The Man in the High Castle ist eine von 2015 bis 2019 erschienene, US-amerikanische dystopische Science-Fiction-Fernsehserie. Sie basiert lose auf dem im Original gleichnamigen Roman Das Orakel vom Berge (englischer Originaltitel: The Man in the High Castle) von Philip K. Dick aus dem Jahr 1962. Die Serie spielt in einer Alternativwelt, in der das Deutsche Reich und das Japanische Kaiserreich den Zweiten Weltkrieg gewonnen und große Teile des Staatsgebiets der Vereinigten Staaten besetzt haben. Anfänglicher Showrunner und Ideengeber der Serie war Frank Spotnitz. Von 2015 bis 2019 veröffentlichte der Video-on-Demand-Anbieter Prime Video vier Staffeln mit je zehn Episoden.

Handlung Überblick mini|rechts|Die politische Karte des früher den USA gehörenden Territoriums in der Serie mini|Flagge des Großdeutschen Reiches im von den Nationalsozialisten besetzten Teil der ehemaligen USA in der Serie mini|Flagge der Japanischen Pazifikstaaten in der Serie

Es wird eine Alternativweltgeschichte erzählt, in der die Achsenmächte den Zweiten Weltkrieg 1947 gewonnen und daraufhin die Vereinigten Staaten, wie den Rest der Welt, unter sich aufgeteilt haben. Großdeutschland hat die Ostküste und weite Teile Südamerikas östlich der Anden besetzt und nennt sich gegenüber den Besiegten Greater Nazi Reich oder kurz GNR. Die Japaner besetzen die Westküste und Südamerika westlich der Anden und gründen ihrerseits die Japanischen Pazifikstaaten, kurz JPS. Dazwischen existiert eine neutrale Zone, ein verarmtes Territorium, das von den Eroberern zu West und Ost abhängig ist und wo es keine staatlichen Institutionen gibt, die Gesetze durchsetzen könnten – in diesem Teil des Landes sind lediglich Kopfgeldjäger der beiden Mächte aktiv, die Dissidenten verfolgen. In den besetzten Gebietsteilen herrschen die Besatzer mit harter Hand, wobei die Nationalsozialisten im Osten ihre rassistische Politik fortsetzen und sich dabei gezielt auf amerikanische Kollaborateure stützen, die teils hohe Posten bekleiden. Im Westen werden keine Gaijins in politisch entscheidenden Positionen eingesetzt, doch auch Japan stützt sich auf Ortskräfte. Großdeutschland verlässt sich auf eine Reihe von Sicherheitsdiensten zur Unterdrückung seiner Bevölkerung, unter anderem SS, Gestapo und SD; in Japan ist allein die Kempeitai sowohl Polizei als auch Unterdrückungsinstrument. Gerichte gibt es nicht, Strafen für Vergehen sind meist tödlich oder vor der Exekution mit unwürdigen Haftbedingungen und Folter verbunden. In Großdeutschland werden Menschen in das öffentliche Leben eingegliedert, wenn sie den „arischen Rassestandards“ entsprechen, heterosexuell und „erbgesund“ sind, während in Japan von diskriminierten Nichtjapanern Demut und Unterwürfigkeit, mit gesenktem Blick, erwartet wird. Großdeutschland vernichtet Menschen, die nach der Bevölkerungs- und Rassepolitik als „lebensunwert“ oder „unnütze Esser“ bewertet werden; außer in höchsten Kreisen der Staatspartei sind alte Menschen in der Serie auf deutscher Seite praktisch genauso wenig zu sehen wie Schwarze oder Behinderte. Japan hat seine Gesetze der NS-Rassenpolitik angeglichen, setzt diese aber nur lax um.

Im Wettkampf der beiden Supermächte besteht ein technologischer Vorsprung auf deutscher Seite. Überschallflieger und Einschienenbahnen bestimmen den zivilen Verkehr, nachdem Großdeutschland die Invasion Amerikas mittels einer Atombombe auf Washington D.C. gelang. Die Atombombe heißt in der Serie „Heisenberg-Gerät“; der von ihr getroffene Bezirk in Washington wurde von den Nationalsozialisten höhnisch in „District of Contamination“ umbenannt.

Einer Weltkarte zufolge, die in der 2. Staffel zu sehen ist, beherrscht das Deutsche Reich neben dem Großteil Nordamerikas auch Teile Mittel- und Südamerikas (die Karibik sowie an der Küste Brasiliens und Argentiniens), ganz Europa und Afrika sowie Vorderasien. Japan kontrolliert Ostasien, Indien, Australien, Ostsibirien und die Westküsten Nord- und Südamerikas. Weite Teile Zentralasiens, Sibiriens und Teile Mittel- und Südamerikas unterstehen keiner direkten Kontrolle der beiden Supermächte. Demzufolge ist Japan vom Handel mit Erdöl aus Großdeutschland abhängig.

Die eigentliche Handlung beginnt 1962. Adolf Hitler lebt, doch man rechnet mit seinem baldigen Tod, sodass bei den Nationalsozialisten interne Machtkämpfe um die Nachfolge im Gange sind. Teile der deutschen Führung wollen die Zusammenarbeit mit den Japanern seit dem Sieg über die Alliierten beenden und das Kaiserreich mit einem Militärschlag ausschalten.

In den von den Deutschen kontrollierten Gebieten agiert derweil eine Widerstandsgruppe, in deren Kreisen Filme kursieren, die von einem Mann mit dem Decknamen „Der Mann im Hohen Schloss“ (engl. The Man in the High Castle) stammen sollen. Die Filme, teils eigene Montagen, teils reale, damals nicht fälschbare Aufnahmen, zeigen eine völlig andere Realität, in der Japan und Deutschland von den Alliierten besiegt worden sind. In dieser Welt entwickelt sich die Geschichte der Protagonisten zwischen Politik, Spionage, Verfolgung, Widerstand, Liebe und den beiden gegnerischen Polizeistaaten Japan und Großdeutschland. Die Funktion der ominösen Filmrollen wird erst zu Beginn der zweiten Staffel aufgeklärt. Im Anfang der dritten Staffel wird auf ihre Herkunft aus einer Parallelwelt, sogenannten Multiversen oder Nebenwelten, eingegangen. Menschen, die sich aus ungeklärten Gründen zwischen diesen Welten bewegen können, Reisende genannt, haben die Filme mitgebracht. Die Nationalsozialisten arbeiten an einer Maschine, um dauerhaft dorthin zu gelangen, damit sie auch diese Welten erobern können, und beginnen mit der Vorbereitung einer Invasion der uns bekannten Welt. Die Japaner sind ebenfalls im Besitz einiger Filme, deren Aufnahmen unter anderem die Zündung der (US-amerikanischen) Wasserstoffbombe auf dem Bikini-Atoll enthalten. Da das Atoll in der Serienwelt zum Kaiserreich gehört, können sie die Deutschen so glauben lassen, dass sie bereits im Besitz einer stärkeren Waffe sind, so ihre technische Rückständigkeit verschleiern und die Nationalsozialisten vor einem Angriff abschrecken.

In der vierten Staffel dienen die Filme der Mobilisierung des Widerstandes und säen Zweifel bis in die höchste Führungsebene des amerikanischen Marionettenstaates. Der Mann im hohen Schloss wurde gezwungen, für Deutschland rassistische Propaganda zu produzieren und aus seinem Mythos einen weiteren höhnischen Witz zu machen. Japan musste sich aufgrund der Stärke des Widerstandes in seinem Besatzungsgebiet, seiner Überdehnung und chinesisch-kommunistischer Aufstände in der Mandschurei auf sein Kernland zurückziehen, während das amerikanische Nazi-Reich an inneren Machtkämpfen und einem Familienideal zerbrach, das die Grundfeste familiärer Bindungen zerstört hat. Am Ende der Serie wird angedeutet, dass die Vereinigten Staaten (mittels des auf dem Festland befindlichen Atomwaffenarsenals) wieder entstehen, während im Westen der schwarz-kommunistische Widerstand BCR einen eigenen Staat gründet. Menschen aus anderen Nebenwelten brechen aufgrund der Zerstörung und des Massenmords durch die Barriere in die Welt der Serie durch.

Staffel 1

1962 in der alternativen Welt kommt Juliana Crain im japanisch besetzten San Francisco mit dem Widerstand in Kontakt, als ihre Halbschwester Trudy durch den Kempeitai-Inspektor Kido getötet wird. Vor Trudys Tod erhält Juliana von ihr eine Filmrolle mit einer Wochenschau namens The Grasshopper Lies Heavy. Der Film spielt in einer alternativen Historie, in der die Alliierten den Krieg gewonnen und damit Deutschland und Japan besiegt haben. Er gehört zu einer Filmreihe, die von einer geheimnisvollen, als „Mann im hohen Schloss“ bekannten Person gesammelt und verbreitet wird, sehr zum Ärger des Führers Adolf Hitler. Juliana glaubt, dass die Wochenschau eine alternative Realität widerspiegelt und Teil einer größeren Wahrheit über die Welt ist, wie sie sein sollte. Ihr Freund Frank Frink – der aus Angst vor den Besatzern seine jüdische Abstammung geheim hält – hält die Wochenschau nur für eine Falschmeldung. Juliana erfährt, dass Trudy den Film einer Kontaktperson in Canon City in der Neutralen Zone übergeben sollte, und fährt an ihrer Stelle dorthin.

In Canon City begegnet Juliana dem Widerstandsmitglied Joe Blake, der eigentlich Trudy erwartet hat. Joe ist allerdings ein Doppelagent, der für die Nazis unter dem SS-Obergruppenführer (vgl. Generalleutnant) John Smith arbeitet. Smith überlebt einen Mordanschlag, der wahrscheinlich durch den Widerstand verübt worden ist, und beginnt, zu ermitteln, wer die Informationen über seine Fahrtroute weitergegeben hat. Frank wird gefangen genommen und misshandelt, als Japaner und Nazis wegen Julianas Aktivitäten Verdacht schöpfen. Da er den Japanern nicht die gesuchten Informationen geben kann, vergasen diese mit Zyklon B Franks Schwester und deren beiden Kinder und rechtfertigen das mit deren jüdischer Abstammung. Als Vergeltung will Frank den nach San Francisco kommenden japanischen Kronprinzen töten, bis ihm in der Menschenmenge vor dem Podium Zweifel kommen. In diesem Moment wird der Kronprinz durch einen Heckenschützen lebensgefährlich verletzt.

Der in San Francisco arbeitende japanische Handelsminister Nobusuke Tagomi trifft sich insgeheim mit dem hochrangigen SS-Standartenführer (vgl. Oberst) Rudolph Wegener, der inkognito als schwedischer Geschäftsmann unterwegs ist. Beide sind betroffen über das Machtvakuum, das sich wahrscheinlich ergeben wird, wenn Hitler entweder gestorben oder wegen seiner zunehmenden Parkinson-Erkrankung zum Rücktritt gezwungen sein wird. Wegener erklärt, dass Hitlers Nachfolger die deutschen Atombomben gegen Japan einsetzen und die Kontrolle über den Rest der früheren Vereinigten Staaten sowie weitere Kolonien erlangen könnten. Aktuell befinden sich Japan und das Nazireich allerdings in einer angespannten Beziehung, wobei die Japaner technologisch hinterherhinken, da sie nicht über Kernwaffen, überschallschnelle Flugzeuge und Raketen verfügen. Smith wird in New York City vom stellvertretenden SS-Chef Reinhard Heydrich besucht und erfährt von dessen Ambitionen, Hitler zu ersetzen. Heydrich lädt Smith zu einer gemeinsamen Jagd ein, bei der er vor die Wahl gestellt wird, die Verschwörung zu unterstützen oder getötet zu werden. Heydrich erhält einen Anruf, von dem er eigentlich die Nachricht über Hitlers Ermordung durch den erpressten Wegener erwartet hat, aber tatsächlich informiert ihn Hitler darin persönlich darüber, dass die Verschwörung gescheitert ist. Smith sperrt daraufhin Heydrich als Verräter ein. Hitler scheint zudem viele der Filme über die alternative Realität zu besitzen. In der letzten Szene der Staffel sitzt Handelsminister Tagomi auf einer Bank und schließt die Augen. Als er sie wieder öffnet, findet er sich plötzlich in einem alternativen San Francisco wieder, in dem die USA nicht durch die Nazis besiegt wurden – im Oktober 1962 während der Kubakrise.

Staffel 2

Gejagt von den Japanern, die sie für mindestens einen Mord verantwortlich machen, ersucht Juliana in der Nazi-Botschaft in San Francisco um Asyl. Smith setzt sich persönlich für sie ein und nimmt sie ohne Joes Wissen mit nach New York.

Der Arzt Dr. Adler teilt John Smith mit, dass dessen Sohn Thomas an einer Muskeldystrophie leidet. Dies ist eine Erkrankung, die im Deutschen Reich gemeldet werden muss, damit Thomas zur Entlastung der Gesellschaft eingeschläfert werden kann. Um Thomas’ Gesundheitszustand geheim zu halten, wird Adler von Smith per Spritze getötet, wobei der behauptet, der Tod sei durch einen Herzanfall verursacht worden.