mini| Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen (isländischer Originaltitel: ) ist ein Roman des isländischen Autors Hallgrímur Helgason. Er handelt von dem in New York lebenden kroatischen Auftragsmörder Toxic, eigentlich Tomislav Bokšić, der nach dem Mord an einem FBI-Agenten untertauchen muss und so über einige Verwicklungen nach Island kommt.
Der Roman erschien 2008 in Island und wurde 2010 in einer Übersetzung von Kristof Magnusson in Deutschland beim Tropen Verlag, der zum Klett-Cotta Verlag gehört, veröffentlicht.
Allgemeines und formaler Aufbau Der Roman ist in 35 nummerierte und mit Titeln versehene Kapitel gegliedert. Das gesamte Buch wird aus der Perspektive des Protagonisten Toxic als Ich-Erzähler wiedergegeben, der sowohl die konkreten Handlungen wie auch seine Gedanken und Erinnerungen als inneren Monolog wiedergibt. Die Geschichte findet als einzelner Erzählstrang in der chronologischen Reihenfolge der Ereignisse statt, aus der verschiedene Rückblicke und Gedanken ausbrechen.
Das Buch trägt auf dem Vorblatt eine Widmung: „Für Barbara Taylor“. Im Text werden zudem im Kapitel „25. Grannys“ zwei Verse aus dem Gedicht „Freiheit“ des kroatischen Dichters Danijel Dragojević zitiert:
Zudem werden an verschiedenen Stellen des Romans kurze Passagen aus Liedern zitiert, etwa wenn im Autoradio Justin Timberlake läuft oder sich die isländische Familie gemeinsam den Eurovision Song Contest anschaut.
Die Handlung des Romans beginnt in New York City in den Vereinigten Staaten und spielt danach vor allem in der isländischen Hauptstadt Reykjavík und einigen Vororten. Die Handlung beginnt im Mai 2006 wenige Tage vor dem Eurovision Song Contest 2006 und endet ziemlich genau ein Jahr später am Tag des Eurovision Song Contest 2007 zu dem Zeitpunkt, als die serbische Gewinnerin Marija Šerifović nach ihrem Sieg ihren Gewinnersong ein zweites Mal vorträgt. Der Autor verweist zudem in zahlreichen Rückblicken auf den kroatischen Unabhängigkeitskrieg von 1991 bis 1995, an dem der Protagonist als junger Soldat teilgenommen hat, sowie auf fiktive Ereignisse während seiner Zeit als Auftragsmörder.
Handlung Toxic, eigentlich Tomislav Bokšić, ist ein Auftragsmörder, der für die kroatische Mafia in New York tätig ist. Nebenher arbeitet er als Kellner im „The Zagreb Samovar“, dem Treffpunkt der kroatischen Mafia in New York, und führt eine sexuelle Beziehung mit der Peruanerin Munita. Er tötet sehr erfolgreich und seine Bilanz beläuft sich auf 65 erfolgreiche Morde; er ist stolz darauf, ein dreifacher Sixpacker zu sein, also dreimal mit je sechs aufeinanderfolgenden Kugeln je einen Menschen ermordet zu haben.
Start der Handlung in New York Als Toxic beim Mord Nr. 66 unwissentlich einen Beamten des FBI erschießt und dabei fast gefasst wird, beschließt er, nach Zagreb zu fliehen und unterzutauchen. Dafür lässt er sich einen russischen Pass ausstellen. Auf dem New Yorker Flughafen stellt er fest, dass er bereits gesucht wird, und ändert seine Pläne. Auf der Herrentoilette tötet er einen Mann mit ähnlicher Statur und beschließt, dessen Rolle einzunehmen – es handelt sich dabei um den Prediger Father Friendly, der auf dem Weg nach Island ist, um dort bei einem christlichen Fernsehsender aufzutreten.
In Island mini|Reykjavík vom Turm der Hallgrímskirkja In Island angekommen, verwechselt er die Pässe und reist als Russe ein, wird kurz danach jedoch von den Isländern Guðmundur Engilbertsson – im Roman später nur Gutmunduhr – und dessen Frau Sigriður Ingibjörg Sigurhjartardóttir – im Roman Zickrita – als Father Friendly empfangen. Sie nehmen ihn mit nach Hause und bieten ihm ihre Gastfreundschaft an. Während ihrer Abwesenheit schaut sich Toxic im Haus um und nimmt ein Bad. Kurz danach stürmt Gunnhildur, die Tochter des Hauses, in die Wohnung und sucht einen Schlüssel für ihre Wohnung, da sie sich ausgeschlossen hat. Toxic bietet ihr seine Hilfe beim Türöffnen an und sie nimmt ihn mit nach Reykjavík, wo er die Tür öffnet. Danach vertreibt er sich die Zeit bis zum Abend in der Stadt und betrinkt sich in einem Café in der Innenstadt, bis ihn Gutmunduhr zur Sendung abholt. Als Father Friendly diskutiert er vor der Kamera mit Gutmunduhr und erzählt eine erfundene Geschichte von seiner Berufung zur Kirche und der angeblichen Missionsarbeit in Jugoslawien zur Zeit der Regierung von Tito.
Später fährt Toxic mit seinen Gastgebern zurück in deren Wohnung. In den nächsten Tagen besucht er mit Gutmunduhr und Zickrita mehrere Kirchen und Initiativen. Am Wochenende trifft sich die Familie, um gemeinsam den Eurovision Song Contest 2006 anzuschauen. Hierbei lernt er auch Tröster kennen, den vermeintlichen Bruder von Gunnhildur. Mitten im kroatischen Beitrag der Sängerin Severina klingelt die Polizei an der Tür, und Toxic verschwindet durch den Garten. Er flieht mit einem gestohlenen Auto und bricht in ein Haus ein. Dort gibt er sich später als Handwerker aus und bleibt über das Wochenende. Danach flieht er weiter zur Wohnung von Gunnhildur und Tröster. Toxic erzählt Gunnhildur die Wahrheit über seine Identität. Sie versteckt ihn auf dem Dachboden, später beginnen sie eine sexuelle Affäre.
Nach einer Woche in Island versucht Toxic vergeblich, Munita telefonisch zu erreichen, und erkundigt sich später beim Pförtner seines Appartements in New York nach ihr. Er beauftragt ihn, in seiner Wohnung nachzusehen. Als er eine Stunde später wieder mit ihm telefoniert, erklärt der Pförtner ihm, dass er den Kopf von Munitas Leiche im Kühlschrank gefunden habe. Toxic bricht zusammen und verlässt die Wohnung von Gunnhildur. Er geht ziellos durch Reykjavík und versucht, sich vor einen LKW zu werfen und sich umzubringen. Dabei verletzt er sich schwer, überlebt den Sturz von der Brücke jedoch und kämpft sich zum Haus von Gutmunduhr durch, wo er aufgenommen wird. Gutmunduhr und Zickrita beschließen, ihn zu verstecken und gemeinsam mit ihrem Freund Thórður – von Toxic Tortur genannt – zum Guten zu bekehren. Nach dessen „Behandlung“ wird Toxic von Gutmunduhr mit einem neuen, isländischen Pass und dem Namen Tómas Leifur Ólafsson ausgestattet, zudem vermitteln sie ihm eine Unterbringung im „Hardwork Hotel“, einer Unterkunft für Ausländer. Er teilt sich das Gebäude mit Polen, Litauern und einem Bulgaren namens Balatov. Gutmunduhr besorgt Toxic zudem einen Job als Tellerwäscher in einer Armenküche, wo er den rassistischen und ehemals wegen Totschlag inhaftierten Koch Óle kennenlernt und sich mit ihm anfreundet.
Die Affäre mit Gunnhildur entflammt erneut, nachdem sie ihn in seiner Behausung besucht. Sie suchen sich ein Liebesnest in einem indischen Möbelladen, wo sie sich regelmäßig treffen und Sex haben. An einem Wochenende fahren sie gemeinsam aufs Land und Gunnhildur fragt Toxic, ob er sich ein Leben in Island und mit ihr vorstellen kann. Er zögert und sie bekommen Streit, danach fährt sie ihn zurück in sein Zimmer. Kurz darauf kommt es zu einem Zwischenfall im „Hardwork Hotel“: Ein Litauer, der als Drogenkurier Kondome mit Kokain geschluckt hatte, stirbt, und es folgt ein Handgemenge. Als die Litauer ihren Kollegen abtransportieren, besorgt sich Toxic aus deren Zimmer eine Pistole. Kurz darauf kommt es zu einer Razzia, bei der Toxic die Polizisten über den Vorfall aufklärt, ohne erkannt zu werden. Kurz darauf zieht er aus dem Hotel aus und bei Gunnhildur ein. In einer Nacht versucht Tröster, ihn umzubringen. Toxic erfährt, dass er nicht ihr Bruder, sondern ihr Freund war. Bei dem nachfolgenden Streit eröffnet Gunnhildur ihm, dass sie schwanger ist.
mini|Dado Topić mit der Band Dragonfly beim Eurovision Song Contest 2007 Nach einem Jahr in Island kommt es im Mai erneut zum Familientreffen zum Eurovision Song Contest, gemeinsam mit Tortur, Óle und deren Frauen. Gunnhildur ist hochschwanger, und nachdem die Gewinner des Vorjahres, die finnische Band Lordi mit ihrem Hard Rock Hallelujah, sowie weitere Bands ihre Lieder vorgetragen haben, klingelt es erneut beim kroatischen Beitrag des Sängers Dado Topić, und Gutmunduhr bittet Toxic zur Tür. Dort wird er von seinen Mafiakollegen Niko und Radovan empfangen, die den Auftrag haben, ihn zu töten. Sie fahren mit ihm aufs Land und erzählen ihm, was nach seiner Flucht alles geschehen ist. Als sie ihn töten wollen, gönnen sie ihm eine letzte Zigarette. Es gelingt Toxic, sie mit seiner Pistole zu überwältigen und angeschossen zurück zum Haus von Gutmunduhr zu fliehen. Unterwegs denkt er an Gunnhildur sowie an seine frühere serbische Freundin Senka, die er einige Wochen vorher in Reykjavík getroffen hat und mit der er auch eine Affäre begann; sie war ebenfalls schwanger von ihm und er wünscht sich, dass sich seine Kinder kennenlernen. Er erreicht das Haus, als die serbische Gewinnerin Marija Šerifović ihren Beitrag erneut singt, und bricht inmitten der Familie und Freunde zusammen.
Rückblicke auf das Leben als Auftragsmörder In vielen Situationen beschreibt Toxic sein Leben als Auftragsmörder und stellt einzelne Episoden vor. Diese beziehen sich entweder auf die einzelnen Morde, die er im Auftrag der kroatischen Mafia durchgeführt hat, oder auf seine Beziehungen, vor allem mit seiner letzten Freundin Munita. Nachdem er von dem Mord an Munita erfährt, erinnert er sich detailliert an seine Morde und zählt sie einzeln durch. Sein eigener misslungener Selbstmord wird als Nummer 68 gezählt.
Später muss er die Geschichten seiner Morde bei seiner Bekehrung erneut darstellen, und Hanna, die Frau von Tortur, bittet ihn, Briefe an die Hinterbliebenen seiner Opfer zu schreiben.
Rückblicke auf den kroatischen Unabhängigkeitskrieg mini|Zerstörter serbischer Panzer auf der Straße nach Drniš Während der Handlung und vor allem zum Ende des Romans schweifen die Gedanken regelmäßig in die Vergangenheit ab, als Tomislav Bokšić als junger Soldat im kroatischen Unabhängigkeitskrieg kämpfte. Dabei kommen zahlreiche verstörende Ereignisse an den Tag, die er verarbeiten musste und an die er regelmäßig denkt, etwa die Zeiten im Schützengraben und der Tod zahlreicher Kameraden, die Arbeit beim Ausheben von Massengräbern und der Suche nach einer Brille für den Vorgesetzten zwischen den Leichen.
Auch bei den Rückblicken spielt der Eurovision Song Contest eine Rolle, als Tomislav eine Nacht gemeinsam mit seinem Kameraden Andro in einem ausgebrannten serbischen Panzer verbrachte und mit ihm eine Flasche Rakija trank. Als ein betrunkener serbischer Soldat den Panzer kontrollierte, sangen sie gerade gemeinsam das Lied Rock Me der jugoslawischen Band Riva, das den Eurovision Song Contest 1989 gewonnen hatte. Der Serbe setzte sich zu ihnen, ohne die kroatischen Uniformen zu erkennen, und trank und sang gemeinsam mit ihnen – später outete sich Andro, dass er schwul sei, und befriedigte die anderen beiden Männer mit der Hand. Später wurde Andro von Javor, einem Leutnant der kroatischen Truppe, erschossen, als er beim Frühstück ausflippte.
Als allerschlimmsten Moment (ASM) seines Lebens bezeichnet er den Tod seines Vaters, den er selbst in seiner ersten Nacht an der Kriegsfront versehentlich erschossen hatte, weil er ihn für einen angreifenden Serben hielt. In der gleichen Nacht starb auch sein Bruder Dario an der Front, was ihm „irgendwie“ dabei geholfen hat, damit zurechtzukommen, seinen eigenen Vater erschossen zu haben. Später im Roman beschreibt er allerdings einen zweiten allerschlimmsten Moment, als er bei der Untersuchung eines Hauses auf seine ehemalige serbische Freundin Senka in Soldatenuniform traf und später dabei zusehen musste, wie diese von seinen Kameraden vergewaltigt wurde.
Rezeption mini|hochkant|Hallgrímur Helgason, 2006