mini|150px|Absolventenabzeichen der „Militärakademie Friedrich Engels“ in Dresden

Offiziershochschulen der DDR (OHS der DDR) waren militärische Lehreinrichtungen der bewaffneten Organe der DDR mit Hochschulstatus. Sie dienten der Ausbildung von Offizieren im Dienstverhältnis Berufssoldat oder Offizier auf Zeit. Die Studenten waren Offiziersschüler (OS) und trugen die entsprechenden OS-Dienstgrade.

Neben Bürgern der DDR stand diese Ausbildung auch Bürgern anderer Staaten offen.

Zielsetzung und Studiendauer mini|300px|Offiziersschüler der OHS der Grenztruppen erhalten Blumen durch Pioniere nach der Militärparade in Berlin.

Die Ausbildung der Offiziere der Kasernierten Einheiten des Ministeriums des Innern und ab 1956 der NVA erfolgten anfangs in einem dreijährigen und ab 1983 in einem vierjährigen Studium. Sie wurden ausgebildet bis zur Dienststellung Kompaniechef/Batteriechef und nach einer Einweisung in die Gefechtsführung als Bataillonskommandeur/Abteilungskommandeur.

Im Rahmen der militärischen Ausbildung wurden über alle Studienjahre hinweg Alarmierungsübungen, Märsche, Schießübungen, Feldlager absolviert.

Im zweiten Studienjahr erfolgte ein Einsatz als Zugführer in den Lagern für Wehrausbildung. Aus diesem Studienjahr wurden in der Regel auch die Marschformationen der Offiziershochschulen der NVA für die zur Militärparade am 7. Oktober, dem Tag der Republik, in Berlin formiert.

Im dritten Studienjahr wurde ein Truppenpraktikum als Zugführer durchgeführt. In der Regel übernahmen die dritten oder vierten Studienjahre sektionsintern auch die Grundausbildung der neu einberufenen Offiziersschüler.

Nach bestandenem Diplomverfahren (diese ab 1983, nach Verleihung des Diplomierungsrechtes an die OHS durch den Minister für Hoch- und Fachschulwesen der DDR) und der Abschlussprüfung erfolgte die Ernennung zum Leutnant. Danach begann der Truppendienst, in der Regel in einer Zugführerverwendung.

Für interessierte Wehrpflichtige bestand nach Ableistung des Grundwehrdienstes die Möglichkeit zur Ausbildung als Reserveoffiziersanwärter. Nach Ableistung der erforderlichen Lehrgänge und Prüfungen erfolgte die Ernennung zum Unterleutnant. Mitte der 1970er Jahre wurden in einem Studienjahr für eine dreijährige Gesamtdienstzeit Offiziere auf Zeit ausgebildet.

Nach mindestens dreijährigem Truppendienst wurden besonders befähigte und kaderpolitisch akzeptierte Offiziere für das Studium an der Militärakademie „Friedrich Engels“, der Militärpolitischen Hochschule Wilhelm Pieck oder einer der sowjetischen Militärakademien ausgewählt. Dort erfolgte die Ausbildung für weitere Kommandeursverwendungen oder für herausgehobene Dienstposten in den Kommandos der Teilstreitkräfte bis hin zum Ministerium für Nationale Verteidigung. Wegen der grundsätzlich unterschiedlichen militärpolitischen Ausrichtung der Offiziersausbildung sind keine seriösen Vergleiche, etwa zwischen Bundeswehr und NVA oder zwischen anderen Armeen des Warschauer Vertrages und der NATO möglich.

Militärischer Bereich Die Offiziershochschulen wurden in der Regel durch einen Kommandeur im Generals- oder Admiralsrang (ab Hochschulstatus Generalmajor), der über einen eigenen Stab verfügte, geführt.

Dem Kommandeur waren unmittelbar unterstellt Sekretariat / Leitungsbereich wissenschaftlicher Sekretär Offizier Analyse und Kontrolle Sekretärin Stellvertreter des Kommandeurs für politische Arbeit (StKPA) Stellvertreter des Kommandeurs und Stabschef (StKSC) mit Offizier Kader, Offizier Finanzen, Offizier Organisation und Auffüllung (OrgAuffüllung) Stellvertreter des Kommandeurs Ausbildung / Forschung (StKA/F) Stellvertreter des Kommandeurs Einheiten / Lehrgänge (StKE/L) Stellvertreter des Kommandeurs Operativ (STKOp) Stellvertreter des Kommandeurs Versorgung (StKV) mittelbar die Diensteinheit der Verwaltung 2000 mit Zuständigkeit für die betreffende OHS

Organisation Die Militärstudenten führten Offiziersschülerdienstgrade und waren in Kompanien / Batterien, Zügen und Gruppen militärisch gegliedert. Der Kompaniechef / Batteriechef war ein Offizier der Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere bis Oberstleutnant/Fregattenkapitän und trug die Funktionsbezeichnung Lehrgruppenleiter/Kompaniechef (LGL/KC) bzw. Lehrgruppenleiter/Batteriechef (LGL/BC).

Die Zugführer, zugleich Fachlehrer, waren ebenfalls Offiziere bis zum Dienstgrad Major/Korvettenkapitän. Bereits zum Studienbeginn fungierten Offiziersschüler als stellvertretender Zugführer (StZF) und als Gruppenführer (GF). Dies war an einem zusätzlichen gelben Streifen (für StZF) bzw. roten Streifen (für GF) auf den Schulterstücken der Dienstuniform ersichtlich. Mit Beginn des vierten Studienjahrs entfielen die bis dahin etatmäßigen Zugführer mit Offiziersrang.

In jeder Kompanie gab es einen Kompaniefeldwebel, der umgangssprachlich auch als Spieß bezeichnet wurde.

Unterbringung Die Militärstudenten waren in der Regel kaserniert untergebracht. Ausgang, Urlaub und das Tragen ziviler Kleidung bedurften der Genehmigung der Disziplinarvorgesetzten und wurde mit zunehmender Studiendauer großzügiger gewährt. Im vierten Studienjahr war die Unterbringung außerhalb der Kaserne möglich und es wurde ständige Zivilerlaubnis gewährt.

Ausbildung der Sanitätsoffiziere Die Ausbildung von Sanitätsoffizieren in den Bereichen Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie erfolgte ab 1955 an der Militärmedizinischen Sektion der Universität Greifswald und/oder ab 1981 auch an der Militärmedizinischen Akademie Bad Saarow. Die Absolventen der Uni Greifswald trugen grüne Absolventenabzeichen.

Die Militärmedizinische Sektion war, trotz ihrer Anbindung an die Universität Greifswald, eine Dienststelle der NVA, die von einem Kommandeur geführt wurde. Organisatorisch war die Sektion von der Universität getrennt. Die Unterbringung der Medizin studierenden Offiziersschüler erfolgte in der Kaserne der Sektion.

Geschichte Bildung zentraler Offiziersschulen Vor 1963 gab es eine Vielzahl verschiedener Offiziersschulen der einzelnen Truppengattungen und Dienstteilbereiche der NVA. Mit Herausbildung der Teilstreitkräfte und der Übernahme der Führungskompetenzen für Offiziersschulen standen erste Veränderungen an. So entschied die Führung der NVA die Konzentration der Ausbildung auf wenige Standorte durch Schaffung von Offiziershochschulen der Landstreitkräfte, Luftstreitkräfte, Volksmarine und der Grenztruppe bis 30. November 1963.

Die Ausbildung an den neuen zentralen Offiziersschulen begann am 2. Dezember 1963 und dauerte allgemein drei Jahre. Sie endete mit der Ernennung zum ersten Offiziersdienstgrad, damals Unterleutnant, und der Funktionsbezeichnung Techniker Zugführer. Für die jahrgangsbesten Absolventen war die Ernennung unmittelbar mit der Beförderung zum nächsten Offiziersdienstgrad, zu dieser Zeit Leutnant, und der Auszeichnung mit dem Ehrendolch des Ministers für Nationale Verteidigung „mit Gravur“ verbunden.

Lediglich die Ausbildung der Piloten zum „Flugzeugführer-Ingenieur“, die Fernmeldeausbildung zum „Nachrichtenbetriebsingenieur“ und die Ausbildung der Marineoffiziere erfolgten damals schon in einem 4-Jahres-Studium. Für Studiengänge von Soldaten, wie im Sanitätsdienst, an zivilen Hochschulen und Universitäten galten Sonderregelungen.

Studienzulassung Für den Zugang zu den Offiziersschulen und späteren Offiziershochschulen war die allgemeine Hochschulreife zwingend erforderlich. Ob das Abitur an einer Erweiterten Oberschule oder auf dem zweiten Bildungsweg abgelegt wurde, war unerheblich. So bestand beispielsweise für befähigte Berufssoldaten die Möglichkeit, das Fachabitur/Teilabitur am Institut für Sprachausbildung in Naumburg abzulegen.

Indoktrination, Wettbewerb und Auszeichnungen Wie in der DDR allgemein üblich nahmen die Offiziershochschulen ebenfalls am sogenannten sozialistischen Wettbewerb teil. Dabei strebten die Offiziersschüler individuell den Erwerb der Soldatenauszeichnungen, wie Bestenabzeichen, Schützenschnur, Militärsportabzeichen, Kampfsportnadel, Klassifizierungsabzeichen und Leistungsabzeichen, an.

Neben der gesellschaftswissenschaftlichen Ausbildung waren die Offiziersschüler in aller Regel Mitglied der ASV, FDJ und der SED (hier zumindest Kandidat), in Ausnahmefällen Mitglied einer Blockpartei oder parteilos. Dies diente vornehmlich der parteipolitischen Bildung und Erziehung sowie der Vorbereitung auf den Truppendienst.

Dazu bildeten die Schüler-Kompanien Parteigruppen der SED, unter Schirmherrschaft der Grundorganisation (GO) der jeweiligen Sektion und der übergeordneten Zentralen Parteileitung (ZPL) der Offiziershochschule. Zudem bildeten die Schüler-Züge FDJ-Gruppen, die vom FDJ-Sekretär der Kompanie angeleitet wurden.

Die Funktionsträger in den Schülerkompanien wurden gewählt und übten die Tätigkeit als FDJ-Sekretär oder Parteisekretär durchweg ehrenamtlich aus, dies war beurteilungsrelevant und konnte karriereförderlich sein. Angeleitet für ihre politische Tätigkeit wurden diese Funktionsträger nach dem Vorbild der Sowjetarmee von eigens ausgebildeten Politoffizieren.

Hochschulstatus 1971 erhielten die Offiziersschulen den Hochschulstatus. Die Absolventen wurden nunmehr nach Abschluss der Ausbildung zum Leutnant ernannt und durften die Berufsbezeichnungen „Hochschulingenieur“ oder „Hochschulökonom“ führen. Das Diplomrecht wurde den Offiziershochschulen Anfang 1982 übertragen. Die Studienzeit betrug damit durchgängig vier Jahre.

Die Diplom-Absolventen der militärischen Offiziershochschulen, mit Studienbeginn ab 1983, erhielten dreieckige, weiße Absolventenabzeichen. Offiziere, die vor ihrem Eintritt in die NVA für spezielle Verwendungen ein ziviles Studium an einer zivilen Universität oder Hochschule absolviert hatten, erhielten dreieckige, farblich nach Fachrichtung unterschiedliche Absolventenabzeichen.

Ab 1984 wurden weibliche Offiziere an den Offiziershochschulen ausgebildet.

Dienstgradabzeichen mini|90px|Volksmarine(VM)Distinktions- abzeichen 1959–1990

Das S im Dienstgradabzeichen stand für Schüler, ähnlich dem K im Schulterstück der ehemaligen Kadettenschule in Naumburg (Saale) oder dem K für Kursant an den sowjetischen Offiziersschulen.

1 Balken = 1. Studienjahr 2 Balken = 2. Studienjahr 3 Balken = 3. Studienjahr 4 Balken = 4. Studienjahr sowie Offizierslehrgänge der Absolventen ziviler Universitäten / Hochschulen 5 Balken = 5. Studienjahr, nur Offz.-Schüler im Studium an sowjetischen Militärhochschulen und Medizinstudierende 6 Balken = 6. Studienjahr, nur Offz.-Schüler im Medizinstudium z. B. an der Militärmedizinischen Sektion an der Universität Greifswald

Anmerkung: ohne Balken = Offz.-Schüler während der Ausbildung zur Erlangung der Hochschulreife, auch Teil- oder Fachabitur; oder in der einjährigen Berufsausbildung Winkel im Ärmelabzeichen = Offz.-Schüler der Volksmarine analog zur Anzahl der Balken auf den Schulterklappen

Übersicht über die Offiziershochschulen der DDR Nationale Volksarmee Offiziershochschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“ in Löbau und Zittau Offiziershochschule der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung für Militärflieger „Otto Lilienthal“ in Bautzen Offiziershochschule der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung „Franz Mehring“ in Kamenz Offiziershochschule der Volksmarine „Karl Liebknecht“ in Stralsund Offiziershochschule der Grenztruppen der DDR „Rosa Luxemburg“ in Plauen, ab 1984 in Suhl Offiziershochschule für ausländische Militärkader „Otto Winzer“ in Prora (Lehr- und Ausbildungsbasis für ausländische Militärkader; 1981–1990) Institut der Zivilverteidigung der DDR in Beeskow (1967, ab 1979 Hochschulstatus)

Ministerium des Innern Offiziershochschule des Ministeriums des Innern „Artur Becker“ – Bereitschaften in Dresden

Ministerium für Staatssicherheit Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit in Potsdam

Zivile Hochschulen Humboldt-Universität zu Berlin