mini|Angelo Amorevoli als Antigono in Antigono von Johann Adolph Hasse (1744) mini|Angelo Amorevoli als Manlio in Attilio Regolo von Johann Adolph Hasse (1750) mini|Angelo Amorevoli als Segeste in der Wiederaufnahme des Arminio von Johann Adolph Hasse zum Karneval (Januar) 1753 mini|Angelo Amorevoli in der Titelrolle des Solimano in der gleichnamigen Oper von Hasse (Dresden 1753)
Angelo Maria Amorevoli (* 16. September 1716 in Venedig; † 15. November 1798 in Dresden) war ein italienischer Opernsänger (Tenor). Er galt als einer der herausragenden Sänger seiner Zeit. Ab 1742 wirkte er – von Gastspielen andernorts abgesehen – in Dresden, wo er auch starb.
Biografie Erste Engagements Amorevoli hatte sich schon sehr früh einen Namen als Sänger erworben. Schon mit 13 stand er in Treviso und Rom, ein Jahr später, 1730, in Venedig und Rom auf der Bühne. In Venedig machte er während seines Auftritts in der Oper Dalisa Bekanntschaft mit dem zu dieser Zeit schon zum Kapellmeister am Sächsischen Königshof berufenen Johann Adolph Hasse. Zwischen 1731 und 1736 wirkte er in verschiedenen Produktionen wechselnd in Turin (Riccardo Broschi: Ezio), Mailand (Geminiano Giacomelli: Cesare in Egitto) und Venedig (Nicola Porpora: Annibale; Hasse: Alessandro nell’Indie).
Debüt mit Faustina Bordoni und Carestini Am 24. September 1735 trat er mit einem „ensemble vraiment superbe“F. Piovanno: Un opéra inconnu de Gluck. Sammelbände der Internationalen Musikgesellschaft. Bd. 9 (1907–1908),232 in Pesaro auf. Zusammen mit Faustina Bordoni und Giovanni Carestini, mit denen er später noch zusammen in London und Dresden auftreten sollte, sowie mit einem weiteren später Dresden zu hörenden Kastraten, Giuseppe Appiani, war er in der Titelrolle der Erstaufführung von Hasses Tito Vespasiano zu hören.Hasse: Tito Vespasiano. Libretto der Uraufführung, Pesaro 1735
Neapel (1736–1739) – Turin Von 1736 bis 1739 war er in Neapel tätig und wirkte hier in vier Opern von Leonardo Leo, zwei Opern von Domenico Sarri, aber auch Leonardo Vinci, Giovanni Alberto Ristori und Nicola Porpora.Nach Kay Lipton: Angelo Amorevoli. Grove Music Online (abgerufen am 4. Oktober 2015) ist Amorevoli am 7. November 1739 auch in Wien in Vivaldis Feraspe zu sehen gewesen. Eine solche Aufführung ist allerdings in Corago nicht nachweisbar. In der dort einzig zu findenden Vorstellung dieser Oper im Herbst 1739 in Venedig ist Amorevoli nicht zu finden.
Zu Weihnachten des Jahres 1740 wirkte er als Mitrane in der Oper Arsace von Francesco Feo, mit der das neue Königliche Theater in Turin feierlich eröffnet wurde.
London (1741–1743) Sein nächstes längeres Engagement führte Amorevoli nach London, wo er erstmals am 10. November 1741zur zweiten Vorstellung der Oper. Zur Premiere am 31. Oktober 1741 war er offensichtlich noch nicht angekommen. So Biographical dictionary of actors, actresses, musicians, dancers, managers and other stage personnel in London, 1660–1800. Bd. 1, S. 77 mit Bezug auf Walpole als Tenor in der Oper Alessandro in PersiaCorago kennt eine Oper dieses Namens von Pietro Domenico Paradisi (1707 – 25/08/1791), die 1741 am Londoner King’s Theatre am Haymarket aufgeführt wurde. Glaubt man Hedwig und E. H. Mueller von Asow: Georg Friedrich Händel. Biographie. Briefe und Schriften. Hildesheim/New York 1977, S. 151, handelte es sich bei Alessandro in Persia um ein Pasticcio, das Arien von Leonardo Leo, Johann Adolph Hasse, Giuseppe Arena, Giovanni Battista Pescetti, Giovanni Battista Lampugnani und Domenico Scarlatti. Bei Letzteren findet sich auch die Angabe, dass die Oper 12 Mal gegeben wurde. im King’s Theatre zu hören war. Ende der 1730er Jahre jedoch war in London die große Zeit der italienischen Oper schon vorbei: Nachdem im Jahre 1737 nach erbittertem Kampf, bei dem sich beide Unternehmen mit Stars übertrumpfen und gegenseitig die Zuschauer weglocken wollten, indem beide an denselben Tagen Opernaufführungen anboten, die mit Georg Friedrich Händel rivalisierende Adelsoper endgültig pleitegegangen war, hatte Händel zwar noch einmal für zwei Spielzeiten das King’s Theatre gemietet, dabei aber schon vermehrt Oratorien zur Aufführung gebracht. Ab der Spielzeit 1739/1740 war Händel an das kleinere Lincoln’s Inn Field Theatre ausgewichen und brachte dort nach den nur geringen Erfolg habenden letzten Opern Deidamia und Imeneo nach 1741 keine neuen Opern mehr heraus, sondern verlegte sich auf englischsprachige, nicht bühneninszenierte Oratorien.
Amorevoli war offensichtlich zusammen mit dem italienischen Altkastraten Angelo Maria Monticelli an das Londoner King’s Theatre berufen worden, wo inzwischen eine andere Opernfirma versuchte, zumindest noch vereinzelt italienische Opern zu bringen. Vergleicht man die Gage von 850 Guineas, die Amorevoli für die gesamte Spielzeit 1741/1742 fordern konnte,Über Amorevoli und besonders seine Londoner Zeit im Biographical dictionary of actors, actresses, musicians, dancers, managers and other stage personnel in London, 1660–1800. Bd. 1, S. 77 mit der, die der Kastrat Monticelli als Primo uomo bekam (1000 Guineas), lässt sich ableiten, dass Amorevoli zu dieser Zeit offensichtlich schon ein gefragter Tenor war.
Für die erste Saison 1741/42 werden weitere fünf Produktionen angeführt, in denen Amorevoli mitgewirkt haben soll. Auch in der darauf folgenden Saison 1742/43 soll Amorevoli in fünf Produktionen aufgetreten sein, in zweien davon (Gianguir und Temistocle) in der Titelrolle.So übereinstimmend in Grove Music Online und Biographical dictionary of actors, actresses, musicians, dancers, managers and other stage personnel in London, 1660–1800. Bd. 1, S. 77. Einige dieser Produktionen sind aber so nicht weiter nachzuweisen (s. unter Repertoire) Sein letzter Auftritt in London wird für den 17. Mai 1743 angegeben.Biographical dictionary of actors, actresses, musicians, dancers, managers and other stage personnel in London, 1660–1800. Bd. 1, S. 77.
Mailand (1744–1745) Ein Intermezzo führte Amorevoli zurück nach Italien, wo er in Mailand in zwei Opern im Regio Ducal Teatro mitwirkte (Galuppi: Ricimero und Gluck: Ippolito).
Dresden (1745–1798) Wohl 1745 wurde Amorevoli mit einem Einstiegsgehalt von 2400 Talern am Sächsischen Hoftheater in Dresden angestellt.Gehalt nach Moritz Fürstenau: Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe der Kurfürsten von Sachsen und Könige von Polen Friedrich August I. (August II.) und Friedrich August II. (August III.). Dresden: Kuntze 1862, S. 239. Fürstenau gibt – wohl irrtümlich – 1742 als Einstiegsjahr an. Amorevoli war damit von Anfang an einer der bestbezahlten Sänger am Dresdner Hof. Der ein Jahr vor ihm engagierte Bassist Biaggio Campagnari erhielt 1000 Taler, der 1743 eingestellte Sopranist Salvatore Pacifico 600 Taler, Giovanni Bindi musste sich von 1100 Talern Einstiegsgehalt über 1500 Taler 1740 auf 2000 Taler im Jahre 1743 „hocharbeiten“. Nur der Soprankastrast Venturo Rocchetti sollte schon seit 1738 2000 Taler erhalten. (alle Angaben s. ebenda, Fürstenau 1862, S. 239) Vergleicht man die Angaben mit den Gehältern im Jahre 1756, relativiert sich das Bild. Für 1756 gibt Fürstenau folgende Gehälter: der Kastrat Domenico Annibali – 2000 Taler, sein Kastratenkollege Pasquale Bruscolini – 3000, die Sopranistinnen Caterina Pillaja (2000) sowie Teresa Albuzzi-Todeschini und Faustina Bordoni – jeweils 3000 Talern. Den Spitzenplatz nahm 1756 der Kastrat Angelo Maria Monticelli mit 4000 Talern ein. Vgl. Moritz Fürstenau: Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Dresden. Theil 2, Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe der Kurfürsten von Sachsen und Könige von Polen, Friedrich August I. (August II.) und Friedrich August II. (August III.). Dresden: Kuntze 1862, S. 394 Ein Jahr später bereits erhielt Amorevoli eine Gehaltserhöhung um weitere 400 Taler zusammen mit „dem Versprechen, daß dieselben nach seinem Tode seiner Wittwe als Pension bleiben sollten“.Moritz Fürstenau: Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe der Kurfürsten von Sachsen und Könige von Polen Friedrich August I. (August II.) und Friedrich August II. (August III.). Dresden: Kuntze 1862, S. 239 Die jährliche Gage von 2800 Talern erwähnt Fürstenau auch für das Jahr 1756 (ebenda, S. 394). Dafür gibt Philipp Kreisig: Domenico Annibali – Mitglied des auserwählten Kreises der Virtuosi di S.M. il Ré di Polonia, Elettore di Sassonia. In: Der Dresdner Hof des 18. Jh. und seine Stimmgötter (Beitragsreihe von Studierenden der TU Dresden im Monatsheft Semper der Semperoper Dresden. Teil 3, TU Dresden, Dresden eine Umrechnung von 1200 in 87000 EUR an.
In Dresden blieb Amorevoli für den Rest seines Lebens die meiste Zeit, auch wenn ihn immer wieder einzelne Gastspiele in andere Städte führten. Die erste Aufführung, in der Amorevoli mitwirkte, ist offenbar die Premiere von Johann Adolph Hasses Oper Arminio, die am 7. Oktober 1745 zu den jährlichen Feierlichkeiten zum Namenstag des sächsischen Kurfürsten Friedrich August III. in Dresden stattfand.Grove Music Online gibt – wohl irrtümlich – Leucippo 1747 an. Mit Arminio gab Amorevoli ein überzeugendes Debüt, denn als Segeste sang er in dieser Produktion die Arie „Solcar pensa un mar sicuro“, die als eine der anspruchsvollsten und virtuosesten arie di tempesta (Gleichnisarien, in denen Unwetter oder heftige Naturereignisse thematisiert werden), die jemals für männliche Stimmen geschrieben wurden, charakterisiert wurde.Rodolfo Celletti: Storia del belcanto. La Nuova Italia, 1986, S. 129, nur Snippetansicht: „è uno dei piú virtuosistici che siano stati scritti“
Zu den weiteren Hasse-Opern, in denen Amorevoli mitwirkte, zählen: Leucippo (Hubertusburg 7. Oktober 1747) – Narete Attilio Regolo (Dresden, 17. Januar 1750) – Manlio Ipermestra (Hubertusburg, 7. Oktober 1751 – Danao, rè d’Argoermittelt nach der Übersicht über die Kostüme im Vestiarium zu der Oper) Arminio (Wiederaufnahme Dresden, Januar 1753) – Segeste Solimano (Dresden, 5. Februar 1753) – Solimano L’eroe cinese (Hubertusburg, 7. Oktober 1753) – Leango Artemisia (Dresden, 6. Februar 1754) – Sebaste L’olimpiade (Dresden, 16. Februar 1756) – Clistene
Trotz seines Festengagements am Dresdner Hof finden sich 1748 und 1749 längere Gastaufenthalte am Wiener Kaiserhof sowie in Mailand.Moritz Fürstenau: Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Dresden. Theil 2, Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe der Kurfürsten von Sachsen und Könige von Polen, Friedrich August I. (August II.) und Friedrich August II. (August III.). Dresden: Kuntze 1862, S. 249–250 führt das darauf zurück, dass Christoph Willibald Gluck im Juli 1747 zusammen mit der Theatergruppe von Angelo Mingotti, die auch in Dresden wiederholt in den Sommermonaten Opernaufführungen bestritt, anlässlich der Hochzeit Friedrich Christians von Sachsen mit Maria Antonia Walpurgis seine eigene Oper La nozze d’Ercole e d’Ebe auf der Pillnitzer Gartenbühne zur Aufführung brachte. Während des Siebenjährigen Krieges Ende der 1750er Jahre hielt sich Amorevoli, wie viele andere Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle und Hofoper, nicht in Dresden auf. Viel mehr finden sich in dieser Zeit Auftritte in Parma (1759) und Mailand (1760). Wobei generell die Häufigkeit der Auftritte zu dieser Zeit deutlich geringer ist als zuvor.