Aberzhausen ist ein Gemeindeteil der Stadt Heideck im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Aberzhausen liegt teils auf dem Gemeindegebiet von Heideck, teils auf dem Gemeindegebiet von Thalmässing. Sie hat eine Fläche von 3,886 km² und ist in 385 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 10093,21 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Kippenwang und Kolbenhof.
Lage Das Kirchdorf liegt südöstlich von Heideck im Tal der Thalach zwischen Laibstadt und Kolbenhof bzw. Alfershausen. Durch den Ort führt die Staatsstraße 2389. Gemeindeverbindungsstraßen führen in nordwestlicher Richtung nach Rudletzholz und in südöstlicher Richtung nach Kippenwang und weiter nach Rabenreuth. 500 Meter hinter Aberzhausen zweigt die Staatsstraße 2726 in nordwestlicher Richtung von der Staatsstraße 2389 nach Selingstadt ab.
Ortsnamendeutung 1489 ist der Ortsname in dem Eichstätter Register von Konrad Scherlein als „Abaranzhausn“ überliefert und bedeutet demnach Wohnstätte einer „Person vom Stamm Abar, vielleicht Abar-and.“Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt, 45. Jg. (1930), S. 105
Geschichte Am 2. Januar 1302 gab der Eichstätter Bischof Konrad den Zehent zu Hausen bei Heideck dem Domkapitel zu Eichstätt; dieses „Hausen“ ist offensichtlich das heutige Aberzhausen.Buchner II, S. 813 Die Grundherrschaft über Aberzhausen (erstmals 1454 in der frühen Namensform mit dem Personennamen Aberand bezeugt)Histor. Atlas, S. 13 übten die Herren von Heideck aus. 1472 verpfändeten sie Stadt und Amt Heideck und damit auch Aberzhausen an Bayern. Mit Heideck gelangte Aberzhausen nach dem Landshuter Erbfolgekrieg 1505 zum neuerrichteten Fürstentum Pfalz-Neuburg. Spätestens seit 1454 eine eigene Pfarrei mit den Patronatsherren derer von Heideck, wurde von Aberzhausen 1521 die Filiale Thalmässing abgetrennt.Histor. Atlas, S. 160, 175 Von 1542 bis 1585 waren Stadt und Amt Heideck an Nürnberg verpfändet und gehörten darnach wieder zu Pfalz-Neuburg.Buchner I, S. 467; Histor. Atlas, S. 177 Noch 1542 führte Nürnberg die Reformation ein. Zu dieser Zeit bestand das Kirchdorf aus etwa 12 Untertanenfamilien.Histor. Atlas, S. 26 Die Wiedereinführung der katholischen Religionsausübung erfolgte mit der Rekatholisierung von Neuburg-Pfalz 1627.
Infolge des Dreißigjährigen Krieges war die Pfarrei Aberzhausen verwaist. So wurde 1651 das leerstehende Pfarrhaus dem Schullehrer als Wohnung eingeräumt. Als 1665 die katholische Pfarrei Zell wiederbesetzt wurde, gehörte ihr Aberzhausen als Filiale an.Buchner II, S. 814 Wiederholte Bemühungen um einen eigenen Pfarrer für „Obrazhausen“ (so 1761)Sammelblatt des Histor. Verein Eichstätt, 11. Jg. (1893), S. 102 blieben ohne Erfolg. Erst 1793 erfolgte die Errichtung einer exponierten Kaplanei in Aberzhausen, wobei der Kaplan bis zur Errichtung eines Kaplanhauses zur Miete in Kippenwang wohnte.Buchner II, S. 815 Am Ende des Alten Reiches gab es in Aberzhausen zwölf Untertanen des pfalz-neuburgischen Landrichteramtes Heideck als Grundherrschaft; hoch- und niedergerichtlich unterstand das Kirchdorf dem pfalz-neuburgischen Pflegamt Heideck.Histor. Atlas, S. 202, 204
Im Königreich Bayern bildete Aberzhausen mit Kippenwang und Kolbenhof eine eigene Ruralgemeinde im Steuerdistrikt Laibstadt im Gerichtsbezirk und Rentamt (später Bezirksamt und Amtsgericht) Hilpoltstein.Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise … enthaltenen Ortschaften, Ansbach 1818, S. 3; Histor. Atlas, S. 249 1875 wurden im Dorf drei Pferde und 85 Stück Rindvieh gehalten; zu dieser Zeit gehörte die Gemeinde Aberzhausen dem Bezirksamt Neumarkt in der Oberpfalz an, aus dem sie 1880 zum Bezirksamt Hilpoltstein kam.Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 887 1914 erfolgte ein Neubau des Expositurhauses.Buchner II, S. 817, 820 1937 wurde die Schule aufgehoben und das Kirchdorf nach Laibstadt eingeschult.Buchner II, S. 820
Mit der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Aberzhausen am 1. Januar 1971 aufgelöst. Aberzhausen und Kippenwang wurden Gemeindeteile von Heideck im Landkreis Roth, Kolbenhof kam zur Gemeinde Thalmässing.Histor. Atlas, S. 249
Einwohnerentwicklung 1818: 61 (15 Familien, 16 Feuerstellen)Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise … enthaltenen Ortschaften, Ansbach 1818, S. 3 1861: 70Johann Georg Neder: Bavaria. Ein umfassenden Orts- und Gemeinden-Verzeichniß des Königreichs…, Würzburg 1861, S. 14 1871: 68 (33 Gebäude)Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 887 1900: 59 (14 Wohngebäude)Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern mit alphabetischem Ortsregister, München 1904, Spalte Sp. 1217 1937: 67Buchner II, S. 818 1961: 94 (18 Wohngebäude)Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 793 1970: 82Histor. Atlas, S. 262 1987: 74 (20 Gebäude mit Wohnraum; 22 Wohnungen)
Katholische Filial- und Expositurkirche St. Martin
Die Kirche, eine Filiale von Zell, ist eine gotische Chorturmanlage, die 1743/44 barockisiert und 1922/23 nach Westen erweitert wurde. Der Hochaltar stammt vom Ende, die Seitenaltäre von der Mitte des 17. Jahrhunderts. Älter ist die Kanzel (um 1650).Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I: Franken. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage, München: Deutscher Kunstverlag 1999, S. 3 Das Schiff misst 14 mal 5,7 Meter. 1890 kamen neue Glocken in den Spitzturm, die 1922 ersetzt wurden. 1911 erhielt die Kirche eine neue 5-Register-Orgel des Eichstätter Orgelbauers Bittner.Buchner II, S. 817, 819 Die Friedhofsummauerung besteht aus Sandsteinquadern.
Sehenswürdigkeiten Außer der Kirche St. Martin gelten die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Türgewände der Häuser Nr. 3 und 9 als Denkmäler.Hans Wolfram Lübbeke und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern. Mittelfranken: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler, München 1986, S. 462
Berühmte Persönlichkeiten
Michael Alberter (* 1979), Generalvikar des Bistums Eichstätt
Literatur Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band: Eichstätt 1937, II. Band: Eichstätt 1938 Norbert Herler: Halt’s Maul, sonst kommst’ nach Dachau: vom Tod des Eiatsbauern aus Aberzhausen im Konzentrationslager Dachau. 2003. Selbstverlag
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ortsteil von Heideck Kategorie:Ort im Landkreis Roth Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Roth) Kategorie:Gemeindeauflösung 1970 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Roth