Matra Sports war ein französischer Konstrukteur von Rennwagen und -motoren und ein Tochterunternehmen des Matra-Konzerns.
Das Unternehmen engagierte sich ab Mitte der 1960er-Jahre bis zum Beginn der 1980er-Jahre in diversen Rennsportserien sowohl mit einem Werksteam als auch als Chassis- und Motorenlieferant für Kundenteams erfolgreich. Der größte Triumph war der Gewinn der Konstrukteursmeisterschaft in der Formel-1-Saison 1969 sowie der Gewinn der Fahrer-Weltmeisterschaft von Jackie Stewart mit einem Matra-Chassis im Kundenteam Tyrrell. Auch in den niedrigeren Rennklassen Formel 3 und Formel 2 gewannen Fahrer mit Matra-Chassis Ende der 1960er-Jahre einige Titel. Weiter siegte das Werksteam 1972, 1973 und 1974 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans und gewann parallel dazu die Sportwagen-Weltmeisterschaft in den Jahren 1973 und 1974.
Unternehmensgeschichte Matra Sports geht auf das 1937 gegründete französische Rüstungs- und Luftfahrtunternehmen Capra (Compagnie Anonyme de Production et Réalisation Aéronautique) zurück, dass 1941 in Matra (kurz für: Mécanique Avion Traction) umbenannt wurde. Matra diversifizierte zu Beginn der 1960er-Jahre: 1964 übernahm das Unternehmen den Chassishersteller Bonnet. Darauf aufbauend, entstanden in den nächsten Jahrzehnten bei Matra unterschiedliche Rennfahrzeuge sowie Straßen-Sportwagen.
Im Zuge der Ausweitung in den Automobilsektor wurde 1964 das für den Automobilsport zuständige Tochterunternehmen Matra Sports unter der Leitung des jungen, visionären Managers Jean-Luc Lagardère gegründet, der später ein Firmenimperium aufbaute, zudem auch der Hauptkonzern Matra selbst gehörte. Eine weitere wichtige Persönlichkeit war der Ingenieur Gérard Ducarouge, der bis zu seinem Tod als Designer und Sportdirektor für diverse Teams agierte und nach seinem Matra-Engagement mehrere siegreiche Formel-1-Rennwagen unter anderem für Lotus designte. Das Unternehmen hatte seinen Sitz ab 1969 in Vélizy-Villacoublay bei Paris und baute später einen zweiten, kleineren Standort im Département Var in unmittelbare Nähe zum Circuit Paul Ricard auf, in den die Sportwagen-Aktivitäten ausgelagert wurden. Bereits bei Beginn des Motorsportengagements war die Teilnahme an der Formel 1 das erklärte Ziel von Matra Sports, dass dieses 1968 erreichte. Bis heute ist Matra Sports der einzige Konstrukteur, der einen Konstrukteurstitel der Formel 1 gewann, ohne im entsprechenden Jahr mit einem eigenen Werksteam angetreten zu sein.
Zudem förderte Matra Sports eine Reihe junger Talente des französischen Rennsports der 1960er-Jahre, die bis Mitte der 1970er-Jahre untrennbar mit der Marke verbunden blieben. Lagardère wollte so seinen Traum eines siegreichen französischen Nationalteams beim als schwerste Disziplin im internationalen Rennsport angesehenen 24-Stunden-Rennen von Le Mans realisieren, was schließlich Anfang der 1970er-Jahre mehrmals gelang.
Ab dem Jahr 1970 ging Matra eine Zusammenarbeit mit Simca ein und geriet dadurch wie auch das Tochterunternehmen Matra Sports in den Einflussbereich des US-amerikanischen Automobilkonzerns Chrysler. Dies bedeutete zudem die Trennung vom langjährigen Motorenpartner im Formelsport Ford unter dem Druck von Chrysler, da Matra nun direkt in Konkurrenz zu Ford stand.
Mit dem Ende der Motorsport-Saison 1974 stellte Matra Sports seine Aktivitäten im Zuge einer Neuausrichtung des Unternehmens größtenteils ein; weite Teile des Personals, Inventars und der Infrastruktur der Werksteams wurden auf Vermittlung des Fahrers Jean-Pierre Beltoise von der Équipe Ligier übernommen, die bis 1996 in der Formel 1 sowie bis 1982 mit V12-Motoren antrat, die auf Matra Sports zurückgingen.
Nach der Übernahme durch Peugeot im Jahr 1979 verschwand Matra Sports und wurde Teil der Peugeot-Marke Talbot.
Formel 1
1967: Lehrjahr mit Formel-2-Chassis In der Formel-1-Weltmeisterschaft 1967 meldete Matra erstmals Fahrzeuge für gewertete Läufe, nachdem bereits im Vorjahr beim Großen Preis von Deutschland 1966 einige MS6 teilnahmen, die aber nicht für die Weltmeisterschaft berücksichtigt wurden. Da noch kein Formel-1-Monoposto entwickelt wurde, setzte Matra das Formel-2-Chassis erneut ein. Jean-Pierre Beltoise und Johnny Servoz-Gavin versuchten beide die Qualifikation zum Großen Preis von Monaco, die schlussendlich nur Letzterem gelang. Von Startplatz 11 kommend fiel Servoz-Gavin aber nach nur einer Runde mit Problemen bei der Kraftstoffeinspritzung aus. Diese Teilnahme kann trotzdem als der erste gewertete Start eines Matra-Chassis in der Formel 1 gesehen werden. Weiter nahm Beltoise mit dem MS7 auch an zwei weiteren Läufen der Saison 1967 in Nordamerika teil und verfehlte zweimal als Siebter Punkte nur knapp.
Da keine Punkte erzielt wurden, wurden beide Fahrer am Ende der Saison nicht klassifiziert.
1968: Debüt mit zwei Motoren 1968 debütierte Matra in der höchsten Disziplin des Rennsports erstmals mit einem Formel-1-Chassis, nach zwischen 1966 und 1967 einzelne Teilnahmen mit Formel-2-Monoposto wie dem MS5 und MS7 stattgefunden hatten. Der experimentelle MS9 kam bei der Saisoneröffnung in Südafrika zu einem ungeplanten Renneinsatz im Tyrrell-Kundenteam mit Jackie Stewart. Er fiel aber aus. Parallel dazu fuhr Jean-Pierre Beltoise mit einem Formel-2-MS7 beim Grand Prix mit und erreichte als Sechster einen Punkt. Danach war das MS10-Monoposto einsatzbereit und wurde bei Tyrrell mit einem Cosworth-DFV-Motor ausgerüstet. Ken Tyrrell erkannte das Potential dieses leichteren und sparsameren Motors im Vergleich zum schweren V12-Motor von Matra, den der Hersteller stattdessen in der Formel 1 einsetzen wollte. Zudem kam ein Großteil des Tyrrell-Budgets von Ford, die die Entwicklung des DFV bei Cosworth finanziert hatten. Als Kompromiss fuhr das als Matra International antretende, aber unabhängige Tyrrell-Team mit Cosworth-Motor, während das Matra-Werksteam den MS10 minimal umbaute und mit V12-Motor als MS11 meldete.
Bereits im ersten Jahr war das Kundenteam erfolgreicher als die Werksmannschaft. Stewart gewann drei Rennen und befand sich lange im Kampf um die Meisterschaft, musste sich aber letztendlich Graham Hill im Lotus geschlagen geben. Zudem gelang es dem nur vereinzelt startenden Johnny Servoz-Gavin beim Großen Preis von Italien einen zweiten Platz herauszufahren. Dadurch schloss das als Matra-Ford geführte Team die Saison mit 45 Punkten auf dem dritten Rang der Konstrukteurswertung ab. Das Werksteam hatte deutliche Schwierigkeiten und erzielte als bestes Saisonergebnis nur einen zweiten und fünften Platz, beide durch Beltoise. So konnte Matra selbst am Ende der Saison mit acht Punkten nur den 9. Platz erreichen.
1969: Doppelter Weltmeistertitel für Matra mini|Beltoise im Matra MS80, 1969 In der Formel-1-Saison 1969 fokussierte sich Matra Sports allein auf die Unterstützung des Kundenteams Matra International von Ken Tyrrell, das mit Jackie Stewart und Jean-Pierre Beltoise als Stammfahrerduo antrat, und meldete daher kein eigenes Werksteam. Stewart gewann mit dem MS10 aus der Vorsaison noch die Saisoneröffnung in Südafrika und stieg dann auf das Nachfolgefahrzeug MS80 um. Beltoise tat es ihm gleich, nachdem er in Südafrika ebenfalls mit dem MS10 einen sechsten Platz herausgefahren hatte. Beltoise war es auch, der den allradgetriebenen MS84 beim Großen Preis von Großbritannien zu seinem ersten Einsatz in der Formel-1-Weltmeisterschaft brachte. Er erreichte aber keine Punkte. Zuvor hatte neben ihm auch Jackie Stewart das Chassis über die Saison in den Trainings mehrmals getestet, sich aber immer gegen den Einsatz entschieden. Für die letzten vier WM-Läufe vermittelte Matra Sports den Formel-2-Europameister Johnny Servoz-Gavin zu Ken Tyrrell, der ihn mit dem MS84 als dritten Fahrer meldete. Gavin startete nur bei drei dieser Grands Prix, erzielte aber beim Großen Preis von Kanada als Sechster den einzigen Punkt für ein Allradfahrzeug in der Formel 1.
Am Ende der Saison gewann Stewart überlegen die Fahrerweltmeisterschaft mit 63 zu 37 Punkten gegen Jacky Ickx im Brabham. Da er diesen Erfolg aber mit dem unabhängigen Kundenteam von Ken Tyrrell erzielte, zählt er teilweise nicht in die Statistik von Matra Sports. Das Unternehmen entschied aber mit 66 Punkten die Konstrukteursmeisterschaft für sich und ist somit neben Ferrari das einzige Unternehmen, das diesen Titel mit einem Fahrzeug gewann, das nicht in Großbritannien gebaut wurde.
1970: Rückfall ins vordere Mittelfeld Für die Saison 1970 trennte sich Matra Sports von Ken Tyrrell, da das Unternehmen die Absicht des Briten, den leichteren und stärkeren Cosworth-DFV-Motor weiterhin dem werkseigenen Matra-Zwölfzylinder als Antrieb für die Matra-Chassis vorzuziehen, nicht weiter unterstützen wollte. Die Nutzung des von Ford finanzierten Cosworth-Motors stand im Widerspruch mit der über eine Partnerschaft mit Simca hergestellten Verbindung Matras zum Ford-Konkurrenten Chrysler. Tyrrell begann daher mit der Konstruktion eigener Rennwagen, während Matra Sports mit einem Werksteam in die Formel 1 zurückkehrte. Als Fahrer wurden wieder Jean-Pierre Beltoise und Henri Pescarolo verpflichtet, die bereits 1968 für das Team gestartet waren. Mit dem Matra MS120 wurde ein völlig neues Fahrzeug entwickelt, dass nur noch in Einzelheiten mit den Vorjahreswagen identisch war und von einem Matra-MS12-Motor angetrieben wurde. Matra Sports brachte daher inklusive Elf Aquitaine als Sponsor ein rein französisches Team an den Start.
Zwar konnte Matra Sports 1970 drei Podestplatzierungen sowie regelmäßige Zielankünfte in den Punkterängen verbuchen, Siege oder gar WM-Titel waren aber nicht erreichbar. Beltoise erfuhr 16 WM-Punkte, Pescarolo 8. In der Konstrukteurswertung belegte Matra den 7. Rang.
1971: Keine Fortschritte mini|Chris Amon im Matra MS120, 1972 Das Jahr 1971 markierte den Tiefpunkt des Formel-1-Engagements von Matra Sports. Henri Pescarolo war zugunsten des Neuseeländers Chris Amon entlassen worden, der gleichzeitig die Rolle des ersten Fahrers übernahm, was den im Team verbliebenen Jean-Pierre Beltoise frustrierte. Der Matra MS120 der Vorsaison wurde weiterentwickelt und als 120B wieder mit Matra-V12-Motor an den Start gebracht. Zum ersten Saisonlauf in Südafrika sowie zu den Rennen in Deutschland, Österreich und Italien startete Amon alleine, da Beltoise im Januar 1971 beim 1000-km-Rennen von Buenos Aires in den tödlichen Unfall von Ignazio Giunti verwickelt war und aufgrund seines leichtsinnigen Verhaltens ebenda, das letztendlich zum Unglück führte, zeitweise seine Rennlizenz verloren hatte.
Das beste Saisonergebnis war ein dritter Platz in Spanien von Chris Amon. Ebenfalls dort erzielte Beltoise als Sechster seinen ersten und einzigen WM-Punkt der Saison. Beim Großen Preis von Italien in Monza hatte Amon die Chance auf den Sieg, doch verlor er mit Vorsprung in Führung liegend sein Helmvisier, fiel hinter die Spitzengruppe zurück und erreichte so beim knappsten Zieleinlauf der Grand-Prix-Geschichte nur den sechsten Rang. Am Saisonende belegte Matra Sports mit 9 Punkten den siebten Rang der Konstrukteurswertung.
1972: Nur noch ein Fahrzeug