mini|Möhrendorf Luftaufnahme (2019)
Möhrendorf (fränkisch: Meandorf oder MandoffD. Fastnacht: Erlangen: ehemaliger Stadt- und Landkreis, S. 206. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „mêɐndǫrv“ bzw. „mąndǫf“.) ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt. Möhrendorf ist berühmt für seine historischen Wasserschöpfräder.
Geografie Geografische Lage Der Ort liegt rund sechs Kilometer nördlich von Erlangen in der Ebene des Regnitztals, am westlichen Ufer des Flusses. Der westlich der Regnitz verlaufende Main-Donau-Kanal bildet die Grenze zum Gemeindeteil Kleinseebach. In Kleinseebach mündet die Seebach in den Main-Donau-Kanal.
Gemeindegliederung Es gibt drei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Kleinseebach (Dorf) Möhrendorf (Pfarrdorf) Oberndorf (Weiler) Die Kleinseebacher Mühle zählt zum Gemeindeteil Kleinseebach.
Es gibt die Gemarkungen Kleinseebach und Möhrendorf. Die Gemarkung Aisch hat eine Fläche von 8,005 km². Sie ist in 2569 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3115,88 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Oberndorf.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Baiersdorf, Bubenreuth, Erlangen
Kopfeichen als Lebensraum für seltene Tierarten Über 130 alte Kopfeichen werden in Möhrendorf nach einem Konzept des Landschaftspflegeverbands Mittelfranken von einem erfahrenen Baumpfleger mit ortsansässigen Landwirten gepflegt. Die typische knorrige Form der Eichen entsteht dadurch, dass sie alle zwei bis drei Jahre zurückgeschnitten werden. Die neu ausgetriebenen Zweige finden zum Teil noch heute als Holznägel für die Möhrendorfer Wasserschöpfräder Verwendung.
Am Wanderparkplatz nordöstlich des Sportplatzes wird auf einer Infotafel die historische und ökologische Bedeutung des wenige Schritte entfernten Kopfeichen-Areals erläutert, das einen Lebensraum für seltene Tierarten, wie Eremit und Hirschkäfer bietet.https://www.lpv-mittelfranken.de/kopfeichen_moehrendorf.html
Geschichte Erste Besiedlungsspuren in der Umgebung von Kleinseebach stammen aus der Urnenfelderzeit. Die erste urkundliche Erwähnung von Möhrendorf und Kleinseebach datiert aus dem Jahr 1007, noch mit den Namen „Merdindorf“ und „Seuuaha“.D. Fastnacht: Erlangen: ehemaliger Stadt- und Landkreis, S. 202 ff.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 149 f.
mini|hochkant=1.22| Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches gehörte Möhrendorf zum Markgraftum Brandenburg-Bayreuth. Es gehörte zum Oberamt Baiersdorf, das die Dorf- und Gemeindeherrschaft über den Ort ausübte.
Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Erlangen. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 der Steuerdistrikt Möhrendorf gebildet, zu dem Kleinseebach, Kleinseebacher Mühle und Oberndorf gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstanden zwei Ruralgemeinden: Kleinseebach mit Kleinseebacher Mühle; Möhrendorf mit Oberndorf. Die Ruralgemeinde Möhrendorf war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Herzogenaurach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen (seit 1919 Finanzamt Erlangen).H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 149. Am 12. Juli 1827 wurde die Gemeinde an das Kreis- und Stadtgericht Erlangen abgetreten.H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 140. Ab 1862 gehörte Möhrendorf zum Bezirksamt Erlangen (1938 in Landkreis Erlangen umbenannt). Die Gerichtsbarkeit lag beim im gleichen Jahr gebildeten Stadt- und Landgericht Erlangen (1879 in das Amtsgericht Erlangen umgewandelt). Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 8,019 km².
Möhrendorf hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einer landwirtschaftlich orientierten Gemeinde überwiegend zu einer Wohngemeinde entwickelt. Dazu dürfte seine gute Verkehrsanbindung innerhalb der Metropolregion Nürnberg mit eigener Anschlussstelle an der A 73 ebenso beigetragen haben wie seine Nähe zum Naherholungsgebiet Großer Bischofsweiher (Dechsendorfer Weiher) sowie zur Urlaubsregion Fränkische Schweiz.
Ortsnamenskunde Merdindorf leitet sich höchstwahrscheinlich von dem mittelalterlichen Personennamen Mardo ab. Die gelegentlich als Ursprung angegebenen Ableitungen vom Namen Martin (fränkisch MärtelMartin Droschke: Frankens Ortsnamen – was soll denn das? Möhrendorf. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 16. Februar.) oder von einem mittelalterlichen Personennamen Merdin gelten als nicht plausibel. Obwohl direkte Belege für den Namen Mardo fehlen, kann dessen Existenz mit großer Sicherheit aus verschiedenen Ortsnamen rekonstruiert werden. Er geht vermutlich auf eine Person zurück, der Eigenschaften des Marders zugeschrieben wurden (z. B. kühn, verwegen, listig, vgl. Wolf). Im Jahre 1062 erschien der Ort als „Merindorf“ und im Jahre 1421 als „Merendorf“. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung Möhrendorf.
Der Name Seuuaha (gesprochen Seewaha, abgeleitet vom althochdeutschen Begriff aha (Fließgewässer), aus dem später die Begriffe Ache und Bach entstanden) entwickelte sich zunächst zu „Sebach“, dann zu „Seebach“, später zu „Kleinseebach“ und bezieht sich auf das südlich vom Ortskern von Kleinseebach verlaufende Flüsschen Seebach. Das etwa neun Kilometer westlich an der Seebach gelegene Großenseebach wurde bei seiner ersten Erwähnung im Jahre 1348 ebenfalls als „Sebach“ bezeichnet.D. Fastnacht: Erlangen: ehemaliger Stadt- und Landkreis, S. 268ff.
Der Name Seuuaha deutet darauf hin, dass der Ort Kleinseebach möglicherweise bereits im 2. Jahrhundert gegründet wurde und vermutlich seitdem durchgehend besiedelt war. Der Name Merdindorf spricht für einen deutlich späteren Gründungszeitpunkt des Ortes Möhrendorf um das 8. Jahrhundert.
Eingemeindungen Die Gemeinde Kleinseebach wurde am 1. Juli 1971 eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Möhrendorf Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2008 2013 2017Einwohner 436 556 560 558 580 566 585 590 579 571 534 501 504 536 558 609 646 841 952 1159 1338 1531 3363 4440 4609 4879HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und von 1871 bis 2017 als Wohngebäude. 65 83 99 98 100 104 132 154 245 844 1389Quelle Für die Gemeinde Möhrendorf zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Oberndorf (S. 68).
Ort Möhrendorf Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 373 499 519 520 513 435 562 1115 1307 1501 2202Häuser 57 75 89 94 124 147 238 520Quelle
Religion mini|St.-Laurentius-Kirche in Möhrendorf Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde hält ihre Gottesdienste aus Platzgründen nicht mehr in der historischen Kirche St. Oswald und St. Martin ab, sondern in der 1973 neu errichteten St.-Laurentius-Kirche an der Kleinseebacher Straße. Der weithin sichtbare freistehende Turm (Campanile) dieser Kirche wurde erst Anfang der 1990er Jahre ergänzt. Sein Bau wurde durch die Großspende eines Erlanger Mineralölunternehmers ermöglicht und führte zu erheblichem Widerstand in Teilen der Möhrendorfer Bevölkerung. Die Auseinandersetzungen um den Bau des Turmes sorgten überregional für Schlagzeilen.
Die katholische Kirchengemeinde hält ihre Gottesdienste in der südwestlich des Zentrums gelegenen St.-Elisabeth-Kirche ab, die 1969 geweiht wurde.
2011 waren 30 % der Bewohner katholisch und 45 % evangelisch. Die restlichen 25 % gehörten entweder einer anderen oder keiner Religion an. Damit ist Möhrendorf religiös fast gleich strukturiert wie Mittelfranken, aber der Anteil der katholischen und evangelisch Christen ist umgekehrt als in Bayern, und die Religiosität ist gleich wie in Franken deutlich höher als in Deutschland.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Möhrendorf besteht aus 16 Mitgliedern zuzüglich des 1. Bürgermeisters (Thomas Fischer, CSU). Der Gemeinderat ist auf sechs Jahre gewählt.
CSU Freie Wähler Grüne-Bürgerforum SPD FDP Gesamt 2014 5 4 3 2 2 16 Sitze 2020 6 3 4 1 2 16 Sitze CSU Unabhängige Bürger Möhrendorf Bündnis 90 / Die Grünen SPD FDP Gesamt 2026 5 3 4 2 2 16 Sitze (Stand: Kommunalwahl am 8. März 2026, Bürgermeisterstichwahl am 22. März 2026)
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-rot.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|hochkant|Martinskirche (St. Oswald – St. Martin) mini|Zum Grünen Baum mini|Herrensitz in Oberndorf Der historische Ortskern von Möhrendorf wird geprägt von dem massiven Sandsteinbau der Martinskirche mit dem umliegenden Gebäudeensemble, das teilweise von der Gemeindeverwaltung benutzt wird. Das Kirchengebäude wurde nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg im Jahre 1672 in der heutigen Form wieder aufgebaut. Westlich vom Ortskern an der Hauptstraße befindet sich ein Bildstock aus Sandstein aus der Zeit um 1500 mit dem Relief einer Kreuzigungsgruppe. Die als Naturdenkmal geschützten Schwedenföhren südlich vom Ortskern wurden vermutlich im 17. Jahrhundert gepflanzt.
Der sehenswerte Ortskern von Kleinseebach ist ein für die Region typisches und gut erhaltenes Bauerndorf mit zum Teil mehrere hundert Jahre alten Gebäuden, meist in Sandsteinbauweise. In Kleinseebach gibt es eine große Eiche und eine uralte Baumgruppe, die als Naturdenkmale geschützt sind.
Kleinseebacher Mühle – Mühlentheater Die im Jahre 1839 erbaute, an der Regnitz gelegene ehemalige Mühle von Kleinseebach wurde 1992 bis 2016 mit dem Namen Mühlentheater als Kleinkunstbühne genutzt. Betrieben und von Gerd Fischer bespielt. Angeboten wurden Theater-, Musical-, Kabarett-Aufführungen sowie ein Kleinkunstbetrieb mit angegliederter Gastronomie.Erlanger Nachrichten: Letzter Vorhang im Mühlentheater ist gefallen. Die Mühle steht unter Denkmalschutz und besteht aus der Mühle, einem Wohnhaus und Nebengebäuden. Die ehemalige Schleif- und Pulvermühle, die sogenannte Kleinseebacher Mühle, besteht aus dem Wohnhaus, einem zweigeschossigen Sandsteinquaderbau mit Satteldach, Fledermausgauben und Gesimsgliederung von 1836, im Kern wohl älter, dem zweigeschossigen Mühlenbau aus dem 18./19. Jahrhundert und der ehemaligen Schleife, nach 1900 Pulvermühle, einem langgestreckten zweigeschossigen klassizistischen Sandsteinquaderbau mit dreigeschossigem Mittelrisalit von 1839–1842, bezeichnet „1839“.
Wasserschöpfräder mini|Wasserschöpfräder – im Vordergrund das Schmiedsrad, im Hintergrund das Rinig-Rad Eine Besonderheit in Möhrendorf sind die etwa zehn Wasserschöpfräder an der Regnitz, die zu den letzten ihrer Art in Mitteleuropa gehören. Sie schöpfen mit am Rad befestigten Holzeimern das wärmere und sauerstoffreiche Oberwasser aus dem Fluss in ein Rinnen-System zur Bewässerung der Felder und machen dadurch die anliegenden Wiesen besonders ertragreich.
Die Bewässerung ermöglichte statt einer drei Mahden (Ernten) von Heu und Grummet im Jahr. Das Wasser floss aus den Kümpfen (Eimern) des Schöpfrads in eine hölzerne Rinne und dann in ein ausgedehntes Grabensystem. Da ein Rad durchaus 8 ha Wiesen verschiedener Eigentümer bewässern konnte, waren die Wässerungszeiten der einzelnen Grundstücke minutiös festgelegt.
mini|Das Vierzigmannrad mit Stauwehr (Flügel)