Mit dem russischen Militäreinsatz dem Kampfeinsatz der Streitkräftegruppierung Russlands in Syrien – griff die Russische Föderation seit September 2015 vor allem mit Luftangriffen auf Seiten der bis Dezember 2024 bestehenden Regierung Syriens unter Präsident Assad in den Syrienkrieg ein.
Der Feldzug (englisch campaign, russisch кампания) der Streitkräftegruppierung Russlands verhalf der syrischen Armee zur Zurückgewinnung großer Teile des Staatsterritoriums und bewirkte dadurch, die Regierung zu stabilisieren.
Der Militäreinsatz galt für Russland auch politisch als erfolgreich, weil die Russische Föderation damit wieder auf Augenhöhe mit den USA handeln konnte.Welche Interessen verfolgt Russland in Syrien? – Moskaus Unterstützung Baschar Al-Assads ist eine klare Kosten-Nutzen-Kalkulation, DGAP, 14. September 2015 Als wesentlicher Erfolg des militärischen Eingreifens durch Russland galt lange Zeit der Machterhalt der Regierung von Präsident Assad.
Das Eingreifen in den Bürgerkrieg war geprägt durch eine Kriegführung, die wenig Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nahm, bzw. sogar ganz bewusst zivile Ziele wie Wohngebiete, Schulen und Krankenhäuser angriff. Die russische Luftwaffe flog systematische Angriffe auf syrische Städte, um die Moral ihrer Bewohner zu brechen. Sogenannte humanitäre Korridore wurden lediglich eingerichtet, um nach einer Frist umso massivere Angriffe durchzuführen, in denen jeder verbliebene Zivilist als Ziel galt.
Streitkräftegruppierung Russlands in Syrien Vorgeschichte Während der Kriegszeit bis zum Herbst 2015 verloren die regierungstreuen Streitkräfte Syriens faktisch das gesamte Territorium. Unter Regierungskontrolle verblieben 10 Prozent des syrischen Staatsterritoriums.
Nach Einschätzung des Generalstabes Russlands stand den Regierungstruppen Syriens faktisch eine reguläre Armee mit 1500 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen und 1200 Rohren Artillerie gegenüber, die von ausgebildeten Kommandeuren, darunter ehemaligen irakischen Offizieren geführt wurde. Zum 30. September 2015 seien in allen gegnerischen Formationen in Syrien circa 59.000 Kämpfer gewesen und diese in den folgenden zwei Jahren nochmals um 10.000 Anwerbungen verstärkt worden. Der Anteil der Personen mit Herkunft aus der Russischen Föderation wird mit mehr als 2800 Ausgereisten angegeben.Siehe Interview mit Walerij Gerassimow. Übersetzung aus dem Russischen von Rainer Böhme. In: Fazit des Feldzuges der Russischen Armee in Syrien (2015–2017). DGKSP-Diskussionspapiere (Hrsg.) Rainer Böhme, Dresden 2018, Februar, S. 6 f.
Am 30. September 2015 gab der Sprecher des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation bekannt, dass Russland der Bitte der syrischen Regierung um militärische Unterstützung entsprochen habe. Die USA wurden vorab über den Angriffsbeginn informiert.
Am 30. September 2015 hatte der Föderationsrat, das Oberhaus Russlands, Präsident Wladimir Putin ermächtigt, eine Streitkräftegruppierung Russlands in Syrien einzusetzen. Ein Einsatz von Bodentruppen wurde ausgeschlossen. Das Ziel des Militäreinsatzes ist die Unterstützung der syrischen Regierungstruppen.
In einer im russischen Fernsehen übertragenen Rede am 11. Oktober 2015 sagte Präsident Putin, dass der Militäreinsatz im Vorfeld sorgfältig vorbereitet worden war und die Aufgabe sei, die legitime Macht in Syrien zu stabilisieren und die Bedingungen für einen politischen Kompromiss zu schaffen.Путин назвал основную задачу российских военных в Сирии. In: Interfax, 11. Oktober 2015. Zitat Putin: «Наша задача заключается в том, чтобы стабилизировать законную власть и создать условия для поиска политического компромисса.»
Nach Aussagen des Generalstabschefs Russlands war „die Operation […] sorgfältig geplant; alle Fragen wurden berücksichtigt, die erforderlichen Kräfte und Mittel festgelegt, darunter für die Zusammenstellung des Kampfbestandes und der Sicherstellung. Aber wir hatten praktisch keine Erfahrung bei der Durchführung der Verlegung von Truppen und Kräften über eine solche Entfernung, auf das Territorium eines Staates, der nicht an unser Land grenzt. Es gab nur ein einziges Beispiel im Jahre 1962 – die Operation Anadyr, als die UdSSR Truppen nach Kuba verlegte.“Siehe Interview mit Walerij Gerassimow. Übersetzung aus dem Russischen von Rainer Böhme. In: Fazit des Feldzuges der Russischen Armee in Syrien (2015–2017), DGKSP-Diskussionspapiere (Hrsg.) Rainer Böhme, Dresden 2018, Februar, S. 4. .
Der Ausbildungsstand der Einheiten sei im Vorfeld bei der Durchführung überraschender Überprüfungen gefestigt worden, in deren Verlauf die Verlegung über große Entfernungen unter Ausnutzung aller Transportarten (Luft-, Eisenbahn-, Seetransport) geübt wurde.
Etwa einen Monat Zeit habe das Zusammenstellen der Infrastruktur und des Systems der allseitigen Sicherstellung erfordert, einschließlich der materiell-technischen, die noch vor Beginn der Operation auf syrischem Territorium geschaffen werden musste.
Die Entfaltung einer Komponente der Landstreitkräfte (des Heeres) sei von Anfang an nicht in Betracht gezogen worden. Zum Zustand der syrischen Landstreitkräfte wurde eingeschätzt, dass, ungeachtet der anhaltenden Dauer der Gefechtshandlungen und der erlittenen Verluste, einzelne Truppenteile der Regierungstruppen zur Erfüllung von Gefechtsaufgaben in der Lage waren.
Dementsprechend wurde der Einsatz von Militärberatern bei den syrischen Regierungsstreitkräften vorbereitet. Als damalige Schwachpunkte bei den syrischen Truppen wurden die Zielaufklärung, die Feuerbekämpfung und die Störung des gegnerischen Führungssystems ausgemacht. Die Vielzahl der an den Gefechtshandlungen beteiligten syrischen Einheiten verlangte vor allem, die Organisation des Zusammenwirkens zwischen den verschiedenartigen, „kunterbunten“ syrischen Formationen, darunter aus der „patriotisch gesinnten Bevölkerung“, zu qualifizieren.Siehe Interview mit Walerij Gerassimow. Übersetzung aus dem Russischen von Rainer Böhme. In: Fazit des Feldzuges der Russischen Armee in Syrien (2015–2017), DGKSP-Diskussionspapiere (Hrsg.) Rainer Böhme, Dresden 2018, Februar, S. 12 f.
Entwicklung der Zielsetzungen Gemäß russischen Angaben hatte Anfang Oktober 2015 der Einsatz die Bekämpfung von Terrorismus zum Ziel.
Am 1. Oktober 2015 erklärte Außenminister Sergei Lawrow auf die Bitte, zu spezifizieren, welche Gruppierungen außer dem „Islamischen Staat“ in Syrien für terroristisch erachtet werden: „Diejenigen, die aussehen und handeln wie Terroristen. Ich darf erinnern, dass wir immer sagten, wir würden gegen den ‚Islamischen Staat‘ und andere Gruppierungen kämpfen.“
Auf die Frage, ob die Freie Syrische Armee für eine terroristische Gruppierung gehalten wird, antwortete Lawrow: „Wir halten die FSA nicht für eine terroristische Gruppierung. Unseres Erachtens sollte sich diese Armee am politischen Prozess beteiligen – neben anderen bewaffneten Gruppierungen, denen auch Vertreter der syrischen patriotischen Opposition angehören. Das ist absolut unentbehrlich für einen stabilen politischen Prozess. Wir halten diejenigen für Terroristen, die vom UNO-Sicherheitsrat und von der Justiz Russlands als solche anerkannt wurden. Die al-Nusra-Front wurde als terroristische Gruppierung anerkannt […].“
Später räumten Regierungsvertreter Russlands ein, dass der Militäreinsatz in Syrien darauf abzielt, dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad dabei zu helfen, möglichst viel Land von den Oppositionskämpfern zurückzuerobern.Ilya Arkhipov, Stepan Kravchenko, Henry Meyer: Putin Officials Said to Admit Real Syria Goal Is Far Broader. In: Bloomberg Business, 19. Oktober 2015.
Der Befehlshaber des Militäreinsatzes Russlands in Syrien, Generaloberst Andrei Walerjewitsch Kartapolow, sagte im Oktober, dass er keine gemäßigte Opposition in Syrien gesehen habe. Wie gemäßigt könne jemand sein, der bewaffnet gegen die legitime Autorität kämpft, fragte Kartapolow. Laut dem Präsidenten des Föderationsrates Russlands, Iljas Uchmanow, hätten nur die Truppen Baschar al-Assads dem IS entgegenwirken können.
Angesichts der Kritik der US-Regierung an den russischen Luftangriffen in Syrien von 2015 kündigten die Außenminister Sergei Lawrow und US-Außenminister John Kerry in einer gemeinsamen Erklärung an, Militärexperten aus Russland und den USA würden sich so schnell wie möglich wegen der Luftangriffe in Syrien koordinieren. Kerry betonte, er habe mit Lawrow Ideen entwickelt, wie ein politischer Prozess aussehen könne, um den Krieg in Syrien zu beenden, beide Seiten seien sich einig, dass „eine Eskalation auf jeden Fall vermieden“ werden müsse.
Lawrow hob die Gemeinsamkeiten hervor: „Wir alle wollen, dass Syrien demokratisch, geeint, säkular ist. Ein Syrien, das allen ethnischen Gruppen eine Heimat gibt und deren Rechte garantiert, aber wir haben ein paar Differenzen über die Details, wie wir dort hinkommen können.“
Führung der Streitkräftegruppierung (2015–2017) Oberste Führung und Information der Öffentlichkeit Der Präsident der Russischen Föderation Wladimir Putin als Oberster Befehlshaber der Streitkräfte Russlands bestimmte die strategischen Ziele und Aufgaben, verfolgte die Brennpunkte der Lageentwicklung und wurde wöchentlich zweimal vom Verteidigungsminister Armeegeneral Sergei Schoigu oder dem Generalstabschef über die Dynamik der Gefechtshandlungen unterrichtet.
Erstmals haben das Verteidigungsministerium und der Generalstab der Streitkräfte Russlands das neu geschaffene Nationale Führungszentrum Verteidigung zur Führung der strategischen Operation genutzt. In Echtzeit konnte dort auf Bildwänden die Lage und der Einsatz der Fliegerkräfte, der Raketentruppen und der Präzisionswaffensysteme verfolgt werden.
Die Informationsabteilung des Verteidigungsministeriums und der Generalstab informierten täglich die Öffentlichkeit. Das in Syrien bei der Gruppierung Russlands geschaffene Zentrum der Aussöhnung gibt Erklärungen und Sammelberichte zur Lageentwicklung heraus.
Die Führung der Operationen der Kräftegruppierung Russlands stand unter Verantwortung des Chefs des Generalstabes der Streitkräfte Russlands – Erster Stellvertreter des Verteidigungsministers Armeegeneral Waleri Wassiljewitsch Gerassimow – und des Chefs der Hauptverwaltung Operativ des Generalstabes – Erster Stellvertreter des Generalstabschefs Generaloberst (seit 2017) Sergei Fjodorowitsch Rudskoi.
Der Generalstabschef Walerij Gerassimow hielt engen Kontakt zum Chef des Generalstabes der Syrischen Arabischen Armee General Ali Abdullah Ayyoub (damaliger syrischer Verteidigungsminister). Gemeinsam waren beide in den verschiedenen Operationsrichtungen zur Rekognoszierung (militärischen Erkundung) der Lage unterwegs.
Die Abstimmung des Generalstabes mit den Militärführungen vom Irak und von Iran ermöglichte ein funktionierendes, unterbrechungsfreies Zusammenwirken beim Überflug der Fernfliegerkräfte Russlands in die Operationszonen.
Mit der US-geführten Militärkoalition konnte auf Drängen Russlands ein Memorandum zur Einhaltung der Flugsicherheit für die Fliegerkräfte vereinbart und realisiert werden.
Oberkommando und Führungsorgane der Gruppierung Mit der Führung der Gesamtgruppierung der Streitkräfte Russland in Syrien wurde das Oberkommando der Luft-Kosmos-Streitkräfte Russlands beauftragt, das den Hauptanteil der beteiligten Kräfte und Mittel stellt.
Die Führung wurde vom Gefechtsstand der Gruppierung in Chmeimim realisiert. In personeller Rotation wechselten sich als Befehlshaber der Streitkräftegruppierung in Syrien die fünf Befehlshaber der Militärbezirke Russlands ab. Sie arbeiteten dort mit dem Kernbestand ihres heimatlichen Führungsorgans.
Aus dem Bestand der Militärgruppierung Russlands in Syrien wurde ein Zentrum der Aussöhnung geschaffen. Dieses koordiniert und führt faktisch die Zuführung der gesamten humanitären Hilfe, also der humanitären Konvois sowohl der russischen als auch der UN-Hilfsorganisationen.
Militärberater und Führungskräfte