Das Orgelzentrum Valley ist mit mehr als 60 Orgeln die größte Sammlung ihrer Art weltweit. Es wurde 1987 von Sixtus Lampl gegründet und bis zu seinem Tod im Jahr 2026 von ihm geleitet.

Geschichte Im Jahr 1983 versuchte Lampl in seiner Eigenschaft als Orgelreferent am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, die 1914 erbaute Koulen-Orgel der Martinskirche Landshut, eine der letzten großen romantischen Orgeln in Bayern, vor der Verschrottung zu bewahren. Da sich für eine so große Orgel kein Käufer fand, erwarb er sie schließlich selbst. Als für das Instrument kein passender Aufstellungsort zu finden war, erwarben seine Frau Inge und er 1987 das Alte Schloss in Valley, restaurierten es und richteten dort ein Orgelzentrum ein. In einem 2008 bis 2010 errichteten Anbau wurde Platz für die konzertfähige Aufstellung weiterer Orgeln geschaffen.

Einige Orgeln wurden, nachdem sie im Orgelzentrum gelagert und restauriert wurden, wieder in Kirchen aufgestellt und werden erneut genutzt. Ein Beispiel ist die 1957 von Zeilhuber erbaute Chororgel der Münchner Frauenkirche, die nach kurzer Zwischenlagerung im Orgelzentrum 1994 in St. Katharina in München wieder aufgebaut wurde.

Lage Das Orgelzentrum liegt oberhalb des Mangfalltals auf dem Burgberg, auf dem die Burg Valley stand. Es ist in drei nebeneinander liegenden Gebäuden untergebracht, dem Alten Schloss, der Zollingerhalle und dem Bundwerkstadel. Die drei Gebäude stehen gemeinsam als Baudenkmal unter Denkmalschutz.. Abgerufen am 9. November 2018 (Denkmalnummer D-1-82-133-9)

2023 erfolgte der Spatenstich für einen unterirdischen Verbindungsbau, der das Alte Schloss, die Zollingerhalle und einen unterirdischen unter dem Garten des alten Schlosses liegenden Kinoorgelsaal miteinander verbindet. Dieser Verbindungsbau wurde im Dezember 2025 feierlich eingeweiht.

Gebäude

Altes Schloss mini|links|Altes Schloss, Gartenansicht 2007 mini|Altes Schloss, Gartenansicht 2015 mit dem neuen Anbau Kernstück des Orgelzentrums ist das Alte Schloss, das ehemalige Gerichts- und Pflegamtsgebäude der Grafschaft Valley, das im Kern aus dem 12./13. Jahrhundert stammt, in den 1770er Jahren schlossartig umgebaut wurde, im 19. Jahrhundert aber wieder teilweise eingerissen wurde.

Größtes Einzelstück im Alten Schloss ist die Moser-Orgel der Basilika Gößweinstein mit 42 Registern, die in dem Anbau so neben dem im Altbau liegenden kleinen Konzertsaal aufgestellt ist, dass man von oben einen Blick in das zwei Stockwerke hohe Orgelinnere hat.

Auf dem mehrstöckigen Speicher des alten Schlosses sind viele Orgeln und Orgelteile gelagert, darunter die alte Hauptorgel der Münchner Frauenkirche und jene der Kongresshalle des Deutschen Museums.

Kinoorgelsaal In dem unterirdischen Kinoorgelsaal ist eine Kinoorgel untergebracht. Nach der Fertigstellung des neuen Verbindungsbaus ist geplant, den Kinoorgelsaal auch zur Vorführung von (Stumm-)Filmen mit Kinoorgelbegleitung zu nutzen.

Zollingerhalle mini|links|Zollingerhalle mini|Dachkonstruktion der Zollingerhalle Die Zollingerhalle ist eine ehemalige Sägewerkshalle mit einem Zollingerdach. Sie wurde 1923 in Grub errichtet und 2001 nach Valley transloziert. Die Halle wird als Ausstellungs- und Konzertsaal sowie als Depot genutzt. Sechs Orgeln sind hier konzertfähig aufgestellt. Der Konzertsaal bietet Platz für 200 Zuhörer.

In den beiden Untergeschossen der Zollingerhalle ist ein „Klingendes Depot“ eingerichtet, in dem Instrumente provisorisch aufgestellt und restauriert werden. Dort sind unter anderem einige spielbare Orgeln und vor allem zahlreiche einzelne Spieltische untergebracht. Das Konzept hinter dem klingenden Depot ist es, die verschiedenen Traktur- und Windladensysteme zu veranschaulichen. So findet sich für jeden Systemtyp eine spielbare Beispielorgel, bei der Abdeckungen weggelassen oder durch Plexiglas ersetzt wurden, um dem Besucher die Möglichkeit zu geben, die Trakturen während des Spiels zu beobachten.

2025 wurde ein Verbindungsbau vom Alten Schloss zur Zollingerhalle fertiggestellt, der ebenfalls für das Orgelmuseum genutzt wird.

Bundwerkstadel mini|Bundwerkstadel Der barocke Bundwerkstadel ist ein Holzständerbau mit überstehendem Flachsatteldach. Er stammt nach einer nur noch teilweise lesbaren Jahresangabe im Kern aus den 1780er Jahren. Der Überlieferung nach stand er ursprünglich im Kloster Weyarn. 1842 wurde er als Tenne auf einen Bauernhof in Oberdarching transloziert. 1991 wurde er erneut versetzt an seinen jetzigen Standort.

Im Orgelzentrum dient der Bundwerkstadel als Depot. In seinen zwei Etagen sind Orgeln und Orgelteile eingelagert.

Orgeln im Alten Schloss Erdgeschoss Hochpositiv (unbekannt) mini|hochkant|Hochpositiv im Eingangsbereich des Alten Schlosses Über das nebenstehende Instrument sind derzeit keine näheren Informationen bekannt. Die Orgel verfügt über drei Register sowie einen Manualumfang von C-c3.

Bormann-Portativ I/2 (München) Es handelt sich um ein Portativ von Karl Heinz Bormann aus dem Jahr 1967. I Manual f-c3 1. Quintade 8′ 2. Prinzipal 2′

Erstes Obergeschoss Moser-Orgel II/38 (Gößweinstein) mini|hochkant|Moser-Orgel (II/38) mini|hochkant mini|hochkant|Spieltisch der Frühamtsorgel aus Einsiedeln Die Moser-Orgel wurde 1939 für die Basilika Gößweinstein erbaut. Als dort 1987/1988 ein Neubau durch die Firma Mathis durchgeführt wurde, rettete Sixtus Lampl das bedeutsame Instrument und stellte es im Orgelsaal des Alten Schloß Valley über zwei Stockwerke auf. Da das historische Barockgehäuse in der Basilika Gößweinstein verblieb, besitzt die Orgel kein Gehäuse. Auch der originale Moser-Spieltisch war bereits in Gößweinstein gegen einen neueren Eisenschmid-Spieltisch ersetzt wurden. Aus stilistischen Gründen wurde der aus dem Kloster Einsiedeln übernommene Spieltisch der sogenannten „Frühamtsorgel“, welche ebenfalls 1934 von Moser erbaut worden war, an die Moser-Orgel angeschlossen. Das Instrument besitzt elektropneumatische Kegel- und Taschenladen.Beschreibung der Moser-Orgel

I. Manual C–g3 1. Gedacktpommer 16′ 2. Principal 8′ 3. Holzflöte 8′ 4. Gemshorn 8′ 5. Viola di Gamba 8′ 6. Octav 4′ 7. Spitzflöte 4′ 8. Nasat ′ 9. Octav 2′ 10. Blockflöte 2′ 11. Mixtur II–VIII 12. Glöckleinton 2f 13. Fagott 16′ 14. Trompete 8′ II. Manual C–g3 15. Grobgedackt 8′ 16. Salicional 8′ 17. Quintade 8′ 18. Prästant 4′ 19. Rohrflöte 4′ 20. Geigenprincipal 2′ 21. Waldflöte 2′ 22. Superquinte ′ 23. Schwegel 1′ 24. Sesquialtera II 25. Scharff IV 26. Terzzimbel III 27. Geigend Regal 16′ 28. Sackpfeife 8′ Tremulant Pedal C–f1 29. Principalbaß 16′ 30. Subbaß 16′ Stillgedackt 16′ 31. Quintbaß ′ 32. Octavbaß 8′ 33. Flötbaß 8′ Choralbaß 4′Transmission aus Nr. 1 34. Pommer 4′ 35. Nachthorn 2′ 36. Octävlein 1′ 37. Hintersatz V 38. Posaune 16′ Fagott 8′Extension aus Nr. 13 Trompeten 8′Extension aus Nr. 14 Koppeln: Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P Spielhilfen: 42 freie Kombinationen, Feste Kombinationen, Registercrescendo, Einzelabsteller …

Anmerkungen:

Steinmeyer-Orgel I/10 (Gerolfingen) mini|hochkant|Die Steinmeyer-Orgel aus Gerolfingen Die Steinmeyer-Orgel wurde als Opus 54 im Jahr 1865 an die Evangelisch-Lutherische Kirche Gerolfingen geliefert. Das Instrument besitzt vollmechanische Kegelladen. I. Manual C–f3 1. Principal 8′ 2. Gedeckt 8′ 3. Gamba 8′ 4. Salicional 8′ 5. Octav 4′ 6. Flöte 4′ 7. Octav 2′ 8. Mixtur ′ Pedal C–c1 9. Subbaß 16′ 10. Violon 8′ Koppel: I/P

Koulen-Orgel II/9 (Frankenried) mini|hochkant|Prospekt aus Pürgen hinter dem die Koulen-Orgel aus Frankenried aufgestellt werden soll. Die Koulen-Orgel war ursprünglich 1901 für die Pfarrkirche St. Andreas in Frankenried (im Allgäu) erbaut worden. Als dort 1991 ein Neubau im alten Gehäuse durch Orgelbau Offner anstand, wurde die Koulen-Orgel nach Valley transferiert und eingelagert. Da das historische Gehäuse in Frankenried verblieben ist, ist geplant die Orgel hinter einem anderen Prospekt aufzustellen. Dieser stammt aus der Pfarrkirche in Pürgen und beinhaltete ursprünglich eine Orgel von Franz Thoma und später ebenfalls eine Koulen-Orgel, welche nicht mehr erhalten ist. So findet zukünftig wieder eine vergleichbare Koulen-Orgel hinter diesem Prospekt ihren Platz. Das Instrument besitzt vollpneumatische Membranladen. I. Manual C–f3 1. Principal 8′ 2. Gedeckt 8′ 3. Octave 4′ II. Manual C–f3 4. Flöte 8′ 5. Salicional 8′ 6. Vox coelestis 8′ 7. Gemshorn 4′ 8. Mixtur-Cornett ′ Pedal C–d1 9. Subbaß 16′ Stillgedeckt 16′Windabschwächung aus Nr. 9 Koppel: II/I, I/P, II/P, Spielhilfen: Registercrescendo

Anmerkung:

Steinmeyer-Nonnenpositiv I/5 (unbekannt) mini|hochkant|Steinmeyer-Nonnenpositiv Im Jahre 1936 wurde ein beinahe vollständig zerstörtes Barockpositiv aus Nothgottes im Rheingau durch die Firma Steinmeyer rekonstruiert. Es handelt sich faktisch um einen Nachbau, welcher sich solch großer Beliebtheit erfreute, sodass in den 1950er Jahren weitere baugleiche Instrumente von Steinmeyer erbaut wurden. Das Instrument besitzt vollmechanische Schleifladen. I. Manual C–c3 1. Gedeckt 8′ 2. Flöte 4′ 3. Principal 2′ 4. Octav 1′ 5. Zimbel II ′

Fritzenschaf-Prozessionsorgel I/3 (München) mini|hochkant|Prozessionsorgel Es handelt sich um einen originalgetreuen Nachbau einer Renaissance-Prozessionsorgel durch Reinhold Fritzenschaf aus dem Jahr 1985. Manual c0-c3 1. Holzgedeckt 8′ 2. Holzgedeckt 4′ 3. Prinzipal 2′

Barockpositiv I/5 (Hofendorf) mini|hochkant|Barockpositiv (I/5) Das Positiv war im 17. Jahrhundert für die Pfarrkirche Hofendorf bei Neufahrn in Niederbayern erbaut worden. Nach Erweiterungen im 18. Jahrhundert wurde es um 1890 in den Nachbarort Walpersdorf übertragen und in der dortigen Filialkirche aufgestellt. Lange Zeit war die Orgel dort unspielbar, und die Metallpfeifen waren fast völlig geplündert. Im Orgelzentrum Valley wurde das Instrument restauriert und mit historischen Pfeifen ergänzt (unter anderem mit Prospektpfeifen von Friedrich Ladegast) Das Instrument besitzt vollmechanische Schleifladen. I. Manual C, D, E, F, G, A–c3 1. Gedeckt 8′ 2. Holzflöte 4′ 3. Principal 2′ 4. Octav 1′ 5. Quinte-Terz ′Repetiert auf c1 nach ′

Anmerkung:

Zweites Obergeschoss Steinmeyer-Orgel I/6 (Dillingen an der Donau) mini|hochkant|Steinmeyer-Orgel op.3 Die Steinmeyer-Orgel wurde 1851 als Opus 3 erbaut. Das Instrument besitzt vollmechanische Schleifladen. I. Manual C–c3 1. Gedeckt 8′ 2. Salicional 8′ 3. Principal 4′ 4. Flöte 4′ 5. Octav 2′ Pedal C–a0 6. Subbaß 16′ Koppel: I/P

Siebert-Orgel II/12 (Flensburg) mini|hochkant|Siebert-Orgel Die Orgel wurde 1931 von Dr. Karl Siebert nach den Plänen von Hans Henny Jahnn erbaut und stand bis zu dessen Tod im Jahr 1948 in seinem Privathaus in Flensburg. Zwischen 1948 und 1964 stand die Hausorgel in Lübeck bei dem Organisten Walter Kraft. 1964 wurde das Instrument dann durch die Firma Klais nach Niederbachem (Nordrhein-Westfalen) umgesetzt, wo sie im Privathaus von Hans Victor und Karin Böttcher (geb. Siebert und Tochter des Erbauers Karl Siebert) Aufstellung fand. 2012 wurde das Instrument dem Orgelzentrum Valley übergeben und nach umfassender Restaurierung 2015 in der Oberen Diele des Alten Schlosses wiederaufgestellt. Das Instrument besitzt vollmechanische Schleifladen. I. Manual C–f3 1. Quintade 8′ 2. Prinzipal 4′ 3. Oktave 2′ 4. Krummhorn 8′ II. Manual C–f3 5. Gedackt 8′ 6. Rohrflöte 4′ 7. Terz ′ 8. Quinte ′ 9. Sifflöte 1′ Pedal C–f1 10. Bauernflöte ′ 11. Nachthorn 2′ 12. Rankett 16′ Koppel: -unbekannt-

Bohl-Orgel I/5 (Dezenacker) mini|hochkant|Bohl-Brüstungsorgel Die Bohl-Brüstungsorgel war ursprünglich 1846 für die Kirche in Dezenacker (bei Burgheim, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) erbaut worden. Sie ist hoch oben in der Oberen Diele des Alten Schloß Valley aufgestellt. Das Instrument besitzt vollmechanische Schleifladen. I. Manual C–c3 1. Copel 8′ 2. Amarosa 8′ 3. Principal 4′ 4. Flauto 4′ 5. Octav 2′

Schiedmayer-Harmonium (Dachau) mini|hochkant|Schiedmayer-Harmonium