Die Krim-Brücke, auch Kertsch-Brücke genannt, (; , inoffiziell ukrainisch ; Projektname: Brücke über die Straße von Kertsch) ist eine Straßen- und Eisenbahnverbindung von der Halbinsel Krim in der Ukraine über die Straße von Kertsch zur Halbinsel Taman in der russischen Region Krasnodar. Die Straßenverbindung wurde im Mai 2018 offiziell eröffnet, die Freigabe für den eingeschränkten Bahnverkehr erfolgte im Dezember 2019. Mit 19 Kilometern Länge ist sie die längste Brücke Europas.
Durch einen ukrainischen Angriff im Russisch-Ukrainischen Krieg im Oktober 2022 wurde die Brücke schwer beschädigt und war danach nur teilweise befahrbar; im Juli 2023 und Juni 2025 wurde die Brücke erneut durch ukrainische Angriffe beschädigt; die Benutzung ist seither nur eingeschränkt möglich.
Beschreibung Die einschließlich der Zufahrten an Land rund 19 km lange Krim-Brücke überquert die Straße von Kertsch (6 km), die Insel Tusla (6 km), einen Flachwasserbereich (1,3 km) und die Nehrung der Halbinsel Taman (5,7 km). Sie besteht aus einem Brückenbauwerk für eine vierspurige Autobahn und südlich davon einem gesonderten Bauwerk für die parallel dazu verlaufende zweigleisige Eisenbahnstrecke. Damit gilt dieses Objekt als größte von Russland erbaute Brücke. Der Schifffahrtskanal wird von je einer 227 m langen Stabbogenbrücke mit einer lichten Höhe von 35 m überquert, Stroygazmontazh, englisch deren Pfeiler von großen Schiffsabweisern geschützt werden.
Die Autobahnbrücke ist 16.857 m lang. Ihre durch Leitplanken getrennten Richtungsfahrbahnen haben je zwei Fahrstreifen und einen schmalen Pannenstreifen. Jede Richtungsfahrbahn hat einen konstruktiv getrennten Überbau aus einer orthotropen Platte auf zwei Längsträgern. Die Eisenbahnbrücke ist 18.118 m lang. Die Gleise liegen auf Schotterbetten und je einem Überbau aus stählernen, zweizelligen Hohlkästen mit orthotropen Platten.Krymsky Bridge Project Description SC ‘Institute-Giprostroymost – Saint-Petersburg’ (englisch). Die Brücken stehen auf 595 Pfeilern in Pfeilerachsabständen von 54 m bis 64 m, die auf rund 7000 Pfählen gegründet wurden. Die beiden stählernen Stabbogenbrücken wurden nahe der Brücke an Land gefertigt und anschließend mit Pontons zur Einbaustelle gebracht.
Geschichte Erste Planungen
Der Bau einer Brücke über die Meerenge wurde immer wieder diskutiert. Zar Nikolaus II. interessierte sich für die Idee. Erstmals hatte Anfang des 20. Jahrhunderts der Schiffsbauingenieur Wassili Mendelejew (1886–1922), Sohn des berühmten russischen Chemikers Dmitri Mendelejew, den konkreten Vorschlag gemacht, die Meerenge mit einem Damm zu queren. Eine Gruppe russischer Ingenieure erarbeitete daraufhin bis 1910 ein Projekt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderte jedoch seine Realisierung. In den 1930er Jahren wurde, diesmal von der Sowjetunion, erneut ein Brückenschlag geplant. Der Zweite Weltkrieg verhinderte die Umsetzung der Pläne.
Brücke im Zweiten Weltkrieg Nach dem Vormarsch der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg bis auf die Krim begann die paramilitärische Organisation Todt im Rahmen der Operation Gotenkopf mit dem Bau einer Eisenbahnbrücke, um den von Januar bis Oktober 1943 bestehenden Kuban-Brückenkopf auf der Ostseite der Straße von Kertsch versorgen zu können. Diese etwa zehn Kilometer nordöstlich der heutigen Krimbrücke gelegene Brücke war 4,5 Kilometer lang und verband die Krim mit der Halbinsel Tschuschka. Sie befand sich etwa auf der Trasse, auf der später die Fährverbindung zwischen den Häfen Port Kawkas und Port Krim verkehrte, etwas südwestlich der Fahrrinne 28. Der westliche Bahnanschluss war nahe der Festung Jenikale, auf der östlichen Seite endete die Brücke knapp 3 Kilometer südwestlich von Port Kawkas. Parallel dazu verlief eine 5,1 Kilometer lange Seilbahn, die täglich bis zu 1000 Tonnen Ladungen transportierte. Das Brückenprojekt bestand aus 115 Teilen mit Spannweiten von jeweils 27 Metern Länge. Damit Schiffe beliebiger Größe weiterhin die bereits in den 1870er Jahren ausgehobene Schifffahrtsrinne Kertsch-Jenikalsker-Kanal passieren konnten, gab es eine 110 Meter lange Drehbrücke.
Der sowjetischen Luftaufklärung war der Bau, der 150 Tage dauerte, bekannt, Josef Stalin verbot jedoch eine Bombardierung. Nach dem durch eine Gegenoffensive der Roten Armee erzwungenen Rückzug der deutschen Truppen auf die Krim wurde die noch nicht vollständig fertiggestellte Brücke im Oktober 1943 durch die Deutschen gesprengt.
Am 25. Januar 1944 – und damit bereits bevor Kertsch am 11. April 1944 aufgrund des Erfolges der Kertsch-Eltigener Operation wieder unter sowjetische Kontrolle kam – entschied das Land, die Eisenbahnbrücke wiederherzustellen. Die sowjetischen Bautruppen errichteten innerhalb von sieben Monaten unter Verwendung der verbliebenen Reste, des zurückgelassenen Baumaterials und nach den deutschen Konstruktionsplänen die Eisenbahnbrücke und deren Anschlüsse ans Schienennetz. Am 3. November 1944 fuhr der erste Zug über die rekonstruierte Brücke.
Die bereits von den deutschen Konstrukteuren eingeplanten Eisabweiser waren erst teilweise installiert, als sich im Februar 1945 unter dem Einfluss von Wind und Strömungen vom Asowschen Meer her Eisschollen auf die Brücke zubewegten. Sie hatten eine so große Stärke, dass sie nicht durch Sprengungen und Bombardierungen zerstört werden konnten. Während die Pfeiler, die bereits mit Eisabweisern geschützt waren, standhielten, brachen am 18. Februar 32 ungeschützte Stützen, zwei Tage später waren 42 beschädigt. Eine Woche zuvor, am 11. Februar, war der letzte Zug mit den Passagieren Josef Stalin und der sowjetischen Delegation, die von der Konferenz von Jalta zurückkehrten, über die Brücke gerollt. Sie war somit nur drei Monate in Betrieb.Kurzreferat über den Artikel von M. S. Rudenko: . Geschichte des Bauens und der Zerstörungen der Brücke über die Straße von Kertsch, erschienen in der Zeitschrift (russisch, etwa: „Transportbauwesen“), Heft 6, 1991, auf einem LiveJournal über Schienenverkehr in der Ukraine, abgerufen am 25. Dezember 2019 (russisch)
Planungen in der Nachkriegszeit und Auswirkungen der Annexion der Krim ab 2014 1949 wurden neue Brückenkonzepte entwickelt – mit zwei Ebenen für den Straßen- und Bahnverkehr. Die Kosten des Projekts wurden auf 2 Milliarden Rubel (zu Preisen von 1949) geschätzt. Nach der Installation der ersten Pfeilerfundamente wurde jedoch klar, dass die Stützen nicht ausreichend stabil waren. Das Projekt wurde vorerst verschoben. Der westliche Brückenkopf sollte mit einer riesigen Stele mit dem Wappen und der Statue Stalins verziert werden. 1953 ersetzte die Kertsch-Fähre zwischen Port Kawkas und Port Krim die Brücke. Bald verkehrten vier Eisenbahnfähren, später noch drei aus Riga gelieferte Autofähren. Die Überreste der Pfeiler der zerstörten Brücke behinderten viele Jahre den Schiffsverkehr. Im Jahr 1968 wurden sie bis auf einen vor dem östlichen Ufer abgerissen und entfernt. Um 1990 mussten die Eisenbahnfähren stillgelegt werden, da sie schrottreif waren.
Der Bau einer neuen Brücke wurde seitdem immer wieder diskutiert, aber nie als vorrangiges Projekt betrachtet, da die Verbindung über die Ukraine auf die Krim als ausreichend angesehen wurde. Absichtserklärungen von 1993, 2000 und 2008 versandeten, ebenso 2004 der Vorschlag eines Tunnels. Im Dezember 2003 unterzeichneten Russland und die Ukraine einen Vertrag über die gemeinsame Nutzung des Asowschen Meeres,Vertrag zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine über die Zusammenarbeit bei der Nutzung des Asowschen Meeres und der Straße von Kertsch, russisch, durch die Russische Föderation am 22. April 2004 durch Gesetz Nr. N 23-ФЗ ratifiziert, kommentiert mit (Mag sein, dass Putin, Lawrow, Schoigu und Kosatschew nicht den Anschein erwecken, als hätten sie das Gesetz gelesen) der das Meer als inneres Gewässer beider Staaten definiert. Der Vertrag garantiert den Schiffen beider Länder das Recht der friedlichen Durchfahrt.Ukraine claims Russia 'rammed our tugboat' off Crimea. In: BBC, 25. November 2018. 2010 ließen der ukrainische Präsident Wiktor Janukowytsch und der russische Präsident Dmitri Anatoljewitsch Medwedew anlässlich der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi die Pläne für eine Brücke wieder aufleben. Am 26. November 2010 wurde ein Memorandum unterzeichnet; am 17. Dezember 2013 wurden auf der Sitzung der gemeinsamen russisch-ukrainischen Regierungskommission entsprechende Verträge abgeschlossen.
Die Situation änderte sich mit der Annexion der völkerrechtlich weiter zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim durch Russland im März 2014. Als Folge dieser Aktion und des Beginns des Russisch-Ukrainischen Krieges im Donbass unterbrach die Ukraine am 26. Dezember 2014 alle bisherigen durch ihr Gebiet laufenden Versorgungslinien sowie die Zug- und Busverbindungen über Land zur Krim.Russland liefert Kohle und Strom an die Ukraine, Süddeutsche.de, 28. Dezember 2014. Der Güterverkehr zwischen Russland und der Halbinsel musste seitdem über den See- oder Luftweg abgewickelt werden. Um eine direkte Transportverbindung herzustellen, gewann das Projekt der Brückenquerung über die Straße von Kertsch für Russland höchste Priorität. Übergangsweise wurde die Eisenbahnfähre von der Taman-Halbinsel nach Kertsch am 1. August 2014 nach 25 Jahren wiedereröffnet. Bis zur Vollendung des Brückenprojekts wurde der Verkehr nach Russland über die Meerenge von Kertsch provisorisch mit Eisenbahn- und Autofähren abgewickelt, die teilweise von anderen Routen abgezogen wurden. Einige Fähren wurden gebraucht im Ausland gekauft. Im Jahr 2017 wurden 5,71 Millionen Menschen, 1,78 Millionen Autos und 78.000 Eisenbahnwagen befördert. Teilweise gab es Wartezeiten bis zu 30 Stunden. Zusätzlich wurde eine Hubschrauberverbindung eingerichtet., Krymedia.ru, 24. Juni 2015 (englisch).
Entstehung der heutigen Brücke Nach der Annexion der Krim im März 2014 war der Tourismus, traditionell eine der Haupteinnahmequellen der Krim, eingebrochen. Die Preise und Lebenshaltungskosten stiegen stark, die Einnahmen sanken drastisch und viele Arbeitsplätze gingen verloren. Vor 2014 reisten über 70 Prozent der Touristen insbesondere über die Landenge von Perekop aus dem ukrainischen Festland ein. Diese Landverbindung war nun unterbrochen oder wurde als zu risikoreich angesehen. Russland bot subventionierte Flugtickets für Beamte und Rentner an und warb für „patriotische Ferien“ auf der Krim. Trotzdem waren die Besucherzahlen rückläufig.Crimea is becoming a Russian money pit. In: World Policy Journal, 24. Oktober 2016.The High Price of Putin's Takeover of Crimea. In: Bloomberg, 31. März 2017. Die Brücke sollte den Tourismus auf der Krim ankurbeln und die Preise für Lebensmittellieferungen senken.Drei Jahre nach der Krim Annexion: „Halten Sie durch!“. In: Deutschlandfunk Kultur, 29. Oktober 2017. Die Brücke hatte für Russland zudem eine symbolische Bedeutung und stellt ein Pendant zur natürlichen Landverbindung zur Krim her, über welche die Ukraine im Unterschied zu Russland verfügt.Putin's Bridge to Crimea May Carry More Symbolism Than Traffic. In: The New York Times, 11. November 2017.
mini|Die Bogenbrücken 2019