mini|hochkant|Max Blumenthal (2019) Max Blumenthal (* 18. Dezember 1977 in Boston) ist ein US-amerikanischer Journalist, Autor und Dokumentarfilmer.

Herkunft, Ausbildung, Ehe Blumenthal entstammt einer jüdischen Familie in den USA. Sein Vater ist der Journalist Sidney Blumenthal, ein jahrzehntelanger enger Berater des früheren US-Präsidenten Bill Clinton und dessen Frau, der späteren Außenministerin Hillary Clinton.Shmuley Boteach: Hillary’s Email Trail of Troubling Anti-Israel Conversations. The Observer, 1. Februar 2016

Nach Eigenangaben besuchte Max Blumenthal als Kind in Washington, D.C. die private Georgetown Day SchoolMax Blumenthal: Malcolm X's Daughter Rebukes Al Qaeda Leader. Daily Beast, 14. Juli 2017 und eine Hebrew School.An Interview with Max Blumenthal on the One Year Anniversary of Israel’s Attack on Gaza. The Intercept, 8. Juli 2015 Anschließend studierte er bis zum B.A.-Abschluss 1999 Geschichte an der University of Pennsylvania. Er war Forschungsstipendiat (Research Fellow) für Media Matters for America.Max Blumenthal. TypeInvestigations, Juli 2017

2020 heiratete er die Journalistin Anya Parampil.Max Blumenthal. Imdb, Autorenseite Sie veröffentlichte 2024 eine Monographie über den gescheiterten Umsturz in Venezuela im Jahr 2019.Why Venezuela’s Coup Plotters Came Up Short. Jacobin, 25. Juni 2024

Journalistische Tätigkeiten Etwa seit dem Jahr 2000 schreibt Blumenthal Beiträge für Zeitungen, Zeitschriften und Internetplattformen, darunter The Nation,Max Blumenthal. The Nation, Autorenseite The Daily Beast,Max Blumenthal, Dailybeast.com Al Jazeera English,Max Blumenthal, Aljazeera.com The Guardian,Max Blumenthal. The Guardian, Autorenseite Huffpost, Salon.com,Max Blumenthal. Salon.com, Autorenseite The New York Times, Los Angeles Times, The American Prospect, The Washington Monthly, Alternet und andere.Max Blumenthal. Lannan.org, Autorenseite

2015 gründete er die Website The Grayzone, die er seitdem leitet.Did a Kremlin Pilgrimage cause Alternet blogger’s Damascene conversion? P U L S E, 22. August 2017Muhammad Idrees Ahmad: Public Mistrust of Gaza Coverage Is Opening Space for Russia-Linked Media on the Left. New Lines Magazine, 26. September 2024

Seit etwa 2010 war Blumenthal zunehmend auch in Fernsehsendern präsent. Seit 2023 ist er häufiger Interviewgast im Podcast Judging Freedom des ehemaligen Richters und Fernsehmoderators Andrew Napolitano.

Buchautor 2009 erschien Blumenthals Werk Republican Gomorrah, das die Bestsellerliste der New York Times erreichte.Max Blöumenthal. The Nation (Autorenseite) Darin beschrieb er die US-amerikanische religiöse Rechte um 2010 und ihren Einfluss auf die Republikanische Partei. Als ihr bestimmendes Kennzeichen sah er, dass ihre Angehörigen in einer „Kultur der persönlichen Krise“ stecken würden, die ihr Handeln motiviere.Scott Horton: Republican Gomorrah: Six Questions for Max Blumenthal. Harper's Magazine, 16. September 2009 In einem Interview von 2009 nannte er als Ergebnis seiner Analyse, die Republikanische Partei werde derzeit von „dysfunktionalen Persönlichkeiten, denen die Befähigung sich selbst zu zügeln, fehlt, vereinnahmt“. Ihre maßgeblichen Vertreter hätten die Fähigkeit, sich zurückzuhalten, verloren, weil sie sich „hysterisch ausleben“ oder „hinterhältige Triebe“ sie dazu treiben würden. Unter ihren tonangebenden Figuren seien „innerlich zerrissene Persönlichkeiten“ wie Newt Gingrich oder Ted Haggard, die „immer neue und zunehmend bizarre Skandale produzieren“ würden. Für sie sei die „rechtsgerichtete politische Kreuzzüglerei“ eine „Form der Selbstmedikation“.Paul Begala: Commentary. Obama Lucky With His Enemies. CNN, 10. September 2009 Als maßgebliche Inspiration dieser Charakteranalyse nannte der Autor das Werk Die Furcht vor der Freiheit des deutschen Psychoanalytikers Erich Fromm.Max Blumenthal: Republican Gomorrah, 2009, S. 13

Blumenthals Werk Goliath kritisierte der Historiker Eric Alterman als „leichtfertig konstruierte Klage gegen den jüdischen Staat“, die „wahrscheinlich alle außer die fanatischsten anti-zionistischen Extremisten“ befremden werde.Udi Greenberg, Daniel Steinmetz-Jenkins: The Nation, 29. Juni 2015 James Fallows schrieb dagegen, das Buch sei „genauso wenig 'anti-israelisch', geschweige denn antisemitisch“, wie die literarischen Klassiker The Shame of the Cities, Der Dschungel und Früchte des Zorns antiamerikanisch gewesen seien.Jamew Fellows: Afraid of Free Speech, on Many Fronts: PEN, Google, China, Goliath. The Atlantic, 6. Dezember 2015 Larry Gross bewertete das Buch als eine „unerbittliche Parade von Fakten – Einzelheiten, Namen, Orten, Ereignissen –, die in ihrer Summe ein Gemälde von Schmerz, Verzweiflung und Ungerechtigkeit“ formen würden, das die Lebensrealität der Palästinenser in der Gegenwart zeige.Larry Gross: Reading 'Goliath': Inconvenient Truths. truthdig.com, 6. November 2013 John Hudson kennzeichnete das Werk als „eine Anklageschrift gegen Israels Umgang mit den Palästinensern“.John Hudson: „I Hate Israel Handbook“ Author Welcomes His Haters. Foreign Policy, 5. Dezember 2013

Blumenthals Werk The Management of Savagery (2019) stellte in einer kritischen Gesamtschau die US-amerikanische Außenpolitik seit 2000 dar. Lydia Wilson meinte, Blumenthals Darstellung der Verstrickung der USA in verschiedene Kriege „übertreibe“, arbeite mit „irreführenden und einseitigen Beispielen“ und gleite häufig in ein „ausgereiftes Verschwörungsdenken“ ab.Lydia Wilson: Blame Game. Times Literary Supplement, 20. September 2019 Der Pulitzer-Preisträger Chris Hedges fand das Werk dagegen „voll von Einsichten“.Chris Hedges: Reckoning With Failure in the War on Terror. Truthdig, 8. April 2019 Nasser Baston beurteilte es als „nützliches Gegenmittel“ zu den „Fluten von pro-imperialistischem Unfug“ in konservativen und liberalen Medien.Nasser Baston: Malignant consequences of an unholy alliance. Morning Star, 2. Juni 2019

Haltung zu Israel und Palästina Blumenthal ist ein erklärter Gegner der Unterstützung des Staates Israel durch die US-Politik. Er selbst beschrieb sich 2009 als „nicht-zionistischen Liberalen“.Video Guerrilla. Tablet Magazine, 17. Juli 2009 Seine Videoreportage Rapture Ready von 2007 über die Unterstützung evangelikaler Christen in den USA für IsraelMax Blumenthal: Rapture Ready: The Unauthorized Christians United for Israel Tour. Vimeo (anmeldepflichtig); Max Blumenthal: Rapture Ready: The Unauthorized Christians United for Israel Tour. Huffpost, 26. Juli 2007 (Einführungstext) fand größere Beachtung, etwa in Publikationen zum christlichen Zionismus.Sean Durbin: Righteous Gentiles: Religion, Identity, and Myth in John Hagee’s Christians United for Israel. Brill, Leiden 2018, ISBN 978-90-04-38500-9, S. 94, Fn. 22; Goran Gunner, Robert O. Smith: Comprehending Christian Zionism: Perspectives in Comparison. Fortress Press, Minneapolis 2014, ISBN 978-1-4514-7226-4, S. 175, Fn. 16; Charles Lloyd Cohen, Ronald Numbers (Hrsg.): Gods in America: Religious Pluralism in the United States. Oxford University Press, New York 2013, ISBN 978-0-19-993192-7, S. 344, Fn. 43

Blumenthals Vater Sidney Blumenthal versuchte kontinuierlich, die Außenpolitik der USA in der Amtszeit von US-Außenministerin Hillary Clinton (2009 bis 2013) auf eine Linie gegen Israels Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu bringen.Adam L. Fuller: Israel and the Neoconservatives: Zionism and American Interests. Lexington Books, London 2019, ISBN 978-1-4985-6734-3, S. 70 Nach den 2016 veröffentlichten privaten E-Mails Hillary Clintons sandte er ihr dazu häufig auch antiisraelische Artikel seines Sohnes zu.

2018 produzierte Blumenthal zusammen mit dem Dokumentarfilmer Dan Cohen den Dokumentarfilm Killing Gaza. Dieser schildert den Gaza-Krieg von 2014 aus palästinensischer Perspektive.Killing Gaza. Chicago Reader

Das Simon Wiesenthal Center zählte Blumenthal 2013 zu den „Top Ten der antisemitischen/anti-israelischen Verleumder“, weil er jüdische Israelis in seinem Werk Goliath als „Judäo-Nazis“ bezeichnet und so Juden mit Nazis gleichgesetzt habe.Gysi stoppt Konferenz von „Israel-Hassern“ im Bundestag. Berliner Morgenpost, 6. November 2014 (Nachdruck bei der Amadeu Antonio Stiftung) Er wies den Vorwurf zurück: Mit dem Ausdruck „Judeo-Nazis“ habe er nur den orthodoxen israelischen Philosophen Jeschajahu Leibowitz zitiert.Max Blumenthal und die Klo-Affäre: „Ich bin empört“. taz, 13. November 2014

Zum 9. November 2014 (dem Jahrestag der Novemberpogrome 1938) hatten einige Abgeordnete der Partei Die Linke Blumenthal und David Sheen zu einem „Fachgespräch“ über Israel und den Gazakonflikt eingeladen. Der damalige Fraktionsvorsitzende der Gregor Gysi verbot ihnen kurzfristig, dafür den Fraktionssitzungsraum im Reichstagsgebäude zu nutzen. Daraufhin bedrängten die beiden Journalisten Gysi bei der sogenannten Toilettenaffäre.Simon-Wiesenthal-Center: Linke mit "Toilettengate" auf Antisemitismus-Liste. Tagesspiegel, 29. Dezember 2014

Im Februar 2016 erklärte Blumenthal vor der kanadischen Sektion von PEN International: Dass er die Gebote des Judentums befolge, sei für „gewisse Gruppen“ irrelevant, die ihn zum Antisemiten stempelten. Aus deren Sicht könne man nach Belieben mit Mose uneins sein, doch nicht mit „King Bibi“ (Benjamin Netanyahu).Sammy Hudes: Anti-Zionist Max Blumenthal jeered at Toronto event. Times of Israel, 26. Februar 2016 Er sah die Vorwürfe als Versuch rechtsgerichteter Kräfte in den USA, seine Israelkritik zu delegitimieren, und als „organisierte Kampagne der Pro-Israel-Lobby, die die größte Bedrohung der freien Rede im Westen repräsentiert“.Aaron Bandler: Trump Retweets BDS Activist Max Blumenthal for Criticizing Bolton. Jewish Journal, 18. Juni 2020

Am 27. Oktober 2023 veröffentlichte Blumenthal auf The Grayzone einen Artikel über den Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober. Darin vertrat er die These, zumindest einige der schockierendsten in den Medien verbreiteten Bilder von verkohlten israelischen Leichen, zerstörten Häusern und ausgebrannten Autos seien auf den Einsatz schwerer Waffen der israelischen Armee (wie Panzer und Kampfhubschrauber) zurückzuführen. Michal Perach warf ihm daraufhin in der Zeitung Haaretz vor, durch diese Darstellung der israelischen Armee die Verantwortung für die Mehrzahl der Todesopfer zuzuschieben. Sie kritisierte, dass Blumenthal selektiv Einzelangaben aus israelischen Medienberichten zitiert habe, während er alle Belege für Hamastäter aus denselben Berichten weggelassen habe. Sie bezeichnete seinen Artikel als „Meisterklasse der Manipulation“.

Haltung zu Russland und Ukraine Einige Jahre war Blumenthal häufiger Interviewgast der russischen Propagandasender RT und Sputnik. Dort verteidigte er die russische Außenpolitik, darunter Russlands Militäreinsatz in Syrien. Charles Davis und andere kritisierten Blumenthals Auftritte in diesen Sendern als prorussische Propaganda.Charles Davis: An Inside Look at How Pro-Russia Trolls Got the SPLC to Censor a Commie. New Politics, 3. April 2018; Sam Hamad: The propaganda trips helping Assad get away with murder. Alaraby, 18. September 2019; Joseph Menn: News site editor’s ties to Iran, Russia show misinformation’s complexity. Washington Post, 4. Juni 2024