Die Kirche in Węgielsztyn () ist ein Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert und war bis 1945 evangelisches Gotteshaus für die im ostpreußischen Kirchspiel Engelstein, dem heute polnischen Węgielsztyn, lebende Bevölkerung. Heute ist sie eine römisch-katholische Pfarrkirche.

Geographische Lage Węgielsztyn liegt im Nordosten der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, sieben Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Węgorzewo (). Die Kirche befindet sich in der Ortsmitte östlich der Durchgangsstraße von Przystań (Pristanien, 1938–1945 Paßdorf) nach Dąbrówka Mała (Klein Dombrowken, 1938–1945 Dammfelde).

Kirchengebäude Bei der Kirche im vormaligen Engelstein handelt es sich um einen verputzten FeldsteinbauWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 87–88, Abb. 350–352. aus dem zu Ende gehenden 15. Jahrhundert, vermutlich aus dem Jahr 1478. Der Chor ist eingezogen, der Ostgiebel verziert. Im Jahr 1562 wurde das Gotteshaus einer grundlegenden Restaurierung unterzogen.

Der vorgesetzte Westturm wurde zu Anfang des 18. Jahrhunderts abgeschlossen, die Wetterfahne mit der Zeitangabe „1714“ scheint das Jahr der Fertigstellung zu nennen. Im Jahre 1771 war wieder eine umfassende Renovierung fällig, und 1930 wurde die Kirche ausgemalt.

Eine Sakristei ist im Osten angebaut, eine Vorhalle im Süden.

Der Kircheninnenraum ist von einem hölzernen Dach überwölbt. Der Aufsatz des Altars wurde 1651 von der Angerburger Gemeinde erworben. Im Mittelfeld des Altars befand sich früher das Kruzifix, das später den Schalldeckel der Kanzel zierte. Diese – um 1600 entstanden – wurde im 18. Jahrhundert mit dem Altar vereinigt. Eine Marienfigur aus einer Kreuzigungsgruppe stammte aus dem 16. Jahrhundert. Um 1700 entstand der Taufengel.

Im Jahre 1852 erhielt die Kirche eine Orgel. Das Geläut bestand aus drei Glocken.

Es ist das Verdienst der Gemeindeschwester Thea SeitzWęgielsztyn – Engelstein, dass Ausstattungsgegenstände wie Kruzifix, Abendmahlsweinkanne, drei Abendmahlskelche, ein dreiarmiger Leuchter, eine Patene und eine Hostiendose zusammen mit dem Siegel der Kirche Engelstein gerettet wurden: Bei ihrer Flucht im Jahr 1945 nahm sie die Gegenstände mit bis in das niedersächsische Bruchhausen-Vilsen. Nach ihrem Tod übergab man 1987 die Altargeräte der Michaelkirche in Rotenburg (Wümme), der Partnerstadt von Angerburg (), dem einstigen Superintendentursitz für Engelstein.

Auch eine Glocke hat auf dem Glockenfriedhof in Hamburg überlebt und ist dem Einschmelzen für Munitionszwecke entgangen. Heute läutet sie im Dom zu Verden (Aller).

Die Engelsteiner Kirche hat den Zweiten Weltkrieg einigermaßen wohlbehalten überstanden. Sie wurde grundlegend renoviert, wobei der lange auf dem Kirchhof deponierte Granit-Taufstein aus dem 16. Jahrhundert wieder seinen Platz im Gotteshaus fandRundblick durch die Kirche Węgielsztyn.

Die Kirche wurde auf den Namen des Hl. Josef neu geweiht und dient heute wieder – nun aber als römisch-katholisches – Gotteshaus.

Kirchengemeinde Kirchengeschichte 400px|mini|Die Kirche mitten im Dorf Węgielsztyn (Engelstein) Die Engelsteiner Kirche gilt als eine der ältesten Kirchengründungen im nördlichen Masuren und entstand bereits in vorreformatorischer Zeit.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 476. Seit 1537 sind hier lutherische Geistliche nachgewiesen.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 36. Bis zur Errichtung einer Kirche in Buddern () 1739 waren in Engelstein zwei Geistliche gleichzeitig tätig. In den 1930er Jahren setzte man zusätzliche Hilfsprediger ein.

Die Kirchengemeinde Engelstein gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Angerburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1925 zählte sie 3.250 Gemeindeglieder, die in 25 Dörfern, Ortschaften und Wohnplätzen lebten.

Die Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung machte nach 1945 das evangelisch-kirchliche Leben in dem nun Węgielsztyn genannten Dorf und Umgebung nicht mehr möglich. Im Laufe der Jahre siedelten sich hier polnische Neubürger an, die fast ausnahmslos katholischer Konfession waren. Die bisher evangelische Kirche wurde zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen enteignet. Es entstand hier eine eigene Pfarrgemeinde „Parafia pw. św. Józefa“, der später die Filialkirche „Zur Barmherzigkeit Gottes“ (Kościół Miłosierdzia Bożego) in Perły (Peterswalde) und die Spitalkirche in Rudziszki (Raudischken, 1938–1945 Raudingen) zugeordnet wurden.

Waren vor 1945 die katholischen Kirchenglieder nach Angerburg (Węgorzewo) in die Kirche Zum Guten Hirten eingepfarrt, so trifft eine solche Regelung nun die wenigen evangelischen Einwohner von Węgielszytn: Sie gehören zur Kirchengemeinde Węgorzewo, einer Filialgemeinde der Pfarrei in Giżycko (Lötzen) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte (bis 1945) Neben dem Pfarrort Węgielsztyn gehörten noch 24 Ortschaften und Wohnplätze zu seinem Kirchspiel:Ein * kennzeichnet einen Schulort.

Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Alt Perlswalde Perły Mauerwald Mamerki Biedaschken1938–1945 Wieskoppen Biedaszki Neu Guja Nowa Guja Birkental Parowa *Neu Perlswalde Perły *Brosowen1938–1945 Hartenstein (Ostpr.) Brzozowo Paschäken Pasieki Engelsteinshöh Kraski *Pristanien1938–1945 Paßdorf Przystań Ernsthöfchen *Rehsau Rydzówka *Groß Guja Guja Rosenstein Różewiec *Groß Wessolowen1938–1945 Raudensee Wesołowo Sandhof Rydzówka Mała Karlswalde Karłowo Stawken1938–1945 Staken Klein Dombrowken1938–1945 Dammfelde Dąbrówka Mała Stein Kamień Klein Guja Upalten Upałty Leopoldshof Wesołówko Wilhelmsberg Klikucie

Pfarrer (bis 1945) Bis 1945 amtierten als evangelische Geistliche an der Kirche in Engelstein: J. Tortilowitz von Batocki, 1537–1570 Dominicus Seel d. Ä., 1570–1609 Dominicus Seel d. J., 1592–1602 Johannes Seel, 1602–1642 Stephan Gorlovius, 1615 Johann Abrahamowitz, 1616–1623 Christian Reimer, 1642–1689 Matthäus Montanus, 1649–1655 Seraphim Aegidii d. Ä., 1655–1701 Johann Madeicka, 1689–1696 Heinrich Büttner, 1697–1716 Seraphim Aegidii d. J., 1701–1739 Georg Borcius, 1716–1742 Andreas Podzadlo, 1740–1787 Johann Friedrich Krakau, 1787–1791 Karl Friedrich Groß, 1790–1805 Friedrich Fabian Salomon Kiehl, 1805–1831 Johann Friedrich Penski, 1831–1854 Gustav Eduard Salkowski, 1854–1858Angehöriger des Corps Masovia Julius Karl Heinrich Stechern, 1859–1879 (Carl) Bernhard Schellong, 1880–1906 Karl Hugo U. Brzezinski, 1906–1927 Franz Klinschewski, 1927–1933 Emil Stascheit, 1935–1936 Fritz Wolff, 1937–1945

Kirchenbücher Von den Engelsteiner Kirchenbuchunterlagen haben sich erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig aufbewahrt: Taufen: 1695 bis 1874 Trauungen 1693 bis 1874 Begräbnisse 1693 bis 1874.

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