mini|Andreas Johannes Jäckel (1822–1885) Andreas Johannes Jäckel (* 6. Januar 1822 in Nürnberg; † 12. Juli 1885 in Windsheim) war ein deutscher Zoologe und Theologe. Sein Forschungsschwerpunkt lag auf der Ornithologie (Vogelkunde) und Ichthyologie (Fischkunde).
Leben und Wirken Als Sohn des Kupferdruckers und Stadtkirchners Johann Jakob Jäckel und seiner Ehefrau Regine Luise geb. Wirth wurde Jäckel im Mesnerhaus von St. Egidien geboren.Christiane Kolbet, S. 201. Obwohl Jäckel zehn Geschwister hatte, ermöglichten ihm die Eltern den Besuch des humanistischen Melanchthon-Gymnasiums Nürnberg.Christiane Kolbet, S. 202. Nach der Schulzeit studierte er Evangelische Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Hier besuchte er auch Vorlesungen im Bereich der Naturwissenschaften. 1842 wurde er Mitglied des Corps Onoldia.Kösener Korpslisten 1910, 42, 302 Nach dem Abschluss des Studiums im Jahre 1845 trat er seine erste Vikarstelle in Roth an. Ein Jahr später im Jahr 1846 bekam er seine Ordination in Ansbach. Nach seiner erfolgreichen Anstellungsprüfung wurde er 1850 Pfarrverweser in Kloster Sulz.Christiane Kolbet, S. 203. Nach weiteren Stationen in Oberampfrach, Wendelstein und Ammerndorf trat er 1853 seine erste Pfarrstelle in Neuhaus an der Aisch an. Noch während seiner Vikarzeit in Wendelstein heiratete er am 24. November 1850 die Nürnbergerin Eleonora Margaretha Barbara Sabina Sommer, die nach einer Lähmung im Frühjahr 1880 schließlich am 5. Januar 1883 verstarb. Aus der Ehe gingen drei Söhne und vier Töchter hervor, von den zwei schon im zarten Kindesalter verstarben.Victor von Tschusi zu Schmidhoffen, S. 56. Eine Tochter hieß Auguste und heiratete einen Herrn Hornschuch. 1861 wurde Jäckel nach Sommersdorf-Thann versetzt und hoffte sich von seiner Malariaerkrankung, die er sich in den Sümpfen und Teichen rund um Neuhaus zugezogen hatte zu erholen. Seine letzte Station als Pfarrer trat Jäckel im Jahr 1869 in Bad Windsheim an.
Wissenschaftliches Wirken Bereits als Jugendlicher besuchte er oft den Vogelherd im Nürnberger Reichswald oder den Vogelfrauen am Schönen Brunnen, um dort seltene Vögel zu erwerben. Die Familie hielt sich eine Vielzahl von Singvögeln in Käfigen um sich an deren Gesang zu erfreuen. Jäckel selbst studierte diese Vögel und begann schon früh diese zu zeichnen. Viel Anregung für seine Studien bekam er in dieser Zeit auch von der berühmten Forscher- und Kupferstecherfamilie rund um Jacob Sturm (1771–1848), sowie dessen Söhne Johann Heinrich Christian Friedrich Sturm (1805–1862) und Johann Wilhelm Sturm (1808–1865). Da Nürnberg in dieser Zeit als Hochburg der bayerischen Naturwissenschaften galt, dürften Forscher wie Johann Wolf (1765–1824), Bernhard Meyer (1767–1836), Johann Baptist von Spix (1781–1826), Karl Michahelles (1807–1834) oder Carl Wilhelm Hahn (1786–1835) sehr viel Einfluss auf den jungen Jäckel gehabt haben.
Es war schließlich die Weiher- und Sumpfgegend um Neuhaus, die ihn in seiner ornithologischen Forschung weiterbrachte. Unter älteren Ornithologen war das Gebiet auch als Jäckelsche Weihergegend bekannt.Josef Gengler, S. 167 f. Während seiner zahlreichen Beobachtungstouren an den Teichen erkrankte er an Malaria, die ihn 16 Monate ans Bett fesselte. Seine erste Publikation erschien 1848 in der Fachzeitschrift Isis, die von Lorenz Oken (1779–1851) herausgegeben wurde. In Beyträge zur Ornithologie Frankens listete er akribisch 234 Vogelarten, die bis dato in Franken beobachtet oder geschossen wurden. Dabei war er selbstbewusst genug die Analysen von Almeistern wie Christian Ludwig Brehm (1787–1864)Andreas Johannes Jäckel (1848), S. 20. und Heinrich Carl Küster (1807–1876)Andreas Johannes Jäckel (1848), S. 41. in Frage zu stellen. In der Fachzeitschrift Naumannia von August Carl Eduard Baldamus (1812–1893) berichtete er fast in Tagebuchform seine Ornithologischen Jahresberichte aus Bayern. In seiner Publikation über Die Vögel des unteren Aisch-, Seebach- und Aurachgrunds aus dem Jahre 1863 schwärmte Jäckel geradezu von der Gegend um Neuhaus.
Jäckel sammelte lange Jahre alles erdenkliche Material für ein Buch über die Avifauna Bayerns. Das Manuskript sandte er 1882 an Victor von Tschusi zu Schmidhoffen (1847–1924) und klagte in seinem Brief darüber, dass kein Verlag das Werk drucken wolle und, er nicht in der Lage sei dieses aus eigener Tasche zu finanzieren.Victor von Tschusi zu Schmidhoffen, S. 57–58. Postum wurde sein Wunsch dann doch noch war. Mit einem Vorwort und Anmerkungen von Rudolf Blasius (1842–1907) sowie der Unterstützung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften erschien schließlich im Jahr 1891 Systematische Übersicht der Vögel Bayerns. Wesentlichen Anteil an der Realisation des Projekts hatten der Geheime Medizinalrat Joseph von Kerschensteiner (1831–1896) und der damalige Kultusminister Ludwig August von Müller (1846–1895).Andreas Johannes Jäckel (1891), S. III-X.Die genaue Geschichte der Publikation kann man im Vorwort von Blasius nachlesen.
Jäckels Publikationen handelten in erster Linie über Vogel-, Säugetier- und Fischkunde seines Heimatlandes. All seine Freizeit widmete er der heimischen Fauna. Er galt nicht als Visionär mit gewagten Hypothesen, sondern stütze seine Publikationen nur auf Basis von nachvollziehbaren Fakten. So beteiligte er sich an mancher wissenschaftlichen Streitfrage, doch stritt stets für die Sache und hielt sich fern von politischen Anfeindungen.Victor von Tschusi zu Schmidhoffen, S. 58. Neben der Systematische Übersicht der Vögel Bayerns plante er ähnliche Werke über Säugetiere, Fische, Kriechtiere und Lurche. Der Band über die Säugetiere war nahezu fertig, wurde aber bis heute nicht publiziert. Eine besondere Faszination übten nachtaktive Tiere wie Eulen und Fledermäuse auf ihn aus. Beide hatten in der Bevölkerung einen schlechten Ruf, doch Jäckel entkräftete in seinem Buch so manches Vorurteil.Andreas Johannes Jäckel (1891), S. 57 ff. 1860 publizierte er Die bayerischen Chiroptern, ein Werk über Fledermäuse. Beginnend mit den Mythen über die schädliche Fledermaus,Andreas Johannes Jäckel (1860), S. 6. widerlegt er nach und nach so manche unwahre Schauergeschichte über diese Tiere.
Als er 1861 nach Sommersdorf-Thann versetzt wurde, kam er in ein Gebiet, das im Frühjahr oft von der Altmühl überschwemmt wurde. Die Gegend war aus ornithologischer Sicht weniger interessant, als dies noch in Neuhaus der Fall war. So verlegte er seinen Schwerpunkt auf das Studium der Fische, ohne dass er seine geliebten Vögel ganz aus den Augen verlor. 1864 erschien Die Fische Bayerns oder zwischen 1865 und 1867 Ichthyologisches aus meinem Tagebuche. Als er 1869 wieder versetzt wurde, publizierte er 1870 Geschichte der Heuschreckenzüge in Bayern oder 1871 Kriechtieren und Lurche des Königreichs Bayern. Außerdem beschäftigte er sich gerne mit Missbildungen an Tieren z. B. Über Schnabel-Missbildungen verschiedener Vögel, Abnormalitäten z. B. Beiträge zu der Lehre von der thierischen anomalen Mann-Weiblichkeit (Gynandro-Morphismus) oder Volks- und Aberglaube z. B. Aphorismen über Volkssitte, Aberglaube und Volksmedizin in Franken, mit besonderer Rücksicht auf Oberfranken.
Sein Haus wurde mehr und mehr zum Naturalienkabinett. Er präparierte seine geschossenen Vögel und Tiere selbst, war aber im ständigen Austausch mit dem Augsburger Präparator Johann Friedrich Leu (1808–1882). Dazu kommunizierte er regelmäßig mit Förstern, Jägern, Fischern und anderen Präparatoren, aber auch mit Naturforschern und Zoologen wie Friedrich Kolenati (1812–1864).Christiane Kolbet, S. 207.
Berufungen auf Lehrstühle für Zoologie in Heidelberg und Wien soll Jäckel abgelehnt haben. Stattdessen versuchte er in seiner Heimat den Wiener Nachtpfauenauge (Saturnia pyri) anzusiedeln, ein Unternehmen, das kläglich scheiterte.Andreas Johannes Jäckel (1873).
Als er am 14. Juli 1885 zu Grabe getragen wurde, war die Anteilnahme groß. Sein Nachlass ging zu großen Teilen an die Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg, von denen Teile noch heute existieren.Christiane Kolbet, S. 208.
Mitgliedschaften Jäckel war Ehrenmitglied des Zoologisch-mineralogischen Vereins in Regensburg, des Naturhistorischen Vereins in Passau und der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg. Dazu war er korrespondierendes Mitglied des Oberschwäbischen Zweigvereins für vaterländische Naturkunde in Bad Schussenried (ging aus dem Molasseklub von Konrad Miller (1844–1933) hervor), der Gesellschaft der Naturwissenschaften zu Freiburg, der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde in Hanau und des Naturhistorischen Vereins in Augsburg. Außerdem war er wirkliches Mitglied der kaiserlichen Leopoldisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher in Dresen, der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien, des Historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg, des Historischen Vereins für Mittelfranken und der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft.Victor von Tschusi zu Schmidhoffen, S. 59. Die Mitgliedschaft in der Leopoldina ist allerdings zweifelhaft, da sie vom nicht legitimierten Vorsitzenden Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach (1793–1879) vorgenommen wurde und nach der Wahl eines offiziellen Präsidenten nicht anerkannt wurde.
Publikationen
Anmerkungen
Literatur
Weblinks
Nächtelang an den Mohrhofweihern gewacht. kath.de (mit Publikationsliste).
Einzelnachweise
Kategorie:Ornithologe Kategorie:Lutherischer Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1822 Kategorie:Gestorben 1885 Kategorie:Mann