Hagendorf ist ein Ortsteil des bayerischen Marktes Waidhaus im Landkreis Neustadt an der Waldnaab im Regierungsbezirk Oberpfalz.
Geographische Lage Hagendorf liegt etwa drei Kilometer nordwestlich von Waidhaus und vier Kilometer nördlich der Autobahn A6. Das Dorf liegt auf dem Südufer des Raunetbaches, der nordwestlich von Reinhardsrieth entspringt und südlich der Hörlmühle in die Pfreimd mündet.Fritsch Wanderkarte Der Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald, Maßstab 1 : 50.000
Geologische Besonderheiten Hagendorf liegt in einem Gebiet mit Pegmatitvorkommen.
Hagendorf-Nord mini|Phosphophyllit, Fundort Hagendorf-Nord
Im Jahre 1860 wurde in Hagendorf-Nord, Grube Meixner, begonnen, Feldspat abzubauen. Zunächst im Tagebaubetrieb. Ab der Jahrhundertwende begann man mit Tiefbau und Stollenbetrieb. Es wurden 220000 Tonnen Feldspat gefördert. 1937 wurde die Grube geschlossen. Sie war auch eine ergiebige Mineralfundstelle. In den Randbereichen des Pegmatits gab es Phosphatminerale.Bayerisches Landesamt für Umwelt: Ehemalige Pegmatitgrube Hagendorf-Nord ("Meixner-Grube") (PDF 3,2 MB) Nach der Stilllegung wuchs die Grube zu und ist heute (2015) nur schwer zugänglich.
Hagendorf-Nord gilt als Typlokalität für die Minerale Phosphoferrit, Phosphophyllit und Scholzit.
Hagendorf-Süd mini|Strengit, Fundort Hagendorf-Süd
Von 1894 bis 1983 wurden im Corneliaschacht Hagendorf-Süd Feldspat und Phosphatpegmatit abgebaut. Die Grube war weltberühmt für ihre Mineralienfunde. Nach der Stilllegung wurde die Grube geflutet und ist heute (2015) ein Vogelschutzbiotop.Bayerisches Landesamt für Umwelt: Ehem. Corneliaschacht (Pegmatit "Hagendorf-Süd") (PDF 997,3 kB) Der so entstandene Weiher liegt etwa einen Kilometer südwestlich der Ortschaft Hagendorf.
Hagendorf-Süd gilt als Typlokalität für bisher über 30 Mineralarten. Namentlich sind dies Carlhintzeit, Earlshannonit, Fanfaniit, Ferrorockbridgeit, Fluor-Rewitzerit, Flurlit, der nach dem Ort benannte Hagendorfit, Hochleitnerit, Jahnsit-(CaMnZn), Jungit, Kayrobertsonit, Keckit, Kummerit, Laueit, Lehnerit, Manganflurlit, Manganrockbridgeit, Nordgauit, Parascholzit, Phosphoferrit, Pleysteinit, Pseudolaueit, Rewitzerit, Schmidit, Scholzit, Sperlingit, Steinmetzit, Strunzit, Whiteit-(CaMnFe), Whiteit-(CaMnMn), Wildenauerit, Wilhelmgümbelit, Wilhelmvierlingit, Zincoberaunit und Zincostrunzit.
Geschichte Ein Zinsregister des Jahres 1454 verzeichnete Hagendorf als zum Pflegamt Pleystein gehörig. Es wurde in diesem Dokument in der Reihe der öden und verlassenen Ortschaften aufgezählt. Das Pflegamt Pleystein hatte zu dieser Zeit über Hagendorf die Grundherrschaft, die hohe und niedere Gerichtsbarkeit und zusammen mit der Pfarrei Miesbrunn die Zehntrechte.Historischer Atlas von Bayern: Altbayern Reihe I Heft 39: Vohenstrauss S. 144, 145
Nachdem Hagendorf lange öde gelegen hatte, erschien es im Häuser- und Rustikalsteuerkataster und im Urkataster von 1840 für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts als ein zum Landkreis Vohenstrauß, Gemeinde Reinhardsrieth zugehöriges Dorf mit 14 Anwesen, einer Mühle und einem Hirtenhaus.Historischer Atlas von Bayern: Altbayern Reihe I Heft 39: Vohenstrauss S. 148
1805 wurde Hagendorf als zugehörig zum 3. Viertel des Pflegamts Pleystein aufgeführt.Historischer Atlas von Bayern: Altbayern Reihe I Heft 39: Vohenstrauss S. 138
Kurze Zeit, nämlich von 1804 bis 1807 bestand ein Landgericht Pleystein, zu welchem Hagendorf gehörte. Dieses Landgericht Pleystein wurde 1807 aufgelöst und Hagendorf gelangte zum Landgericht Treswitz.
1808 wurden Steuerdistrikte gebildet. Hagendorf wurde dabei ein eigener Steuerdistrikt der außer Hagendorf selber noch die Dörfer Hinterbrünst, Leßlohe, Reinhardsrieth und die Einöden Berghaus, Hagenhaus, Lösselmühle, Zitzmannhaus und Waldheim enthielt. Der Steuerdistrikt Hagendorf gehörte nun zum Landgericht Vohenstrauß.Historischer Atlas von Bayern: Altbayern Reihe I Heft 39: Vohenstrauss S. 208
Aus den Steuerdistrikten entstanden Märkte, Ruralgemeinden und Dorfgemeinden. 1821 war Hagendorf Dorfgemeinde mit 26 Familien. Zur Dorfgemeinde Hagendorf gehörte außerdem noch die Einöde Berghaus mit einer Familie.Historischer Atlas von Bayern: Altbayern Reihe I Heft 39: Vohenstrauss S. 216
1830 wurde die Gemeinde Hagendorf in die Gemeinde Reinhardsrieth eingemeindet. Die Gemeinde Reinhardsrieth bestand nun aus Reinhardsrieth selber, sowie Berghaus, Bernlohe, Hagendorf, Hagenhaus und Leßlohe.Historischer Atlas von Bayern: Altbayern Reihe I Heft 39: Vohenstrauss S. 225
1976 wurde Hagendorf nach Waidhaus eingemeindet.
Religion Hagendorf gehört zur Pfarrei St. Wenzeslaus Miesbrunn und zum Dekanat Leuchtenberg. Die Pfarrei Miesbrunn bildet zusammen mit der Pfarrei Pleystein und der Expositur Burkhardsrieth eine Pfarreiengemeinschaft.http://www.pfarrei-pleystein.de/ Hagendorf hat eine eigene Kirche St. Barbara, die 1974 erbaut wurdeManfred Müller (Hrsg.): Matrikel des Bistums Regensburg. Verlag des Bischöflichen Ordinariats Regensburg, 1997, S. 389 und in der ab und zu Gottesdienste stattfinden. 1913 hatte Hagendorf 23 Häuser und 222 Katholiken. Die Einwohner der Pfarrei Miesbrunn waren zu dieser Zeit zu 99,44 % katholisch.Antonius von Henle (Hrsg.): Matrikel der Diözese Regensburg. Verlag der Kanzlei des Bischöflichen Ordinariates Regensburg, 1916, S. 328 1990 wohnten in Hagendorf 193 Katholiken. Die Einwohner der Pfarrei Miesbrunn waren zu dieser Zeit zu 98,69 % katholisch. Im Jahr 2011 waren von den Einwohnern der Gemeinde Waidhaus 86,6 % katholisch und 3,8 % evangelisch. (PDF; 1 MB), Bayerisches Landesamt für Statistik
Kultur und Sehenswürdigkeiten Hagendorf Haus Nummer 1 ist ein denkmalgeschützter Vierseithof, der im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Im Mineralienmuseum in Vohenstrauß sind Funde aus dem Corneliaschacht Hagendorf-Süd ausgestellt.Berthold Weber: Die Mineralien-Schau in Vohenstrauß: Edelstein-Schau „Schätze der Oberpfalz“ Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Waidhaus Abschnitt Hagendorf
Einzelnachweise
Weblinks
Ortsteile des Marktes Waidhaus auf dessen Website Mineralien in Hagendorf Hagendorf Süd Hagendorf Nord
Kategorie:Ort im Landkreis Neustadt an der Waldnaab Kategorie:Geographie (Waidhaus) Kategorie:Ersterwähnung 1454 Kategorie:Typlokalität Kategorie:Namensgeber für ein Mineral