Tautenwind ist ein Gemeindeteil der Stadt Heideck im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern). Tautenwind liegt in der Gemarkung Liebenstadt.

Lage Das Dorf liegt südöstlich von Röttenbach und nordwestlich von Heideck. Eine Ortsverbindungsstraße führt von Altenheideck her; sie führt weiter über Waldhaus nach Seiboldsmühle. Außerdem zweigt südlich von Laffenau von der Kreisstraße RH 34 eine Straße nach Tautenwind ab. Die Dorfflur umfasst 148 Hektar.

Geschichte 1248 ist Tautenwind erstmals urkundlich erwähnt:Buchner II, S. 95 Der Dompropst von Eichstätt als Patronatsherr der Kirche von Laibstadt, die domkapitelscher Besitz war, belehnte den Eichstätter Ministerialen Cunradus dictus de Owe (= Konrad von Au) mit dem Zehent von Tautenwinden.Buchner II, S. 67; Histor. Atlas, S. 117, 159 Nach der Ausgliederung von Liebenstadt aus der Urpfarrei Laibstadt (vor 1458) gehörte Tautenwind zur Pfarrei Liebenstadt.Buchner II, S. 96

Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg gelangte Tautenwind mit Heideck 1505 zum neu errichteten Fürstentum Pfalz-Neuburg. Als das pfalz-neuburgische Pflegamt Heideck und damit auch Tautenwind mit seinen 13 Anwesen 1542 vom verschuldeten Pfalzgraf Ottheinrich an die Burggrafen von Nürnberg verpfändet wurde, führte Nürnberg noch im gleichen Jahr die Reformation ein. 1585 wurde das Amt Heideck von Pfalz-Neuburg wieder eingelöst.Histor. Atlas, S. 177 Die Wiedereinführung der katholischen Religionsausübung erfolgte allerdings erst mit der Rekatholisierung von Neuburg-Pfalz unter dem zur alten Kirche zurückgekehrten Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm ab dem Jahr 1627 durch Jesuiten, die in Heideck stationiert waren.Histor. Atlas, S. 179

Am Ende des Alten Reiches, um 1800, gab es in Tautenwind 13 Anwesen mit Untertanen des pfalz-neuburgischen Landrichteramtes Heideck als Grundherrschaft. Hoch- und niedergerichtlich unterstand das Dorf dem pfalz-neuburgischen Pflegamt Heideck.Histor. Atlas, S. 235 f.

Im Königreich Bayern (1806) bildete Tautenwind mit Altenheideck, Liebenstadt, Haag und Rambach die Ruralgemeinde Liebenstadt des gleichnamigen Steuerdistrikts im Gerichtsbezirk und Rentamt (später Bezirksamt und Amtsgericht) Hilpoltstein.Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise … enthaltenen Ortschaften, Ansbach 1818, S. 4; Histor. Atlas, S. 255

Die Zahl der Anwesen in Tautenwind war lange Zeit nahezu unverändert. 1820 waren es 14, 1837 17, 1903 16 und 1950 15 Anwesen.Histor. Atlas, S. 255 1875 gab es im Dorf 28 Gebäude und 62 Stück Rindvieh.Kgl. Statistisches Bureau in München, Sp. 889

Mit der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Liebenstadt aufgelöst, und Tautenwind wurde zum 1. Januar 1972 Gemeindeteil von Heideck.

Einwohnerentwicklung 1818: 75 (14 „Feuerstellen“, 15 Familien)Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise … enthaltenen Ortschaften, Ansbach 1818, S. 91 1837: 83 (17 Anwesen)Histor. Atlas, S. 255 1871: 71 1900: 81 (16 Wohngebäude)Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern mit alphabetischem Ortsregister, München 1904, Spalte 1220 1937: 86Buchner II, S. 97 1950: 89Histor. Atlas, S. 255 1961: 92 (15 Wohngebäude)Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 796 1970: 88Histor. Atlas, S. 255 1987: 91 (20 Gebäude mit Wohnraum; 26 Wohnungen)Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München 1991, S. 348 2020: 105

Katholische Kapelle St. Maria Die Ortskapelle St. Maria wurde 1869 durch Peter Schneck erbaut und 1875 benediziert; das Bistum Eichstätt erteilte eine Messlizenz für sechs Messen im Jahr. Der Altar von 1762 stammt aus der Schlosskapelle von Kreuth. 1896 wurde die Glocke benediziert.Buchner II, S. 96; Lübbeke/Braasch, S. 463; Gemeinsam unterwegs. Kirchen und Pfarreien im Landkreis Roth und in der Stadt Schwabach, Schwabach/Roth o. J. , S. 97

Baudenkmäler Außer der Ortskapelle gelten als Baudenkmäler Haus Nr. 1, ein erdgeschossiges ehemaliges Wohnstallhaus aus Sandstein mit Fachwerkgiebel, bezeichnet 1728, Haus Nr. 2, ein erdgeschossiges Bauernhaus mit Satteldach und Fachwerkgiebel, bezeichnet 1802, und Haus Nr. 6 mit Fachwerkscheune aus dem 18. Jahrhundert.Lübbeke/Braasch, S. 463

Vereine Sportfreunde Altenheideck-Tautenwind e. V.

Sonstiges Im Wald nördlich von Tautenwind existierte im Forst Laffenau bis Ende 1997 das Munitionsdepot des Kampfhubschrauberregiment 26 der Bundeswehr.Bericht über die Depot-Auflösung (englisch) Gelagert wurden dort u. a. HOT Lenkmunition für Hubschrauber. Das Areal besteht unbewirtschaftet weiterhin und umfasst 10 Hallen, 32 erdüberdeckte Lagerbunker, Wirtschaftsgebäude, eine 1000 Meter Notlandebahn und einen 1,3 Hektar großen Platz zum Aufmunitionieren von Eurocopter Tiger Kampfhubschraubern.Luftbild Depot Laffenau Lange Jahre hielt sich seit der Zeit der Desinformation des Kalten Krieges das Gerücht, dass dort Pershing Mittelstreckenraketen stationiert gewesen seien sollen. Diese hätten jedoch mechanisch gar nicht in die Bunker gepasst.

Literatur Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band: Eichstätt 1937, II. Band: Eichstätt 1938 Hans Wolfram Lübbeke und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern. Mittelfranken: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler, München 1986

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Ortsteil von Heideck Kategorie:Ort im Landkreis Roth Kategorie:Ersterwähnung 1248