Wennigsen (Deister) ist eine Gemeinde mit rund 14.000 Einwohnern in der Region Hannover, die etwa 15 km südwestlich von Hannover in Niedersachsen liegt. Der waldreiche Ort befindet sich am Höhenzug des Deisters innerhalb des Calenberger Lands.

Geografie Lage Die Gemeinde Wennigsen (Deister) liegt am Höhenzug des Deisters, einem nördlichen Ausläufer der Mittelgebirgslandschaft des Weserberglandes. Sie befindet sich rund 15 km südwestlich der Landeshauptstadt Hannover und gehört zur historischen Landschaft des Calenberger Landes, das sich zwischen dem Deister und dem Fluss Leine erstreckt. Außerdem liegt der Ort in der Calenberger Lössbörde mit fruchtbaren Böden, die als Ackerland intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Die höchste Erhebung Wennigsens und zugleich der Region Hannover liegt mit auf dem Bröhn als dem Kamm des Deisters. Aus dem Zusammenfluss der beiden Bäche Wennigser Mühlbach und Bredenbecker Bach entspringt im Ortsteil Evestorf die etwa 16 km lange Ihme. Hier ist auch der niedrigste Punkt mit .

Nachbargemeinden Wennigsen grenzt – im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden – an die Städte Gehrden, Ronnenberg, Springe und Barsinghausen.

Ortsteile mini|Widdergut Vier Eichen in Argestorf mini|Rittergut Bredenbeck der Freiherrn Knigge

Seit der Gebietsreform 1970 besteht die Gemeinde Wennigsen (Deister) aus acht Ortsteilen:

Argestorf (321 Einwohner, Gemarkung 2,9 km²) Bredenbeck mit Steinkrug (3.401 Einwohner, Gemarkung 14,4 km²) Degersen (2.128 Einwohner, Gemarkung 6,4 km²) Evestorf (322 Einwohner, Gemarkung 1,5 km²) Holtensen (1.299 Einwohner, Gemarkung 5,7 km²) Sorsum (590 Einwohner, Gemarkung 2,7 km²) Wennigsen mit Waldkater (5.899 Einwohner, Gemarkung 20,3 km² inkl. Wennigser Mark) Wennigser Mark (1.204 Einwohner)

Ortslagen (Splittersiedlungen) der Gemeinde Wennigsen (Deister): Waldkater (Ortsteil Wennigsen, 220 Einwohner) Steinkrug (Ortsteil Bredenbeck, 201 Einwohner)

Flächennutzung Die Gesamtfläche der Gemeinde von 53,9 km² unterteilt sich in folgende Nutzungsarten: Hof- und Gebäudeflächen: 4,5 km² Sport und innerörtliche Grünflächen (Erholung): 0,4 km² Straßen, Wege, Plätze: 2,2 km² Ackerland: 20,5 km² Sonstige landwirtschaftlich genutzte Flächen: 1,4 km² Wald (Laubwald 5,1 km², Nadelwald 4,8 km², Mischwald 14,6 km²): 24,5 km² Wasserläufe und -flächen: 0,33 km² Sonstige Flächen: 0,07 km²

Mit 46 Prozent hat die Gemeinde den höchsten Waldanteil in der Region Hannover.

Klima Wennigsen liegt bei der Jahresdurchschnittstemperatur und der Niederschlagsmenge im Durchschnitt der gemäßigten Zone. Der kälteste Monat ist der Januar mit durchschnittlich 0,6 °C. Die wärmsten Monate sind im langjährigen Mittel die Monate Juli und August mit je 17,2 und 16,9 °C.

Ortspanorama

Geschichte Geschichte links|mini|hochkant|Keramikscherben des 10. bis 12. Jahrhunderts, gefunden bei einer Ausgrabung März 2012 in Wennigsen mini|hochkant|Erste urkundliche Nennung von Wennigsen um 1200 als Wenekessen (linke Spalte, 9./8. Reihe von unten) mini|Merian-Stich von Wennigsen um 1650 mini|Ortsplan von 1751 mini|Plan von Kloster Wennigsen 1765 mini|Feuerwehrplatz als Zentrum des ehemaligen Bauerndorfes Wennigsen um 1920

Wennigsen und seine Nachbarorte entstanden wahrscheinlich in der Siedlungs- und Rodungsperiode des fränkischen Reiches zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert. Die bisher ältesten Siedlungsfunde in Form von Grubenhäusern und Keramikscherben wurden im März 2012 bei archäologischen Ausgrabungen beim Neubau des Kindergartens Vogelnest in der Neustadtstraße in etwa 200 m Entfernung vom Kloster gemacht. Diese Funde wurden auf das 10. bis 12. Jahrhundert datiert.Grabungen Vogelnest (29. März 2012).Michael Hemme: Unbekannte korrigieren Schild in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 5. April 2012

Die erste schriftliche Erwähnung (zwischen 1199 und 1206)750 Jahre Wennigsen 1200–1950. Herausgegeben vom Vorbereitenden Ausschuss für die 750-Jahrfeier der Gemeinde Wennigsen. Gedruckt 1950 bei den Buchdruckwerkstätten Hannover, S. 8f. des Ortes Wennigsen, die nur in einer Abschrift des 13. Jahrhunderts im Copialbuch des Klosters Amelungsborn überliefert ist, befindet sich in einer Urkunde des Bischofs Hartbert von Hildesheim. In diesem Dokument wird beurkundet, dass Graf Bernhard von Poppenburg aus Wennigsen auf die Verwaltung des vom Kloster Amelungsborn seinem Vater übertragenen Salzwerkes in Swalenhusen (Server nur zu Bürozeiten online) bei Hemmendorf verzichtet. Aus der Existenz dieser Urkunde ergibt sich, dass zu dieser Zeit in Wennigsen eine Ansiedlung des Grafen Bernhard von Poppenburg vorhanden ist. Graf Poppenburg führte im Siegel ein Wappen mit einem Querbalken, auf dem sich drei fünfblättrige Rosen befanden. Diese Poppenburger Rose benutzt die Gemeinde Wennigsen noch heute als Wappen.Poppenburger Rose – Quelle: Calenberger Zeitung, Ausgabe vom 16. September 2006 (28. Mai 2006).

1330 wurde eine Neuverteilung der Anrechte von 88 umliegenden Ortschaften am Deisterwald vorgenommen, hierbei wird als mitberechtigt auch der Ort Wennigsen genannt. Eine Beurkundung aus dem Jahr 1352, bei der die Äbtissinnen des Klosters Wunstorf und des Klosters Wennigsen sowie Gerhard I. von Schauenburg, Bischof von Minden und weitere Adlige Zeugen sind, regelt unter anderem die Abtrennung der Waldmark Wennigsens von der Waldmark des Ortes Redderse.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort durch Brände nahezu vollständig zerstört, die Bevölkerung hatte Raub und Plünderungen zu erleiden. 1626 wurde das Kloster geplündert.

Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg (nach seinem Tode zu Fürstentum Hannover vereinigt) teilte dem Ort nach der Teilung der Großvogtei Calenberg im neu gegründeten Amt Calenberg die Gerichtsbarkeit zu; das Amtsgericht Wennigsen besteht bis heute.

Starken wirtschaftlichen Aufschwung brachte die Entdeckung von Steinkohle im Deister und ihre Förderung ab 1636. Die erste urkundliche Erwähnung des Kohlebergwerks am Bröhn datiert auf das Jahr 1639. Auf Grund der schlechten Qualität war die Kohle für Schmiedearbeiten ungeeignet und wurde vorwiegend für Kalkbrennerei in Linden oder in Waldglashütten wie in Bredenbeck-Steinkrug eingesetzt.

Von 1859 bis 1885 war Wennigsen Hauptort des Amtes Wennigsen, das das Gebiet der heutigen Städte Barsinghausen, Gehrden, der Gemeinde Wennigsen sowie die westlichen Teile der Stadt Ronnenberg umfasste. Im Jahre 1885 wurde das Amt Wennigsen mit dem Amt Linden zum Landkreis Linden vereinigt, der bis 1932 bestand und dann dem Landkreis Hannover zugeschlagen wurde. Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte Wennigsen zum Regierungsbezirk Hannover, der wie die übrigen niedersächsischen Regierungsbezirke 2004 aufgelöst wurde.

Im Jahre 1872 wurde die Bahnstrecke von Linden nach Haste (Deisterbahn) in Betrieb genommen. Diese Bahnstrecke bildet heute einen Teil der Linien S1, S2 und S21 der S-Bahn Hannover.

Im August 1957 wurde Horst Mohaupt (1927–2006) zum Gemeindedirektor ernannt und übte dieses Amt 12 Jahre lang aus. Im Jahre 1969 wurde der Zusammenschluss mit den Nachbargemeinden Argestorf, Bredenbeck, Degersen, Evestorf, Holtensen und Sorsum zur Einheitsgemeinde Wennigsen (Deister) zum 1. Januar 1970 beschlossen. Dieser Zusammenschluss und das ihn regelnde Gesetz diente als Muster für die wenige Jahre später folgenden Gebiets- und Verwaltungsreformen in ganz Niedersachsen. Erster Gemeindedirektor der neuen Großgemeinde war Reinhard Feldkamp.Calenberger Zeitung: Früherer Gemeindedirektor gestorben (7. Oktober 2006).

Der erste hauptamtliche Bürgermeister der Gemeinde war Christoph Meineke (parteilos), der das Amt vom 1. Januar 2007 bis zum 31. Oktober 2021 innehatte. Er übernahm das Amt von der ehrenamtlichen Bürgermeisterin Renate Borrmann (SPD) und dem Gemeindedirektor Kunibert Ewert (CDU). Bei den Kommunalwahlen 2021 trat Meineke nicht erneut an. Zu seinem Nachfolger wurde Ingo Klokemann (SPD) gewählt.

2025 feierte Wennigsen den 825. Geburtstag des Ortes mit einer Festmeile zwischen Kloster und Rathaus.Zwei Tage feiern für 825 Jahre Wennigsen: Das lief bei der großen Jubiläumsparty in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 25. August 2025

Ortsname Um 1200 hieß der Ort Wennekessen, 1230 lautete der Ortsname Wennicigissen. Erst 1932 wurde der Name amtlich auf Wennigsen festgelegt. Der Name könnte von wenec = wenig, winzig abgeleitet sein und kleine Siedlung bedeuten.

Der Ortsname hat sich immer wieder geringfügig geändert.

1236 Weniggessem 1241 Wenekessen 1250 Wennigessen 1274 Weningesen 1291 Weningissen 1301 Wenigsen 1349 Weningessen 1368 Weninghessen 1392 Wennynghessen 1506 Wennigessen 1571 Wennigßen 1592 und 1616 Wennigsen 1653 Wennessen ab 1654 Wennigsen

Wiedergründung der SPD mini|hochkant|Denkmal für Kurt Schumacher und die Wennigser Konferenz

Auf der Wennigser Konferenz vom 5. bis 7. Oktober 1945 wurde nach der NS-Diktatur im damaligen Bahnhofs-Hotel Petersen die SPD wiedergegründet. Ausgewählt wurde der Ort unter anderem wegen der Bahnverbindung zum damaligen Flughafen Bückeburg (jetzt Heeresflugplatz Bückeburg) sowie der sozialdemokratischen Tradition des Ortes. Auf dem als erste zentrale Zusammenkunft von Sozialdemokraten bezeichnete Treffen kamen Sozialdemokraten aus allen Teilen Deutschlands sowie dem Londoner Exilvorstand zusammen. Die Versammlung entschied, Kurt Schumacher mit der Leitung beim Wiederaufbau der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in den drei westlichen Besatzungszonen zu beauftragen. Eine Gedenktafel am heutigen Hotel Calenberger Hof in der Bahnhofstraße sowie ein Denkmal gegenüber dem Bahnhof erinnern an dieses Ereignis.

Einwohnerentwicklung

Im Jahr 1925 hatten die das heutige Wennigsen bildenden Dörfer insgesamt 5458 Einwohner. Nach einem leichten Rückgang auf 5444 im Jahr 1933 kam es bis zum Jahr 1939 zu einem Anstieg auf 5807 Einwohner. Von 1940 an ist die Wennigser Einwohnerzahl bis 1985 gestiegen und liegt seitdem bei rund 14.000 Personen, dabei sind Ausländer zu 14 % vertreten. AdminStat, abgerufen am 16. Juni 2022. Die Sterberate überstieg im Jahr 2020 mit 11,7 Sterbefällen pro 1000 Einwohner die Geburtenrate von 8,0. In den Jahren 2016 bis 2020 gab es einen positiven Wanderungssaldo von 226 Personen, d. h. es sind mehr Personen zugezogen als weggezogen.Landesamt für Statistik Niedersachsen: LSN-Online Datenbank, Stand 31. Dezember 2021, abgerufen am 16. Juni 2022. Der Agglomerationsraum der Landeshauptstadt wirkt sich offenbar attraktivitätssteigernd aus und kompensiert die negative Geburtenrate in Wennigsen.

Das Durchschnittsalter in Wennigsen beträgt 46,9 Jahre. Die mit 37 % größte Bevölkerungsgruppe stellen die 40- bis 64-Jährigen, gefolgt von den Senioren mit 26 %. An dritter Stelle ist mit 18 % die sogenannte Elterngeneration (20 – 39 Jahre) zu finden. Kinder (0 – 11 Jahre, 12 %) und Jugendliche (12 – 19 Jahre, 8 %) haben einen ähnlich hohen Anteil von zusammen 19 %. Der absolute Anteil von Frauen beträgt 7.247, der der Männer 6.796. Die Schwankungsbreite der Altersgruppen zwischen den einzelnen Ortschaften ist sehr unterschiedlich. Die 41- bis 59-Jährigen sind mit 4 % sehr homogen verbreitet. Bei der Generation 60 plus liegt die Differenz bei 16 %. Hier hat Sorsum mit 19,1 % den geringsten Anteil, die Wennigser Mark mit 30,3 % den höchsten Anteil. Der Kinderanteil ist ebenfalls heterogen verteilt und schwankt zwischen 1,9 % (Argestorf) und 6,4 % (Holtensen).Demographiebericht Wennigsen (Deister), Mai 2010.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die außerhalb Wennigsens – zumeist in der Region Hannover – im Jahr 2018 gearbeitet haben (Pendler), betrug 4.420 gegenüber 1.728 Einpendlern.

Religion Evangelisch-lutherische Kirchen Die Wennigser Kirchengemeinden gehören zum Kirchenkreis Ronnenberg in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Ev.-luth. Kirchengemeinde Holtensen-Bredenbeck, An der Kirche 3, Ortsteil Holtensen Kirche, Linderter Straße 13, Ortsteil Holtensen