mini|Steine der Erinnerung in Wien-Favoriten Barankapark

Die Stationen der Erinnerung in Wien-Favoriten enthalten alle Erinnerungssteine im 10. Wiener Gemeindebezirk, Favoriten, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Verlegung erfolgt durch den Verein Steine der Erinnerung mit Sitz in der Leopoldstadt.

Das Konzept der Wiener Erinnerungs- und Gedenksteine beruht auf dem der Stolpersteine von Gunter Demnig und wird von diesem als Plagiat bezeichnet. Die Favoritner Erinnerungssteine unterscheiden sich von Demnigs Stolpersteinen durch ihre Größe, dadurch, dass sie teils mehrere Personen auf einem Erinnerungsstein würdigen, und dass sie maschinell gefertigt wurden und nicht von Hand. Am 8. Mai 2009 wurden die ersten Erinnerungssteine in Favoriten verlegt, zur Eröffnung reisten Familienangehörige aus Neuseeland, Israel, England, Ungarn und Deutschland an. Die bislang letzte Verlegung fand im April 2018 an der Ecke Raaber-Bahn-Gasse/Scheugasse statt. 10. Favoriten Bild Inschrift Standort Leben 150px Barankapark Baranka Huber war die Mutter von Karl Horvath und wurde 1874 geboren und war für ihre Heilkünste bekannt. 1941 wurde sie zusammen mit den dort lagernden Lovara-Familien von der Hellerwiese deportiert. Ihr zu Gedenken wurde diese im Jahr 2003 in Barankapark umbenannt.Karl (Wakar) Horvath wurde am 13. April 1908 in Graz geboren. Er war ein Roma-Lovara und verheiratet mit Maria (Sidi) Rigo Stojka. Dieser Verbindung entstammten sechs Kinder: Mongo Stojka (1929–2014), Karl Stojka (1931–2003), Ceija Stojka (1933–2013), Josef (Ossi) (1934 oder 1935–1943), Maria (Mitzi) und Katharina (Kathi). Karl war Pferdehändler. Die Familie zog mit einem Wohnwagen durch Österreich und trieb Handel auf Pferdemärkten. Nach der Annexion Österreichs wurde 1939 ein Verbot des Umherziehens erlassen. Die Familie zog daraufhin mit ihrem Wagen nach Wien und sie konnten sich auf dem Gelände eines Fuhrunternehmens im 16. Wiener Gemeindebezirk unterstellen, der Wagen wurde in ein Holzhäuschen umgebaut – damit weniger Aufmerksamkeit erregt werde. Karl und seine älteste Tochter Katharina versuchten Arbeit zu finden, während die jüngeren Kinder zur Schule geschickt wurden. 1941 holt die Gestapo Karl Horvath von zu Hause ab. Die Tochter Ceija schilderte die Verhaftung: „Eines Tages holte die Gestapo unseren Vater Karl Horvath von unserem Platz ab. Sie kamen in einem kleinen Auto und stießen ihn hinein. Wir Kinder standen da, mit Tränen um unseren Vater. Er winkte noch einmal, dann fuhren sie mit ihm fort. Das war 1941 und meine letzte Erinnerung an ihn. Wir sahen ihn nie wieder.“ Am 20. Januar 1941 wurde Karl Horvath ins KZ Dachau gebracht, Häftlingskategorie: Schutzhaft, Arbeitszwang-Reich, Asozial. Nach der Verhaftung des Vaters wurde das kleine Haus der Familie mit einem Gitter umzäunt und der Familie wurde es verboten diese Umzäunung zu verlassen. Tochter Katharina wird schließlich auch festgenommen und ins Zigeuner-Anhaltelager Lackenbach deportiert. Karl Horvath wurde ins Konzentrationslager Neuengamme, danach ins KZ Sachsenhausen und schließlich wieder zurück ins KZ Dachau überstellt. Während dieser Zeit blieb er mit der Familie im brieflichen Kontakt, diese versuchte ihm kodiert Warnungen zukommen zu lassen, dabei verwendeten sie Begriffe auf Romanes, die sich wie Personennamen lasen. So erhielt er zum Beispiel die Nachricht: „Wie geht’s denn Katte Mandaren?“ – dieser Satz war eine Information über die Tötungen in den Lagern. Am 28. November 1942 wurde Karl Horvath mit einem „Invalidentransport“ von Dachau in die Tötungsanstalt Hartheim überstellt und ermordet. Sein Tod wurde am 30. November 1942 im KZ Dachau gemeldet. Am 2. Dezember 1942 beurkundete das NS-Sonderstandesamt seinen Tod und gab als Todesursache „Versagen von Herz und Kreislauf bei Lungentuberkulose“ an.