mini|Vorsfelde von den Drömlingswiesen aus gesehen (1987) mini|Lange Straße im Ortskern Vorsfelde mini|Amtsstraße in Höhe des früheren Dammtores mini|Meinstraße als Ausfallstraße Vorsfelde ist ein Ortsteil von Wolfsburg im östlichen Niedersachsen. Der Ort ist ein historisch gewachsenes Ackerbürgerstädtchen, das etwa vier Kilometer von der Wolfsburger Stadtmitte entfernt am Fluss Aller, dem Mittellandkanal und dem Feuchtgebiet Drömling liegt. Der 1145 als Varesfelt erstmals urkundlich erwähnte und planmäßig gegründete Ort war seit dem Mittelalter als Flecken der Zentralort des Vorsfelder Werders.
Durch Verleihung der Stadtrechte am 11. Oktober 1955 war Vorsfelde bis zur niedersächsischen Gebietsreform am 1. Juli 1972 eine eigenständige Stadt im Landkreis Helmstedt. Seither ist der Ort ein Ortsteil von Wolfsburg und neben Fallersleben ein Subzentrum der Stadtmitte.
Geographie Vorsfelde befindet sich im Nordosten der Stadt Wolfsburg. Es grenzt an die Stadtteile Reislingen, Allerpark (Sonderbezirk), Teichbreite, Tiergartenbreite, Velstove, Wendschott und Neuhaus sowie an die Gemeinde Danndorf und damit an den Landkreis Helmstedt.
Der Stadtteil liegt im Süden des Vorsfelder Werders, wo die Obere Allerniederung in das Feuchtgebiet Drömling mit dem Naturschutzgebiet Wendschotter und Vorsfelder Drömling mit Kötherwiesen übergeht. Naturräumlich zählt Vorsfelde zur Südheide und bildet den Abschluss der südlichen Ostheide. Der Ort am Werderrand ist der südlichste Punkt der gesamten Lüneburger Heide.
Die B 188, die Aller sowie der Mittellandkanal teilen den Stadtteil in das kleinere Vorsfelde-Süd mit Wohn-, Misch- und Gewerbegebieten sowie der Altstadt mit nördlich gelegenen Wohn- und Mischgebieten (Vorsfelde-Mitte und -Nord). In der Allerniederung zwischen Vorsfelde, Reislingen, Alt-Wolfsburg und Heßlingen liegt der Allersee.
Geschichte
Gründung Vorsfelde war eine planmäßige mittelalterliche Stadtgründung um 1130 als zentraler Ort des Vorsfelder Werders. Vorläufersiedlung war das spät wüst gefallene Dorf Achtenbüttel am südlichen Hang des Werders, nach dem heute ein Weg in der Nähe der Altstadtschule benannt ist („Achtenbüttelweg“). Vorsfelde diente als östlicher Vorposten in einem Gebiet, in dem vermutlich zeitgleich slawische Wenden in Rundlingen sich als Siedler niederließen. Vorsfelde entstand unmittelbar an der Aller am südlichen Fuße des Vorsfelder Werders, einer 80 km² großen und erhöhten Geestplatte. Der Ort lag an einer seichten Furt, durch die seit dem Mittelalter eine Handels- und Heerstraße führte. Hier war ein Passieren der feuchten Niederung des Aller-Urstromtals möglich.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Vorsfelde im Jahr 1145 in einer päpstlichen Bulle als Varesfelt durch Papst Lucius II. in Rom. Der Begriff Varesfelt beruht auf dem Ausdruck var für einen Platz, an dem man einen Fluss überquert oder landet. In Verbindung mit -felde für Feld war es eine waldfreie Stelle. Die Ortsbezeichnung trifft die damaligen geographischen Gegebenheiten, denn hier durchquerte ein Handelsweg die Aller an einer seichten Furt. Bis 1400 lautete der Ortsname noch Varsfelde, danach wandelte sich bei einem Lautwandel das a in o und damit zu Vorsfelde.
Das Geschlecht der Herren von Vorsfelde als niederes, weniger begütertes Ministerialengeschlecht in welfischen Diensten tauchte erstmals 1217 durch Gottfried von Vorsfelde auf. Ihre Besitzungen und Rechte bestanden im Raum von Vorsfelde bis Vechelde, Helmstedt und Königslutter. Der letzte Vertreter war Heinrich von Vorsfelde, der als Vikar am St.-Blasius-Stift in Braunschweig zuletzt im Jahr 1478 Erwähnung findet.
Der erste Stadtplan von 1761 zeigt 125 Häuser. Bei der Ortsgründung waren es fünfzig gleich große Grundstücke. Aufgebaut ist der Ort nach dem Zwei-Straßen-Prinzip. Ursprünglich gab es nur die heutige Lange Straße und die heutige Amtsstraße, die ein langgestrecktes Oval bilden. Unterteilt wurde der Stadtkern von der Kattenstraße und der Kirchstraße (heute: An der Propstei). Die vier Ortsausgänge hießen Oberes Thor, Meynthor, Wolfsburger Thor und Dammthor; wobei eigentliche Torbauten nicht nachgewiesen sind. Da Vorsfelde Marktrecht hatte, gab es mehrere Plätze zum Abhalten von Märkten. Kleinvieh und Federvieh sowie Schweine wurden im Schweinewinkel angeboten, einer platzartigen Einbuchtung in der Langen Straße. An der Meinstraße lag der Rossmarkt (genannt: Rossplatz), auf dem Vieh und Pferde gehandelt wurden.
Größere Stadtbrände gab es 1604, 1780 und 1798. Daher entstanden die meisten der heutigen Häuser im historischen Stadtkern im 18. und 19. Jahrhundert. Es sind in der Mehrzahl zweigeschossige Fachwerkbauten auf einem steinernen Sockel.
Befestigungsanlagen Im Stadtbild finden sich heute keine sichtbaren Spuren mittelalterlicher Befestigungsanlagen. 1946 suchte der Braunschweiger Landesarchäologe Alfred Tode anhand alter Karten in den Drömlingswiesen nach einem mittelalterlichen Burgstall. Er fand den Burgwall Vorsfelde etwa 900 Meter östlich vom mittelalterlichen Stadtkern (nahe der Sudammsbreite) und führte eine archäologische Ausgrabung durch. Dabei wurden unter anderem Palisaden-Befestigungen gefunden. Sie gehörten zu einem Wehrturm im Stil einer Motte mit benachbartem Burgwall auf einer Sandinsel in der Allerniederung. Die Anlage wurde dem Frühmittelalter des 11. Jahrhunderts zugeordnet. Es handelte sich aber nicht um die in Überlieferungen als Altes Haus bezeichnete Vorsfelder Burg, die sich wahrscheinlich innerhalb des Ortes befunden haben soll. Sie wurde 1218 erstmals als Castrum erwähnt und ist als slot (Schloss) bezeichnet. Möglicherweise befand sie sich auf dem Grundstück des früheren Amtshauses in der Amtsstraße, worauf die dortige Flurbezeichnung In den Burgäckern deutet. Noch heute gibt es eine grabenartige Vertiefung hinter den Grundstücken der oberen westlichen Amtsstraße.
Orts- und Einwohnerentwicklung mini|hochkant=1.5|Blick von der Straße Obere Tor (Norden) auf den historischen Stadtkern, links: Lange Straße, rechts: Amtsstraße mini|hochkant=1.5|Blick vom Dammtor (Süden) auf den Stadtkern, links: Amtsstraße, rechts: Lange Straße, in der Mitte der „Ütschenpaul“ (Fröschepfuhl)
Die Bewohner Vorsfeldes waren seit dem Mittelalter überwiegend Ackerbürger, die etwas Vieh und Land besaßen, aber auch Handwerk und Handel ausübten, weil sie sich weder vom Ackerertrag (meist nur ein größerer Garten) noch von ihrem Gewerbe ernähren konnten. In Vorsfelde als dem Hauptort für die zeitweise 18 Dörfer auf dem Vorsfelder Werder gab es eine wirtschaftliche Entwicklung. Der Flecken war Verwaltungs-, Gerichts-, Markt- und Kirchort.
Zu ersten Industrieansiedlungen im ländlich geprägten Vorsfelde kam es ab 1871, als der Ort mit der Lehrter Bahn zwischen Hannover und Berlin an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. An der Bahnstrecke rund ein Kilometer südlich des Ortes wurde auf freiem Feld ein Bahnhofsgebäude errichtet, in dessen Nähe Betriebe (Kartoffelflockenfabrik, Konservenfabrik, Brauerei, Molkerei) entstanden. Hieraus bildete sich die heutige Vorsfelder Südstadt. Der ab 1936 südlich des Ortes errichtete Mittellandkanal brachte der Bevölkerung vorübergehend Arbeit. Einen Hafen erhielt der Ort aber nicht.
Jahr Einwohnerzahlen 1663 263 1781 871 1848 1.502 1890 1.762 2. Dezember 1895 ¹ 1.753 1. Dezember 1900 ¹ 1.820 16. Juni 1925 ¹ 1.881 16. Juni 1933 ¹ 1.896 17. Mai 1939 ¹ 2.102 1946 3.291 1950 4.479 25. September 1956 ¹ 5.739 6. Juni 1961 ¹ 7.291 1966 10.993 27. Mai 1970 ¹ 11.252 1Einwohnerzahl laut Volkszählung vom…
Ortsansichten
Zugehörigkeiten mini|Früheres Rathaus Vorsfelde, heute Verwaltungsstelle und Standesamt Vorsfelde gehörte seit seiner Gründung im 12. Jahrhundert zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. In den ersten Jahrhunderten nach der Ortsgründung wechselten Stadt und Burg Vorsfelde ständig ihre Lehnsbesitzer. Vorsfelde und der Vorsfelder Werder waren wegen der Grenzlage über zwei Jahrhunderte zwischen den welfischen Herzögen der Linien Braunschweig und Lüneburg, den Markgrafen von Brandenburg und den Erzbischöfen von Magdeburg umkämpft.
Nach den Herren von Vorsfelde im 13. und 14. Jahrhundert herrschte ab 1389 die Adelsfamilie derer von Bartensleben über den Ort. Nach dem Erlöschen ihres Geschlechts 1742 fielen Vorsfelde und der Vorsfelder Werder als erledigtes Lehen an das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel als Teilfürstentum des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg heim. Das Herzogtum richtete 1742 das Amt Vorsfelde ein und ließ bis 1918 den Vorsfelder Werder mit nahezu 15 Dörfern von hier aus verwalten.
Seit 1833 gehörte Vorsfelde zum braunschweigischen Landkreis Helmstedt. Am 11. Oktober 1955 erhielt der Ort die Stadtrechte. Die Stadt Wolfsburg gemeindete Vorsfelde am 1. Juli 1972 mit anderen Orten seines Umlandes ein. Danach gab es einen Ortsrat und die große Finanzkraft von Wolfsburg ließ wichtige Infrastruktureinrichtungen, wie das Schulzentrum Im Eichholz und weitere Baugebiete, entstehen.
Politik Wappen mini|links|90px|Altes Wappen mini|Wappentier Wildschwein im früheren Vorsfelder Rathaus
Das Vorsfelder Wappen zeigt auf silbernem Grund einen linksspringenden schwarzen Keiler über grünem Boden. Es ist ein redendes Wappen, bei dem das Wildschwein den Namensteil Vor im Ortsnamen Vorsfelde vergegenständlicht, Dat vor ist ein Begriff aus dem Niederdeutschen und steht für ein mageres Schwein. Das Wappenbild in der heutigen Form tauchte erstmals um 1740 auf. Es entstand aus dem Vorsfelder Ortssiegel, auf dem ein springendes Wildschwein bereits 1483 nachweisbar ist. Dass das Wappen die Gestalt eines Wildschweins hat, dürfte auch mit der Häufigkeit von Schwarzwild in den nahen Drömlingswäldern zusammenhängen.
Seit 1952 steht ein leibhaftiges Wappentier als ausgestopfter Keiler in einem Schaukasten im früheren Vorsfelder Rathaus (heute Verwaltungsstelle Stadt Wolfsburg). Das Tier wurde vom damaligen Bürgermeister Max Valentin im Drömling erlegt.
Ortsbürgermeister Politisch wird der Stadtteil durch den Ortsrat Vorsfelde vertreten. Ortsbürgermeisterin ist seit November 2021 Sandra Straube (PUG).
Frühere Gemeinde- und Stadtdirektoren Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Eingemeindung nach Wolfsburg:
von bis Name 1946 1951 Franz Schulze 1951 1958 Karl Willgerodt 1958 1970 Paul Rother 1971 1972 Rudolf Grommelt
Frühere Bürgermeister Von Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur Eingemeindung nach Wolfsburg:
von bis Name1907 1925 Wilhelm Schulze1925 1933 Franz Schulze1933 1945 Max Valentin1945 1946 Franz Schulze1946 1948 Fritz Weiberg1948 1952 Emil Sturm1952 1956 Max Valentin1956 1958 Fritz Weiberg1958 1961 Max Valentin1961 1964 Fritz Weiberg1964 1972 Max Valentin
Wirtschaft und Infrastruktur
1985 beauftragte die Stadt Wolfsburg den Architekturprofessor Friedrich Spengelin aus Hannover mit der Erstellung eines Bebauungsplanes für die Vorsfelder Innenstadt. Auslöser waren Planungen zum Bau von Einzelhandelsmärkten in Innenstadtnähe. Der Entwurf wurde Spengelin-Konzept genannt und ab 1988 größtenteils umgesetzt. Es nahm den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt heraus und leitete ihn über Umgehungsstraßen ab. Ein wichtiger Punkt des Konzeptes war die Schaffung von zusätzlichem Parkraum für Geschäftskunden in der Innenstadt. Die zwischen Aller und der Straße An der Meine geplante vierspurige „Drömlingsallee“ von der Allerbrücke zur Meinstraße wurde nicht realisiert.
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