Bei dem Eisenbahnunfall von Penistone (auch: accident at Bullhouse Bridge oder mit der Ortsangabe Hazlehead–Penistone) entgleiste am 16. Juli 1884 nach einem Achsbruch ein Schnellzug vor dem Bahnhof Penistone, South Yorkshire, Großbritannien. 24 Menschen starben.So Dow und NN: Crash victims; NN: A railway accident berichtet drei Tage nach dem Unfall bereits von 23 Toten, ebenso NN: Der Eisenbahn-Unfall, S. 28; nur nach Railways Archives – Accidents Archives starben 19 Menschen.

mini|Unfallstelle vor der Bullhouse Bridge

Ausgangslage Ein Schnellzug der Manchester, Sheffield and Lincolnshire Railway Seit 1897: Great Central Railway (MS&LR) war auf der Woodhead Line Eine Bahnstrecke Manchester–Sheffield, heute in dem betreffenden Abschnitt stillgelegt und Teil des Trans Pennine Trail (NN: Crash victims). vom Bahnhof Manchester London Road (heute: Manchester Piccadilly Station) um 12:30 Uhr zum Londoner Bahnhof King’s Cross abgefahren, wo er um 17:20 Uhr ankommen sollte.NN: A railway accident; NN: Der Eisenbahn-Unfall, S. 28. Er führte als Anschluss zu abendlichen Schiffsabfahrten auch Kurswagen zum Bahnhof Grimsby Docks mit.Dow. Der Zug war mit einer Saugluftbremse nach dem System Smith (Smith's brake) ausgerüstet. Diese funktionierte noch nicht automatisch, nach dem Prinzip, dass die Bremsen sich anlegten, wenn Luft in das Bremssystem strömte, dass also bei einem Riss der Bremsleitung automatisch eine Vollbremsung erfolgte. Vielmehr musste der Lokomotivführer aktiv den Unterdruck herstellen, damit die Bremsen sich anlegten.NN: Der Eisenbahn-Unfall, S. 28.

Etwa 3 km vor dem Bahnhof Penistone durchlief die Strecke eine Kurve von 800 m Radius bei einem Gefälle von 8 ‰.NN: Der Eisenbahn-Unfall, S. 28. Sie führte dort zugleich über die Bullhouse Bridge, auf die die Strecke von beiden Seiten mit einem Bahndamm zuführte.

Unfallhergang Nach dem Verlassen des Woodhead Tunnel, eines Scheiteltunnels, nahm der Zug in der Abwärtsfahrt auf den Bahnhof Penistone Geschwindigkeit auf. Etwa 3 km vor dem Bahnhof, gegen 13:00 UhrNN: Crash victims., im Bereich des auf die Bullhouse Bridge zuführenden Bahndamms, brach die Achse eines Radsatzes der Dampflokomotive in ihrer rechten Lagerung, als der Zug etwa 80Smith: Fatigue.-95NN: Der Eisenbahn-Unfall, S. 28. km/h schnell gewesen sein soll.Smith: Fatigue. Vermutlich handelte es sich um Materialermüdung, obwohl die Achse erst 82.000 km Leistung erbracht hatte.Smith: Fatigue. Im Durchschnitt geschah das erst nach 340.000 km Laufleistung (Smith: Fatigue). Der Lokomotivführer bemerkte das am Lauf der Lokomotive sofort und leitete eine Schnellbremsung ein. Die beiden nun voneinander gelösten Räder verkeilten sich und drückten dabei die Schienen auseinander. In dieser Spurerweiterung entgleisten die folgenden Wagen, wobei die Kupplung zwischen dem zweiten und dritten Wagen brach. Das unterbrach auch die Bremsleitung, was dazu führte, dass der abgerissene Zugteil nicht mehr bremsen konnte.NN: Der Eisenbahn-Unfall, S. 28. Während Lokomotive, Schlepptender und der ihm unmittelbar folgende gedeckte Güterwagen zum Pferdetransport im Gleis blieben und etwa 190 m nach der Brücke zum Stehen kamenNN: Der Eisenbahn-Unfall, S. 28., wurde der folgende, entgleisende Zug in der Kurve nach außen getragen und stürzte vom Bahndamm.

Folgen 24 Menschen starben: 14 Frauen, sechs Männer und vier KinderNN: Crash victims.. Einer der Toten war Massey Bromley, Chefingenieur für das Lokomotivwesen bei der Great Eastern Railway von 1878–81.NN: Der Eisenbahn-Unfall, S. 28. Etwa 50 weitere Menschen wurden darüber hinaus verletzt.NN: Der Eisenbahn-Unfall, S. 28. Ein Reisender, der nur leicht verletzt war und sich offensichtlich im Eisenbahnbetrieb auskannte, lief zur nächsten Blockstelle zurück und veranlasste, dass die Strecke sofort gesperrt wurde, damit nachfolgende Züge nicht in die Unfallstelle hineinfahren konnten.NN: A railway accident.

Fachkreise übten heftige Kritik daran, dass hier ein nicht-automatisches Bremssystem zum Einsatz gekommen war. Die Fachzeitschrift „The Engineer“ ging davon aus, dass der Zug damit noch ohne weiteres hätte zum Stehen gebracht werden können, bevor er vom Bahndamm stürzte.Angeführt bei: NN: Der Eisenbahn-Unfall, S. 28.

2013 wurde an der Unfallstelle ein Gedenkstein errichtet.NN: Crash victims.

Siehe auch Liste von Eisenbahnunfällen im Vereinigten Königreich

Literatur George Dow: Great Central. 2: Dominion of Watkin 1864–1899. Ian Allan Publishing 1962. ISBN 0-7110-1469-8, S. 199f. NN: Der Eisenbahn-Unfall bei Penistone. In: Schweizerische Bauzeitschrift 3/4 (1884) Heft 5, S. 28f. R. A. Smith: Fatigue of Railway Axles: A Classic Problem Revisited. In: M. Fuentes,M. Elices,A. Martín-Meizoso,J.-M. Martínez-Esnaola (Hrsg.): Fracture Mechanics: Applications and Challenges = ESIS Publication 26. Amsterdam 2000, S. 175. Clement Edwin Stretton: Safe Railway Working: A Treatise On Railway Accidents, Their Cause and Prevention, with a Description of Modern Appliances and Systems, to Which Are Added Numerous Illustrations of Locomotive Engines. London 1887, ND 2013. ISBN 5878159775

Weblinks Railways Archives – Accidents Archives. NN: A railway accident of ghastly severity and fatality took place. In: The Spectator v. 19. Juli 1884, S. 3. NN: Crash victims remembered at Bullhouse Bridge. In: look local (undatiert). Abbildung der Unfallstelle in: The Graphic v. 26. Juli 1884.

Anmerkungen

Einzelnachweise

Penistone Penistone Kategorie:Penistone Kategorie:Englische Geschichte (19. Jahrhundert) Kategorie:Verkehr (South Yorkshire)