mini|St. Blasius von Südwest St. Blasius ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Glottertal, einer längs der Glotter gelegenen Gemeinde im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald von Baden-Württemberg. Die Pfarrgemeinde bildet mit den Pfarreien St. Remigius in Heuweiler, St. Jakobus in Denzlingen und St. Felix und Regula in Reute, zu der auch die St. Maximilian-Kolbe-Kirche in Vörstetten gehört, die Seelsorgeeinheit An der Glotter des Erzbistums Freiburg. Bis auf mittelalterliche Reste ist die Kirche in neugotischem Stil errichtet und ausgestattet. Ihre Geschichte und Gestalt hat besonders der Pfarrer und Kunsthistoriker Manfred Hermann erforscht.
Geschichte Die heutige politische Gemeinde ist 1970 aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Unterglottertal, Oberglottertal, Ohrensbach und, in einem von Süden nach Norden senkrecht der Glotter zustrebenden eigenen Tal, Föhrenbach entstanden. Früh waren die Klöster Einsiedeln, St. Margarethen in Waldkirch, St. Peter auf dem Schwarzwald und das Bistum Konstanz im Glottertal begütert. Im Rotulus Sanpetrinus, einem Besitzverzeichnis von St. Peter, wird „glotertal“ im Jahr 1112 erstmals schriftlich erwähnt.„in loco qui Glotertal vocatur“. Kraus 1904, S. 508. Ferner: Internetseite der Gemeinde Glottertal: Die weltliche Herrschaft ging sukzessive – zum Beispiel über die Zähringer, die Herren von Falkenstein und die Schwarzenberger – an die Habsburger über, zuletzt 1774 Föhrenbach. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 und dem Frieden von Pressburg 1805 fiel Glottertal an das Großherzogtum Baden. Kirchlich kam es 1821 zum neu gegründeten Erzbistum Freiburg.
mini|Ruine der Severinskapelle auf dem Mauracher Berg, um 1900 Kirchlich bildeten die vier Glottertäler Ursprungsorte immer eine Einheit.Hermann 1999, S. 1. Über Jahrhunderte mussten ihre Bewohner zum Gottesdienst eine Kirche auf dem Mauracher Berg nordöstlich von Denzlingen aufsuchen.Franz Xaver Kraus: Denzlingen – Mauracher Berg. In: Die Kunstdenkmäler der Großherzogthums Baden. Bd. 6, 1, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen und Leipzig 1904, S. 127–128 (Digitalisat). Sie war Eigenkirche eines fränkischen Adeligen und Mutterkirche für das Glottertal. Reste einer spätgotischen, die Jahreszahl 1497 tragenden Kapelle sind erhalten. Sie war einem heiligen Severin – Severin von Köln oder Severin von Noricum – geweiht.Hermann 1999, S. 4 und 24. Ob das auch für die vorangehende Pfarrkirche galt, bleibt unbekannt.Sebastian Brather: Kirche, Friedhof und Burg (?) auf dem Mauracher Berg bei Denzlingen. In: Archäologische Nachrichten aus Baden Heft 86/87, 2013, S. 59–66, hier S. 65. (Digitalisat) Abgerufen am 9. Oktober 2015. 962 entzog Kaiser Otto der Große dem Mauracher Herren Guntram etliche Besitztümer und schenkte Maurach mit Kirche und zugehörigen Höfen dem Bischof Konrad von Konstanz. Vermutlich um 970 errichtete der Bischof in der Nähe seines Herrenhofes im Glottertal eine Kirche. In den folgenden Jahrhunderten ging es mit der Mauracher Kirche bergab, und Glottertal übernahm die Pfarrrechte. Im Liber decimationis des Bistums Konstanz wird 1275 das spätere Dekanat Waldkirch „decanatus Gloter“ genannt, im Jahr 1326 eine Kirche dort erwähnt.Staatliche Archivverwaltung 1974, S. 329. Die Blasius-Widmung hängt mit der wachsenden Verehrung des Heiligen als des Schutzherren des Klosters St. Blasien zusammen.Hermann 1999, S. 4. 1517 heißt St. Blasius ausdrücklich Pfarrkirche: Ein Michael Zell sei „dißer Zeit Inuestirter Vicarius der Pfarrkirch zue Glotteren vndt derselben Muetter zu Muren Costantzer Bistumbß“Hermann 1999, S. 3. gewesen – „derzeitiger investierter Vikar der Pfarrkirche im Glottertal und deren Mutterkirche in Maurach, Bistum Konstanz.“
Baugeschichte Die Jahreszahl „1458“ im Scheitel des vom ehemaligen Chor – der heutigen Sakristei – in den Turm führenden Türchens lässt vermuten, dass damals der Patronatsherr Hans Werner von Schwarzenberg den schon älteren Chor mit einem Netzgewölbe ausstatten und den Turm nördlich anbauen ließ. Das Langhaus schloss sich westlich an den Chor an. Nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurden um 1660 die Altäre wiederhergestellt. Eine Blasiusfigur, wohl von Bartholomaeus Winterhalder, befindet sich heute in Glottertäler Privatbesitz.Hermann 1999, S. 8.
Um 1720 wurde unter Pfarrer Josef Meid (Pfarrer an St. Blasius von 1714 bis 1755) das Langhaus um 9 Meter nach Westen verlängert, der Turm um ein Achteckgeschoss und eine Kuppel erhöht und die Kirche im Ganzen restauriert. 1801 wurde die Kuppel durch einen Spitzhelm ersetzt.
Neubaupläne zu Beginn des 19. Jahrhunderts, an denen der Karlsruher Bauinspektor Christoph Arnold beteiligt war, blieben folgenlos. 1852 wurde der Friedhof um die Kirche geschlossen. 1858 schuf Franz August Glänz (1830–1863) einen neuen Hochaltar, dessen Maria-Immaculata-Figur in der Sakristei erhalten ist.Hermann 1999, S. 38.
Schließlich nahm Pfarrer August Brettle (Pfarrer an St. Blasius von 1890 bis 1900) den Neubau von Kirche und Pfarrhaus resolut in Angriff. Die Pläne sind im Wesentlichen das Werk von Max Meckel.Hermann 1999, S. 14. Chor und Turm der alten Kirche sollten bleiben, ein neues Langhaus sollte nördlich an den Turm angebaut, das alte Langhaus aber bis zur Fertigstellung des neuen dem Gottesdienst dienen und erst dann abgerissen werden. Am 25. Juni 1893 legte Pfarrer Brettle den Grundstein zum neuen Langhaus. Am 11. September 1899 wurde die Kirche vom Freiburger Erzbischof Thomas Nörber geweiht. Unter Brettles Nachfolger Jakob Arnold (Pfarrer an St. Blasius von 1901 bis 1921) erachtete man „den Ausbau des Kirchturms als notwendig […]. Die hochragende Kirche verdeckt die Schallöffnungen und entzieht einem großen Teil der Gemeinde den Nutzen des Geläutes. Zugleich tritt die Disharmonie der Maßverhältnisse zwischen Turm und Kirche in schroffer Weise zu Tage.“Hermann 1999, S. 15. 1906 wurden nach Entwurf von Raimund Jeblinger auf die beiden untersten alten Geschosse ein weiteres quadratisches Geschoss, das achteckige Glockengeschoss und ein neuer Spitzhelm aufgesetzt. Die Ausmalung der Kirche, die – so der Stiftungsrat 1919 – „mit Ausnahme der Decke nur nackte Kalkwände aufweist“,Hermann 1999, S. 16. musste bis nach dem Ersten Weltkrieg warten.
Von 1980 bis 1982 wurde die Kirche innen, von 1997 bis 1998 außen restauriert.
Gebäude mini|St. Blasius von Nord Frei steht die mächtig aufragende querhauslose Basilika an der Grenze zwischen Unter- und Oberglottertal auf dem Kirchplatz, nördlich der Durchgangsstraße. Nach Manfred Hermann gehört sie zu den schönsten Leistungen Max Meckels. „Das Gebäude wirkt durch den Wechsel seiner weißgetünchten Wände mit dem roten Sandstein an Strebepfeilern, Turmkanten, waagerechten Gesimsen, an Fensterlaibungen und Portalen ungemein lebendig.“Hermann 1999, S. 25. Von Südwesten erblickt man rechts neben dem Langhaus von 1893–1895 den Turm und noch einmal rechts den mittelalterlichen, gerade schließenden netzgewölbten Chor (die heutige Sakristei), dessen Chorbogen zum alten Schiff bis auf einen rundbogigen Eingang zugemauert ist. Daneben lehnen zwei niedrige Strebepfeiler an die alte Chorwand. In der Süd- und der Ostwand des alten Chores öffnen sich Maßwerkfenster.
Die Westfassade stützen an den Ecken schräg stehende Strebepfeiler. Über fünf Stufen erreicht man das etwas zurückgesetzte Portal. Seitlich davon beleben zwei Rechteckfenster, über dem Hauptgesims, das sich auf die Westseiten der Seitenschiffe fortsetzt, ein großes fünfbahniges Spitzbogenfenster und weiter oben eine Fensterrose mit Fischblasenmaßwerk die Fassade.
Die Seitenschiffe besitzen jeweils sechs Fenster mit abwechslungsreichem Maßwerk, dazu je ein Fenster im Westabschluss. Die Obergaden des Mittelschiffs besitzen sechs schmale, schlichte Fensterpaare. In der zweiten Fensterachse liegen Seiteneingänge. Der neue Chor schließt polygonal und erhält durch hohe Maßwerkfenster Licht.
mini|links|Inneres nach Osten Der Turm, in der alten Kirche ein nördlicher, im Gebäude von 1893–1895 ein südlicher Chorflankenturm, ist in den zwei Untergeschossen – das unterste kreuzrippengewölbt mit abgearbeiteten RippenLandesdenkmalamt 1974. – noch mittelalterlich. Darauf stehen Jeblingers drei Geschosse, Höhepunkt das ganz in Haustein ausgeführte und von Fialen begleitete Achteck mit Zifferblättern in alle Himmelsrichtungen.
Das Innere des Langhauses ist klar in Mittelschiff und niedrigere Seitenschiffe gegliedert. Mittelschiff wie Seitenschiffe sind flach mit Holz gedeckt. Gurtbögen teilen die Seitenschiffe in ihre Joche. Jederseits des Mittelschiffs tragen fünf Rund- und zwei Halbsäulen mit schlichten Kapitellen und Arkaden darüber die Hochschiffwand. Unter den Zwillingsfenstern des Obergadens verläuft ein schmales Gesims. Die Querbalken der Mittelschiffdecke ruhen auf Steinkonsolen. Eine hölzerne Empore im Westen trägt die Orgel.
Ausstattung mini|hochkant|Chor Die westliche Giebelwand des ehemaligen Chors schmückt ein Glasmosaik des heiligen Christophorus, wie er, auf einen Baumstamm gestützt und mit wehendem Mantel, den Jesusknaben durch einen Fluss trägt. Der Entwurf stammt von Franz Schilling (siehe unten); die Ausführung übernahmen die 1902 von dem Glasmaler Eugen Börner (1855–1942) gegründeten Offenburger Glasmosaik-Werke.Heimatverein Sandweier: Die alten Glasmalerei-Fenster der Marienkapelle am Friedhof in Sandweier. (Digitalisat) Abgerufen am 14. Oktober 2015.
Malerei an Wänden und Decken Die Ausmalung der Kirche einschließlich der Holzdecken schufen 1919 und 1920 der in Freiburg ansässige Maler Carl Philipp Schilling und sein Neffe Franz Schilling. Zwar wurde die geplante Zumauerung von beidseits zwei Obergadenfenstern zugunsten von Malflächen vom Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg untersagt. Jedoch sind Carl Philipp Schillings Langhausbilder an den Wandstreifen unter den Obergadenfenstern monumental genug:
Im Norden thront in der Mitte mit rot flammendem Herzen Christus, dem weltliche und geistliche Mächte huldigen. Im Hintergrund sind das Freiburger Münster, die Glottertäler Kirche, die Hochburg bei Emmendingen und die Alpen zu sehen. Seitlich erscheinen in separaten Quadraten die Herz Jesu-Vision der heiligen Margareta Maria Alacoque und die Stigmatisation des heiligen Franz von Assisi.
Im Süden thront in der Mitte Maria, still im Gebet versunken. Engel, Heilige und Stifter verehren sie. Seitlich sind, wieder in separaten Quadraten, der heilige Hermann Joseph von Steinfeld zu sehen vor Maria mit ihrem Kind, dem der Heilige einen Apfel gibt, sowie Dominikus, dem Maria den Rosenkranz, und Simon Stock, dem Maria das Skapulier überreicht.
Die sechs großen und vier kleinen Engel der Chorbogenwand mit den Leidenswerkzeugen Jesu malte Franz Schilling, die Engel unter den Chorfenstern und an der Chordecke Carl Philipp Schilling.
Glasmalerei Nur die drei Fenster im Chorscheitel sind mit figürlicher Glasmalerei ausgestattet. Sie wurde 1897 nach Entwürfen von Fritz Geiges von der Werkstatt Helmle & Merzweiler in Sankt Georgen geschaffen.
Von links nach rechts sind zwischen reichen gotischen Ornamenten dargestellt die heilige Agatha von Catania, in der Hand eine Zange mit der Brust, die ihr beim Martyrium abgeschnitten wurde; dann Barbara von Nikomedien mit einem Turm, dessen drei Fenster auf die Dreifaltigkeit Gottes hinweisen; im mittleren Fenster Maria und Jesus thronend und gekrönt; im rechten Fenster Blasius mit den zwei gekreuzten Kerzen, mit denen in der katholischen Kirche der Blasiussegen erteilt wird, und Severin, nach Manfred Hermann Severin von Noricum.Hermann 1999, S. 27.
Neugotische Altäre Die drei neugotischen Altäre von 1895 sind „wohl in allen Einzel-Szenen getreue Kopien mittelalterlicher Werke“.Hermann 1999, S. 30.