Halcyon-Klasse gingen bei den Einsätzen im Nordmeer verloren.
Die Gossamer hatte schon den allerersten Nordmeergeleitzug (Dervish) begleitet und blieb dann in der Sowjetunion, um die Geleitzüge auf dem letzten Stück der Reise zu begleiten. Bei der Sicherung des Geleitzuges PQ 11 hatte sie ein U-Boot angegriffen. Später half sie bei der Rettung der Besatzung des sinkenden Kreuzers Edinburgh, von dem sie 440 Mann übernahm. Vor Anker liegend sank die Gossamer am 26. Juni 1942 nach einem Stuka-Angriff im Kola-Fjord.Rohwer: Seekrieg. 16.–30. Juni 1942, Nordmeer 23 Mann der Besatzung ließen ihr Leben, weitere zwölf wurden schwer verwundet.History HMS Gossamer
Die Niger war schon im Mai 1940 durch einen Stuka-Angriff in Brand geraten, hatte nach ihrer Reparatur etwa 1500 Mann aus Dünkirchen retten können und war im Sommer 1941 mit zwei Schwesterschiffen zur Sicherung der britischen Stützpunkte auf Island im Einsatz gewesen. Eine schon im Herbst 1941 geplante Verlegung in die Sowjetunion mit PQ 2 musste wegen dringender Überholungsarbeiten abgesagt werden. Die Niger gehörte dann zur Sicherung von PQ 11 und des Rückgeleits QP 11. Nach dem Untergang der Edinburgh übernahm sie Teile der geretteten Besatzung, die erstmal zur Marinebasis Polyarnoe bei Murmansk gebracht wurden. Am 5. Juli 1942 ging die Niger verloren, die als Teil der Sicherung des Konvois QP 13 nach Großbritannien zurückkehren sollte. Bei schwerer See und geringer Sicht führte sie einen Teil des Konvois in ein britisches Minenfeld vor IslandRohwer: Seekrieg. 26.–30. Juni 1942, Nordmeer. Es sanken auch vier Frachter durch Minentreffer. Auf der Niger verloren 148 Mann ihr Leben, zum Teil handelte es sich um Passagiere auf der Heimreise.History HMS Niger
Die Leda war am 29. September 1941 mit Britomart, Hussar und Gossamer als Teil der Sicherung von PQ 1 erstmals nach Archangelsk gekommen, um dann dort drei Monate Dienst zu leisten ohne für den arktischen Einsatz hergerichtet zu sein. Nach einer Überholung und Ausrüstung für den arktischen Einsatz verlegte die Leda im Geleitzug PQ 15 erneut nach Karelien. Nach Unterstützung der Reste von PQ 17 sollte sie in der Sicherung des Rückgeleits QP 14 wieder nach Großbritannien zurückkehren. Nach Ausfall ihres Sonars wurde die Leda am 20. September 1942 nahe Grönland am Ende des Geleitzugs von U 435 mit zwei Torpedos versenkt.Rohwer: Seekrieg. 20.–26. September 1942, Nordmeer Am gleichen Tag wurde auch noch der Zerstörer Somali von einem U-Boot torpediert, den dann sein Schwesterschiff Ashanti nach Island schleppen wollte. Da die Leda nur langsam sank, konnten der Kommandant, 84 Mann der Besatzung und zwei aufgenommene Offiziere der Handelsmarine von den Rettungsschiffen des Geleitzuges abgeborgen werden; 34 Mann verloren aber beim Untergang des Minensuchers ihr Leben.History HMS Leda
Die Bramble gehörte im Herbst 1941 zu den ersten Schiffen der Klasse die nach Archangelsk entsandt wurden. Sie war zeitweise in der Sowjetunion stationiert und nahm an der Sicherung von elf Geleitzügen teil. Sie wurde eines der Opfer der Schlacht in der Barentssee als sie am 31. Dezember 1942 vergeblich nach zurückgebliebenen Schiffen des Geleitzuges JW 51B suchte. Als sie allein dem Konvoi hinterher lief, wurde sie vom Schweren Kreuzer Admiral Hipper auf der Suche nach dem Konvoi entdeckt und schwer beschädigt. Der Kreuzer lief weiter, um den Geleitzug anzugreifen und überließ die Vernichtung der Bramble seinen Begleitzerstörern, die das beschädigte Schiff erst suchen mussten. Friedrich Eckoldt fand die Bramble und versenkte den Minensucher, der mit seiner gesamten Besatzung von 121 Mann verloren ging.History HMS Bramble Der Friedrich Eckoldt brachte die Versenkung der Bramble kein Glück. Als sich wieder dem Geleitzug JW 51B näherte, hielt sie den britischen Kreuzer Sheffield irrtümlich für die Hipper und lief auf ihn zu. Die Sheffield vernichtete den deutschen Zerstörer aus sehr kurzer Distanz sofort.Rohwer: Seekrieg. 30.–31. Dezember 1942, Nordmeer