mini|hochkant=1.4|Garbhadhatu (sanskrit) bzw. Taizo-kai (jp.) – Mandala
Die buddhistische Kunst, im Folgenden vor allem Architektur, Bildhauerei und Malerei mit Bezug zu Buddha, dem Dharma („Lehre“) und dem Buddhismus im Allgemeinen, entwickelte seit ihren Anfängen vor rund 2500 Jahren ein komplexes und vielfältiges System der Ikonographie und Symbolik. Ihren Ursprung hat sie auf dem indischen Subkontinent in den Jahrhunderten unmittelbar nach dem Tod des historischen Buddha Shakyamuni (ca. 563 bis 483 v. Chr.).
Zur Darstellung der buddhistischen Musik, siehe buddhistische Musik.
In ihrer frühesten Phase war buddhistische Kunst anikonisch, kannte also keine Darstellungen des Buddha in menschlicher Gestalt. Eine erste Blütezeit erfuhr sie unter der Regentschaft des Königs Ashoka (ca. 268–232 v. Chr.), der maßgeblich zur Verbreitung des Buddhismus auf dem Subkontinent und darüber hinaus in Zentralasien und Sri Lanka, sowie, gemäß der Überlieferung, auch in Südostasien beitrug. Erste Bildnisse, vor allem Skulpturen, des Buddha entstanden ab etwa dem 1. Jahrhundert in den nordindischen Regionen Gandhara und Mathura. Mit der Ausbreitung des Buddhismus in den Ländern Zentral-, Ost- und Südostasiens kam es schließlich auch zu vielfältigen wechselseitigen Beeinflussungen mit vielen weiteren asiatischen Kulturen und einer komplexen und ausdifferenzierten Ikonographie.
Anikonische Periode (5. Jahrhundert v. Chr. bis 1. Jahrhundert n. Chr.) mini|„Große Stupa“ (Sanchi, Indien, 3. Jh. v. Chr.) mini|Die fünf ersten Schüler des Buddha mit dem Dharmachakra als symbolischer Darstellung des Buddha wie auch der Lehre.
Die Ursprünge buddhistischer Kunst sind heute nicht mehr eindeutig nachvollziehbar. Die ältesten bekannten der buddhistischen Glaubenswelt zugeordneten Kunstwerke stammen aus dem Bereich der Architektur. Dabei handelt es sich um Stupas, also anfangs hügelartige Bauwerke, die ursprünglich als Aufbewahrungsorte für Reliquien des Buddha erbaut wurden. An solchen Stupas finden sich, in Form von Flachreliefs, auch die frühesten künstlerischen Darstellungen. Die ältesten darunter zeigen allerdings keine eindeutig buddhistischen Inhalte, sondern Szenen, die durchaus auch aus vorbuddhistischer Zeit stammen können; wie zum Beispiel eine offenbar trauernde Frau, nackt und mit offenem Haar oder Yakshas, bereits aus der indischen Tradition bekannter gutmeinender Naturgeister. Die ältesten eindeutig dem Buddhismus zuzuordnenden Reliefs stammen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr.
Obwohl die Kunst des indischen Subkontinents in jener Zeit bereits auf eine lange Tradition auch figürlicher Darstellungen zurückblicken konnte, wurde der Buddha anfangs nicht in menschlicher Gestalt gezeigt. Stattdessen wurden er und die Inhalte der Lehre durch verschiedene Symbole repräsentiert, von denen die meisten auch heute noch Bestandteile der buddhistischen Kunst sind:
Die Lotosblüte, wegen ihrer Eigenschaft, weder Schmutz noch Wasser an ihrer Oberfläche anhaften zu lassen, das Symbol der Reinheit und der unbefleckten Buddhanatur. In geschlossener bzw. sich öffnender Form auch als Symbol der Geburt Siddhartha Gautamas. Der Bodhi-Baum (Pappelfeige, lateinisch Ficus religiosa), jener Baum, unter welchem der Buddha Bodhi („Erleuchtung“ oder „Erwachen“) erfuhr. Das Symbol des Baumes hat seinen Ursprung zum Teil auch in vorbuddhistischen Fruchtbarkeitskulten und als „Baum des Lebens“. Manchmal wird auch ein leerer Thron unter dem Baum dargestellt, der, wie der Baum selbst, an das Erwachen des Buddha erinnern soll. Das Rad der Lehre (Sanskrit: Dharmachakra, aus Dharma „die Lehre“ und Chakra „das Rad“), das die Vier Edlen Wahrheiten bzw. den Achtfachen Pfad symbolisiert. Es soll auch daran erinnern, dass der Buddha mit seiner ersten Lehrrede in Sarnath „das Rad der Lehre zum ersten mal anstieß“ und damit das Dharma in der Welt bekannt machte. Das Dharmachakra wurde sowohl in Reliefs dargestellt als auch auf der Spitze frei stehender Säulen, die König Ashoka in seinem ganzen Reich aufstellen ließ (siehe auch: Edikte des Ashoka). mini|links|Löwen-Kapitell, 3. Jh. v. Chr., Indien mini|„Buddhapada“, 1. Jh., Gandhara Der Löwe, Symbol der Herrschaft und der königlichen Herkunft des historischen Buddha Shakyamuni („der Weise aus dem Hause Shakya“). Zur Zeit des Königs Ashokas war der Buddha auch als „Löwe von Shakya“ bekannt. Wie das Dharmachakra war auch der Löwe ein Symbol des Buddhismus, das unter der Regentschaft Ashokas auf den vielerorts errichteten Säulen darstellen ließ. Das Wappen Indiens zeigt heute das Kapitell jener Löwen-Säule, die in Sarnath stand. Der Fußabdruck (Sanskrit: Buddhapada), ein Sinnbild dafür, dass der Buddha das Dharma in die Welt „geprägt“ hat, oft mit einer Reihe weiterer Symbole (z. B. dem Dharmachakra) versehen. Die Stupa, Sinnbild des Kosmos und insbesondere des Nirwana.
Während des 2. und des beginnenden 1. Jahrhunderts v. Chr. gewannen Skulpturen, Reliefs und Malereien, die verschiedene Episoden aus dem Leben des Buddha zeigten und oft als Friese, Votivtafeln und zur Illustration des Dharma für jene die nicht lesen konnten an Stupas angebracht waren, zunehmend an Bedeutung. Zwar waren Abbildungen von Menschen dabei Bestandteile der Werke, der Buddha selbst wurde aber durch eines der oben genannten Symbole repräsentiert. Der Grund dafür mag in einer Aussage liegen, die er in einer Lehrrede machte (überliefert im Dighanikaya), der zufolge er es abgelehnt hatte nach seinem Tod, seinem Eingang ins Parinirvana und dem Vergehen seines Körpers, abgebildet zu werden. Darüber hinaus gibt es unter Religionshistorikern auch die Ansicht, dass es den Mönchen bzw. den Künstlern nicht möglich erschien den Buddha – der alles Irdische, Menschliche, Materielle wie Mentale hinter sich gelassen hatte – bildlich darzustellen.
Ikonische Periode (1. Jh. bis heute) mini|Gandhara, 1. Jh. mini|Mathura, 2. Jh.
Im südlichen Indien wurde die Tradition, den Buddha durch Symbole repräsentiert darzustellen, noch bis ins 2. Jahrhundert beibehalten (siehe Amaravati-Schule). Bereits im 1. Jahrhundert entstanden aber in zwei nördlicheren Regionen erste figürliche Darstellungen des Religionsstifters. Manche Forscher vermuten, dass es auch schon früher solche Abbildungen gegeben haben könnte, die aber aus vergänglichen Materialien wie Holz geschnitzt oder auf Stoffe oder Blätter, die auch als Schreibmaterial dienten, gemalt waren und deshalb nicht mehr nachweisbar sind. Bisher konnte jedoch kein archäologischer Beleg für diese Annahme gefunden werden.
Gandhara und Mathura In den Regionen Gandhara (heute: östl. Afghanistan, nordwestl. Pakistan zeitweise bis in den Punjab) und Mathura (südlich des heutigen Delhi) entstanden etwa zeitgleich und sich gegenseitig beeinflussend die ersten künstlerisch-religiösen Darstellungen des Buddha. Aus welcher der beiden Kulturen die älteren Darstellung des Buddha in menschlicher Gestalt stammen konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Die Künstler von Mathura waren stilistisch jedenfalls vor allem in der hinduistisch-indischen Tradition verwurzelt. Im Stil Gandharas sind hingegen die damals bereits seit mehreren Jahrhunderten bestehenden engen Kontakte mit dem hellenistischen Kulturkreis deutlich zu erkennen. Während seines letzten Feldzuges hatte Alexander der Große (356–323 v. Chr.) im Jahr 326 v. Chr. auch Taxila (nahe Peschawar), seit der Zeit des Achämeniden Darius I. (549–486 v. Chr.) Hauptstadt des Landes, erobert. Gandhara wurde zu einem Teil des Weltreiches Alexanders und verblieb auch nach dessen Tod im Einflussbereich hellenistischer Reiche (siehe auch Baktrien). So vermischte sich in dem Land die buddhistische Glaubenswelt mit der künstlerischen und ästhetischen Tradition des antiken Griechenland und später auch provinzialrömischer Kunst. Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurden schließlich sowohl Gandhara wie auch Mathura von Kuschan erobert und beide verblieben für mehrere Jahrhunderte in dessen Einflussbereich. Erst im 5./frühen 6. Jahrhundert wechselte die Herrschaft wiederum mit der Eroberung durch Gruppen der iranischen Hunnen (Kidariten und Alchon). Besondere Bedeutung erlangte in dieser Periode König Kanischka, der den Buddhismus im Allgemeinen, wie auch die buddhistische Kunst im Besonderen förderte.
Die teilweise Zusammenführung und gegenseitige Beeinflussung der indisch geprägten Kunst Mathuras und der hellenistisch beeinflussten Gandharas brachte eine neue und für alle späteren buddhistischen Stile grundlegende Formensprache hervor, den Graeco-Buddhismus.
Auch wenn nicht feststeht, woher die ersten anthropomorphen Bildnisse des Buddha stammen, lassen sich vor allem in Skulpturen die Spuren der beiden ursprüngliche Traditionen erkennen: aus Gandhara stammen das gewellte Haar, das beide Schultern bedeckende Gewand, die Sandalen oder auch die Dekorationen mit aus der korinthischen Kunst bekannte Akanthus-Blättern.
Aus Mathura hingegen kamen die feineren und enger am Körper liegenden Gewänder, die nur die linke Schulter bedecken, der Lotos als Basis auf der der Buddha ruht oder die Darstellung des Rades („Dharmachakra“) in seiner Handfläche.
In Indien entwickelte sich die buddhistische Kunst aus diesen Anfängen noch über mehrere Jahrhunderte. Besondere Bedeutung erlangte die Kunstfertigkeit der Bildhauer Mathuras, insbesondere unter Verwendung von rosa Sandstein, während der Gupta-Periode (4.–6. Jahrhundert).
Hier wurde jene Form der Darstellung gefunden, die schließlich für fast alle buddhistischen Länder Asiens prägend wurde und sich im 7.–8. Jahrhundert allgemein durchgesetzt hatte: der Körper feingliedrig und in perfekten Proportionen, lange durchstochene Ohrläppchen die an seine Kindheit und Jugend als Prinz erinnern, am Scheitel ein Haarknoten als Hinweis auf sein Leben als Asket und schließlich die halb geschlossenen Augen, die den Blick des Betrachters nicht erwidern, sondern in meditativer Versenkung nach innen gekehrt sind. Darstellungen des Buddha sind seit jener Zeit durch einen idealisierenden Realismus charakterisiert.
In Indien wurde der Buddhismus, und damit auch die buddhistische Kunst, ab dem 10. Jahrhundert durch den erstarkenden Hinduismus und den aus dem Westen vordringenden Islam allmählich fast zur Gänze verdrängt.
Mit der weiteren Ausbreitung des Buddhismus entstanden – parallel zur Entwicklung der großen Hauptrichtungen Theravada sowie Mahayana und Vajrayana – auch mehrere künstlerische Traditionen, die ebensogroße Gemeinsamkeiten aufweisen, wie sie oft auch sehr spezifische Ausformungen annahmen. Traditionell werden sie zwei Hauptströmungen – dem südlichen (Theravada-) bzw. dem nördlichen (Mahayana-)Buddhismus – zugeordnet. Während Proportionen und Haltungen im nördlichen Buddhismus noch stärker idealisiert wurden und als Sinnbild der „Übermenschlichkeit“ des Erwachten dienten, ihm praktisch göttliche Züge verliehen, blieben die Darstellungen des südlichen Buddhismus eher an einer menschlichen Form orientiert.
Nördlicher Buddhismus
Der nördliche Buddhismus fand in Form des Mahayana, ausgehend von Gandhara, zuerst über die Seidenstraße seinen Weg nach Zentralasien und China, dann weiter östlich nach Korea und Japan sowie über China auch nach Vietnam. Eine eigene Form, mit einer sehr vielfältigen und speziellen Ikonographie, entstand mit dem Vajrayana in Tibet. Der nördliche Buddhismus ist, wie der Mahayana im Allgemeinen, von einem teils sehr komplexen Pantheon verschiedener Buddhas und Bodhisattvas gekennzeichnet.
Zentralasien mini|Ein Händler und ein Mönch, Bäzäklik, Xinjiang, ca. 9. Jh.
Das buddhistische Gandhara bestand bis zum 7. Jahrhundert, bis zur Islamisierung weiter Teile Zentralasiens. Neben der stilbildenden Kunst der Bildhauer gehörten auch die Buddha-Statuen von Bamiyan zum Vermächtnis dieser frühen buddhistischen Kultur.