Erich Adolf Max Wilhelm Schnepel (* 30. März 1893 in Felsberg; † 21. Mai 1986 in Biedenkopf) war ein deutscher evangelischer Pastor. Bekannt wurde er als MissionsinspektorFührer durch die evangelische Kirche und die kirchliche Liebesarbeit in Berlin. Bearbeitet und herausgegeben vom Evang. Verein für kirchliche Zwecke, verbunden mit dem Berliner Hauptverein für Innere Mission. 24. Ausgabe, Jahrgang 1920, Selbstverlag des Evangelischen Vereins, Kommissionsverlag der Evang. Vereinsbuchhandlung GmbH, Berlin, (1920), S. 160 (leitender missionarischer Mitarbeiter) bei der Berliner Stadtmission von 1919 bis 1945 und als theologischer Autor, insbesondere als Verfasser der Briefe aus dem Berliner Osten und aus Grossalmerode.Erich Schnepel: Briefe aus dem Berliner Osten und aus Grossalmerode: Vom Ringen um die Lebensgestalt der Gemeinde Jesu Christi in der Gegenwart. Verlag Junge Gemeinde, Stuttgart, [Mehrteiliges Werk], Bd. 1 1953, Bd. 2 1950 (Neue Folge)
Leben Erich Schnepel wuchs in Kassel auf, da sich sein Vater als Beamter dorthin ans GerichtAdressbuch für Kassel 1889; Schnepel, Emil, Landgerichts-Assistent, Unterneustädtischer Kirchplatz 8; später wurde er als Sekretär mittlerer Beamter am Amtsgericht Kassel. versetzen ließ, und besuchte das Gymnasium bis zur Reifeprüfung. Als Abiturient wurde er gläubiger Christ und entschied sich für ein Studium der Theologie. Ab 1911 studierte er zunächst in Tübingen bei Adolf Schlatter, dann in Halle bei Karl Heim, Martin Kähler und Wilhelm LütgertCatalogus Professorum Halensis, Wilhelm Lütgert , wo er der Deutschen christlichen Studenten-Vereinigung (DCSV) beitrat. Von Wilhelm Philipps wurde er bei Sommer-Jugendlagern bleibend beeinflusst. Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg setzte ihn die Berliner Stadtmission ab 1919 im Osten Berlins als Inspektor und Evangelist ein. Seine Ordination erfolgte am 2. Februar 1919.Pfarralmanach für Berlin und die Provinz Brandenburg. Herausgegeben vom Evangelischen Konsistorium der Mark Brandenburg. Im Selbstverlag. Berlin 1920, S. 315: Abschnitt VI. Geistliche der äußeren und inneren Mission. Wie sein Kollege Hans Dannenbaum schloss sich Schnepel unter dem Stadtmissionsdirektor Walter Thieme (* 18. November 1878; † 27. April 1945)K. Keim, O. Reschke, G. Wehner: Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime 1933 bis 1945. Bd. 8; 2., erg. u. bearb. Aufl. 2012, Verlagsgruppe "trafo", Berlin (2012) S. 56f. ISBN 978-3-89626-908-9 der Bekennenden Kirche an.Joachim Schmitsdorf: Vorwort zur Neuausgabe: Erich Schnepel: Jesus im Römerreich, Bethanien Verlag, Oerlinghausen 2012, S. 7; ISBN 978-3-935558-41-9 Nach der Absetzung bzw. dem erzwungenen Rücktritt Thiemes durch das NS-Regime stand sein Stellvertreter, Schnepel, der sich während der 1939 entbrannten Kämpfe mit der Gestapo als bekennender Christ bewährt hatte, vorübergehend an der Spitze der Berliner Stadtmission als geistlicher Leiter.75 Jahre Berliner Stadtmission. Hrsg. im Auftrage des Vorstandes: Max Dietrich, Berlin, 1952, S. 16 und 59
Er geriet 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft,Erich Schnepel, in: Diener Jesu Christi. Bekannte Persönlichkeiten berichten aus ihrem Leben. Hrsg. Kurt Heimbucher / Traugott Thoma, Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Bad Liebenzell, 1984, S. 131–136; ISBN 3-88002-232-1. nachdem er zuvor Anfang Mai 1940 von der Wehrmacht als früherer Offizier des Ersten Weltkrieges erneut eingezogen wurde.Erich Schnepel, in: Diener Jesu Christi. Bekannte Persönlichkeiten berichten aus ihrem Leben. Hrsg. Kurt Heimbucher / Traugott Thoma, Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Bad Liebenzell, 1984, S. 131 Schnepel konnte nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im Herbst 1945 durch vorherige Gemeindewahl eine Pfarrstelle in Großalmerode antreten, nachdem Bischof Dibelius, Berlin, ihn für einen Dienst als Gemeindepfarrer in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck freigegeben hatte.Erich Schnepel: Ein Leben im 20. Jahrhundert. 2. Teil. 1930-1965. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal (1966), S. 98ff. Hier blieb er bis zur vorzeitigen Pensionierung Anfang Februar 1956. Er war jedoch weiterhin dort wohnhaft und ehrenamtlich tätig bis zum Umzug 1964 zu seinem Sohn, Pfarrer Theo Schnepel,Theo Schnepel: ... bis dass er kommt. Ein Beitrag zur Mutterhaus-Diakonie aus Predigten und Ansprachen von Theo Schnepel anlässlich seines 65. Geburtstages. Hrsg. Volker Steinhoff, Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH, Marburg an der Lahn (1985); ISBN 3-88224-424-0 und dessen Familie in den jetzigen Marburger Stadtteil Wehrda.
Erich Schnepel kam erstmals 1920 mit der 1913 gegründeten Pfarrergebetsbruderschaft (PGB) in Berührung und organisierte als ehrenamtlicher Vertrauensmann dieses „Kindes der Erweckung“ in der damaligen Mark Brandenburg Freizeiten, so genannte Pfarrerrüstzeiten.Erich Schnepel: Ein Leben im 20. Jahrhundert. 2. Teil. 1930-1965. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 1966, S. 124 ff. Auf der ersten Tagung der PGB nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahre 1946, wurde beschlossen, Schnepel zum Schriftführer zu machen. Er übernahm diese Aufgabe mit Zustimmung des kurhessischen Bischofs Adolf Wüstemann und würdigte die von ihm organisierten Pfarrerrüstzeiten in Berlin und anderswo mit Teilnehmern aus der damaligen DDR vor dem Bau der Berliner Mauer 1961 als das Schönste in dieser Tätigkeit.Erich Schnepel: Ein Leben im 20. Jahrhundert. 2. Teil. 1930-1965. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal (1966), S. 136 ff. Schnepel sorgte Anfang der 1950er Jahre für den Bau einer evangelischen „Heimstätte“ in Grossalmerode, die zu einer „Akademie für Fragen des Baus der Gemeinde Jesu Christi“ und einer Begegnungsstätte zwischen West und Ost wurde. Schnepel und seine Frau fühlten sich immer als die „Beschenkten“, insbesondere dann, wenn sie mit den Pfarrerehepaaren jenseits der einstigen deutsch-deutschen Grenze zusammen kamen.Erich Schnepel: Ein Leben im 20. Jahrhundert. 2. Teil. 1930-1965. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal (1966), S. 147. Die Berliner Stadtmission erhielt durch ihren ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden Erich Schnepel „Heimatrecht“ in seinem Büro in Großalmerode, vor allem in der Nachkriegszeit, als sie „durch die Grenzen der Besatzungszonen von ihrem ganzen Freundeskreis abgeschnitten“ war.Erich Schnepel: Ein Leben im 20. Jahrhundert. 2. Teil. 1930-1965. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal (1966), S. 125f. Bis in die 1950er Jahre hinein wirkte der Pfarrer von Großalmerode, Schnepel, als ehrenamtliches Mitglied im Vorstand des Vereins für Berliner Stadtmission tatkräftig mit.75 Jahre Berliner Stadtmission. Hrsg. im Auftrage des Vorstandes: Max Dietrich, Berlin, 1952, S. 22
Anlässlich des 75. Geburtstages von Erich Schnepel 1968 fand im Foyer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche für den Jubilar ein Empfang statt, auf dem Bischof Scharf gratulierte und ihm ein Buch als Geschenk überreichte.Abbildung mit beschreibendem Bildtext in: Gott liebt diese Stadt. 100 Jahre Berliner Stadtmission. 1877 - 1977. Herausgeber: Berliner Stadtmission. Redaktion der Jubiläumsschrift: Siegfried Dehmel; S. 80
Auszeichnungen im Ersten Weltkrieg und Kriegsteilnehmer am Zweiten Eisernes Kreuz II. und I. Klasse Österreichisches Militär-Verdienstkreuz III. Klasse Verwundeten-Abzeichen 1918 Ehrenkreuz für Frontkämpfer (E.f.F.)
Das Eiserne Kreuz I. Klasse wurde dem „Leutnant der Reserve, Pfarramtskandidat Erich Schnepel aus Kassel“ 1917Hessenland. Hessisches Heimatblatt. Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst. Gegründet von Ferdinand Zwenger. 31. Jahrgang. Kassel, 1917, Nr. 11/12. Druck und Verlag von Friedrich Schneel; Juni-Doppelheft 1917, S. 188 verliehen und das in II. Klasse 1915.Hessenland. Hessisches Heimatblatt. Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst. Gegründet von Ferdinand Zwenger. 30. Jahrgang. Kassel, 1916, Nr. 1. Druck und Verlag von Friedrich Schneel; Erstes Januarheft 1916 Schnepel beschrieb in den 1970er Jahren seine schwere Verwundung gegen Ende des Ersten Weltkrieges als „Nullpunkt der Existenz, an der Pforte des Todes“ und verband seine Bewahrung mit einem Glaubenszeugnis. Erich Schnepel: Mein Leben hat Inhalt. Wuppertal 1977, ISBN 3-417-20255-8, S. 87. Alle vier Auszeichnungen sind bei P. Erich Schnepel aufgeführt in: Pfarralmanach für die Kirchenprovinz Mark Brandenburg. Herausgegeben vom Evangelischen Konsistorium der Mark Brandenburg. Nach dem Stande vom 1. April 1939. (Änderungen nach der Drucklegung nach Möglichkeit berücksichtigt). Verlag Trowitzsch & Sohn Berlin, 1939, S. 440. Im August 1914 wurde Schnepel freiwillig Soldat, im Januar 1915 zum Gefreiten befördert, im März 1915 zum Unteroffizier und im September 1915 zum Leutnant. Ab 1917 wurde Schnepel als Kompanieführer eingesetzt und Ende desselben Jahres schwer verwundet. Die Schilderung des letzten Tages an der Front als Verwundeter mit hohem Blutverlust und des Rücktransports durch Kameraden im Ersten Weltkrieg ergänzte er mit der Beschreibung seiner Dankbarkeit darüber, dass ihm „das Leben noch einmal geschenkt“ wurde.Erich Schnepel: Als Christ und Kompanieführer im Weltkrieg. Das Fronterlebnis des Christen. Im Furche-Verlag, Berlin (1940), S. 3 (Vorspann) u. S. 16
Autor von Kriegserlebnissen Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gab Schnepel seine Zustimmung dem Furche-Verlag dafür, dass die von ihm verfasste Broschüre mit dem Titel: Mein Weg zur Bibel. Student. Soldat. Christ als „Feldausgabe“ herausgebracht werden konnte. Bei seinem darin veröffentlichten Bekenntnis als Christ im Ersten Weltkrieg verschwieg Schnepel nicht, dass der Krieg 1914–1918 seinerzeit „zusammengebrochen“ war und das Kriegsende ihn in den „Berliner Osten“Erste Wohnanschrift im Berliner Nordosten, Lebuser Straße 3; führte, wo er der dort wohnenden „Arbeiterschaft“ die Botschaft der Bibel bringen wollte. Der Verlag gab in dieser 1939er Kriegsausgabe für die Soldaten der Wehrmacht auch den Beruf des Verfassers „Pastor und Missionsinspektor der Berliner Stadtmission“ bekannt sowie dessen damalige Wohnanschrift in Berlin-Karlshorst, Frankestraße 35.Erich Schnepel: Mein Weg zur Bibel. Student. Soldat. Christ. Feldausgabe. Furche-Verlag, Berlin, 1939, S. 2 und S. 16
Briefe aus dem Berliner Osten In einem mehrfarbigen Werbe-Faltblatt zu den Neuerscheinungen 1936 fasste der Furche-Verlag den Inhalt von Schnepels „Briefe aus dem Berliner Osten“ zusammen, die seine evangelistischen Einsätze unter den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen widerspiegeln: „Ein kleiner Kampftrupp, meist etwa 10 Menschen umfassend, bricht mutig ein in die dicke, erstickende Atmosphäre des Berliner Ostens. Man hat nicht nur gegen Stumpfsinn und stille Christentumsfeindschaft zu kämpfen, nein, es geht durch sehr ernste äußere Gefahren hindurch. Aber es wird eine Bresche geschlagen in all den Widerstand, es wird eine Gasse frei für die Botschaft von Christus. Und der Siegeszug führt weiter in die märkischen Dörfer hinein. Überall Menschen, die sich finden lassen, und immer wieder bei den Botschaftern das Bewusstsein, unter einer höheren Führung zu stehen. Die Briefe, die Erich Schnepel seiner Freischar aus dem Berliner Osten schreibt, sind moderne Hirtenbriefe, die den Weg, der zu gehen ist, auf immer neue Weise klarstellen, in denen Freude und auch Traurigkeit über Fehlschläge ihren lebendigen Widerhall finden, in denen die Lebensordnung der Gemeinde Jesu sich abzuzeichnen beginnt.“ September 1936. Die Neuerscheinungen des Furche-Verlages, Druck: Offizin Haag-Drugulin in Leipzig (orangefarbiges Faltblatt mit vier bedruckten Seiten, einschließlich abtrennbarem Bestellzettel, hier S. 2 oben). – Sammlung Schudi 45
Einberufung zur Wehrmacht