Die Rostocker Straßenbahn AG, kurz RSAG, ist das Nahverkehrsunternehmen in der Hansestadt Rostock und betreibt 6 Straßenbahn- und 26 Omnibuslinien in der Stadt innerhalb des Verkehrsverbundes Warnow (VVW).

Die Rostocker Straßenbahn AG und die Nahverkehr Schwerin GmbH (NVS) sind die beiden Verkehrsunternehmen, die in Mecklenburg-Vorpommern Straßenbahnen betreiben.

Geschichte ohne|mini|Aktie über 1000 Mark der Rostocker Straßenbahn, AG vom 1. März 1910 Die ersten Jahre 1881 nahm die schienengebundene Pferdebahn der Mecklenburgischen Straßen-Eisenbahn Actien Gesellschaft (MSEAG) den Betrieb mit drei Linien in Rostock und zwei Linien in Schwerin auf. Der Betrieb in Schwerin wurde 1885 wegen Unrentabilität wieder eingestellt.Jan-Peter Schulze: Richard Siegmann: … aber wir waren Deutsche. Redieck & Schade, Rostock 2011, ISBN 978-3-942673-08-2, S. 37. Für Rostock hatte der Rat der Stadt der MSEAG für 30 Jahre die Konzession zum Betrieb einer Pferdebahn erteilt und sich darin ein Vorkaufsrecht für die Gesellschaft bei Ablauf der Frist festgeschrieben.

Nachdem neue Aktionäre die Mehrheit bei der MSEAG übernommen hatten, besetzte am 14. Juni 1898 eine außerordentliche Generalversammlung den Aufsichtsrat weitgehend neu.Jan-Peter Schulze: Richard Siegmann: … aber wir waren Deutsche. Redieck & Schade, Rostock 2011, ISBN 978-3-942673-08-2, S. 35. Richard Siegmann, der tags zuvor als zweites beigeordnetes Mitglied in den Vorstand der MSEAG eingetreten war, berief der Aufsichtsrat im Oktober desselben Jahres zum alleinigen Vorstand an Stelle seines Vorgängers Carl Lüders, Vorstand seit 1889. Damit begann die bis Ende 1935 währende Wirkungsperiode Siegmanns für den Betrieb.

Am 9. Juni 1903, im Vorgriff auf die Umstellung auf den elektrischen Betrieb,Rüdiger Grabowski, Norbert Enenkel: Straßenbahn und Busse in Rostock. Kenning, Nordhorn 2006, ISBN 3-933613-81-7, S. 18. griff die Generalversammlung der MSEAG den Vorschlag der Rostocker Bürgerschaft auf, und änderte die Firma in Rostocker Straßenbahn AG (RSAG). Am 20. Juni des Jahres erteilte der Rostocker Rat der RSAG eine geänderte Konzession für 40 Jahre für den elektrischen Betrieb, wieder mit einem Vorkaufsrecht für die Stadt.Jan-Peter Schulze: Richard Siegmann: … aber wir waren Deutsche. Redieck & Schade, Rostock 2011, ISBN 978-3-942673-08-2, S. 38.

Als technischen Leiter stellte Siegmann am 16. Mai 1904 Hermann Stöhrig zunächst als Werkmeister, später als Werkstättenvorsteher ein. Nach einer Probefahrt mit Ehrengästen am 21. Mai des Jahres begann tags darauf der Regelbetrieb als elektrische Straßenbahn.Jan-Peter Schulze: Richard Siegmann: … aber wir waren Deutsche. Redieck & Schade, Rostock 2011, ISBN 978-3-942673-08-2, S. 40. Damals umfasste der Betrieb folgende Linien: Linie A (später 1) Centralbahnhof – Trotzenburg Linie B (später 2) Centralbahnhof – Kasernenstraße Linie C (später 3) Augustenstraße – Weißes Kreuz Im Jahr 1907 wurde die Linie 2 bis zur Neptunwerft verlängert. 1925 erfolgte die Verlängerung der Linie 1 zum Neuen Friedhof.

Zwischen Oktober 1919 und November 1920 leitete Friedrich Buchholz, zuvor Straßenbahn Posen, die RSAG, bis Siegmann ihn wieder ablöste.Jan-Peter Schulze: Richard Siegmann: … aber wir waren Deutsche. Redieck & Schade, Rostock 2011, ISBN 978-3-942673-08-2, S. 104. 1926 wurde die erste Omnibuslinie in Rostock in Betrieb genommen (Rostock – Warnemünde [Linie W]), 1928 verkehrte innerhalb Rostocks die erste (Stadt-)Omnibuslinie (St.-Georg-Platz – Hauptbahnhof – Maßmannstraße). In der Folgezeit wurden weitere Omnibusse angeschafft und Stadtteile abseits der Straßenbahn durch Buslinien erschlossen. Im März 1934 berichtete Siegmann vom erfolgreichen linienmäßigen Einsatz von Omnibussen mit Holzgasantrieb.Richard Siegmann: Holzgasantrieb im linienmäßigen Omnibusverkehr. Betriebserfahrungen der Rostocker Straßenbahn. In: Verkehrstechnik: Zentralblatt für den gesamten Landverkehr und Straßenbau. Jg. 51, Nr. 6/1934, S. 147. Hersteller der Busaufbauten war die Waggonfabrik Wismar. Als Jude wurde Siegmann gemäß den Nürnberger Gesetzen zum 31. Dezember 1935 in den Ruhestand versetzt, Julius Vaerst war sein Nachfolger.Jan-Peter Schulze: Richard Siegmann: … aber wir waren Deutsche. Redieck & Schade, Rostock 2011, ISBN 978-3-942673-08-2, S. 178. 1936 wurden der neu entstandene Stadtteil Reutershagen und die Heinkel-Flugzeugwerke mit der Endhaltestelle Marienehe durch die Straßenbahn erschlossen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Straßenbahn- und Omnibusverkehr immer mehr eingeschränkt. Busse mit Holzgasbetrieb, die keinen rationierten Kraftstoff benötigten, hielten den Omnibusverkehr während des Zweiten Weltkrieges aufrecht. Am 30. April 1945, unmittelbar vor Einmarsch der Roten Armee in die Stadt, wurde der Betrieb eingestellt.

Der Betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg und während der DDR-Zeit Nachdem die sowjetische Besatzungsmacht zunächst die komplette Demontage der Straßenbahn als Reparation angeordnet hatte, gelang es, die Bahn zu erhalten und ab dem 13. August 1945 den Betrieb auf zwei Linien wieder aufzunehmen. 1949 wurde mit dem Wiederaufbau der Strecke zum Weißen Kreuz sowie deren Verlängerung auf der Tessiner Straße Richtung Brinckmansdorf bis zum Verbindungsweg begonnen, am 27. Mai 1950 konnte die gesamte Strecke vom Steintor aus als Linie 3 in Betrieb genommen werden.Die Straßenbahn fährt zur Tessiner Straße. In: Rüdiger Grabowski, Norbert Enekel: Straßenbahn und Busse in Rostock. Verlag Kenning, Nordhorn 2006, ISBN 3-933613-81-7, S. 96. Bereits 1948 begannen erste Bauarbeiten für eine neue Linie nach Gehlsdorf, am 1. Mai 1951 wurde der erste Streckenteil bis zur Fährstraße feierlich in Betrieb genommen, das restliche Stück bis zum Kirchplatz folgte im Juni 1951. Für diese Strecken wurde Gleismaterial der im November 1940 eingestellten Straßenbahn Eberswalde sowie der abgebauten Strandbahn Warnemünde (Hohe Düne) – Markgrafenheide (1910–1945) verwendet. Auch die beiden ursprünglich von der Flensburger Straßenbahn stammenden, bei der HAWA gebauten, vierachsigen Triebwagen sowie die fünf zweiachsigen Beiwagen wurden von der Strandbahn übernommen und nach Umspurung bei der Rostocker Straßenbahn eingesetzt.Die ehemaligen Strandbahnwagen. In: Rüdiger Grabowski, Norbert Enekel: Straßenbahn und Busse in Rostock. Verlag Kenning, Nordhorn 2006, ISBN 3-933613-81-7, S. 226–228.

mini|Straßenbahn-Betriebshof in der Hamburger Straße mini|Gotha-Gelenktriebwagen, museal erhalten Am 1. Mai 1949 wurde die von der Hafenbetriebsgesellschaft betriebene Fährlinie Kabutzenhof–Gehlsdorf der Städtischen Straßenbahn zugeordnet. Zum 1. Dezember 1949 gliederte man die Rostocker Straßenbahn in das Kommunalwirtschaftsunternehmen (KWU) der Stadt Rostock ein. 1950 kamen drei Nachbauten der Wismarer Triebwagen sowie drei Beiwagen von der Schiffswerft Wismar nach Rostock, die dort dringend benötigt wurden. Ab 1951 kamen LOWA-Einheitsstraßenbahnwagen und später Gotha-Wagen aus DDR-eigener Produktion in den Betrieb, außerdem wurde der Verkehrsbetrieb aus den „Kommunalwirtschaftlichen Unternehmen“ (KWU) ausgegliedert und umbenannt in VEB Nahverkehr Rostock (NVR). Ab 1953 kamen auch neue Busse aus DDR-Produktion zum NVR, zwei H3B und 24 H6B (1955–1958). Ab 1954 wurden Busse auch von Ikarus aus Ungarn geliefert: Typen 601 (1954), 60 (1955–1957), 620 (1959), 66 (1959–1973). Im Jahr 1956 wurde die Straßenbahnlinie 3 durch eine Buslinie ersetzt. 1956 wurde der neue Betriebshof Hamburger Straße in Betrieb genommen. Fünf Jahre später führte die Straßenbahn nicht mehr durch die enge Kröpeliner Straße und das Kröpeliner Tor, sondern über den Mittelstreifen der in den 1950er Jahren neu gebauten breiten Langen Straße. 1958 bekam der NVR zwei neue Doppeldeckerbusse vom Typ Do 56, von dem 1961 zwei weitere gebraucht aus Zwickau übernommen werden konnten. Diese Busse mit einer großen Sitzplatzzahl wurden zunächst auf der Buslinie 5 nach Reutershagen eingesetzt; nachdem genügend Ikarus 66 zur Verfügung standen, wurden sie von 1963 bis 1969 auf der Linie 8 nach Warnemünde eingesetzt.Einzelstücke und Kleinserien der 50er Jahre. In: Rüdiger Grabowski, Norbert Enekel: Straßenbahn und Busse in Rostock. Verlag Kenning, Nordhorn 2006, ISBN 3-933613-81-7, S. 271–273.

Ab 1962 wurden die neu entstandenen Wohngebiete durch Buslinien erschlossen, so die Südstadt und die Stadtteile im Nordwesten. Bei der Straßenbahn wurden 1962 erstmals fabrikneue Gotha-Gelenktriebwagen eingesetzt. Von 1969 bis 1973 wurde der erste Gelenkbus-Typ geliefert (Ikarus 180 aus ungarischer Produktion), dem von 1974 bis 1990 der Typ Ikarus 280 in großer Zahl folgte. Von beiden gab es beim NVR auch Solobus-Versionen (Ikarus 555, 260), auch in Überlandbus- und Reisebus-Ausführungen. Obwohl Ungarn vom RGW für die Omnibusproduktion aller Ostblock-Staaten vorgesehen war, erhielt Rostock in den 1970er Jahren trotzdem einige LiAZ-677-Busse mit Ottomotor aus UdSSR-Produktion, die durch ihren großen Treibstoffverbrauch auffielen. 1974 wurde die Straßenbahnstrecke nach Gehlsdorf auf Busbetrieb umgestellt. Zu dieser Zeit wurde die vollständige Ablösung der Straßenbahn durch Busse erwogen, aber nicht durchgeführt.

1982 wurde der Nahverkehrsbetrieb in das Verkehrskombinat „Ostseetrans“ Rostock eingegliedert. Eine veränderte Situation auf dem Energiemarkt führte nun zur Erweiterung des Straßenbahnnetzes. 1987 und 1990 wurden neue Strecken, die ersten seit 1951, zur Erschließung des Rostocker Ostens gebaut. Damit sind auch die Stadtteile Dierkow und Toitenwinkel per Straßenbahn erreichbar.

Vom Herbst 1989 bis heute, friedliche Revolution und Deutsche Einheit

mini|Umsteigehaltestelle Lütten Klein Zentrum mit Kombibahnsteig (rechts) und DFI-Anzeiger

Im Gegensatz zu anderen Straßenbahnbetrieben der DDR wurden in Rostock Fahrzeuge des tschechoslowakischen Herstellers ČKD Tatra sehr spät eingesetzt. Erst im Dezember 1989 bekam das Unternehmen die ersten Tatra-Fahrzeuge. Bis dahin wurden auf den Linien nur Wagen aus Gotha eingesetzt.Mit Tatra-Bahnen bis an die Warnow, Neue Zeit vom 25. Mai 1989, Seite 6, [page=6 online verfügbar].

mini|Niederflurwagen Tramlink 6N2 auf der InnoTrans Die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) ging am 5. Juni 1990 aus dem VE Verkehrskombinat Ostseetrans Rostock hervor.Handelsregister B des Amtsgerichts Rostock, Historischer Auszug zur Registernummer 074, abgerufen unter handelsregister.de. Das heutige städtische Unternehmen betreibt insgesamt sechs Straßenbahnlinien sowie den städtischen Busverkehr. Ausnahmen sind dabei die Linien 128, 123 und 121, die von der Regionalbus-Unternehmen rebus Regionalbus Rostock GmbH betrieben werden.

Die Gotha-Wagen wurden ausgemustert (ein Gelenkzug blieb als historischer Wagen erhalten), die Tatra-Triebwagen modernisiert und moderne Niederflur-Straßenbahnwagen vom Typ 6NGTWDE (basierend auf MGT6D) beschafft.

Bei den Bussen kamen ab Sommer 1990 die ersten gebrauchten VÖV-Standard-Linienbusse neben den vorhandenen Ikarus-Bussen zum Einsatz: Von den Verkehrsbetrieben Remscheid fünf Gelenkbusse MAN SG 220, von der Kieler Verkehrs AG (KVAG) zwanzig Gelenkbusse (Mercedes-Benz O 305 G) sowie sechs Solobusse O 305 und von Wiesbaden ebenfalls ein MB O 305.Gebrauchte Omnibusse nach 1990. In: Rüdiger Grabowski, Norbert Enekel: Straßenbahn und Busse in Rostock. Verlag Kenning, Nordhorn 2006, ISBN 3-933613-81-7, S. 294. Ab 1991 wurden die ersten Niederflurbusse von MAN (NG 272/262 und NL 202) fabrikneu angeschafft.Kurt Groppa: Chronik 111 Jahre Rostocker Straßenbahn, 88 Jahre elektrischer Betrieb, 66 Jahre Omnibusbetrieb. Rostocker Straßenbahn AG, Rostock 1991, S. 67/68. Neben sechs Auwärter Neoplan N 4014 NF von 1992 wurden ab 1994 auch einige Midibusse von MAN beschafft. Seit 1996 werden auch von Mercedes-Benz neue Busse in Betrieb genommen, bis 1998 O 405 N und O 405 GN, seit 2003 Citaro als Gelenk- und Solobusse. Zwischendurch wurden immer wieder kleinere Serien MAN Lion’s City bezogen.